Bärlapp: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Bärlapp Bild Lexikon

Botanik und Beschreibung

Bärlapp (Gattung Lycopodium) bezeichnet eine Gruppe immergrüner, moosähnlicher Pflanzen, die jedoch keine Moose sind, sondern Gefäßsporenpflanzen – sie besitzen Leitbündel wie Farne und Blütenpflanzen, vermehren sich aber über Sporen statt über Samen. Bärlappgewächse gehören zu den ältesten Landpflanzen der Erde. Ihre Vorfahren sind seit rund 400 Millionen Jahren nachgewiesen; im Karbon bildeten baumhohe Verwandte, die Schuppenbäume, ausgedehnte Wälder, aus deren Resten ein Teil der heutigen Steinkohle entstand.

In Mitteleuropa ist der Keulen-Bärlapp (Lycopodium clavatum L.) die volksmedizinisch bedeutsamste Art. Seine Sprosse kriechen meterlang über den Boden und wurzeln dabei immer wieder an. Von ihnen zweigen aufrechte, gabelig verzweigte Seitentriebe ab, die dicht mit schmalen, spitzen Blättchen besetzt sind; diese laufen in ein langes, weißliches Haar aus. Im Sommer erheben sich auf langen Stielen meist paarweise stehende, keulenförmige Sporenähren – sie haben der Art ihren Namen gegeben. Im Spätsommer entlassen sie große Mengen eines feinen, gelben Sporenpulvers.

Keulen-Bärlapp wächst in lichten Nadelwäldern, auf Heiden und Magerrasen mit sauren, nährstoffarmen Böden, in Österreich vor allem in den Mittelgebirgslagen und den Alpen. Er wächst äußerst langsam: Aus einer Spore entwickelt sich zunächst ein unterirdischer Vorkeim, der viele Jahre auf die Partnerschaft mit einem Bodenpilz angewiesen ist, bevor eine neue Pflanze entsteht. Auch deshalb sind die Bestände empfindlich.

  • Familie: Lycopodiaceae (Bärlappgewächse)
  • Volksnamen: Wolfsklaue, Schlangenmoos, Hexenmehl (für die Sporen)
  • Verwendete Teile: die Sporen (Bärlappsporen, früher Semen Lycopodii oder Lycopodium genannt) sowie volksmedizinisch das Kraut
  • Schutzstatus: Bärlapp-Arten stehen in Österreich nach den Naturschutzgesetzen der Bundesländer weitgehend unter Schutz, in Deutschland sind sie besonders geschützt. Auch die europäische FFH-Richtlinie führt die Gattung Lycopodium unter den Arten, deren Entnahme aus der Natur geregelt werden muss.

Der Name Lycopodium leitet sich vom griechischen lykos (Wolf) und pous (Fuß) ab und spielt auf die an eine Pfote erinnernden Triebspitzen an – daher auch der Volksname Wolfsklaue.

Inhaltsstoffe

  • Alkaloide: Das Kraut enthält giftige Lycopodium-Alkaloide, allen voran Lycopodin, daneben weitere verwandte Verbindungen. Die Sporen enthalten davon nur Spuren.
  • Fettes Öl: Die Sporen bestehen zu etwa der Hälfte aus fettem Öl. Zusammen mit ihrer Oberfläche erklärt das ihre auffallend wasserabweisende Eigenschaft.
  • Sporopollenin: Die äußerst widerstandsfähige Sporenwand besteht aus diesem Biopolymer, das Säuren, Laugen und Hitze trotzt. In der Forschung werden leere Sporenhüllen heute als mögliche Transportkapseln für Wirkstoffe untersucht.
  • Flavonoide und Triterpene im Kraut.

Eine Sonderstellung hat Huperzin A. Dieses Alkaloid stammt nicht aus dem Keulen-Bärlapp, sondern aus der verwandten chinesischen Art Huperzia serrata. Es hemmt das Enzym Acetylcholinesterase, das den Nervenbotenstoff Acetylcholin abbaut. Auch die in den Alpen heimische Tannen-Teufelsklaue (Huperzia selago) enthält Huperzin A und gilt als giftig.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Bärlappsporen äußerlich: Traditionell als Streupuder bei nässender, wunder Haut und zum Schutz vor Feuchtigkeit verwendet; heute wegen möglicher Fremdkörperreaktionen nur noch selten und nie auf offenen Wunden.
  • Homöopathie: Lycopodium zählt zu den bekanntesten homöopathischen Mitteln und wird dort unter anderem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt; eine über Placebo hinausgehende Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Kraut in der Volksmedizin: Früher als Tee bei Beschwerden von Leber, Nieren und Harnwegen sowie bei Rheuma verwendet; wegen der giftigen Alkaloide ist davon abzuraten.
  • Gedächtnis (verwandte Art): Huperzin A aus Huperzia serrata wurde vor allem in China bei Alzheimer-Demenz untersucht; die Studien geben Hinweise auf eine Verbesserung, sind aber überwiegend von geringer Qualität.
  • Laborforschung: Für Extrakte des Keulen-Bärlapps wurden im Tierversuch entzündungshemmende Eigenschaften beschrieben – Daten am Menschen fehlen.

Bärlappsporen als Puder

Die feinen, öligen Sporen nehmen kaum Wasser auf, rollen leicht und verkleben nicht. Diese Eigenschaften machten sie über lange Zeit zu einem geschätzten Streupuder für wunde, nässende Hautfalten und gereizte Haut, etwa bei Säuglingen im Windelbereich. In Apotheken wurden Pillen mit Bärlappsporen bestäubt, damit sie nicht aneinanderkleben. In Krankenhäusern dienten sie in den 1920er- und 1930er-Jahren als Handschuh- und Wundpuder. Dabei zeigte sich ein ernstes Problem: Gelangen die unverdaulichen Sporen in Wunden, können sich dort noch Monate bis Jahrzehnte später entzündliche Knötchen, sogenannte Granulome, bilden. Bärlappsporen wurden daher aus der Wundversorgung verdrängt. Zur Pflege wunder Haut im Windelbereich finden Sie heute besser geeignete Hinweise unter Windeldermatitis.

Bärlapp in der Volksmedizin

Das Kraut des Keulen-Bärlapps wurde volkstümlich als Tee bei Leber-, Nieren- und Blasenbeschwerden, bei Rheuma und Gicht verwendet. Auch in der Kräuterliteratur des 20. Jahrhunderts, etwa bei Maria Treben, wird der Bärlapp beschrieben. Für keine dieser Anwendungen gibt es wissenschaftliche Belege. Zudem enthält das Kraut giftige Alkaloide, und die Pflanze steht unter Naturschutz. Für Leber- und Verdauungsbeschwerden stehen besser untersuchte, unbedenklichere Pflanzen wie Mariendistel oder Artischocke zur Verfügung.

Huperzin A und das Gedächtnis

Huperzin A wirkt ähnlich wie bestimmte Arzneimittel, die bei Alzheimer-Demenz eingesetzt werden: Es bremst den Abbau von Acetylcholin. Eine Übersichtsarbeit von Yang und Kollegen (2013) wertete 20 randomisierte Studien mit insgesamt rund 1.800 Teilnehmenden aus. Sie fand Hinweise auf eine Verbesserung von Gedächtnisleistung und Alltagsfähigkeiten, bewertete die meisten Studien aber als methodisch schwach. Für Huperzin A gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Bei Gedächtnisproblemen ist eine ärztliche Abklärung wichtig – mehr dazu unter Alzheimer und Demenz und Gedächtnis verbessern.

Anwendung

  • Sporen äußerlich: Bärlappsporen sind in Apotheken teils noch erhältlich. Wenn überhaupt, nur dünn auf intakte, nicht verletzte Haut auftragen; nicht auf offene Wunden, Schleimhäute oder in Körperöffnungen bringen und nicht einatmen.
  • Homöopathisch: Lycopodium in Verdünnungen wie D6, D12 oder D30 nach Rücksprache mit einer homöopathisch arbeitenden Ärztin oder einem Arzt bzw. nach Packungsbeilage.
  • Huperzin A: Nur nach ärztlicher Rücksprache, da es wie ein Arzneistoff wirkt und Wechselwirkungen möglich sind.
  • Kraut: Eine innerliche Anwendung als Tee ist wegen der Alkaloide nicht zu empfehlen.
  • Nicht selbst sammeln: Bärlapp-Arten stehen unter Naturschutz. Sie dürfen in der Natur nicht gepflückt werden; auch nicht als Dekoration für Kränze oder Gestecke.

Geschichte und Überlieferungen

Bärlapp wird seit Jahrhunderten volkstümlich genutzt. Das Kraut wurde zu Kränzen gebunden und spielte im Brauchtum eine Rolle; die Sporen wurden als Puder verwendet. Ihr Name „Hexenmehl“ verweist auf eine besondere Eigenschaft: In die Luft geblasen und entzündet, verbrennt das feine, ölhaltige Pulver blitzartig in einer hellen Stichflamme. Deshalb nutzte man die Sporen früher für Feuereffekte im Theater, in Feuerwerken und auch für frühe Blitzlichtaufnahmen in der Fotografie. In der Physik dienten sie zum Sichtbarmachen von Schallwellen im Kundtschen Rohr.

Im 19. Jahrhundert fand Lycopodium Eingang in die Homöopathie und wurde dort zu einem der meistverwendeten Mittel. In der traditionellen chinesischen Medizin ist die verwandte Art Huperzia serrata unter dem Namen Qian Ceng Ta überliefert; aus ihr wurde in den 1980er-Jahren Huperzin A isoliert.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Bärlappkraut ist giftig: Die Alkaloide können bei innerlicher Anwendung Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und in höheren Mengen Lähmungserscheinungen auslösen. Keine Selbstbehandlung mit Bärlapptee.
  • Sporen: Nicht auf offene Wunden und nicht einatmen – sie können Granulome sowie allergische Reaktionen der Atemwege und der Haut auslösen.
  • Huperzin A: Nicht mit Arzneimitteln gegen Demenz aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer kombinieren. Vorsicht bei Medikamenten, die den Herzschlag verlangsamen, sowie bei Asthma, Epilepsie, Magengeschwüren und langsamem Puls. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Schwitzen und Schwindel.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Keine Anwendung von Bärlappkraut oder Huperzin A.
  • Kinder: Kraut und Huperzin A nicht anwenden; Sporen nicht in Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Naturschutz: Das Sammeln von Bärlapp in der Natur ist nicht erlaubt.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was sind Bärlappsamen?

Bärlappsamen sind eigentlich die Sporen des Keulenbärlapps. Sie sind feines, gelbliches Pulver mit wasserabweisenden Eigenschaften und wurden volksmedizinisch als Hautpudermittel eingesetzt.

Was ist Huperzin A?

Huperzin A ist ein Alkaloid aus dem chinesischen Bärlapp (Huperzia serrata), das als Acetylcholinesterase-Hemmer wirkt und in Studien auf kognitive Unterstützung untersucht wird. Es unterscheidet sich von europäischen Bärlappalten.

Ist Bärlapp giftig?

Das Kraut des Bärlapps enthält Alkaloide wie Lycopodin und gilt als giftig, von einer innerlichen Anwendung in Eigenregie wird abgeraten. Die Sporen, das sogenannte Bärlappsamenpulver, sind dagegen weitgehend ungiftig, können aber Hautreizungen und Allergien auslösen. Da Bärlapp-Arten vielerorts geschützt sind, dürfen sie zudem nicht wild gesammelt werden.

Quellen und weiterführende Informationen


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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