Kreislaufprobleme und Schwindel - Ursachen, Symptome und natürliche Unterstützung

Was sind Kreislaufprobleme und Schwindel?
Von Kreislaufproblemen spricht man umgangssprachlich, wenn das Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend durchblutet wird. Typisch ist das Gefühl, „dass einem schwarz vor Augen wird“, verbunden mit Benommenheit, weichen Knien und Schwindel. Meist steckt eine vorübergehende Regulationsstörung dahinter: Der Blutdruck sinkt, etwa beim schnellen Aufstehen, und Herz und Gefäße gleichen das nicht schnell genug aus.
Schwindel selbst ist keine Krankheit, sondern ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Unser Gleichgewicht entsteht aus dem Zusammenspiel von Gleichgewichtsorgan im Innenohr, Augen und Sinnesfühlern in Muskeln und Gelenken; das Gehirn verrechnet diese Informationen. Passen sie nicht zusammen oder ist die Verarbeitung gestört, entsteht Schwindel. Für die Einordnung ist wichtig, wie er sich anfühlt:
- Benommenheits- oder Unsicherheitsschwindel: „flaues“ Gefühl, Leere im Kopf, drohende Ohnmacht – typisch für Kreislaufprobleme.
- Drehschwindel: Die Umgebung scheint sich zu drehen wie nach einer Karussellfahrt – Hinweis auf eine Ursache im Gleichgewichtsorgan oder im Gehirn.
- Schwankschwindel: Gefühl wie auf einem Schiff, Gang- und Standunsicherheit.
Ursachen
Kreislaufbedingte Ursachen
- Niedriger Blutdruck: vor allem bei jungen, schlanken Frauen; meist harmlos, aber unangenehm.
- Orthostatische Dysregulation: Beim Aufstehen versackt Blut in den Beinen, der Blutdruck fällt kurz ab.
- Flüssigkeitsmangel und Hitze: zu wenig getrunken, starkes Schwitzen, Saunagänge, Durchfall oder Erbrechen.
- Langes Stehen, etwa in Warteschlangen oder bei Veranstaltungen.
- Unterzuckerung nach ausgelassenen Mahlzeiten oder bei Diabetes-Behandlung.
- Blutarmut, häufig durch Eisenmangel.
- Medikamente: Blutdrucksenker, entwässernde Mittel, manche Psychopharmaka und Prostatamittel.
- Erkrankungen von Herz und Gefäßen: Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder verengte Herzklappen (siehe Herz-Kreislauf-Erkrankungen).
- Infekte, Fieber, Schwangerschaft und längere Bettlägerigkeit.
Andere Ursachen von Schwindel
Häufigste Ursache für kurze Drehschwindelattacken beim Umdrehen im Bett oder Bücken ist der gutartige Lagerungsschwindel, bei dem sich kleine Kristalle im Innenohr gelöst haben. Weitere Ursachen sind Entzündungen des Gleichgewichtsnervs, die Menière-Krankheit mit Ohrdruck, Hörminderung und Ohrgeräuschen, Migräne, Durchblutungsstörungen des Gehirns bis hin zum Schlaganfall sowie seelische Belastungen und Panikattacken. Bei älteren Menschen wirken oft mehrere Faktoren zusammen – nachlassendes Sehen, Nervenschäden an den Füßen, Medikamente und Kreislaufschwäche.
Symptome
- Schwindel, Benommenheit, Leeregefühl im Kopf
- Schwarzwerden oder Flimmern vor den Augen, Ohrensausen
- Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Schwäche, weiche Knie, Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit
- im Extremfall eine kurze Ohnmacht (Synkope), von der man sich in liegender Position rasch erholt
Die Beschwerden treten typischerweise beim schnellen Aufstehen, nach langem Stehen, bei Hitze oder morgens auf. Beim Hinlegen bessern sie sich in der Regel schnell.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Weißdorn ist von der EMA für die traditionelle Anwendung bei vorübergehenden, nervös bedingten Herzbeschwerden wie Herzklopfen anerkannt, nachdem ernste Ursachen ausgeschlossen sind.
- Weißdorn mit Kampfer – eine Kombination hob in Studien bei Frauen mit niedrigem Blutdruck den Blutdruck kurzfristig an.
- Rosmarin ist von der EMA für die traditionelle Anwendung bei leichten Durchblutungsstörungen anerkannt, etwa als anregendes Bad.
- Ginkgo wird bei Durchblutungsstörungen eingesetzt; Ginkgo-Extrakte werden auch bei Schwindel verwendet.
- Ingwer ist von der EMA zur Vorbeugung von Übelkeit bei Reisekrankheit anerkannt und kann schwindelbegleitende Übelkeit lindern.
- Ginseng wird traditionell bei Erschöpfung und Schwächegefühl eingesetzt; ein Nutzen bei Kreislaufproblemen ist nicht belegt.
- OPC aus Traubenkernen wird zur Unterstützung der Gefäße verwendet; zu Kreislaufproblemen fehlen aussagekräftige Studien.
- Lecithin ist ein Bestandteil aller Zellmembranen; eine Wirkung auf Kreislauf oder Schwindel ist nicht belegt.
Weißdorn und Kampfer
Weißdorn wird seit langem bei nervösen Herzbeschwerden und zur Unterstützung von Herz und Kreislauf verwendet. Eine Kombination aus D-Campher und einem Extrakt aus Weißdornfrüchten wurde in zwei kleinen, placebokontrollierten Studien mit Frauen mit chronisch niedrigem Blutdruck untersucht: Der Blutdruck stieg innerhalb weniger Minuten an, und die Teilnehmerinnen schnitten in Aufmerksamkeitstests besser ab (Schandry und Duschek, 2008). Solche Zubereitungen sind als Arzneimittel in der Apotheke erhältlich; sie sollten nur nach Packungsbeilage und nicht bei Herzrhythmusstörungen ohne ärztlichen Rat angewendet werden.
Rosmarin, Ginkgo und Ingwer
Rosmarin gilt in der Volksheilkunde als „Kreislaufkraut“. Als Badezusatz oder Einreibung am Morgen wird er traditionell zur Anregung des Kreislaufs verwendet; abends ist er wegen der anregenden Wirkung weniger geeignet. Ginkgo-Extrakten wird eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes zugeschrieben; in Deutschland werden bestimmte Extrakte auch bei Schwindel infolge von Durchblutungsstörungen eingesetzt. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich. Ingwer hilft vor allem gegen die Übelkeit, die Schwindel häufig begleitet (siehe Reiseübelkeit).
Mittel mit unklarem Nutzen
Für Ginseng, OPC und Lecithin wird häufig eine kreislaufstärkende Wirkung behauptet. Belastbare Studien dazu gibt es nicht. Auch die Tragantwurzel (Astragalus), ein Stärkungsmittel der chinesischen Medizin, beeinflusste in einer kleinen Grazer Studie die Kreislaufstabilität beim Aufrichten nicht (Gao und Kollegen, 2008). Ehrlicher ist es, bei diesen Mitteln von allgemeinen Stärkungsmitteln zu sprechen, nicht von Kreislaufmitteln.
Gegenanzeigen der genannten Mittel
Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen und sollte bei Einnahme von Blutverdünnern und vor Operationen nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden. Ginseng kann mit Blutverdünnern und Blutzuckermitteln wechselwirken. Weißdorn kann die Wirkung von Herzmedikamenten verstärken. Rosmarinbäder sind bei großflächigen Hautverletzungen, Fieber, Herzschwäche und Bluthochdruck ungeeignet. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern pflanzliche Arzneimittel nur nach Beratung anwenden.
Was Sie selbst tun können
Was hilft schnell?
- Sofort hinlegen und die Beine hochlagern – oder hinsetzen und den Kopf zwischen die Knie nehmen. So fließt das Blut zurück zum Gehirn.
- Danach ein großes Glas Wasser trinken und langsam, in Etappen, wieder aufstehen.
- Kaltes Wasser über Handgelenke und Unterarme laufen lassen.
- Bei drohender Ohnmacht im Stehen: Beine überkreuzen und Bein- und Gesäßmuskeln fest anspannen oder die Hände ineinander verhaken und auseinanderziehen.
Hausmittel und Vorbeugung
- Ausreichend trinken: etwa 1,5 bis 2 Liter täglich, bei Hitze und Sport mehr – sofern keine Herz- oder Nierenerkrankung eine Trinkmengenbegrenzung erfordert.
- Langsam aufstehen: morgens erst aufsetzen, die Beine bewegen und einige Atemzüge abwarten.
- Kneippsche Anwendungen: Wechselduschen, kalte Arm- und Beingüsse oder Wassertreten trainieren die Gefäßreaktion. Immer mit kaltem Wasser enden.
- Bewegung: regelmäßiger Ausdauersport stärkt die Kreislaufregulation; die Wadenmuskulatur wirkt als „Muskelpumpe“.
- Regelmäßige, kleinere Mahlzeiten statt üppiger Portionen, nach denen viel Blut in den Verdauungstrakt fließt.
- Salz: Bei niedrigem Blutdruck kann etwas mehr Salz sinnvoll sein – das sollte jedoch ärztlich besprochen werden.
- Kompressionsstrümpfe können bei langem Stehen helfen.
- Medikamente überprüfen lassen, wenn Schwindel nach einer Neueinstellung oder Dosisänderung auftritt – nicht eigenmächtig absetzen.
- Kaffee und Schwarztee können kurzfristig anregen; Alkohol erweitert die Gefäße und verstärkt Kreislaufprobleme.
Wann zum Arzt?
Sofort den Notruf wählen, wenn Schwindel plötzlich auftritt und begleitet wird von:
- Lähmungen, Taubheitsgefühl, hängendem Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen, Doppelbildern oder starker Gangunsicherheit – mögliche Zeichen eines Schlaganfalls
- Brustschmerzen, Atemnot oder starkem Herzrasen
- plötzlichen, heftigsten Kopfschmerzen
- einer Ohnmacht während körperlicher Belastung oder im Liegen
Ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem:
- wiederholte Ohnmachtsanfälle oder Stürze
- Schwindel, der häufig wiederkehrt oder über Tage anhält
- Drehschwindel mit Hörverlust, Ohrdruck oder Ohrgeräuschen
- Schwindel nach einer Kopfverletzung
- erstmals auftretende Kreislaufprobleme im höheren Lebensalter oder bei bekannter Herzerkrankung
- Beschwerden in der Schwangerschaft oder bei Diabetes
Zur Abklärung gehören in der Regel ein ausführliches Gespräch, Blutdruckmessungen im Liegen und Stehen, ein EKG und gegebenenfalls Blutuntersuchungen sowie eine Prüfung des Gleichgewichtsorgans. Mehr zur Funktion des Herzens finden Sie unter Herz: Aufbau und Funktion.
Häufige Fragen und Antworten
-
Was ist der Unterschied zwischen Schwindel und einem Kreislaufproblem?
Schwindel ist ein Symptom, während Kreislaufprobleme eine Ursache von Schwindel sein können. -
Wie kann ich Schwindel im Alltag vorbeugen?
Regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen. -
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen, wenn ich unter Schwindel leide?
Wenn Schwindel plötzlich und schwerwiegend ist oder mit anderen Symptomen einhergeht. -
Sind natürliche Heilmittel sicher?
Nicht immer. Sprechen Sie mit einem Arzt, bevor Sie sie anwenden. -
Wie wird Schwindel diagnostiziert?
Eine Diagnose kann auf Grundlage von Symptomen und medizinischer Untersuchung erfolgen. -
Welche Symptome haben Kreislaufprobleme?
Typisch sind Schwindel, Benommenheit, Schwarzwerden vor den Augen, Schwäche, Blässe, kalter Schweiß, Übelkeit und Herzklopfen, im Extremfall eine kurze Ohnmacht. Die Beschwerden treten oft beim schnellen Aufstehen, nach langem Stehen oder bei Hitze auf. -
Was hilft schnell bei Kreislaufproblemen?
Sofort hinlegen und die Beine hochlagern, danach ein Glas Wasser trinken und langsam aufstehen. Auch kaltes Wasser über die Handgelenke kann den Kreislauf anregen. Bei Brustschmerzen, Atemnot, Lähmungen oder Sprachstörungen sofort den Notruf wählen. -
Welche Ursachen haben Kreislaufstörungen?
Häufig sind niedriger Blutdruck, Flüssigkeitsmangel, Hitze, langes Stehen oder ein zu schnelles Aufstehen. Auch Infekte, Blutarmut, Unterzuckerung, Medikamente und Herzrhythmusstörungen können dahinterstecken. Wiederkehrende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Gao Y et al. (2008). Radix astragali and orthostatic response: a double-masked crossover study. Aviation, space, and environmental medicine.
- Wikipedia: Schwindel
- Wikipedia (EN): Dizziness (EN)
- PubMed: Approach to the History and Evaluation of Vertigo and Dizziness (Review)
- PMC: The evaluation of a patient with dizziness
- PubMed: Evaluation of Acute Dizziness and Vertigo
- Schandry R, Duschek S (2008): The effect of Camphor-Crataegus berry extract combination on blood pressure and mental functions in chronic hypotension (PubMed)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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