Auge und Sehkraft: Aufbau, Sehstörungen & was hilft

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Was ist Sehkraft – und wie ist das Auge aufgebaut?

Die Augen sind unser wichtigstes Sinnesorgan: Ein großer Teil aller Sinneseindrücke erreicht das Gehirn über das Sehen. Unter Sehkraft (Sehschärfe oder Visus) versteht man die Fähigkeit, Einzelheiten scharf zu erkennen. Zum guten Sehen gehören aber noch mehr Leistungen: das Gesichtsfeld, das Farb- und Kontrastsehen, das Sehen in der Dämmerung und die Fähigkeit, zwischen Nähe und Ferne scharf zu stellen.

Das Licht durchläuft im Auge mehrere Stationen. Die klare Hornhaut und die dahinterliegende Linse bündeln es; die Linse ändert dabei ihre Form, um nahe und ferne Gegenstände scharf abzubilden. Die Regenbogenhaut (Iris) regelt wie eine Blende über die Pupille die Lichtmenge. Das gebündelte Licht trifft auf die Netzhaut (Retina), in der Stäbchen für das Dämmerungssehen und Zapfen für das Farb- und Scharfsehen sitzen. Die Stelle des schärfsten Sehens heißt Makula oder gelber Fleck – ihre gelbe Farbe stammt von den eingelagerten Pflanzenfarbstoffen Lutein und Zeaxanthin. Über den Sehnerv gelangen die Signale ins Gehirn. Ein feiner Tränenfilm hält die Oberfläche des Auges glatt, feucht und geschützt.

Die Netzhaut gehört zu den Geweben mit dem höchsten Sauerstoff- und Energieverbrauch im Körper. Sie wird über ein feines Gefäßnetz versorgt – deshalb wirken sich Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen so deutlich auf die Augen aus.

Ursachen für nachlassende Sehkraft

  • Fehlsichtigkeit: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung beruhen auf der Form von Auge und Hornhaut. Sie sind häufig erblich mitbedingt; Kurzsichtigkeit nimmt weltweit zu.
  • Alterssichtigkeit: Ab etwa dem 40. bis 45. Lebensjahr verliert die Linse an Elastizität, das Lesen in der Nähe fällt schwerer. Das ist ein natürlicher Alterungsvorgang und keine Krankheit.
  • Grauer Star (Katarakt): Eintrübung der Linse, vor allem im Alter; begünstigt durch UV-Licht, Rauchen und Diabetes.
  • Grüner Star (Glaukom): Schädigung des Sehnervs, häufig bei erhöhtem Augeninnendruck. Er verläuft lange unbemerkt und kann unbehandelt zur Erblindung führen.
  • Altersbedingte Makuladegeneration: Erkrankung der Stelle des schärfsten Sehens; Alter, Veranlagung und Rauchen sind die wichtigsten Risikofaktoren.
  • Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen: Diabetes und Bluthochdruck schädigen die feinen Netzhautgefäße.
  • Störungen der Augenoberfläche: trockene Augen oder eine Bindehautentzündung machen das Bild unruhig und unscharf.
  • Nährstoffmangel: Ein ausgeprägter Mangel an Vitamin A führt zu Nachtblindheit und Schäden der Augenoberfläche – in Europa selten, weltweit aber eine wichtige vermeidbare Ursache von Erblindung bei Kindern.

Symptome

Warnzeichen nachlassender Augengesundheit sind verschwommenes oder unscharfes Sehen, Schwierigkeiten beim Lesen, schlechteres Sehen in der Dämmerung und bei Nacht, Blendempfindlichkeit, verblasste Farben, Doppelbilder, verzerrt wirkende gerade Linien sowie Ausfälle im Gesichtsfeld. Häufige Begleitbeschwerden sind brennende, gerötete, trockene oder tränende Augen, Kopfschmerzen und rasche Ermüdung bei Bildschirmarbeit. Viele Augenerkrankungen – vor allem das Glaukom – verursachen anfangs jedoch keinerlei Beschwerden. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen so wichtig.

Schaden Bildschirme den Augen?

Langes Arbeiten am Bildschirm verursacht keine bleibenden Schäden, kann aber vorübergehend zu müden, trockenen und brennenden Augen führen („Computer Vision Syndrom“). Ein Grund: Beim konzentrierten Blick auf den Bildschirm blinzeln wir deutlich seltener. Bei Kindern wird ein Zusammenhang zwischen viel Naharbeit, wenig Zeit im Freien und der Entstehung von Kurzsichtigkeit diskutiert; regelmäßiger Aufenthalt bei Tageslicht gilt als schützend.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei (zugelassene EU-Angabe); es ist Baustein des Sehpurpurs in der Netzhaut.
  • Beta-Carotin ist die pflanzliche Vorstufe von Vitamin A; hochdosierte Präparate sind für Raucher jedoch ungeeignet.
  • Lutein und Zeaxanthin sind in der Makula angereichert und filtern dort energiereiches blaues Licht; in Studien vor allem bei Makuladegeneration untersucht.
  • Zink und Riboflavin (Vitamin B2) tragen zur Erhaltung normaler Sehkraft bei (zugelassene EU-Angaben).
  • DHA trägt bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg zur Erhaltung normaler Sehkraft bei (zugelassene EU-Angabe).
  • Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen; es ist Bestandteil der in der AREDS-Studie untersuchten Nährstoffkombination.
  • OPC (oligomere Proanthocyanidine) werden als Antioxidantien geschätzt; belastbare Studien zur Sehkraft fehlen.
  • Heidelbeere liefert Anthocyane; die verbreitete Annahme, sie verbessere das Nachtsehen, hat sich in kontrollierten Studien nicht verlässlich bestätigt.
  • Augentrost wird traditionell bei gereizten, müden Augen verwendet; die Wirksamkeit ist wissenschaftlich kaum untersucht.
  • Ginkgo und Goji gelten volksmedizinisch bzw. in der chinesischen Tradition als augenfreundlich; ein Nutzen für die Sehkraft ist nicht belegt.

Was zeigen die großen Studien?

Die besten Daten stammen aus der amerikanischen AREDS-Studie (2001): Bei Menschen mit mittelschwerer altersbedingter Makuladegeneration verringerte eine hochdosierte Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin, Zink und Kupfer das Risiko eines Fortschreitens zur Spätform. In der Nachfolgestudie AREDS2 (2013) wurde Beta-Carotin durch Lutein und Zeaxanthin ersetzt, weil es bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann; zusätzliches Omega-3 brachte dort keinen Vorteil. Wichtig: Diese Ergebnisse gelten für Menschen mit bereits bestehender Makuladegeneration in bestimmten Stadien – nicht für gesunde Augen, und sie betreffen weder den grauen Star noch Fehlsichtigkeiten.

Kann man die Sehkraft natürlich stärken oder die Durchblutung verbessern?

Eine bestehende Fehlsichtigkeit lässt sich weder durch Nährstoffe noch durch Augentraining beseitigen. Die Durchblutung der Augen hängt vor allem von gesunden Gefäßen ab: Bewegung, Nichtrauchen und gut eingestellte Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte sind die wirksamsten Maßnahmen. Augentropfen, Kräuter oder Nahrungsergänzungen, die die Durchblutung des Auges gezielt anregen, sind nicht belegt.

Was Sie selbst tun können

  • Bunt essen: Grünes Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl, Brokkoli, Erbsen und Eigelb liefern Lutein und Zeaxanthin; Karotten, Kürbis und Süßkartoffeln Beta-Carotin; Paprika, Zitrusfrüchte und Beeren Vitamin C; Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkorn Zink; fettreicher Seefisch DHA.
  • Nicht rauchen: Rauchen ist einer der stärksten beeinflussbaren Risikofaktoren für Makuladegeneration und grauen Star; ein Rauchstopp lohnt sich in jedem Alter.
  • UV-Schutz: Im Freien, besonders in den Bergen, am Wasser und im Schnee, eine Sonnenbrille mit geprüftem UV-Schutz tragen.
  • Bildschirmpausen: Etwa alle 20 Minuten für rund 20 Sekunden in die Ferne blicken, bewusst blinzeln, Bildschirm etwas unter Augenhöhe und in ausreichendem Abstand aufstellen, für gute Beleuchtung ohne Blendung sorgen.
  • Raumluft: Trockene Heizungsluft und Zugluft meiden; bei trockenen Augen helfen befeuchtende Augentropfen aus der Apotheke.
  • Kinder ins Freie: Tägliche Zeit im Freien bei Tageslicht gilt als Schutz vor Kurzsichtigkeit.
  • Gefäße schützen: Bewegung, gesundes Körpergewicht, Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen.
  • Vorsorge: Augenärztliche Untersuchungen in jedem Alter; ab etwa 40 Jahren wird eine Glaukom-Früherkennung empfohlen, bei Diabetes eine jährliche Kontrolle des Augenhintergrunds.
  • Vorsicht bei Hausmitteln am Auge: Selbst hergestellte Kräuterauflagen oder Teespülungen können Keime ins Auge bringen. Am Auge nur sterile Fertigpräparate verwenden.

Wann zum Arzt?

Eine Untersuchung beim Augenarzt ist angezeigt, wenn sich das Sehen allmählich verschlechtert, Lesen oder Autofahren schwerer fällt, Augenbeschwerden länger als einige Tage anhalten oder in der Familie Glaukom oder Makuladegeneration bekannt sind.

Sofort ärztliche Hilfe – Augenarzt, Augenambulanz oder Notruf – ist nötig bei:

  • plötzlichem Sehverlust oder plötzlich stark verschlechtertem Sehen, auch wenn es nur ein Auge betrifft,
  • plötzlichen Lichtblitzen, einem „Rußregen“ vieler neuer schwarzer Punkte oder einem Schatten bzw. Vorhang im Gesichtsfeld (Hinweis auf eine Netzhautablösung),
  • plötzlich verzerrt gesehenen geraden Linien oder einem dunklen Fleck in der Bildmitte,
  • plötzlichen Doppelbildern, Gesichtsfeldausfällen oder Sehstörungen zusammen mit Lähmungen oder Sprachstörungen (Verdacht auf Schlaganfall),
  • einem stark schmerzenden, geröteten Auge mit Sehverschlechterung, Kopfschmerz oder Übelkeit (möglicher akuter Glaukomanfall),
  • Verletzungen, Fremdkörpern oder Verätzungen des Auges – bei Verätzungen sofort mit viel klarem Wasser spülen.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie kann ich meine Sehkraft im Alltag schützen?
    Regelmäßige Augenuntersuchungen, das Tragen von Sonnenbrillen im Freien und eine ausgewogene Ernährung können dazu beitragen, Ihre Sehkraft zu schützen.
  2. Kann ich meine Brille loswerden?
    Nein, eine bestehende Fehlsichtigkeit wie Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeit lässt sich weder durch Nährstoffe noch durch Kräuter oder Augentraining beheben. Eine gute Versorgung mit Nährstoffen unterstützt die normale Funktion der Augen, ersetzt aber keine Brille. Alternativen wie Kontaktlinsen oder eine Laserbehandlung bespricht man mit dem Augenarzt.
  3. Ab welchem Alter sollte ich meine Augen regelmäßig überprüfen lassen?
    Augenuntersuchungen sind in jedem Lebensalter sinnvoll, bei Kindern im Rahmen der Vorsorge. Ab etwa 40 Jahren wird eine regelmäßige Glaukom-Früherkennung empfohlen, weil der grüne Star lange keine Beschwerden macht. Menschen mit Diabetes sollten den Augenhintergrund jährlich kontrollieren lassen.
  4. Welche Lebensmittel sind gut für die Augen?
    Lebensmittel wie Spinat, Lachs und Orangen enthalten Nährstoffe, die gut für die Augen sind.
  5. Können Bildschirme und Computer die Sehkraft beeinträchtigen?
    Langes Betrachten von Bildschirmen kann vorübergehende Augenbeschwerden verursachen, die als Computer Vision Syndrom bekannt sind.
  6. Kann man die Durchblutung der Augen verbessern?
    Die Augen profitieren von allem, was die Gefäße schützt: Bewegung, Nichtrauchen und gut eingestellte Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte. Regelmäßige Bildschirmpausen und bewusstes Blinzeln entlasten zusätzlich. Plötzliche Sehstörungen oder Sehverlust sind ein Notfall und gehören sofort ärztlich abgeklärt.
  7. Welche Nährstoffe und Naturheilmittel unterstützen die Sehkraft?
    Vitamin A, Riboflavin, Zink und die Omega-3-Fettsäure DHA tragen laut zugelassenen EU-Angaben zur Erhaltung normaler Sehkraft bei. Lutein und Zeaxanthin aus grünem Gemüse sowie Heidelbeeren werden ebenfalls geschätzt. Eine bestehende Fehlsichtigkeit lässt sich damit jedoch nicht beheben.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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