Harnsäure erhöht: Ursachen, Symptome und natürliche Unterstützung

Kraeutermax Lexikon Harnsaeure_erhoeht

Was ist erhöhte Harnsäure?

Harnsäure ist das Endprodukt des Abbaus von Purinen. Purine sind Bausteine der Erbsubstanz und kommen in jeder Körperzelle sowie in vielen Lebensmitteln vor. Der Körper bildet Harnsäure also zum einen aus eigenen, laufend erneuerten Zellen, zum anderen aus der Nahrung. Anders als die meisten Säugetiere kann der Mensch Harnsäure nicht weiter abbauen. Sie wird zum größten Teil über die Nieren und zu einem kleineren Teil über den Darm ausgeschieden.

Ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut heißt medizinisch Hyperurikämie. Meist spricht man davon ab einem Wert von etwa 6,5 bis 7 mg/dl (rund 390 bis 420 µmol/l); die Grenzwerte unterscheiden sich je nach Labor und Leitlinie leicht. Ab etwa 6,8 mg/dl ist Harnsäure im Blut nicht mehr vollständig löslich und kann als Kristalle ausfallen. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen, deren Harnsäurewerte vor den Wechseljahren durch die Östrogene niedriger liegen.

Harnsäure leicht erhöht – was bedeutet das?

Ein leicht erhöhter Wert ist häufig und für sich genommen noch keine Krankheit. Viele Menschen haben über Jahre erhöhte Werte, ohne je Beschwerden zu bekommen. Er ist aber ein Signal, Ernährung, Gewicht und Trinkmenge zu überprüfen, und sollte bei weiteren Risikofaktoren ärztlich verlaufskontrolliert werden.

Ursachen

Man unterscheidet zwei Formen:

  • Primäre Hyperurikämie: die mit Abstand häufigste Form. Meist ist sie erblich mitbedingt und beruht darauf, dass die Nieren zu wenig Harnsäure ausscheiden. Eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko deutlich.
  • Sekundäre Hyperurikämie: Hier ist der erhöhte Wert Folge einer anderen Ursache, zum Beispiel einer eingeschränkten Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), bestimmter Medikamente oder eines vermehrten Zellzerfalls.

Häufige Auslöser und Ursachen erhöhter Harnsäure

  • Purinreiche Ernährung: viel Fleisch, Wurst, Innereien, bestimmte Fische (etwa Sardinen, Hering) und Meeresfrüchte.
  • Alkohol, besonders Bier: Alkohol hemmt die Ausscheidung über die Nieren; Bier enthält zusätzlich Purine – auch alkoholfreies Bier.
  • Zuckerhaltige Getränke: Größere Mengen Fruchtzucker (Fruktose), etwa aus Limonaden und Säften, steigern die Harnsäurebildung in der Leber.
  • Übergewicht und Stoffwechsel: Hyperurikämie tritt gehäuft gemeinsam mit Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Diabetes auf.
  • Fasten und Crash-Diäten: Beim schnellen Abnehmen entstehen Ketonkörper, die die Harnsäureausscheidung vorübergehend bremsen.
  • Medikamente: vor allem Entwässerungsmittel (Diuretika), aber auch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure und einige weitere Wirkstoffe. Verordnete Medikamente nie eigenmächtig absetzen.
  • Vermehrter Zellabbau: etwa bei einer Krebstherapie, bestimmten Bluterkrankungen oder ausgedehnter Schuppenflechte.

Harnsäure erhöht und Handekzem?

Ein direkter Zusammenhang zwischen erhöhter Harnsäure und einem Ekzem an den Händen ist nicht belegt. Bekannt ist dagegen, dass bei Schuppenflechte – die an den Händen einem Ekzem ähneln kann – die Harnsäurewerte häufiger erhöht sind. Hautveränderungen an den Händen sollten deshalb hautärztlich abgeklärt werden, statt sie allein auf den Harnsäurewert zurückzuführen.

Symptome

Erhöhte Harnsäure verursacht selbst keine Beschwerden. Die meisten Betroffenen erfahren davon zufällig bei einer Blutuntersuchung. Probleme entstehen erst, wenn sich Harnsäurekristalle ablagern:

  • Gichtanfall: plötzlich, oft nachts einsetzende, sehr starke Schmerzen in einem Gelenk, häufig im Großzehengrundgelenk, mit Rötung, Überwärmung und Schwellung. Mehr dazu unter Gicht.
  • Gichtknoten (Tophi): bei lange unbehandelter Gicht Ablagerungen unter der Haut, etwa an Ohren, Fingern oder Ellenbogen.
  • Nierensteine: Harnsäure kann im sauren Urin auskristallisieren und Nierensteine bilden, die kolikartige Flankenschmerzen verursachen.
  • Nierenschäden: Dauerhaft sehr hohe Werte können die Nieren belasten.

Hohe Harnsäurewerte gehen zudem häufiger mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Ob die Harnsäure dabei Ursache oder nur Begleiterscheinung ist, wird in der Forschung noch diskutiert.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Kirschen – in einer Beobachtungsstudie mit weniger Gichtanfällen verbunden; eine Senkung der Harnsäure ließ sich in einer kontrollierten Studie nicht bestätigen. Siehe auch Sauerkirsche.
  • Vitamin C – senkt die Harnsäure in Studien leicht, etwa über Obst und Gemüse oder Ergänzungen.
  • Basenpulver – macht den Urin weniger sauer, wodurch Harnsäure dort besser gelöst bleibt; den Blutwert senkt es kaum.
  • Birke – Birkenblätter werden traditionell zur Durchspülung der Harnwege und volksmedizinisch bei Gicht und Rheuma verwendet.
  • Brennnessel – traditionell als harntreibender Tee und bei rheumatischen Beschwerden genutzt.
  • Haferkraut – volksmedizinisch zur Unterstützung des Stoffwechsels; für die Harnsäure gibt es keine Belege.
  • Chlorella – wird in der Naturheilkunde zur „Entgiftung“ empfohlen; eine harnsäuresenkende Wirkung ist nicht nachgewiesen.
  • Pu-Erh-Tee – traditionell zur Unterstützung von Stoffwechsel und Verdauung getrunken; Studien zur Harnsäure beim Menschen fehlen.

Was die Studienlage zeigt

Am besten untersucht sind Kirschen und Vitamin C. In einer Beobachtungsstudie mit 633 Gichtkranken (Zhang und Kollegen, 2012) war der Verzehr von Kirschen an zwei Tagen mit einem um 35 Prozent geringeren Risiko für einen Gichtanfall verbunden. In einer kontrollierten Studie (Stamp und Kollegen, 2020) senkte Sauerkirschkonzentrat über vier Wochen den Harnsäurewert dagegen nicht. Für Vitamin C fand eine Auswertung von 13 kontrollierten Studien (Juraschek und Kollegen, 2011) eine leichte Senkung um durchschnittlich 0,35 mg/dl – das kann bei leicht erhöhten Werten einen Beitrag leisten, ersetzt bei Gicht aber keine Behandlung.

Harnsäurespiegel natürlich senken – Hausmittel richtig einordnen

Kräutertees aus Birkenblättern oder Brennnessel erhöhen vor allem die Harnmenge. Das ist sinnvoll, weil ausreichend Flüssigkeit die Ausscheidung unterstützt und Nierensteinen vorbeugt. Eine gezielte Senkung des Harnsäurespiegels ist für diese Pflanzen aber nicht belegt. Harntreibende Tees sind nicht geeignet, wenn wegen einer Herz- oder Nierenerkrankung weniger getrunken werden soll.

Basenpulver gegen Harnsäure?

Basische Salze wie Natriumhydrogencarbonat oder Citrate heben den pH-Wert des Urins. In weniger saurem Urin bleibt Harnsäure besser gelöst, was die Bildung von Harnsäuresteinen erschweren kann – in der Medizin wird dieses Prinzip gezielt genutzt. Den Harnsäurewert im Blut senkt Basenpulver jedoch nicht nennenswert. Bei Nierenerkrankungen, Bluthochdruck oder kaliumsparenden Medikamenten sollte Basenpulver nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

Was Sie selbst tun können

  • Viel trinken: etwa zwei Liter pro Tag, bevorzugt Wasser und ungesüßte Kräutertees – sofern ärztlich nichts anderes empfohlen ist.
  • Purine reduzieren: Innereien meiden, Fleisch, Wurst, Meeresfrüchte und purinreiche Fische einschränken. Gemüse und Hülsenfrüchte sind nach heutigem Wissen weniger bedeutsam.
  • Weniger Alkohol: besonders Bier und Spirituosen. Zu Alkohol allgemein siehe Alkoholismus.
  • Zuckerhaltige Getränke meiden: Limonaden und größere Mengen Fruchtsaft durch Wasser ersetzen.
  • Schrittweise abnehmen: Langsame Gewichtsabnahme senkt die Harnsäure; strenges Fasten kann sie dagegen kurzfristig erhöhen.
  • Fettarme Milchprodukte: Sie werden in Studien mit niedrigeren Harnsäurewerten in Verbindung gebracht.
  • Bewegung: Regelmäßige, moderate Bewegung unterstützt Gewicht und Stoffwechsel.

Ob eine erhöhte Harnsäure ohne Beschwerden medikamentös behandelt wird, entscheidet der Arzt. Bei Gicht kommen Wirkstoffe wie Allopurinol oder Febuxostat zum Einsatz, die die Harnsäurebildung hemmen. Naturheilmittel können diese Behandlung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Wann zum Arzt?

  • bei plötzlich stark schmerzendem, gerötetem und geschwollenem Gelenk – besonders mit Fieber, um eine Gelenkinfektion auszuschließen
  • bei kolikartigen Flankenschmerzen, Blut im Urin oder Problemen beim Wasserlassen
  • bei wiederholt erhöhten Harnsäurewerten, vor allem zusammen mit Bluthochdruck, Diabetes oder Nierenerkrankungen
  • bevor Sie eine Kur oder Nahrungsergänzungen beginnen, wenn Sie Medikamente einnehmen

Grundsätzlich gilt: Naturheilmittel haben ihren Platz in der Vorbeugung und Begleitung. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich; wer Medikamente einnimmt oder Vorerkrankungen hat, sollte sich vorab ärztlich oder in Drogerie und Apotheke beraten lassen.

Häufige Fragen und Antworten

  • Kann ich erhöhte Harnsäure selbst behandeln? Bei leicht erhöhten Werten ohne Beschwerden können Sie mit Ernährung, Trinkmenge und Gewicht viel erreichen. Bei Gichtanfällen, Nierensteinen oder sehr hohen Werten sollten Sie einen Arzt konsultieren.
  • Wie kann ich meinen Harnsäurespiegel kontrollieren? Eine purinarme Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, wenig Alkohol und regelmäßige Blutkontrollen beim Arzt helfen dabei.
  • Welche Lebensmittel sollte ich bei erhöhter Harnsäure vermeiden? Vermeiden Sie purinreiche Lebensmittel wie Innereien, größere Mengen Fleisch und Meeresfrüchte sowie alkoholische Getränke, besonders Bier, und zuckerhaltige Limonaden.
  • Kann Hyperurikämie vererbt werden? Ja, eine genetische Veranlagung kann das Risiko erhöhen.
  • Was sind die langfristigen Auswirkungen von unbehandelter Hyperurikämie? Unbehandelte Hyperurikämie kann zu Gichtanfällen, Nierensteinen und Nierenschäden führen.
  • Was sind die Ursachen für erhöhte Harnsäure? Häufige Ursachen sind eine erbliche Veranlagung, purinreiche Ernährung mit viel Fleisch, Innereien und Meeresfrüchten, Alkohol (besonders Bier), zuckerhaltige Getränke, Übergewicht sowie eine eingeschränkte Nierenfunktion. Auch einige Medikamente wie Entwässerungsmittel können den Wert erhöhen.
  • Wie kann man Harnsäure natürlich senken? Hilfreich sind viel Wasser trinken, weniger Fleisch, Innereien und Alkohol, Verzicht auf zuckerhaltige Getränke und eine schrittweise Gewichtsabnahme. Kirschen und Kaffee sollen den Harnsäurespiegel leicht senken. Bei Gicht oder sehr hohen Werten ist eine ärztliche Behandlung nötig.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.