Buchweizenkraut: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Der Echte Buchweizen (Fagopyrum esculentum Moench) ist trotz seines Namens kein Getreide, sondern gehört zur Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) – ebenso wie Rhabarber und Sauerampfer. Weil seine Körner wie Getreide verwendet werden, zählt man ihn zu den sogenannten Pseudogetreiden. In Österreich ist er vor allem unter dem Namen Heiden oder Heidenkorn bekannt, etwa aus dem steirischen und Kärntner Heidensterz.
Buchweizen ist eine einjährige, rasch wachsende Pflanze, die etwa 15 bis 60 Zentimeter hoch wird. Der Stängel ist oft rötlich überlaufen, die Blätter sind herz- bis pfeilförmig. Von Juli bis in den September trägt die Pflanze dichte Blütenstände aus kleinen, weißen bis zartrosa Blüten, die reichlich Nektar bilden und gern von Bienen besucht werden. Aus ihnen entstehen dreikantige, braune Nüsschen, die an die Früchte der Rotbuche – die Bucheckern – erinnern. Daher stammt der Name „Buch-Weizen“.
Die Wildform des Buchweizens stammt aus dem Südwesten Chinas. Über Zentralasien gelangte die Pflanze im Spätmittelalter nach Europa, wo sie auf kargen, sandigen Böden und in rauen Lagen angebaut wurde, in denen anderes Getreide schlecht gedieh.
- Familie: Polygonaceae (Knöterichgewächse)
- Volksnamen: Heiden, Heidenkorn
- Verwendete Teile: das zu Beginn der Blüte geerntete, getrocknete Kraut (Fagopyri herba) – nicht die Körner
Buchweizenkraut, Buchweizentee und Buchweizenkörner
Ist Buchweizentee dasselbe wie Buchweizenkraut-Tee? Nicht unbedingt. Buchweizenkraut-Tee wird aus den getrockneten Blättern, Stängeln und Blüten zubereitet und ist der Tee, um den es auf dieser Seite geht. Als „Buchweizentee“ wird dagegen häufig ein Getränk aus gerösteten Buchweizenkörnern angeboten, wie es in Japan und China verbreitet ist. Es schmeckt nussig-mild, enthält aber eine andere Zusammensetzung an Inhaltsstoffen als der Krauttee. Die Körner selbst sind ein glutenfreies Lebensmittel und für Menschen mit Zöliakie geeignet.
Inhaltsstoffe
Bedeutend ist Buchweizenkraut vor allem wegen seines hohen Gehalts an Rutin. Das Kraut enthält:
- Rutin: ein Flavonoid aus der Gruppe der Flavonol-Glykoside, chemisch eine Verbindung aus Quercetin und einem Zucker. Blätter und Blüten gehören zu den rutinreichsten Pflanzenteilen überhaupt; der Gehalt schwankt stark mit Sorte, Erntezeitpunkt und Witterung.
- Weitere Flavonoide und Phenolsäuren: unter anderem Quercetin, Hyperosid und Chlorogensäure.
- Fagopyrin: ein roter Farbstoff, der vor allem in den Blüten vorkommt und dem Hypericin des Johanniskrauts chemisch ähnelt. Er kann die Haut lichtempfindlich machen (siehe Gegenanzeigen).
- Gerbstoffe in geringer Menge sowie Mineralstoffe.
Rutin wurde erstmals aus der Weinraute (Ruta graveolens) gewonnen, nach der es benannt ist. Buchweizenkraut ist bis heute eine der wichtigsten pflanzlichen Rohstoffquellen für diesen Stoff.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Venenschwäche und schwere Beine: Traditionell bei chronischer Venenschwäche verwendet; eine placebokontrollierte Studie mit Buchweizenkraut-Tee gibt Hinweise auf einen Schutz vor zunehmenden Beinschwellungen.
- Krampfadern und Hämorrhoiden: Volksmedizinisch zur Unterstützung bei Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt; eine Heilung der Gefäßveränderungen ist nicht zu erwarten.
- Kleine Blutgefäße: Rutin soll die Haargefäße (Kapillaren) abdichten und weniger durchlässig machen – ein Wirkprinzip, das aus Labor- und Tierversuchen abgeleitet ist.
- Cholesterin und Blutzucker: Für Buchweizen (vor allem die Körner) gibt es Hinweise auf leicht günstige Effekte auf Cholesterin und Blutzucker; sie sind statistisch nicht gesichert.
- Haut: Volksmedizinisch äußerlich bei Ekzemen und Juckreiz verwendet; Studien dazu fehlen.
- Verdauung: Die Körner liefern Ballaststoffe, die bei Verstopfung helfen können; für den Krauttee ist eine Wirkung bei Verstopfung oder Blähungen nicht belegt.
Buchweizenkraut bei Venenbeschwerden
Bei einer chronischen Venenschwäche schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, das Blut staut sich in den Beinen, und Flüssigkeit tritt ins Gewebe über. Typisch sind schwere, müde Beine, Spannungsgefühl und abendliche Schwellungen an den Knöcheln. Mehr dazu lesen Sie unter Venen.
Ihme und Kollegen untersuchten 1996 in einer randomisierten, doppelblinden Studie 67 Patientinnen und Patienten mit chronischer Venenschwäche, die drei Monate lang Buchweizenkraut-Tee oder einen Placebotee tranken. In der Buchweizengruppe blieb das Unterschenkelvolumen stabil, in der Placebogruppe nahm es zu; der Unterschied war statistisch bedeutsam. Die subjektiven Beschwerden besserten sich allerdings in beiden Gruppen, und Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Autoren schlossen, dass der Tee einer weiteren Ödembildung entgegenwirken könnte. Es handelt sich um eine einzelne, eher kleine Studie – ein Hinweis, kein abschließender Beleg.
Bei Venenbeschwerden werden in der Pflanzenheilkunde häufig auch Rosskastanie, Rotes Weinlaub und Steinklee eingesetzt; für Rosskastaniensamen und Rotes Weinlaub ist die Datenlage deutlich umfangreicher. Grundlage jeder Venenbehandlung bleiben Bewegung, Hochlagern der Beine und – wenn ärztlich verordnet – Kompressionsstrümpfe.
Herz, Kreislauf und Stoffwechsel
Buchweizen wird oft mit der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Eine systematische Übersichtsarbeit von Llanaj und Kollegen (2022) fasste 16 Studien am Menschen zusammen, die überwiegend Buchweizenkörner oder deren Bestandteile untersuchten. Gesamtcholesterin und Blutzucker sanken in den zusammengefassten Studien tendenziell leicht, die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht gesichert, und viele Studien hatten methodische Schwächen. Die Autoren sehen die Beweislage als begrenzt an. Für den Krauttee selbst gibt es dazu kaum Daten. Bei erhöhtem Cholesterin, Bluthochdruck oder Diabetes ersetzt Buchweizenkraut keine ärztliche Behandlung.
Anwendung und Dosierung
- Tee: Das getrocknete Kraut mit kochendem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Menge und Anzahl der Tassen richten sich nach der Packungsbeilage; in der genannten Venenstudie wurde der Tee täglich über drei Monate getrunken.
- Anwendungsdauer: Bei Venenbeschwerden wird Buchweizenkraut traditionell über mehrere Wochen angewendet. Bessern sich die Beschwerden nicht oder treten neue Symptome auf, ärztlich abklären lassen.
- Extrakte und Kapseln: nach Packungsbeilage beziehungsweise Herstellerangaben.
- Äußerlich: Umschläge mit einem abgekühlten Aufguss sind volksmedizinisch überliefert; Belege für eine Wirkung auf der Haut gibt es nicht.
- Getrocknetes Buchweizenkraut aus Apotheke oder Drogerie verwenden, da hier Herkunft und Qualität geprüft sind.
Geschichte und Überlieferungen
In Europa ist Buchweizen seit dem Spätmittelalter als Kulturpflanze belegt. Im deutschen Sprachraum nannte man ihn „Heidenkorn“ – vermutlich, weil er aus dem Osten kam, den man mit den „Heiden“ verband. Als genügsame Feldfrucht für arme Böden und kurze Sommer wurde er vor allem in Norddeutschland, in den Niederlanden und in den Alpenländern angebaut. In Kärnten und der Steiermark gehören der Heidensterz bis heute zur regionalen Küche.
Als Heilpflanze gewann das Buchweizenkraut erst im 20. Jahrhundert an Bedeutung, nachdem man den hohen Rutingehalt erkannt hatte. Rutin und andere Flavonoide wurden damals intensiv als gefäßabdichtende Stoffe erforscht. Seither wird Buchweizenkraut vor allem bei Venenbeschwerden verwendet.
Aus der Tierhaltung ist eine weitere Beobachtung überliefert: Weidetiere mit heller Haut, die große Mengen blühenden Buchweizens fraßen, reagierten auf Sonnenlicht mit Hautentzündungen. Dieser sogenannte Fagopyrismus führte zur Entdeckung des lichtsensibilisierenden Farbstoffs Fagopyrin.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Buchweizenallergie: Buchweizen kann schwere allergische Reaktionen bis zum allergischen Schock auslösen. Wer auf Buchweizenkörner oder -mehl allergisch reagiert, sollte auch Buchweizenkraut meiden. In der EU gehört Buchweizen nicht zu den kennzeichnungspflichtigen Hauptallergenen – Betroffene müssen daher Zutatenlisten genau lesen. Mehr unter Allergie.
- Lichtempfindlichkeit: Das Fagopyrin kann die Haut gegenüber Sonnenlicht empfindlicher machen. Bei den üblichen Teemengen gilt das beim Menschen als wenig wahrscheinlich. Bei bekannter Lichtempfindlichkeit, bei Sonnenallergie oder bei Einnahme von Medikamenten, die lichtempfindlich machen, ist dennoch Vorsicht angebracht; hoch dosierte Extrakte sollten dann nicht verwendet werden.
- Verträglichkeit: In der Venenstudie wurden keine Nebenwirkungen beobachtet. Bei empfindlichem Magen können vereinzelt leichte Magenbeschwerden auftreten.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Es liegen keine ausreichenden Daten vor; daher nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.
- Kinder: Für Kinder fehlen Daten. Venenbeschwerden sind im Kindesalter untypisch und sollten ärztlich abgeklärt werden.
- Wechselwirkungen: Gesicherte Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind nicht bekannt. Wer blutverdünnende oder andere Dauermedikamente einnimmt, sollte eine regelmäßige Anwendung mit Arzt oder Apotheke abstimmen.
- Warnzeichen: Plötzlich einseitig geschwollenes, schmerzhaftes, gerötetes oder überwärmtes Bein, Atemnot oder Brustschmerzen können auf eine Thrombose oder Lungenembolie hinweisen – dann sofort ärztliche Hilfe holen. Auch Beinschwellungen beider Seiten können von Herz oder Nieren ausgehen und gehören abgeklärt.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie bereitet man Buchweizenkrauttee zu?
Übergießen Sie einen Teelöffel getrocknetes Buchweizenkraut mit heißem Wasser, lassen Sie es ziehen und trinken Sie es wie gewöhnlichen Tee. -
Welche anderen Anwendungen hat Buchweizenkraut?
Es kann auch als Badezusatz, in Salben oder als Inhaltsstoff in Naturkosmetikprodukten verwendet werden. -
Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Buchweizenkraut kann Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten haben. Konsultieren Sie vor der Anwendung Ihren Arzt. -
Ist Buchweizenkraut für Kinder geeignet?
Die Anwendung bei Kindern sollte mit einem Kinderarzt abgestimmt werden. -
Wie lange sollte man Buchweizenkrauttee trinken?
Die gefäßstärkende Wirkung des Rutins im Buchweizenkraut baut sich langsam auf, weshalb der Tee traditionell als Kur über mehrere Wochen getrunken wird. Treten plötzliche Schwellungen, Schmerzen oder Rötungen an einem Bein auf, muss rasch ärztlich abgeklärt werden, ob eine Thrombose vorliegt. -
Welche Wirkung hat Buchweizenkraut-Tee?
Buchweizenkraut ist reich an Rutin, einem Flavonoid, das die kleinen Blutgefäße abdichtet und die Venenwände stärkt. Der Tee wird traditionell bei schweren, müden Beinen, Krampfadern und Neigung zu Blutergüssen getrunken. -
Ist Buchweizentee dasselbe wie Buchweizenkraut-Tee?
Nein. Buchweizenkraut-Tee wird aus dem blühenden Kraut gewonnen und enthält viel Rutin. Buchweizentee (Soba-Cha) besteht aus gerösteten Buchweizenkörnern, schmeckt nussig und wird vor allem als Genussgetränk getrunken.
Quellen und weiterführende Informationen
- Llanaj E et al. (2022): Buckwheat and Cardiometabolic Health: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Pers Med 12(12). → PubMed PMID 36556161
- Wikipedia: Buchweizen (Fagopyrum esculentum)
- Wikipedia (EN): Buckwheat (EN)
- PMC: Phytochemical and Pharmacological Profiles of Three Fagopyrum Buckwheats (Review)
- PMC: Antioxidant and Rutin Content Analysis of Leaves of Common Buckwheat (Fagopyrum esculentum)
- PMC: Flavonoid Contents and Antioxidant Capacity of the Aerial Parts of Common and Tartary Buckwheat
- Ihme N et al. (1996): Leg oedema protection from a buckwheat herb tea in patients with chronic venous insufficiency – randomisierte, placebokontrollierte Studie
- Hornyák M et al. (2025): Distribution of photosensitive fagopyrin in buckwheat flowers and its potential biological relevance
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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