Hirtentäschel: Natürliches Heilmittel mit vielfältiger Wirkung

Botanik und Beschreibung
Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris L.) gehört zur Familie der Kreuzblütengewachse (Brassicaceae) und ist in Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet. Diese unscheinbare Pflanze mit ihren charakteristischen, herzförmigen Früchten – die an Hirtentaschen erinnern – wächst bevorzugt auf nährstoffreichen, anthropogen geprägten Böden und ist ganzjährig anzutreffen.
Die medizinische Wirkung wird vor allem den enthaltenen Flavonoiden (Rutin, Quercetin), Gerbstoffen und Aminosäuren zugeschrieben. Besonders bekannt ist die adstringierende und blutstillende Eigenschaft der Pflanze, die ihren Einsatz in der Volksmedizin bei Menstruationsbeschwerden und leichten Blutungen begründet.
Inhaltsstoffe
- Flavonoide (Rutin, Quercetin, Diosmetin)
- Gerbstoffe (Tannine)
- Vitamin C, Kalium
- Organische Säuren
- Ätherische Öle
- Cholin und Acetylcholin
Volksmedizinische Anwendungsgebiete
- Menstruationsbeschwerden: Hirtentäschel ist volksmedizinisch bekannt für seine krampflösende Wirkung. Es wird traditionell bei starken Menstruationsblutungen und Regelschmerzen eingesetzt.
- Blutstillung: Aufgrund seiner adstringierenden Eigenschaften wird Hirtentäschel traditionell zur Unterstützung bei leichten Blutungen eingesetzt. Es fördert die Wundheilung und Blutgerinnung.
- Verdäuungsbeschwerden: Hirtentäschel kann bei leichten Verdäuungsstörungen wie Durchfall oder Magenkrämpfen unterstützend wirken.
- Nieren- und Blasengesundheit: Als natürliches Diuretikum wird Hirtentäschel zur Unterstützung der Nierenfunktion eingesetzt. Es kann zur Förderung der Ausscheidung beitragen.
- Entzündungshemmende Wirkung: Die Gerbstoffe des Hirtentäschels besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Volksmedizinisch eingesetzt bei leichten Entzündungen und Gelenkbeschwerden.
Anwendung und Dosierung
Hirtentäschel kann in verschiedenen Formen angewendet werden:
- Tee: 1 TL getrocknetes Hirtentäschelkraut mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen, 10–15 Minuten ziehen lassen, abseihen. Täglich 2–3 Tassen.
- Tinktur: Gemäß Herstellerangaben
- Äußerlich: Als Salbe oder Umschlag bei kleinen Wunden und Hautproblemen
Geschichte und Überlieferungen
Hirtentäschel hat eine lange Geschichte in der europäischen Volksmedizin. Bereits im Mittelalter war es als Heilkraut bekannt und wurde in Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts beschrieben. Es galt als Symbol für Bescheidenheit und wurde auch in der Volksmagie verwendet.
Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
Hirtentäschel gilt in üblichen Mengen als gut verträglich. Folgendes ist zu beachten:
- Schwangerschaft: Hirtentäschel sollte in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es die Gebärmuttermuskulatur stimulieren kann.
- Stillzeit: Sicherheit nicht ausreichend belegt – Arzt konsultieren
- Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Kreuzblütler (Brassicaceae) vermeiden
- Mögliche Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden bei übermäßigem Gebrauch
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Ist Hirtentäschel für Schwangere sicher?
Nein. Hirtentäschel sollte während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es die Gebärmuttermuskulatur stimulieren und Wehen auslösen könnte. Schwangere sollten vor der Anwendung unbedingt einen Arzt konsultieren.
Wie bereite ich Hirtentäschelkraut-Tee zu?
Einen Teelöffel getrocknetes Hirtentäschelkraut mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen, 10–15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen. Täglich 2–3 Tassen trinken.
Kann Hirtentäschel bei Nasenbluten helfen?
Volksmedizinisch wird Hirtentäschel aufgrund seiner adstringierenden Eigenschaften bei Nasenbluten verwendet (auf Wattebausch getupft). Diese Anwendung ist traditionell überliefert, jedoch nicht durch klinische Studien ausreichend belegt.
Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Hirtentäschel kann die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten beeinflussen. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sprechen Sie vor der Anwendung von Hirtentäschel mit Ihrem Arzt.
Welche anderen Namen hat Hirtentäschel?
Hirtentäschel ist auch bekannt als Schäftchen, Herzel- oder Taschelkraut, Hirtentasche, Blutstillkraut. Botanisch: Capsella bursa-pastoris.
Quellen und weiterführende Informationen
- Hintz M et al. (2006): Catching a 'hopeful monster': shepherd's purse (Capsella bursa-pastoris) as a model system to study the evolution of flower development. J Exp Bot 57(13):3531-42. -> PubMed PMID 17018770
- Grieve M (1931): A Modern Herbal. Jonathan Cape, London (Neuauflage 1994)
- Wikipedia: Gewöhnliches Hirtentäschel
- Wikipedia (EN): Shepherd's purse (EN)
- PMC: Traditional Uses, Bioactive Compounds and Pharmacology of Capsella bursa-pastoris (Review)
- EMA/HMPC: Bursae pastoris herba – herbal medicinal product
- PMC: Shepherd's Purse Polyphenols – anti-inflammatory and antioxidative effects
- PMC: Anti-inflammatory properties of Sulforaphane from Shepherd's Purse
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Letzte Aktualisierung: Juni 2026.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
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