Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ursachen, Symptome, Behandlung und Prävention

Was sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Sammelbegriff für Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Sie sind weltweit wie auch in Österreich die häufigste Todesursache – und zugleich in hohem Maß vermeidbar. Zu den wichtigsten zählen:
- Koronare Herzkrankheit: verengte Herzkranzgefäße, die sich als Brustenge (Angina pectoris) bemerkbar machen und zum Herzinfarkt führen können.
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Das Herz pumpt nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper.
- Herzrhythmusstörungen, vor allem das Vorhofflimmern, das das Schlaganfallrisiko erhöht.
- Schlaganfall: meist durch ein Blutgerinnsel in einem Hirngefäß, seltener durch eine Hirnblutung.
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, „Schaufensterkrankheit“): verengte Beinarterien mit Schmerzen beim Gehen.
- Bluthochdruck, der zugleich eigenständige Erkrankung und wichtigster Risikofaktor ist.
- Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündungen und angeborene Herzfehler.
Mehr zum Aufbau und zur Funktion des Organs lesen Sie unter Herz: Aufbau und Funktion.
Ursachen
Die gemeinsame Grundlage der meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Arteriosklerose: Über Jahre lagern sich Blutfette, Entzündungszellen und Kalk in den Wänden der Schlagadern ab. Die Gefäße werden enger und starrer. Reißt eine solche Ablagerung auf, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß plötzlich verschließen kann – das ist der Mechanismus hinter den meisten Herzinfarkten und vielen Schlaganfällen.
Beeinflussbare Risikofaktoren sind:
- Bluthochdruck
- erhöhtes LDL-Cholesterin
- Diabetes mellitus
- Rauchen, auch Passivrauchen
- Übergewicht, vor allem am Bauch
- Bewegungsmangel
- ungünstige Ernährung mit viel Salz, Zucker, stark verarbeiteten Lebensmitteln und gesättigten Fetten
- regelmäßiger Alkoholkonsum
- chronischer Stress, Schlafmangel, nächtliche Atemaussetzer und Depression
Nicht beeinflussbar sind Alter, männliches Geschlecht – Frauen holen nach den Wechseljahren auf – und die familiäre Veranlagung, etwa wenn Eltern oder Geschwister früh einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten. Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, desto stärker steigt das Gesamtrisiko.
Symptome
Arteriosklerose und Bluthochdruck verursachen lange keine Beschwerden. Anzeichen treten oft erst auf, wenn bereits Organe betroffen sind:
- Druck, Enge oder Brennen in der Brust bei Belastung oder Aufregung
- Atemnot bei Belastung oder im Liegen, rasche Erschöpfung
- geschwollene Knöchel und Beine, rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
- Herzstolpern, Herzrasen, unregelmäßiger Puls
- Schwindel oder kurze Bewusstlosigkeit
- Wadenschmerzen beim Gehen, die im Stehen nachlassen
- Erektionsstörungen, die ein frühes Gefäßwarnzeichen sein können
Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes zeigt sich ein Herzinfarkt häufig weniger eindeutig – etwa mit Übelkeit, Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Atemnot oder ungewöhnlicher Erschöpfung.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Weißdorn: von der EMA traditionell bei vorübergehenden nervösen Herzbeschwerden anerkannt, nachdem ernste Ursachen ausgeschlossen sind.
- Knoblauch: laut EMA traditionell unterstützend zur Vorbeugung der Arteriosklerose; senkt in Studien den Blutdruck leicht.
- Omega-3-Fettsäuren: EPA und DHA tragen laut EU-Zulassung ab 250 mg täglich zu einer normalen Herzfunktion bei; Herzinfarkte verhindern sie laut Cochrane-Review kaum.
- Hafer-Beta-Glucan: senkt nachweislich den Cholesterinspiegel; dafür ist eine gesundheitsbezogene Angabe in der EU zugelassen.
- Olivenöl: zentraler Bestandteil der Mittelmeerkost, die in großen Studien Herz-Kreislauf-Ereignisse verringerte.
- Resveratrol: im Labor gefäßschützend; Studien am Menschen sind klein und uneinheitlich, ein Schutz vor Herzerkrankungen ist nicht belegt.
- OPC: antioxidativ im Labor; für eine Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt es keine belastbaren Belege.
- Herzgespann: traditionell bei nervösen Herzbeschwerden; keine Behandlung organischer Herzerkrankungen.
Was die Studien zeigen
Für Weißdorn fand ein Cochrane-Review von Pittler und Kollegen (2008) mit 14 Studien bei chronischer Herzschwäche als Ergänzung zur Standardtherapie eine bessere Belastbarkeit und weniger Beschwerden. Er ersetzt keine Herzmedikamente und wird von der Europäischen Arzneimittel-Agentur nicht zur Behandlung der Herzschwäche, sondern nur traditionell bei nervösen Herzbeschwerden eingestuft. Für Omega-3-Fettsäuren wertete ein Cochrane-Review von Abdelhamid und Kollegen (2020) 86 Studien mit über 160.000 Teilnehmenden aus: Auf Gesamtsterblichkeit, Herz-Kreislauf-Ereignisse und Schlaganfälle hatten Ergänzungen wenig oder keinen Einfluss, auf koronare Ereignisse allenfalls einen kleinen. Den stärksten Effekt unter den Ernährungsfaktoren zeigt das Gesamtmuster: Eine mediterrane Ernährung mit nativem Olivenöl und Nüssen senkte in großen randomisierten Studien wie PREDIMED das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Was Sie selbst tun können
Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen ließe sich durch einen gesunden Lebensstil und die Behandlung der Risikofaktoren vermeiden oder hinauszögern:
- Nicht rauchen: die wirksamste Einzelmaßnahme; das Risiko sinkt bereits im ersten Jahr nach dem Rauchstopp deutlich.
- Bewegung: mindestens 150 Minuten mäßig anstrengende Bewegung pro Woche, etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen, ergänzt durch Krafttraining.
- Mittelmeerkost: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Fisch und Olivenöl; wenig Wurst, rotes Fleisch, Zucker und Salz.
- Gewicht normalisieren: siehe Abnehmen.
- Alkohol meiden oder deutlich einschränken.
- Werte kennen: Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren lassen. In Österreich steht dafür die kostenlose Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung.
- Medikamente einnehmen: Verordnete Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder Gerinnungshemmer nie eigenmächtig absetzen oder durch Naturheilmittel ersetzen.
- Stress und Schlaf: Entspannung, Bewegung im Freien und ausreichend Schlaf; lautes Schnarchen mit Atemaussetzern abklären lassen.
Pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungen können mit Herzmedikamenten zusammenwirken. Weißdorn gehört bei bestehenden Herzerkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache in die Behandlung; Knoblauch und hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren können die Blutgerinnung verstärken. Besprechen Sie die Einnahme deshalb vorab ärztlich oder in der Apotheke.
Wann zum Arzt?
Sofort den Notruf 144 (oder 112) wählen bei:
- Schmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, die länger als einige Minuten anhalten oder in Arme, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen – besonders mit Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit oder Todesangst,
- plötzlicher Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen, starkem Schwindel oder plötzlichem, heftigem Kopfschmerz (Verdacht auf Schlaganfall),
- plötzlicher schwerer Atemnot, Bewusstlosigkeit oder sehr schnellem, unregelmäßigem Herzschlag mit Schwäche.
Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie neu auftretende Atemnot bei Belastung, Brustbeschwerden bei Anstrengung, zunehmende Beinschwellungen, Herzstolpern, Wadenschmerzen beim Gehen sowie erhöhte Blutdruck-, Blutzucker- oder Cholesterinwerte.
Geschichte und Überlieferungen
Das Herz galt in vielen Kulturen als Sitz von Leben und Gefühl. Erst 1628 beschrieb der englische Arzt William Harvey den Blutkreislauf als geschlossenes System, in dem das Herz als Pumpe arbeitet. 1785 veröffentlichte William Withering seine Beobachtungen zum Fingerhut, aus dem die Herzglykoside hervorgingen. Weißdorn wurde ab dem 19. Jahrhundert als Herzmittel verwendet, Knoblauch galt seit der Antike als Stärkungsmittel. Dass Rauchen, Bluthochdruck und hohes Cholesterin das Herz gefährden, zeigten große Langzeitstudien ab der Mitte des 20. Jahrhunderts – die Grundlage der heutigen Vorbeugung.
Häufige Fragen und Antworten
-
Welche Risikofaktoren tragen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei?
Zu den Risikofaktoren gehören Rauchen, hoher Blutdruck, hoher Cholesterinspiegel, Diabetes, Bewegungsmangel und schlechte Ernährung. -
Kann man Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern?
Ja, durch eine gesunde Lebensweise, einschließlich regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung und Rauchverzicht. -
Wie oft sollte man sein Herz überprüfen lassen?
Das hängt von Alter und Risikofaktoren ab. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette sollten Erwachsene regelmäßig kontrollieren lassen, bei familiärer Belastung, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen häufiger. In Österreich steht dafür die kostenlose Vorsorgeuntersuchung zur Verfügung; Häufigkeit und weitere Untersuchungen legt die Ärztin oder der Arzt fest. -
Kann Stress das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen?
Ja, chronischer Stress kann das Risiko erhöhen. Stressmanagement ist wichtig für die Herzgesundheit. -
Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Eine herzgesunde Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, magerem Eiweiß und gesunden Fetten ist, kann das Risiko reduzieren. -
Was sind Warnzeichen eines Herzinfarkts?
Typisch sind starke Schmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, die länger als einige Minuten anhalten und in Arme, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können. Häufig kommen Atemnot, kalter Schweiß und Übelkeit hinzu, bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes sind die Beschwerden oft weniger eindeutig. Bei Verdacht sofort den Notruf 144 oder 112 wählen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Hao P et al. (2017): Traditional Chinese Medicine for Cardiovascular Disease: Evidence and Potential Mechanisms. J Am Coll Cardiol 69(24):2952-2966. -> PubMed PMID 28619197
- Wikipedia: Herz-Kreislauf-Erkrankung
- Wikipedia (EN): Cardiovascular disease (EN)
- PMC: A Systematic Review of Major Cardiovascular Risk Factors (2022)
- PMC: Towards Optimal Cardiovascular Health – comprehensive review of preventive strategies (2024)
- PMC: Dietary Factors and Risks of Cardiovascular Diseases – umbrella review (2020)
- Abdelhamid AS et al. (2020): Omega-3 fatty acids for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease – Cochrane Review (PMC)
- Pittler MH, Guo R, Ernst E (2008): Hawthorn extract for treating chronic heart failure – Cochrane Review (PMC)
- Barbería-Latasa M, Martínez-González MA (2025): The Mediterranean diet and cardiovascular disease (PMC)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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