Zedernholz: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
„Zeder“ ist im Handel kein eindeutiger botanischer Begriff, sondern ein Sammelname für mehrere immergrüne Nadelbäume mit duftendem Holz. Für das ätherische Zedernholzöl sind vor allem vier Arten von Bedeutung, die zwei verschiedenen Pflanzenfamilien angehören:
- Echte Zedern (Gattung Cedrus, Kieferngewächse/Pinaceae): die Atlaszeder (Cedrus atlantica) aus dem Atlasgebirge in Marokko und Algerien sowie die Himalaya-Zeder (Cedrus deodara) aus dem westlichen Himalaya. Zu dieser Gattung gehört auch die berühmte Libanon-Zeder (Cedrus libani).
- „Zedern“ aus der Gattung Wacholder (Juniperus, Zypressengewächse/Cupressaceae): die Virginiazeder (Juniperus virginiana) und die Texaszeder (Juniperus ashei) aus Nordamerika. Botanisch sind sie keine Zedern, sondern nahe Verwandte des heimischen Wacholders.
Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus Holz, Spänen und Sägemehl gewonnen, häufig aus Reststoffen der Holzverarbeitung. Es ist gelblich bis bernsteinfarben, eher zähflüssig und duftet warm, holzig und balsamisch – Atlaszedernöl etwas süßlich, Virginiazedernöl an Bleistiftholz erinnernd. Für die Anwendung ist es wichtig, auf der Packung die genaue botanische Bezeichnung zu prüfen, denn die Öle unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung. Weitere Informationen zu den Ölen der echten Zedern finden Sie auch auf der Seite Zeder – ätherisches Öl.
Verwechslungsgefahr: Zedernblattöl
Nicht zu verwechseln ist Zedernholzöl mit dem sogenannten „Zedernblattöl“ (cedar leaf oil). Dieses stammt meist vom Abendländischen Lebensbaum (Thuja occidentalis) und enthält reichlich Thujon, einen Stoff, der in höherer Dosis nervenschädigend und krampfauslösend wirken kann. Zedernblattöl gehört nicht in die Selbstanwendung.
Inhaltsstoffe
Zedernholzöle bestehen überwiegend aus Sesquiterpenen und Sesquiterpenalkoholen – schweren, wenig flüchtigen Duftstoffen, die dem Öl seine Haftfestigkeit als Basisnote verleihen. Die Zusammensetzung hängt von der Herkunftsart ab:
- Atlaszeder und Himalaya-Zeder: Hauptbestandteile sind die Himachalene (α-, β- und γ-Himachalen) sowie die Atlantone, die für diese echten Zedern typisch sind.
- Virginia- und Texaszeder: Hauptbestandteile sind die Kohlenwasserstoffe α- und β-Cedren und Thujopsen sowie der Sesquiterpenalkohol Cedrol, der den typischen Holzduft prägt. Texaszedernöl enthält in der Regel mehr Thujopsen und Cedrol als Virginiazedernöl.
- Weitere Bestandteile in kleineren Mengen, darunter Widdrol und weitere Sesquiterpene.
Cedrol wird in der Parfümerie auch isoliert verwendet und ist der am besten untersuchte Einzelstoff aus Zedernholzöl.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Entspannung: Der warme Holzduft wird in der Aromatherapie zur Beruhigung eingesetzt; für den Einzelstoff Cedrol gibt es erste Hinweise aus kleinen Studien.
- Haar und Kopfhaut: In einer Ölmischung mit Thymian, Rosmarin und Lavendel wurde Atlaszedernöl bei kreisrundem Haarausfall untersucht – mit positivem Ergebnis, aber nicht als Einzelöl.
- Atemwege: Volksmedizinisch zur Raumbeduftung und Inhalation bei Erkältungen verwendet; belastbare Belege fehlen.
- Insekten- und Mottenschutz: Zedernholz und sein Öl werden traditionell gegen Kleidermotten und andere Insekten eingesetzt.
Zedernholzöl zur Entspannung
In der Aromatherapie gilt Zedernholzöl als „erdender“ Duft, der bei innerer Unruhe, Stress und abends vor dem Schlafengehen verdampft wird. Wissenschaftlich untersucht ist vor allem der Einzelstoff Cedrol: In einer japanischen Studie mit 26 gesunden Erwachsenen (Dayawansa und Mitarbeiter, 2003) senkte das Einatmen von Cedrol im Vergleich zu Raumluft Herzfrequenz und Blutdruck leicht und verschob das vegetative Nervensystem in Richtung Entspannung. Im Tierversuch wurden ebenfalls beruhigende Effekte beschrieben. Diese Befunde beziehen sich auf isoliertes Cedrol und lassen sich nicht ohne Weiteres auf das ganze Öl oder auf Schlafstörungen übertragen.
Kann Zedernholzöl bei Haarausfall helfen?
Häufig zitiert wird eine randomisierte, doppelblinde Studie aus Schottland (Hay, Jamieson und Ormerod, 1998) mit 86 Patientinnen und Patienten mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata). Die Teilnehmenden massierten sieben Monate lang täglich eine Mischung aus ätherischem Thymian-, Rosmarin-, Lavendel- und Atlaszedernöl in Jojobaöl und Traubenkernöl in die Kopfhaut ein. In dieser Gruppe zeigten 19 von 43 Personen (44 Prozent) eine Besserung, in der Kontrollgruppe mit reinem Trägeröl 6 von 41 (15 Prozent). Welchen Anteil das Zedernholzöl daran hatte, lässt sich daraus nicht ableiten. Kreisrunder Haarausfall verläuft zudem oft schubweise und kann sich spontan zurückbilden. Bei erblich bedingtem oder anderweitig verursachtem Haarausfall gibt es keine belastbaren Belege für eine Wirkung.
Atemwege und Raumluft
Wie andere Nadelholzöle, etwa Zypresse oder Kiefernadelöl, wird Zedernholzöl volksmedizinisch zur Raumbeduftung und Inhalation bei Erkältungen verwendet. Anders als diese enthält es aber kaum leicht flüchtige Monoterpene, denen bei Nadelölen die befreiende Wirkung zugeschrieben wird. Eine schleimlösende Wirkung ist für Zedernholzöl nicht belegt.
Anwendung und Dosierung
Ätherisches Zedernholzöl wird ausschließlich äußerlich oder zur Raumbeduftung verwendet und nicht eingenommen.
- Raumbeduftung: 3–5 Tropfen in eine Duftlampe oder einen Diffuser geben; Räume zwischendurch lüften.
- Kopfhaut- und Körpermassage: auf 1–2 Prozent verdünnen, das entspricht etwa 6–12 Tropfen auf 30 ml Trägeröl wie Mandelöl oder Jojobaöl.
- Dampfinhalation: 1–2 Tropfen in eine Schüssel mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser, 5–10 Minuten mit geschlossenen Augen einatmen. Nicht für Kinder und Menschen mit Asthma.
- Mottenschutz: einige Tropfen auf ein unbehandeltes Holzstück oder Stoffsäckchen im Kleiderschrank geben und regelmäßig erneuern; nicht direkt auf Textilien tropfen.
- Grundregeln: nie unverdünnt auf die Haut, vor der ersten Anwendung einen Verträglichkeitstest in der Armbeuge machen, kühl, dunkel und für Kinder unerreichbar lagern.
Grundlegendes zur Verwendung finden Sie auf der Seite über ätherische Öle.
Geschichte und Überlieferungen
Zedern zählten in vielen frühen Hochkulturen zu den kostbarsten Bäumen. Die Libanon-Zeder ist im Gilgamesch-Epos ebenso bedeutend wie in der Bibel: Nach dem Alten Testament ließ König Salomo für den Tempel in Jerusalem Zedernholz aus dem Libanon kommen, und die Zeder steht dort als Sinnbild für Stärke und Beständigkeit. Bis heute ziert sie die Flagge des Libanon.
Duftendes, harzreiches Zedernholz war wegen seiner Haltbarkeit und Widerstandskraft gegen Insekten und Fäulnis begehrt. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet von einem „Zedernöl“, das im alten Ägypten bei der Einbalsamierung verwendet wurde. Was genau damit gemeint war, ist in der Forschung umstritten; ein destilliertes ätherisches Öl im heutigen Sinn dürfte es kaum gewesen sein.
In Nordamerika wurde das Holz der Virginiazeder für Truhen, Schränke und Bleistifte genutzt; die Holzreste bilden bis heute die wichtigste Rohstoffquelle für das Öl. In der Parfümerie ist Zedernholzöl seit Langem eine geschätzte, preiswerte Basisnote.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Nicht einnehmen: Ätherische Öle sind hochkonzentriert. Bei versehentlichem Verschlucken – besonders durch Kinder – besteht die Gefahr, dass Öl in die Lunge gelangt. In diesem Fall die Vergiftungsinformationszentrale oder den Notruf kontaktieren und kein Erbrechen auslösen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Für die Anwendung in dieser Zeit liegen keine ausreichenden Daten vor. Zurückhaltend sein und vorher ärztlich oder in Apotheke bzw. Drogerie beraten lassen.
- Säuglinge und Kleinkinder: nicht im Gesichtsbereich anwenden und nicht inhalieren lassen; ätherische Öle bei Kindern nur nach fachlicher Beratung.
- Haut: Unverdünnt kann das Öl die Haut reizen; Allergien sind möglich. Bei Rötung, Juckreiz oder Brennen die Anwendung beenden. Gealterte, oxidierte Öle reizen stärker.
- Asthma und empfindliche Atemwege: Duftstoffe können Atemwegsreizungen auslösen; nur sehr sparsam dosieren und gut lüften.
- Augen und Schleimhäute: Kontakt vermeiden.
- Verwechslung: Kein Zedernblattöl (Thuja) verwenden; auf die botanische Bezeichnung achten.
- Wechselwirkungen: Bei äußerlicher Anwendung in üblicher Verdünnung sind keine Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt.
Bei anhaltendem oder plötzlich auftretendem Haarausfall, kreisrunden kahlen Stellen oder hartnäckigen Atemwegsbeschwerden sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für Zedernholzöl gibt es keine Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. In der EU wird es vor allem als Duftstoff in Kosmetik, Raumdüften und Aromatherapieprodukten verwendet. Die oben beschriebenen Anwendungen beruhen auf Überlieferung und einzelnen Studien, nicht auf einer anerkannten Heilwirkung.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Welche Zedernholzöl-Art ist die beste?
Das hängt vom Verwendungszweck ab: Atlaszeder (Cedrus atlantica) gilt in der Aromatherapie als besonders hochwertig und wurde in Studien zu Haarausfall untersucht. Texaszeder und Virginiazeder sind häufiger und günstiger.
Kann Zedernholzöl bei Haarausfall helfen?
Eine schottische Studie (1998) untersuchte Cedrus-atlantica-Öl in Kombination mit anderen ätherischen Ölen bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) mit positivem Ergebnis. Volksmedizinisch ist Kopfhautmassage mit Zedernholzöl überliefert; wissenschaftliche Belege für EFSA Health Claims fehlen.
Wofür wird Zedernholzöl verwendet?
Zedernholzöl wird in der Aromatherapie wegen seines warmen, holzigen Dufts zur Entspannung und Konzentration verdunstet und traditionell zur Inhalation bei Atemwegsbeschwerden genutzt. Verdünnt in einem Trägeröl dient es zur Kopfhautmassage, außerdem gilt Zedernholz seit jeher als natürlicher Schutz vor Motten und Insekten. Das Öl nie unverdünnt auftragen und in der Schwangerschaft sowie bei Kleinkindern nicht ohne fachliche Beratung anwenden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Takao Y et al. (2012). Antifungal properties of Japanese cedar essential oil from waste wood chips made from used sake barrels. Molecular medicine reports.
- Hay IC et al. (1998): Randomized trial of aromatherapy. Arch Dermatol 134(11):1349–1352. DOI: 10.1001/archderm.134.11.1349
- Wikipedia: Zedern
- PubMed: Sedative effects and mechanism of action of cedrol inhalation (2003)
- PMC: Chemical Composition, Antioxidant and Antimicrobial Activity of Cedrus atlantica Essential Oil (2022)
- PMC: Innate Immunomodulatory Activity of Cedrol (2021)
- NTP/NCBI: Toxicity Studies of Cedarwood Oil (Virginia) – Discussion
- Dayawansa S et al. (2003): Autonomic responses during inhalation of natural fragrance of Cedrol in humans

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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