Makuladegeneration (Netzhautverkalkung) - Ursachen, Symptome und natürliche Unterstützung

Was ist eine Makuladegeneration?
Die Makuladegeneration ist eine Erkrankung der Netzhaut, die den „Gelben Fleck“ (Macula lutea) betrifft. Dieses nur wenige Millimeter große Areal in der Mitte der Netzhaut ist für das scharfe zentrale Sehen zuständig – zum Lesen, zum Erkennen von Gesichtern, zum Autofahren und für das Farbsehen. Bei der Erkrankung gehen dort nach und nach Sehzellen und die darunterliegende Pigmentschicht zugrunde.
Die mit Abstand häufigste Form ist die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), die vor allem Menschen ab etwa 50 Jahren betrifft und mit dem Alter deutlich zunimmt. Sie gehört in Industrieländern zu den häufigsten Ursachen schwerer Sehbehinderung im höheren Lebensalter. Daneben gibt es seltene erbliche Formen, die schon in jüngeren Jahren beginnen.
Warum „Netzhautverkalkung“?
Im Volksmund wird die AMD oft als Netzhautverkalkung bezeichnet. Der Begriff ist irreführend: Die typischen gelblichen Ablagerungen unter der Netzhaut, die sogenannten Drusen, bestehen überwiegend aus Fett- und Eiweißresten des Zellstoffwechsels, nicht aus Kalk. Mit Verkalkungen der Blutgefäße (Arteriosklerose) hat die Erkrankung nichts direkt zu tun, auch wenn sie gemeinsame Risikofaktoren haben.
Trockene und feuchte Form
- Trockene AMD: Sie macht den Großteil der Fälle aus und schreitet meist langsam über Jahre fort. Im Frühstadium bilden sich Drusen; im Spätstadium sterben Netzhautareale flächig ab (geografische Atrophie).
- Feuchte (neovaskuläre) AMD: Unter der Netzhaut wachsen krankhafte, undichte Blutgefäße ein. Flüssigkeit und Blut treten aus, die Netzhaut schwillt an und vernarbt. Das Sehen kann sich innerhalb von Wochen deutlich verschlechtern. Eine trockene AMD kann in eine feuchte übergehen.
Ursachen
Die AMD entsteht durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Mit den Jahren lässt die Fähigkeit der Netzhaut nach, Stoffwechselabfälle abzubauen; oxidativer Stress und entzündliche Prozesse tragen zur Schädigung bei. Bekannte Risikofaktoren sind:
- Alter: der wichtigste Risikofaktor.
- Rauchen: der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor; Rauchende erkranken deutlich häufiger und früher (siehe Rauchen aufhören).
- Erbliche Veranlagung: Erkrankungen in der Familie erhöhen das Risiko; bestimmte Genvarianten sind gut untersucht.
- Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht und ungünstige Blutfette werden als Mitursachen diskutiert.
- Ernährung: Eine Kost arm an Gemüse, Obst und Fisch ist in Beobachtungsstudien mit einem höheren Risiko verbunden.
- Licht: Ob intensive Sonnen- oder Blaulichtbelastung das Risiko erhöht, ist nicht eindeutig geklärt; ein guter Sonnenschutz für die Augen ist dennoch sinnvoll.
Symptome
Im Frühstadium verursacht die AMD oft keine Beschwerden und wird nur bei einer augenärztlichen Untersuchung entdeckt. Da meist zunächst ein Auge stärker betroffen ist, gleicht das andere Auge Ausfälle lange aus. Typische Anzeichen sind:
- verschwommenes Sehen in der Mitte des Gesichtsfeldes, Schwierigkeiten beim Lesen
- verzerrtes Sehen: gerade Linien wie Türrahmen, Fliesenfugen oder Textzeilen erscheinen wellig oder geknickt
- ein grauer oder dunkler Fleck im Zentrum des Blickfeldes
- Probleme beim Erkennen von Gesichtern
- nachlassendes Kontrast- und Farbsehen, erhöhter Lichtbedarf beim Lesen, Blendempfindlichkeit
Das Gesichtsfeld außen bleibt erhalten. Auch bei fortgeschrittener AMD können sich Betroffene deshalb meist noch im Raum orientieren, auch wenn Lesen und feine Tätigkeiten schwer oder unmöglich werden.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Lutein ist ein Carotinoid, das sich in der Makula anreichert und dort energiereiches blaues Licht filtert; als Teil einer Nährstoffkombination bei fortgeschrittener AMD untersucht.
- Zeaxanthin ist das zweite Makulapigment und wird gemeinsam mit Lutein eingesetzt.
- Zink trägt laut zugelassener EU-Angabe zur Erhaltung normaler Sehkraft bei und ist Bestandteil der in Studien geprüften Nährstoffkombination.
- Vitamin C und Vitamin E schützen Zellbestandteile vor oxidativem Stress und gehören ebenfalls zu dieser Kombination.
- Omega 3: DHA trägt laut zugelassener EU-Angabe zur Erhaltung normaler Sehkraft bei; ein Schutz vor dem Fortschreiten der AMD durch Kapseln ist nicht belegt.
- Vitamin B: Eine Kombination aus Folsäure, Vitamin B6 und B12 war in einer Studie mit Frauen mit einem geringeren AMD-Risiko verbunden.
- Ginkgo wird traditionell zur Förderung der Durchblutung verwendet; ob er bei AMD nützt, ist nicht geklärt.
- Heidelbeere, Safran und Augentrost werden in der Naturheilkunde für die Augen geschätzt; für die AMD fehlen belastbare Belege.
Die AREDS-Studien: was Nährstoffe leisten können
Die wichtigsten Daten stammen aus zwei großen amerikanischen Studien, AREDS und AREDS2. Eine Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer und ursprünglich Beta-Carotin verlangsamte bei Menschen mit mittelschwerer AMD oder einer Spätform an einem Auge das Fortschreiten zur Spätform. In AREDS2 wurde Beta-Carotin durch Lutein und Zeaxanthin ersetzt, weil Beta-Carotin bei Rauchenden das Lungenkrebsrisiko erhöht. Die Langzeitauswertung (Chew und Kollegen, 2022) bestätigte diesen Austausch: Unter Beta-Carotin war das Lungenkrebsrisiko fast verdoppelt, unter Lutein und Zeaxanthin nicht signifikant erhöht, und Lutein und Zeaxanthin schnitten bei der Spätform-Entwicklung etwas günstiger ab.
Wichtig für die Einordnung: Ein Cochrane-Review (Evans und Lawrenson, 2017) sieht für solche Kombinationen eine mögliche Verzögerung des Fortschreitens, deren Befund aber weitgehend auf einer großen Studie in einer gut ernährten Bevölkerung beruht. Lutein und Zeaxanthin allein zeigten dort wenig oder keinen Effekt auf das Fortschreiten. Für Menschen ohne AMD oder mit nur sehr frühen Veränderungen ist ein Nutzen dieser hochdosierten Präparate nicht belegt. Ob eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist, sollte daher augenärztlich je nach Stadium entschieden werden.
Omega-3, B-Vitamine und Ginkgo
Ein Cochrane-Review zu Omega-3-Fettsäuren (Lawrenson und Evans, 2015) fand, dass Kapseln über bis zu fünf Jahre das Fortschreiten zur Spätform nicht verringern. Fettreicher Fisch bleibt als Teil einer ausgewogenen Ernährung dennoch empfehlenswert. In einer großen Studie mit Frauen (Christen und Kollegen, 2009) war die Einnahme von Folsäure, Vitamin B6 und B12 mit einem geringeren Risiko verbunden, an AMD zu erkranken; bestätigt ist das bisher nicht. Zu Ginkgo kommt ein Cochrane-Review (Evans, 2013) zu dem Schluss, dass die Frage nach einem Nutzen bei AMD bisher nicht beantwortet ist. Auch für Lycopin, OPC oder Schisandra gibt es keine aussagekräftigen Studien zur AMD.
Was Sie selbst tun können
- Nicht rauchen: Der Rauchstopp ist die wirksamste Maßnahme, die Sie selbst in der Hand haben – in jedem Alter.
- Farbenfroh essen: Grünes Blattgemüse wie Grünkohl und Spinat, außerdem Erbsen, Brokkoli, Mais und Eigelb liefern Lutein und Zeaxanthin; Obst, Nüsse und Pflanzenöle ergänzen Vitamin C und E. Fettreicher Fisch ein- bis zweimal pro Woche liefert Omega-3-Fettsäuren.
- Herz und Gefäße schützen: Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Körpergewicht im Blick behalten und sich regelmäßig bewegen.
- Augen vor Blendung schützen: eine Sonnenbrille mit UV-Schutz und eine Kappe mit Schirm bei starker Sonne.
- Regelmäßig zur Augenärztin oder zum Augenarzt: Ab dem mittleren Lebensalter, bei AMD in der Familie oder bei bekannten Drusen sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
- Selbsttest mit dem Amsler-Gitter: Ein Karopapier mit Mittelpunkt, regelmäßig mit jedem Auge einzeln betrachtet, hilft, neu auftretende Verzerrungen früh zu bemerken.
- Vergrößernde Sehhilfen: Lupen, gute Beleuchtung, Großdruck und elektronische Lesehilfen erleichtern den Alltag bei fortgeschrittener AMD.
Hochdosierte Augenpräparate sollten nicht ohne Rücksprache eingenommen werden: Beta-Carotin ist für Rauchende und ehemalige Rauchende ungeeignet, und hohe Zinkmengen können über längere Zeit die Kupferaufnahme stören. Allgemeine Hinweise zur Augengesundheit finden Sie unter Sehkraft.
Wann zum Arzt?
Bei den folgenden Anzeichen sollten Sie rasch, möglichst innerhalb weniger Tage, augenärztlich untersucht werden:
- gerade Linien erscheinen plötzlich wellig oder verzerrt
- ein neuer dunkler oder grauer Fleck in der Mitte des Sehfeldes
- eine rasche Verschlechterung der Sehschärfe an einem Auge
Diese Zeichen können auf eine feuchte AMD hinweisen. Sie wird mit Medikamenten behandelt, die in regelmäßigen Abständen ins Auge gespritzt werden und das Wachstum der krankhaften Gefäße hemmen (VEGF-Hemmer). Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr Sehvermögen lässt sich in der Regel erhalten. Für die trockene Form gibt es keine Therapie, die abgestorbene Sehzellen ersetzt; hier geht es um regelmäßige Kontrollen, das Erkennen eines Übergangs in die feuchte Form und gute Sehhilfen. Plötzlicher Sehverlust, Lichtblitze, ein „Rußregen“ oder ein Schatten im Gesichtsfeld sind ein Notfall und gehören sofort in augenärztliche Behandlung.
Häufige Fragen und Antworten
-
Kann Makuladegeneration geheilt werden?
Makuladegeneration kann oft nicht geheilt, aber ihr Fortschreiten kann möglicherweise verlangsamt werden. -
Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Prävention von Makuladegeneration?
In Beobachtungsstudien ist eine Ernährung mit viel grünem Blattgemüse, Obst, Nüssen und Fisch mit einem geringeren AMD-Risiko verbunden. Grünkohl, Spinat, Erbsen, Brokkoli, Mais und Eigelb liefern Lutein und Zeaxanthin. Hochdosierte Nährstoffkombinationen haben sich vor allem bei bereits mittelschwerer AMD als möglicherweise verlangsamend erwiesen – ob sie im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die Augenärztin oder der Augenarzt. -
Wie häufig ist Makuladegeneration?
Die altersabhängige Makuladegeneration gehört in Industrieländern zu den häufigsten Ursachen schwerer Sehbehinderung im höheren Lebensalter und wird mit jedem Lebensjahrzehnt häufiger. Seltene erbliche Formen können schon in jüngeren Jahren auftreten. -
Gibt es Risikofaktoren für Makuladegeneration?
Ja. Der wichtigste Risikofaktor ist das Alter, der wichtigste beeinflussbare das Rauchen. Hinzu kommen erbliche Veranlagung sowie Herz-Kreislauf-Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht. Ob starke Licht- oder UV-Belastung das Risiko erhöht, ist nicht eindeutig geklärt. -
Wie wird Makuladegeneration diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt durch einen Augenarzt, der verschiedene Tests durchführt, einschließlich einer Fundoskopie und einer Sehprüfung. -
Was ist der Unterschied zwischen trockener und feuchter Makuladegeneration?
Die trockene Form ist die häufigere und schreitet langsam voran, dabei gehen Sehzellen in der Makula nach und nach zugrunde. Bei der feuchten Form wachsen krankhafte Blutgefäße unter die Netzhaut, aus denen Flüssigkeit austritt, das Sehen kann sich dann rasch verschlechtern. Die feuchte Form ist mit Injektionen ins Auge behandelbar, plötzlich verzerrtes Sehen sollte daher umgehend augenärztlich untersucht werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft et al. (2015): Stellungnahme der Retinologischen Gesellschaft, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands zur Strahlentherapie bei neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration. Klin Monbl Augenheilkd 232(12):1424-7. → PubMed PMID 26678907
- Wikipedia: Makuladegeneration
- Wikipedia (EN): Macular degeneration (EN)
- PMC: Long-term Outcomes of Lutein/Zeaxanthin and Omega-3 in AMD Progression - AREDS2 Report 28
- PMC: Dietary Supplementations on Delaying AMD Progression - Systematic Review and Meta-Analysis (2022)
- Cochrane/PubMed: Antioxidant vitamin and mineral supplements for slowing the progression of AMD
- PMC: Lutein and Zeaxanthin - Food Sources, Bioavailability and AMD Protection
- AREDS2 Research Group (2013): Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration – the AREDS2 randomized clinical trial. PubMed 23644932
- Lawrenson JG, Evans JR (2015): Omega 3 fatty acids for preventing or slowing the progression of age-related macular degeneration. Cochrane Review – PubMed 25856365
- Evans JR (2013): Ginkgo biloba extract for age-related macular degeneration. Cochrane Review – PubMed 23440785
- Christen WG et al. (2009): Folic acid, pyridoxine, and cyanocobalamin combination treatment and age-related macular degeneration in women (WAFACS). PubMed 19237716
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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