Zypresse: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Zypresse Bild Lexikon

Botanik und Beschreibung

Die Echte Zypresse oder Mittelmeer-Zypresse (Cupressus sempervirens L.) ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Der Artname sempervirens bedeutet „immergrün“. Weitere volkstümliche Namen sind Säulenzypresse, Immergrüne Zypresse oder Trauerzypresse. Zur selben Familie gehören auch Wacholder, Lebensbaum (Thuja) und verschiedene als „Zeder“ bezeichnete Arten.

Ursprünglich ist die Zypresse im östlichen Mittelmeerraum und in Westasien heimisch, etwa auf Kreta, in der Ägäis, in der Türkei, auf Zypern und im Nahen Osten. Seit der Antike wird sie im gesamten Mittelmeerraum angepflanzt und prägt heute Landschaften wie die Toskana oder die Provence. Die bekannte schmale, kerzenartige Säulenform ist eine Kulturform; wild wachsende Bäume haben oft eine breitere Krone mit waagrecht abstehenden Ästen.

Zypressen können 20 bis 30 Meter hoch und sehr alt werden. Statt Nadeln tragen die Zweige kleine, dunkelgrüne, schuppenförmige Blätter, die dicht anliegen. Der Baum ist einhäusig: Auf demselben Baum entstehen unscheinbare männliche Blüten, die im Spätwinter große Mengen Pollen abgeben, und weibliche Blüten, aus denen sich kugelige, verholzende Zapfen von etwa zwei bis vier Zentimetern Durchmesser entwickeln. Sie sind zunächst grün, reifen erst im zweiten Jahr und werden dann graubraun. In der Pharmazie werden diese Zapfen als Galbuli bezeichnet.

Das Holz ist harzreich, duftend, sehr dauerhaft und widerstandsfähig gegen Fäulnis und Insekten; es wurde deshalb seit der Antike für Bauholz, Truhen und Türen geschätzt. In Mitteleuropa ist die Zypresse nicht winterhart genug, um verbreitet im Freien zu wachsen.

  • Familie: Cupressaceae (Zypressengewächse)
  • Volksnamen: Mittelmeer-Zypresse, Säulenzypresse, Immergrüne Zypresse
  • Verwendete Teile: unreife, noch grüne Zapfen (Galbuli), Zweigspitzen, daraus gewonnenes ätherisches Öl

Inhaltsstoffe

  • Ätherisches Öl: Es wird durch Wasserdampfdestillation vor allem aus Zweigen und Blättern gewonnen. Hauptbestandteile sind Monoterpene, allen voran α-Pinen, gefolgt von δ-3-Caren; daneben kommen unter anderem Limonen, Myrcen und Terpinolen sowie der Sesquiterpenalkohol Cedrol vor. Die genaue Zusammensetzung schwankt stark je nach Herkunft, Pflanzenteil und Erntezeit.
  • Gerbstoffe: vor allem Catechine und Proanthocyanidine (oligomere Procyanidine), besonders reichlich in den Zapfen. Sie sind für die zusammenziehende (adstringierende) Wirkung verantwortlich.
  • Flavonoide: darunter sogenannte Biflavonoide wie Amentoflavon und Cupressuflavon in Blättern und Zweigen; mehr zur Stoffgruppe unter Flavonoide.
  • Diterpene und Sesquiterpene: weitere harzartige Bestandteile, vor allem in Holz und Zapfen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Venen und Krampfadern – in der Volksmedizin und vor allem in der französischen Pflanzenheilkunde werden Zypressenzapfen traditionell bei Venenbeschwerden und schweren Beinen eingesetzt; klinische Studien dazu fehlen.
  • Hämorrhoiden – wegen der adstringierenden Gerbstoffe traditionell äußerlich und innerlich überliefert.
  • Atemwege – das ätherische Öl wird volksmedizinisch als Inhalation oder Einreibung bei Husten und Erkältung verwendet; Laborstudien zeigen antimikrobielle Eigenschaften.
  • Übermäßiges Schwitzen – Zapfenzubereitungen gelten traditionell als zusammenziehendes Mittel, etwa für Fußbäder bei starkem Fußschweiß.
  • Hautpflege – das Öl wird in der Aromapflege für fettige, unreine Haut verwendet; im Reagenzglas wirkte es unter anderem gegen Aknebakterien.

Venen, Krampfadern und Hämorrhoiden

Die Anwendung bei Venenleiden beruht auf dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Flavonoiden in den Zapfen. Gerbstoffe wirken zusammenziehend auf Haut und Schleimhäute, verschiedenen Flavonoiden wird in Laborversuchen eine gefäßabdichtende Wirkung zugeschrieben. Klinisch geprüft ist das für die Zypresse nicht. Bei Venenbeschwerden sind Bewegung, Hochlagern der Beine und gegebenenfalls Kompressionsstrümpfe die wichtigsten Maßnahmen; als besser untersuchte Heilpflanze gilt die Rosskastanie. Weitere Informationen unter Krampfadern und Besenreiser sowie Hämorrhoiden.

Atemwege

Wie andere Nadelholzöle – etwa Fichtennadel, Latschenkiefer oder Eukalyptus – wird Zypressenöl wegen seines frischen, harzigen Duftes bei Erkältungen zur Inhalation oder in Einreibungen verwendet. Traditionell galt es insbesondere bei krampfartigem Husten als hilfreich. In Laborversuchen zeigte das Öl antimikrobielle und biofilmhemmende Eigenschaften. Diese Befunde sind jedoch nicht auf eine Wirkung beim Menschen übertragbar. Mehr dazu unter Husten-Hausmittel.

Anwendung und Dosierung

Für die Zypresse gibt es keine offiziell festgelegten Tagesdosen. Die folgenden Angaben beschreiben übliche, traditionelle Zubereitungen; bei Fertigpräparaten gilt die Packungsangabe.

  • Abkochung aus Zapfen: Die zerkleinerten, unreifen Zapfen werden traditionell mit Wasser kurz aufgekocht und abgeseiht. Wegen der Gerbstoffe schmeckt der Sud herb. Die Abkochung wird auch äußerlich für Sitz- oder Fußbäder verwendet.
  • Ätherisches Öl für die Raumbeduftung: einige Tropfen in einer Duftlampe oder einem Diffuser.
  • Ätherisches Öl für Massage und Einreibung: nie unverdünnt auftragen; in der Aromapflege üblich ist eine Verdünnung von etwa einem Prozent in einem fetten Trägeröl, zum Beispiel für Beinmassagen von unten nach oben.
  • Inhalation: ein bis zwei Tropfen in eine Schüssel mit heißem Wasser, Augen geschlossen halten.
  • Extrakte und Kapseln: nach Packungsangabe.

Allgemeine Hinweise zur sicheren Verwendung finden Sie unter Ätherische Öle.

Geschichte und Überlieferungen

Kaum ein Baum ist so eng mit der Kultur des Mittelmeerraums verbunden wie die Zypresse. In der griechischen Mythologie, wie sie der römische Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“ erzählt, verwandelte Apollon den Jüngling Kyparissos in eine Zypresse, nachdem dieser aus Versehen seinen geliebten Hirsch getötet hatte und vor Trauer nicht mehr weiterleben wollte. Der Baum galt seither als Sinnbild der Trauer, aber wegen seines immergrünen Laubes und seines unverwüstlichen Holzes auch der Unvergänglichkeit. Bis heute säumen Zypressen viele Friedhöfe in Südeuropa.

Auch medizinisch ist die Zypresse seit der Antike bekannt. Dioskurides führte sie in seiner Arzneimittellehre auf; ihre Zapfen galten wie die Blätter als zusammenziehendes Mittel. In der traditionellen persischen und arabischen Medizin (Unani) wurde die Zypresse als adstringierend und kühlend eingeordnet. Ihre heutige Bedeutung bei Venenbeschwerden geht vor allem auf die französische Phytotherapie des 20. Jahrhunderts zurück. Das ätherische Öl ist in der Aromapflege fest etabliert.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Ätherisches Öl innerlich: nicht ohne fachliche Begleitung einnehmen.
  • Haut: Unverdünntes oder durch Alterung oxidiertes Öl kann die Haut reizen und Kontaktallergien auslösen. Vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen, Öl dunkel und kühl lagern.
  • Säuglinge und Kleinkinder: Ätherische Öle nicht im Gesichtsbereich anwenden; bei kleinen Kindern nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke.
  • Asthma: Bei Asthma und empfindlichen Atemwegen können Inhalationen mit ätherischen Ölen Atemnot auslösen – vorsichtig verwenden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Ätherisches Öl nicht anwenden. Für innerliche Zubereitungen aus den Zapfen gibt es keine ausreichenden Sicherheitsdaten; daher ebenfalls darauf verzichten.
  • Pollenallergie: Der Pollen der Zypressengewächse ist im Mittelmeerraum ein bedeutender Allergieauslöser, mit Blüte meist von Jänner bis März. Wer auf Zypressen- oder Wacholderpollen allergisch ist, kann auch auf Zubereitungen empfindlich reagieren.
  • Warnzeichen: Plötzlich geschwollene, gerötete, warme oder schmerzende Beine, Atemnot oder Brustschmerz können auf eine Thrombose oder Embolie hinweisen und erfordern sofortige ärztliche Hilfe. Blut im Stuhl immer ärztlich abklären lassen, auch wenn Hämorrhoiden bekannt sind; siehe auch Venenentzündung.
  • Wechselwirkungen: Gesicherte Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind nicht bekannt. Wegen des Gerbstoffgehalts innerliche Zubereitungen nicht gleichzeitig mit Medikamenten einnehmen, sondern mit etwas zeitlichem Abstand.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was sind die Früchte der Zypresse?

Die Früchte der Zypresse sind verholzte Zapfen (Galbuli), die anfangs grün und zäh sind. Volksmedizinisch werden die unreifen, grünen Zapfen getrocknet und als Tee oder Extrakt genutzt.

Wofür wird Zypresse volksmedizinisch eingesetzt?

Hauptsächlich volksmedizinisch bei Venenbeschwerden, Atemwegserkrankungen und zur adstringierenden Hautpflege bei Hyperhidrose. Bestandteil vieler europäischer Phytotherapie-Traditionen.

Quellen und weiterführende Informationen


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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