Lunge: Funktionen, Symptome und natürliche Unterstützung

Aufbau und Funktion der Lunge
Die Lunge ist das zentrale Organ der Atmung. Ihre Hauptaufgabe ist der Gasaustausch: Sauerstoff aus der eingeatmeten Luft gelangt ins Blut, Kohlendioxid aus dem Stoffwechsel wird abgegeben. Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln; der rechte ist in drei, der linke – wegen des Platzes, den das Herz einnimmt – in zwei Lungenlappen gegliedert.
Die eingeatmete Luft strömt über Nase, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre und von dort in die beiden Hauptbronchien. Diese verzweigen sich wie ein umgedrehter Baum immer weiter bis zu den feinsten Bronchiolen. An deren Enden sitzen die Lungenbläschen (Alveolen) – mehrere hundert Millionen winzige Säckchen, deren Wände von feinsten Blutgefäßen umsponnen sind. Ihre gesamte Oberfläche wird auf grob 100 Quadratmeter geschätzt; hier findet der eigentliche Gasaustausch statt.
Die Lunge selbst besitzt keine Muskulatur. Das Ein- und Ausatmen bewirken das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskulatur, die den Brustkorb erweitern und wieder verkleinern. Daneben erfüllt die Lunge weitere Aufgaben: Sie hilft über die Abgabe von Kohlendioxid, den Säure-Basen-Haushalt des Blutes zu regulieren, und filtert, befeuchtet und erwärmt gemeinsam mit den oberen Atemwegen die Atemluft.
Wie reinigt sich die Lunge selbst?
Die Atemwege sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die einen dünnen Schleimfilm bildet. Darin bleiben Staub, Ruß, Pollen und Krankheitserreger hängen. Millionen feiner Flimmerhärchen schlagen diesen Schleim ständig in Richtung Rachen, wo er unbemerkt verschluckt wird – die sogenannte mukoziliäre Clearance. In den Lungenbläschen übernehmen Fresszellen (Alveolarmakrophagen) die Reinigung. Der Hustenreflex ist das Notfallsystem, wenn mehr Schleim anfällt, als die Flimmerhärchen abtransportieren können.
Häufige Erkrankungen und Symptome
Verschiedene Erkrankungen können die Lungenfunktion beeinträchtigen:
- Akute Infekte wie Bronchitis und Grippe – meist durch Viren ausgelöst.
- Lungenentzündung (Pneumonie) – durch Bakterien, Viren oder seltener Pilze; typisch sind Fieber, Husten, Auswurf und Atemnot. Sie ist besonders für ältere und vorerkrankte Menschen gefährlich.
- COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) – dauerhaft verengte Atemwege, häufig mit Lungenüberblähung. Hauptursache ist das Rauchen; auch Staub und Schadstoffe am Arbeitsplatz, Luftverschmutzung und ein angeborener Alpha-1-Antitrypsin-Mangel spielen eine Rolle.
- Asthma bronchiale – anfallsartige Verengung der Atemwege, oft allergisch ausgelöst.
- Lungenfibrose, Lungenkrebs, Tuberkulose und andere ernsthafte Erkrankungen, die immer fachärztlich behandelt werden müssen.
Typische Beschwerden einer Lungenerkrankung sind Atemnot oder Kurzatmigkeit, Husten, Auswurf, pfeifende oder keuchende Atemgeräusche und Schmerzen im Brustkorb. Bei COPD fasst man die Leitsymptome als „AHA“ zusammen: Auswurf, Husten, Atemnot – anfangs nur bei Belastung, später auch in Ruhe. Weil sich COPD schleichend entwickelt, wird der morgendliche „Raucherhusten“ oft lange nicht ernst genommen.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Thymian wird traditionell als schleimlösendes Mittel bei Husten mit Auswurf verwendet; die EMA erkennt diese Anwendung als traditionell an.
- Efeu: Efeublätterextrakt ist als schleimlösendes Mittel bei Husten mit Auswurf am besten untersucht.
- Spitzwegerich lindert mit seinen Schleimstoffen trockenen Reizhusten und gereizte Rachenschleimhaut.
- Eukalyptus: Das ätherische Öl und sein Hauptbestandteil Cineol werden zur Inhalation und innerlich bei Erkältungshusten verwendet.
- Latschenkiefer: Das ätherische Öl wird traditionell zum Inhalieren und für Einreibungen bei Erkältungen der Atemwege genutzt und kann das Atmen subjektiv erleichtern.
- Tannenwipfel werden volksmedizinisch, etwa als Sirup, bei Husten und Erkältung verwendet; Studien dazu fehlen.
- Andorn und Sternanis sind traditionelle Bestandteile von Hustentees.
- Enzyme: Enzympräparate werden in der Naturheilkunde zur Unterstützung bei verschleimten Atemwegen eingesetzt; die Studienlage ist begrenzt.
- Basen: Eine basenreiche Ernährung mit viel Gemüse und Obst ist allgemein gesund; dass „Entsäuern“ die Lungenfunktion verbessert, ist nicht belegt.
Lunge reinigen: Was wirklich hilft
Eine Kur, mit der sich die Lunge „entgiften“ oder von Teer und Feinstaub befreien ließe, gibt es nicht – weder als Tee noch als Nahrungsergänzung. Die Lunge reinigt sich selbst, und die wirksamste Unterstützung besteht darin, diese Selbstreinigung nicht weiter zu stören:
- Rauchstopp: Schon in den ersten Wochen nach dem letzten Zigarettenzug erholen sich die Flimmerhärchen. Dass dabei zunächst mehr abgehustet wird, ist häufig ein Zeichen der wieder einsetzenden Reinigung. Hilfe bietet die Seite Rauchen aufhören.
- Schadstoffe meiden: Staub und Dämpfe am Arbeitsplatz mit geeignetem Atemschutz reduzieren, Innenräume regelmäßig lüften.
- Ausreichend trinken: Bei Erkältungen hält genügend Flüssigkeit den Schleim fließfähig.
- Inhalieren: Wasserdampf oder Kochsalzlösung befeuchten die Schleimhäute und erleichtern das Abhusten.
Lunge und Bronchien stärken
Regelmäßige Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen trainiert Atemmuskulatur und Kreislauf. Atemübungen – etwa die Lippenbremse, bei der langsam gegen leicht geschlossene Lippen ausgeatmet wird – helfen besonders Menschen mit COPD oder Asthma, die Atmung zu kontrollieren. Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken schützen vor schweren Atemwegsinfekten und werden für ältere Menschen und Menschen mit Lungenerkrankungen empfohlen.
Naturheilkunde bei COPD
COPD ist nicht heilbar, ihr Verlauf lässt sich aber beeinflussen. Gut belegt sind der Rauchstopp und die Lungenrehabilitation mit Training und Schulung: Eine Cochrane-Übersicht (McCarthy und Kollegen, 2015) zeigte deutliche Verbesserungen von Belastbarkeit und Lebensqualität. Unter den pflanzlichen Wirkstoffen ist Cineol am besten untersucht: In einer placebokontrollierten Studie von Worth und Kollegen (2009) traten bei Patientinnen und Patienten mit COPD, die zusätzlich zur Standardtherapie Cineol einnahmen, im Winterhalbjahr seltener akute Verschlechterungen auf. Pflanzliche Mittel können die ärztlich verordnete Therapie ergänzen, aber nie ersetzen.
Homöopathie zur Lungenreinigung?
Häufig wird nach homöopathischen Mitteln zum Reinigen oder Stärken der Lunge gefragt. Für Homöopathie gibt es in kontrollierten Studien keinen Wirksamkeitsnachweis, der über einen Placeboeffekt hinausgeht. Bei Lungenbeschwerden sollte deshalb keine wirksame Behandlung durch homöopathische Mittel ersetzt oder hinausgezögert werden.
Anwendung und Dosierung
- Hustentee: Thymian, Spitzwegerich, Andorn oder Mischungen als Tee zubereiten; Menge und Ziehzeit nach Packungsangabe, meist mehrmals täglich eine Tasse.
- Sirup und Extrakte: Efeu-, Thymian- oder Spitzwegerichzubereitungen nach Packungsbeilage dosieren.
- Inhalation: heißes Wasser in eine Schüssel geben, Kopf mit einem Handtuch darüber und einige Minuten ruhig einatmen. Ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl (etwa Eukalyptus oder Latschenkiefer) können zugesetzt werden – nicht bei Kindern und nicht bei Asthma (siehe unten). Vorsicht vor Verbrühungen.
- Einreibungen mit Latschenkiefer- oder Eukalyptusöl auf Brust und Rücken – nur in verdünnter, für Erwachsene bestimmter Form.
- Salzwasser-Inhalation mit isotonischer Kochsalzlösung über ein Inhaliergerät befeuchtet die Atemwege.
Bessern sich Beschwerden nicht innerhalb einer Woche, ist ärztlicher Rat einzuholen.
Geschichte und Überlieferungen
Lungenleiden begleiten die Menschheit seit jeher, und Hustenmittel gehören zu den ältesten Anwendungen der Pflanzenheilkunde. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre, die von Paracelsus aufgegriffen wurde, verriet das Aussehen einer Pflanze ihre Heilkraft: Das Lungenkraut mit seinen gefleckten Blättern erinnerte an krankes Lungengewebe und erhielt so seinen Namen. Klosterapotheken führten Brusttees aus Thymian, Andorn, Huflattich und Eibisch; Fichten- und Tannenwipfel wurden in Honig oder Zucker eingelegt.
Im 19. Jahrhundert prägte die Tuberkulose den Umgang mit Lungenkrankheiten. 1816 erfand der französische Arzt René Laennec das Stethoskop, mit dem sich die Lunge erstmals gezielt abhören ließ. Lungenkranke wurden in Heilstätten im Gebirge geschickt, wo Höhenluft, Ruhe und Liegekuren helfen sollten. Erst mit den Antibiotika des 20. Jahrhunderts wurde die Tuberkulose behandelbar. Bis heute erhalten haben sich Inhalationen, Solebäder und der Aufenthalt in Salz- und Meeresluft als wohltuende Maßnahmen für die Atemwege.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Ätherische Öle bei Kindern: Eukalyptus-, Pfefferminz- und Kampferöle dürfen bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesichtsbereich angewendet werden – sie können einen gefährlichen Stimmritzenkrampf mit Atemstillstand auslösen.
- Asthma und Keuchhusten: Ätherische Öle können die Atemwege reizen und einen Anfall auslösen; bei Asthma nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
- Allergien: Bei Allergie gegen Lippenblütler (Thymian), Korbblütler oder Nadelbäume die entsprechenden Pflanzen meiden.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Viele Hustenmittel und ätherische Öle sind für diese Zeit nicht ausreichend untersucht; Anwendung nur nach ärztlicher oder fachkundiger Beratung.
- Lungenkraut und Huflattich können lebergiftige Pyrrolizidinalkaloide enthalten; nur geprüfte Ware verwenden.
- Wechselwirkungen: Cineol und andere ätherische Öle können in hohen Dosen den Abbau mancher Arzneimittel in der Leber beeinflussen. Schleimlösende Mittel nicht mit Hustenstillern kombinieren, außer ärztlich verordnet.
Wann zum Arzt?
Ärztlich abklären lassen sollten Sie:
- Husten, der länger als drei Wochen anhält, oder ein dauerhafter Raucherhusten,
- Atemnot – besonders plötzlich auftretend, in Ruhe oder nachts,
- Blut im Auswurf, gelb-grüner Auswurf mit hohem Fieber,
- Schmerzen im Brustkorb, vor allem beim Atmen,
- pfeifende Atemgeräusche, ungewollter Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.
Bei schwerer Atemnot, bläulichen Lippen oder Verwirrtheit ist sofort der Notruf 144 zu wählen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Was sind die Hauptfunktionen der Lunge im Körper?
Die Hauptfunktion der Lunge ist der Gasaustausch, bei dem Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird. Sie spielt auch eine Rolle in der Filterung und Befeuchtung der eingeatmeten Luft. -
Welche natürlichen Heilmittel können bei Atemwegsproblemen helfen?
Bei Husten mit Auswurf werden vor allem Efeu und Thymian verwendet, bei trockenem Reizhusten schleimstoffreiche Pflanzen wie Spitzwegerich. Andorn und Sternanis sind traditionelle Bestandteile von Hustentees, ätherische Öle wie Eukalyptus oder Latschenkiefer werden zum Inhalieren genutzt. Bei Kindern und Asthma ist mit ätherischen Ölen Vorsicht geboten. -
Wie kann ich meine Lungengesundheit verbessern?
Eine gesunde Lebensweise, einschließlich des Verzichts auf Rauchen, regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung, kann zur Verbesserung der Lungenfunktion beitragen. -
Gibt es Lebensmittel, die sich negativ auf die Lungen auswirken können?
Einzelne Lebensmittel, die der Lunge direkt schaden, sind nicht bekannt. Weit wichtiger für die Lungengesundheit sind Rauchen, Feinstaub und Schadstoffe am Arbeitsplatz. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie ein gesundes Körpergewicht erleichtern das Atmen, starkes Übergewicht belastet die Atmung dagegen. -
Wann sollte ich einen Arzt wegen Atemwegsbeschwerden aufsuchen?
Wenn Sie anhaltende Atemprobleme, anhaltenden Husten oder Brustschmerzen haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Lungenerkrankungen auszuschließen. -
Kann man die Lunge natürlich reinigen?
Die Lunge reinigt sich selbst: Feine Flimmerhärchen befördern Schleim und Partikel nach außen. Am meisten hilft ein Rauchstopp, danach erholt sich diese Selbstreinigung spürbar. Bewegung, Atemübungen, ausreichendes Trinken und Inhalationen unterstützen sie, schleimlösende Pflanzen wie Thymian oder Efeu erleichtern das Abhusten. -
Wie kann man die Bronchien stärken?
Regelmäßige Ausdauerbewegung, Atemübungen und frische Luft trainieren Atemmuskulatur und Lunge. Wichtig sind außerdem der Verzicht auf Rauchen, das Meiden von Schadstoffen und eine gute Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. -
Kann Naturheilkunde bei COPD helfen?
Naturheilkundliche Maßnahmen wie Atemtherapie, Inhalationen und schleimlösende Heilpflanzen können die Beschwerden lindern. COPD ist jedoch eine chronische Erkrankung, die immer ärztlich behandelt werden muss, Naturheilmittel ergänzen diese Behandlung nur.
Quellen und weiterführende Informationen
- Miyata T (2003): [Novel approach to respiratory pharmacology--pharmacological basis of cough, sputum and airway clearance]. Yakugaku Zasshi 123(12):987-1006. -> PubMed PMID 14689863
- Wikipedia: Lunge
- Wikipedia (EN): Lung (EN)
- PMC: Antioxidant supplementation and lung function associated with air pollutant exposure - A systematic review (2011)
- PMC: Dietary antioxidants and 10-year lung function decline in adults (ECRHS)
- PubMed: Vitamins and respiratory disease - antioxidant micronutrients in pulmonary health and disease
- McCarthy B et al. (2015): Pulmonary rehabilitation for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Review (PMC-Volltext)
- Worth H, Schacher C, Dethlefsen U (2009): Concomitant therapy with Cineole (Eucalyptole) reduces exacerbations in COPD – placebo-controlled double-blind trial (PMC-Volltext)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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