Damiana: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Damiana Bild Lexikon

Botanik und Beschreibung

Damiana (Turnera diffusa Willd. ex Schult.; ältere Bezeichnung Turnera aphrodisiaca) ist ein kleiner, stark aromatisch duftender Strauch. Er wurde früher einer eigenen Familie, den Turneragewächsen (Turneraceae), zugeordnet; heute zählt die Gattung Turnera zu den Passionsblumengewächsen (Passifloraceae) und ist damit entfernt mit der Passionsblume verwandt.

Die Pflanze ist im Süden der USA, in Mexiko, Mittel- und Südamerika sowie in der Karibik heimisch und wächst bevorzugt an trockenen, sonnigen und felsigen Standorten. Sie wird meist ein bis zwei Meter hoch. Die kleinen, eiförmigen und am Rand gezähnten Blätter sind unterseits behaart und duften beim Zerreiben würzig-aromatisch. Zwischen den Blättern erscheinen kleine, leuchtend gelbe, fünfzählige Blüten, aus denen sich kleine Kapselfrüchte entwickeln.

Verwendet werden die getrockneten Blätter, teils zusammen mit den oberirdischen Pflanzenteilen (Damianae folium bzw. Damianae herba). Der Geschmack ist aromatisch, leicht bitter und etwas herb. Volksnamen sind unter anderem Mexikanische Damiana oder einfach Turnera.

Inhaltsstoffe

Damiana ist chemisch bisher nur teilweise untersucht. Eine Übersichtsarbeit von Szewczyk und Zidorn (2014) fasst die bekannten Stoffgruppen zusammen:

  • Flavonoide: mehr als zwanzig verschiedene Verbindungen, darunter Acacetin und Gonzalitosin.
  • Arbutin: ein Hydrochinon-Glykosid, das in größeren Mengen auch in der Bärentraube vorkommt. Arbutin gehört nicht zu den Flavonoiden.
  • Ätherisches Öl: in geringer Menge, mit Monoterpenen wie 1,8-Cineol und α- und β-Pinen sowie Sesquiterpenen wie α-Copaen und Cadinol. Es ist für den würzigen Duft verantwortlich (siehe Ätherische Öle).
  • Cyanogene Glykoside: mehrere Verbindungen, darunter Tetraphyllin B, die Blausäure abspalten können. Sie kommen nur in geringen Mengen vor, sind aber für die Sicherheitsbewertung relevant.
  • Bitterstoffe, darunter der als „Damianin“ bezeichnete Bitterstoff, sowie Gerbstoffe, Harze und Triterpene.

Welche dieser Stoffe für die überlieferten Wirkungen verantwortlich sein könnten, ist nicht geklärt.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Libido und sexuelles Wohlbefinden: Volksmedizinisch als Aphrodisiakum überliefert; Hinweise stammen fast nur aus Tierversuchen.
  • Tonikum bei Erschöpfung: Traditionell als allgemeines Stärkungsmittel bei Erschöpfung und Antriebslosigkeit verwendet.
  • Stimmung: Volksmedizinisch als stimmungsaufhellendes und leicht beruhigendes Mittel eingesetzt; wissenschaftliche Belege fehlen.
  • Verdauung: Wegen der Bitter- und Gerbstoffe traditionell zur Anregung der Verdauung genutzt.
  • Harnwege: In der älteren Literatur auch als mildes Mittel bei Harnwegsbeschwerden genannt, vermutlich wegen des Arbutins; belegt ist das nicht.

Wichtig zur Einordnung: Für keine dieser Anwendungen gibt es aussagekräftige klinische Studien mit Damiana allein. In der EU ist für Damiana keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.

Damiana als Aphrodisiakum – was ist belegt?

Der Ruf als Liebesmittel hat Damiana bekannt gemacht und ihr sogar den alten Artnamen aphrodisiaca eingetragen. Wissenschaftlich stützt er sich vor allem auf Tierversuche: In einer Studie von Arletti und Mitarbeitern (1999) verbesserte ein Damiana-Extrakt das Paarungsverhalten von männlichen Ratten mit verminderter sexueller Aktivität, bei sexuell unauffälligen Tieren zeigte er dagegen keine Wirkung. Beim Menschen wurden lediglich Kombinationspräparate mit mehreren Inhaltsstoffen untersucht; welchen Anteil Damiana daran hatte, lässt sich daraus nicht ableiten. Eine Wirkung bei Lustlosigkeit oder Erektionsstörungen ist damit nicht belegt. Hinter nachlassender Libido oder Potenz können zudem behandlungsbedürftige Ursachen stehen – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Hormonveränderungen oder Medikamente –, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Erschöpfung und Stimmung

In ihrer Heimat gilt Damiana als Tonikum, das bei Müdigkeit, nervöser Erschöpfung und gedrückter Stimmung Kraft geben soll. Damit wird sie oft in eine Reihe mit Pflanzen wie Ginseng oder Maca gestellt. Belastbare Untersuchungen dazu fehlen. Wer über Wochen an Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit oder Niedergeschlagenheit leidet, sollte ärztlichen Rat suchen; hinter solchen Beschwerden kann eine Depression stehen.

Verdauung und Harnwege

Der aromatisch-bittere Geschmack der Blätter erklärt die traditionelle Verwendung als appetitanregendes und verdauungsförderndes Mittel, ähnlich wie bei anderen bitterstoffhaltigen Kräutern. Ältere pflanzenheilkundliche Werke nennen Damiana außerdem als mildes Mittel bei Beschwerden der Harnwege; als möglicher Hintergrund gilt das Arbutin, das bei der Bärentraube für die Anwendung bei Harnwegsinfekten maßgeblich ist. Der Arbutingehalt der Damiana ist jedoch deutlich geringer, und Studien dazu fehlen. Bei Brennen beim Wasserlassen, Fieber oder Blut im Urin gehört eine Blasenentzündung ärztlich abgeklärt.

Blutzucker

In der mexikanischen Volksmedizin wird Damiana auch bei Diabetes verwendet. In Tierversuchen wurden blutzuckersenkende Effekte beschrieben. Für Menschen gibt es dazu keine gesicherten Daten; eine Behandlung des Diabetes kann Damiana nicht ersetzen.

Anwendung und Dosierung

Es gibt keine offiziell festgelegte Dosierung. Die folgenden Angaben entsprechen der überlieferten Anwendung; bei Fertigpräparaten gilt die Packungsbeilage.

  • Tee: 2–4 g getrocknete Blätter (etwa ein bis zwei Teelöffel) mit 150 ml heißem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen; ein- bis dreimal täglich.
  • Tinktur und Extrakte: nach den Angaben des jeweiligen Präparats dosieren, da die Zubereitungen stark unterschiedlich konzentriert sind.
  • Dauer: nur kurzfristig und nicht in hohen Mengen anwenden, da Daten zur Langzeitsicherheit fehlen.
  • Rauchen: Damiana wird mitunter in Kräuter-Rauchmischungen angeboten. Vom Rauchen ist abzuraten – beim Verbrennen von Pflanzenmaterial entstehen gesundheitsschädliche Stoffe.

Nur geprüfte Ware aus Apotheke oder Drogerie verwenden, da im Handel auch Verwechslungen und Verfälschungen mit anderen Turnera-Arten vorkommen können.

Geschichte und Überlieferungen

In Mexiko und Mittelamerika hat Damiana eine lange volksmedizinische Tradition, die auf indigene Kulturen zurückgeführt wird. Dort wurde sie als Tee, als Stärkungsmittel und als Liebesmittel verwendet. Ende des 19. Jahrhunderts gelangte die Pflanze in die nordamerikanische und europäische Pflanzenheilkunde und wurde vor allem als Aphrodisiakum und Nerventonikum vermarktet, oft in Kombination mit anderen Pflanzen. Viele dieser Werbeversprechen hielten einer späteren Überprüfung nicht stand.

In Mexiko, insbesondere in Baja California, ist Damiana bis heute auch kulinarisch bekannt: Aus den Blättern wird ein süßer Kräuterlikör hergestellt, der pur oder in Mixgetränken getrunken wird.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Schwangerschaft und Stillzeit: nicht anwenden. Es fehlen Sicherheitsdaten, zudem enthält Damiana cyanogene Glykoside und Arbutin.
  • Kinder und Jugendliche: nicht geeignet.
  • Diabetes: Wegen möglicher blutzuckersenkender Effekte sollten Menschen, die Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente verwenden, Damiana nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen und ihren Blutzucker kontrollieren.
  • Hohe Dosen und Daueranwendung: meiden, da Arbutin im Körper zu Hydrochinon umgewandelt wird und die cyanogenen Glykoside Blausäure freisetzen können. In üblichen Teemengen gilt das Risiko als gering, Daten zur Langzeitsicherheit liegen aber nicht vor.
  • Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden und Unruhe sind möglich; bei Überempfindlichkeit sind allergische Reaktionen denkbar.
  • Leber- und Nierenerkrankungen: vorher ärztlich abklären.
  • Wechselwirkungen: Systematische Untersuchungen fehlen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt – insbesondere gegen Diabetes oder psychische Erkrankungen –, sollte die Anwendung mit Arzt oder Apotheke besprechen.

Bei anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen, Erschöpfung oder Stimmungstief ist eine ärztliche Abklärung der bessere erste Schritt als die Selbstbehandlung.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was ist Damiana?

Damiana (Turnera diffusa) ist ein aromatischer Strauch aus Mexiko und Mittelamerika, dessen Blätter seit Jahrhunderten volksmedizinisch als Stärkungs- und Belebungsmittel eingesetzt werden.

Wofür wird Damiana eingesetzt?

Volksmedizinisch als allgemeines Tonikum, zur Unterstützung des Wohlbefindens und der Vitalität eingesetzt. Die Überlieferung als Aphrodisiakum ist historisch dokumentiert, ohne wissenschaftliche Bestätigung durch zugelassene Health Claims.

Wie nimmt man Damiana ein?

Am häufigsten als Tee aus getrockneten Blättern (2–4 g auf 150 ml), als Tinktur oder in Kapselform. Herstellerangaben beachten.

Welche Nebenwirkungen hat Damiana?

In üblichen Mengen als Tee gilt Damiana als gut verträglich, gesicherte Daten zur Sicherheit sind allerdings begrenzt. Eine aphrodisierende Wirkung ist traditionell überliefert, wissenschaftlich aber nicht belegt. Schwangere, Stillende und Kinder sollten auf Damiana verzichten, wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.

Quellen und weiterführende Informationen


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.