Hanf (Cannabis sativa): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Hanf Kräutermax Naturheilmittel Lexikon

Botanik und Beschreibung

Hanf (Cannabis sativa L.) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae), zu der auch der Hopfen zählt. Er ist eine einjährige, schnellwüchsige Pflanze, die je nach Sorte und Standort zwischen einem und mehreren Metern hoch wird. Charakteristisch sind die handförmig gefiederten Blätter mit meist fünf bis neun schmalen, gesägten Teilblättern. Hanf ist überwiegend zweihäusig: Es gibt männliche Pflanzen, die Pollen bilden, und weibliche Pflanzen, deren Blütenstände dicht mit Drüsenhaaren besetzt sind. In diesen Drüsenhaaren entstehen die Cannabinoide und ein großer Teil der Duftstoffe. Die Früchte sind kleine, hartschalige Nüsschen – die Hanfsamen.

Ursprünglich stammt Hanf aus Zentral- und Ostasien; heute wird er weltweit angebaut. Man unterscheidet grob zwei Nutzungsrichtungen:

  • Nutzhanf (Industriehanf): Sorten mit sehr niedrigem Gehalt am berauschenden THC. Sie liefern Fasern, Samen, Öl und Schäben und dürfen in der EU nur angebaut werden, wenn sie in einem amtlichen Sortenkatalog stehen und den gesetzlichen THC-Grenzwert einhalten.
  • Drogen- bzw. Medizinalhanf: Sorten mit hohem THC-Gehalt, deren Anbau und Abgabe streng geregelt sind.

Wenn in diesem Beitrag von Hanf die Rede ist, sind zwei sehr unterschiedliche Produktgruppen zu trennen: Hanfsamen und Hanfsamenöl, die praktisch keine Cannabinoide enthalten und vor allem als Lebensmittel genutzt werden, und Cannabinoid-Extrakte wie CBD, die aus Blüten und Blättern gewonnen werden.

Inhaltsstoffe

Hanfsamen und Hanfsamenöl

  • Fett: Geschälte Hanfsamen bestehen etwa zu einem Drittel aus Öl. Es enthält überwiegend mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Linolsäure (Omega-6) als Hauptfettsäure, dazu Alpha-Linolensäure (Omega-3) und in kleinen Mengen Gamma-Linolensäure. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt bei etwa drei zu eins.
  • Eiweiß: Hanfsamen sind eiweißreich; Hauptproteine sind Edestin und Albumin, die gut verdaulich sind.
  • Ballaststoffe, vor allem in der Schale.
  • Vitamin E (vor allem als Gamma-Tocopherol) sowie Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor, Eisen und Zink.

Blüten und Blätter

  • Cannabinoide: Bekannt sind über hundert verschiedene Verbindungen. Die wichtigsten sind Tetrahydrocannabinol (THC), das berauschend wirkt, und Cannabidiol (CBD), das nicht berauschend wirkt. In der Pflanze liegen sie überwiegend als Säuren vor, die erst durch Erhitzen in die wirksamen Formen übergehen.
  • Terpene wie Myrcen, Limonen, Pinen und Beta-Caryophyllen, die den typischen Geruch prägen.
  • Flavonoide, darunter die für Hanf typischen Cannflavine.

Cannabinoide wirken über das Endocannabinoid-System, ein körpereigenes Signalsystem mit Rezeptoren im Nervensystem, im Immunsystem und in vielen Organen. Es ist unter anderem an Schmerzempfinden, Appetit, Stimmung und Schlaf beteiligt. THC wirkt direkt an diesen Rezeptoren; CBD beeinflusst das System auf indirektem Weg und greift zusätzlich an weiteren Zielstrukturen an.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

CBD: Was ist belegt, was nicht?

Gut belegt ist die Wirkung von hochdosiertem, reinem CBD als verschreibungspflichtiges Arzneimittel bei bestimmten schweren Epilepsien im Kindesalter. Ebenfalls zugelassen ist ein Mundspray mit THC und CBD gegen Spastik bei Multipler Sklerose. Für alle anderen Anwendungen – Schmerzen, Angst, Schlaf, Stress – ist die Datenlage dünn: Übersichtsarbeiten finden einzelne positive Signale, aber meist aus kleinen, kurzen Studien mit sehr unterschiedlichen Dosierungen. Eine systematische Übersicht von Sarris und Kollegen (2020) sah bei psychischen Erkrankungen ermutigende, aber noch sehr frühe Belege für medizinisches Cannabis; bei Depressionen zeigte hochdosiertes THC keinen Nutzen. Die in frei verkäuflichen Produkten üblichen Mengen liegen zudem weit unter den in Studien eingesetzten Dosen.

Hanfsamenöl bei Neurodermitis

In einer kleinen Studie von Callaway und Kollegen (2005) nahmen Menschen mit Neurodermitis über 20 Wochen abwechselnd Hanfsamenöl oder Olivenöl ein. Unter Hanfsamenöl verbesserten sich Hauttrockenheit und Juckreiz, und die Betroffenen brauchten weniger Hautarzneimittel. Die Ergebnisse sind interessant, wurden aber nicht in größeren Studien bestätigt und ersetzen keine Behandlung. Mehr dazu unter Neurodermitis.

Anwendung und Dosierung

  • Hanfsamen: geschält über Müsli, Salate oder Joghurt gestreut, als Hanfmehl oder Hanfprotein. Als Lebensmittel in üblichen Mengen gut verträglich.
  • Hanfsamenöl: kaltgepresst, nussig im Geschmack, nur für die kalte Küche geeignet, da die mehrfach ungesättigten Fettsäuren hitzeempfindlich sind. Kühl, dunkel und nach dem Öffnen rasch verbrauchen. Ausführlich unter Hanföl.
  • Äußerlich: Hanfsamenöl ist Bestandteil von Hautpflegeprodukten für trockene und empfindliche Haut.
  • CBD-Öle: Für CBD als Lebensmittel gibt es keine anerkannte Dosierung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2026 vorläufig eine sichere Aufnahme von nur etwa 2 Milligramm pro Tag für einen 70 Kilogramm schweren Erwachsenen abgeleitet – unter der Voraussetzung hochreinen CBDs. Viele angebotene Produkte überschreiten diese Menge deutlich.
  • Cannabis-Arzneimittel werden ausschließlich ärztlich verordnet und dosiert.

Geschichte und Überlieferungen

Hanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. In Ostasien wurde er bereits vor mehreren Jahrtausenden als Faser- und Nahrungspflanze genutzt. In der traditionellen chinesischen Medizin wurden Hanfsamen unter anderem bei Verstopfung verwendet, in der indischen Heilkunde verschiedene Hanfzubereitungen bei Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit.

In Europa war Hanf über viele Jahrhunderte eine wichtige Nutzpflanze: Aus seinen reißfesten Fasern wurden Seile, Segel, Säcke, Kleidung und Papier hergestellt. Im 19. Jahrhundert fanden Cannabiszubereitungen Eingang in die westliche Schulmedizin, etwa als Schmerz- und Beruhigungsmittel. Im 20. Jahrhundert geriet die Pflanze mit der weltweiten Kontrolle von Cannabis als Suchtmittel in Verruf, zugleich verdrängten Baumwolle und Kunstfasern den Faserhanf. Seit den 1990er-Jahren wird THC-armer Nutzhanf in vielen europäischen Ländern wieder angebaut. Die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems in den 1990er-Jahren gab der Forschung zu Cannabinoiden neuen Auftrieb.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Hanfsamen und Hanfsamenöl

Als Lebensmittel sind sie in üblichen Mengen unbedenklich. Allergien auf Hanf sind selten, aber möglich. Durch Verunreinigung mit Blütenteilen können Hanfsamenprodukte geringe Mengen THC enthalten; dafür gelten in der EU Höchstgehalte.

CBD-Produkte

  • Wechselwirkungen: CBD hemmt Leberenzyme, die viele Medikamente abbauen – etwa Gerinnungshemmer, bestimmte Antiepileptika, Antidepressiva, Beruhigungsmittel und Immunsuppressiva. Deren Wirkung kann dadurch verstärkt werden. Wer Medikamente einnimmt, sollte CBD nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
  • Leber: In Studien mit höheren Dosen traten erhöhte Leberwerte auf, besonders in Kombination mit anderen Medikamenten.
  • Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schläfrigkeit, Durchfall, Appetitveränderungen, Mundtrockenheit und Schwindel. Nach der Einnahme nicht Auto fahren, solange die Wirkung nicht bekannt ist; CBD verstärkt die dämpfende Wirkung von Alkohol.
  • Schwangerschaft, Stillzeit, junge Menschen: Laut EFSA lässt sich die Sicherheit von CBD für Schwangere und Stillende, für Menschen unter 25 Jahren und für Personen, die Medikamente einnehmen, nicht bestätigen. Diese Gruppen sollten auf CBD-Produkte verzichten.
  • Qualität: Untersuchungen frei verkäuflicher CBD-Produkte zeigen immer wieder Abweichungen vom angegebenen Gehalt und THC-Verunreinigungen, die bei Drogentests auffallen können.

THC

THC wirkt berauschend und kann Konzentration, Reaktionsfähigkeit, Gedächtnis und Kreislauf beeinträchtigen. Bei Jugendlichen, Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist besondere Vorsicht geboten. Medizinisches Cannabis gehört in ärztliche Hände.

Regulatorische Einordnung in der EU

Hanfsamen und daraus hergestellte Lebensmittel wie Hanfsamenöl und Hanfprotein sind in der EU als herkömmliche Lebensmittel verkehrsfähig. Für CBD in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln hat die EU-Kommission festgelegt, dass es sich um ein neuartiges Lebensmittel (Novel Food) handelt, das vor dem Inverkehrbringen zugelassen werden muss. Die EFSA stellte 2022 fest, dass die Sicherheit von CBD wegen erheblicher Datenlücken nicht beurteilt werden kann, und bestätigte die Bedenken 2026 – unter anderem zu Leber, Hormonsystem und Fortpflanzung. Für Hanf oder CBD gibt es keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Eine EU-Monographie für traditionelle pflanzliche Arzneimittel aus Cannabisblüten besteht nicht; zugelassene Cannabinoid-Arzneimittel sind verschreibungspflichtig.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Was ist der Unterschied zwischen CBD und THC?
    THC ist der berauschende Wirkstoff der Hanfpflanze, CBD wirkt dagegen nicht berauschend. Hanfsamen und Hanfsamenöl enthalten von Natur aus kaum Cannabinoide und werden vor allem wegen ihrer Fettsäuren und Eiweiße geschätzt. CBD kann den Abbau mancher Medikamente in der Leber hemmen; wer regelmäßig Medikamente einnimmt, schwanger ist oder stillt, sollte laut EFSA auf CBD-Produkte verzichten bzw. die Anwendung ärztlich abklären.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.