Abszess – Ursachen, Symptome und natürliche Behandlungsmöglichkeiten

Kraeutermax Lexikon Abszess

Auf einen Blick: Ein Abszess ist eine abgekapselte Eiteransammlung in einer Gewebehöhle, meist verursacht durch Staphylococcus aureus. Bei kleinen, oberflächlichen Abszessen können Hausmittel wie warme Umschläge und Zugsalbe die Reifung unterstützen. Die wichtigste Behandlung eines reifen Abszesses ist die ärztliche Eröffnung und Entleerung; im Intimbereich, im Gesicht oder bei Fieber gehört er sofort zum Arzt.

Definition Abgekapselte Eiteransammlung in einer Gewebehöhle nach Entzündung
Häufigster Erreger Staphylococcus aureus, auch resistente Stämme (MRSA)
Typische Orte Achseln, Leisten, Gesäß, Nacken, Gesicht; auch Zähne, Analbereich, Brust
Verwandte Formen Furunkel und Karbunkel
Hausmittel Warme Umschläge, Zugsalbe mit Ammoniumbituminosulfonat, Kamille
Ärztliche Behandlung Inzision und Drainage unter sterilen Bedingungen
Wann zum Arzt Keine Besserung nach wenigen Tagen; sofort bei Fieber, Schüttelfrost oder Abszess im Gesicht

Was ist ein Abszess?

Ein Abszess ist eine abgekapselte Ansammlung von Eiter in einer Gewebehöhle, die durch eine Entzündung neu entstanden ist. Dringen Bakterien in das Gewebe ein, schickt das Immunsystem weiße Blutkörperchen an den Ort der Infektion. Bei der Abwehr wird Gewebe eingeschmolzen; abgestorbene Abwehrzellen, Bakterien und Gewebereste bilden den Eiter. Der Körper grenzt diesen Herd durch eine Kapsel aus Bindegewebe ab – das unterscheidet den Abszess von einer sich flächig ausbreitenden Entzündung (Phlegmone).

Abszesse können überall im Körper entstehen. Am häufigsten betreffen sie die Haut und das Unterhautgewebe, etwa in Achseln, Leisten, am Gesäß, im Nacken oder im Gesicht. Daneben gibt es Abszesse an Zähnen und Zahnfleisch, im Analbereich, an der Brust stillender Mütter sowie innere Abszesse in Organen wie Leber, Lunge oder Bauchraum, die meist nur durch Bildgebung erkannt werden.

Verwandte Formen sind der Furunkel, eine tiefe, eitrige Entzündung eines Haarbalgs, und der Karbunkel, bei dem mehrere benachbarte Furunkel zusammenfließen.

Ursachen

Häufigster Erreger von Hautabszessen ist das Bakterium Staphylococcus aureus, das viele Menschen unbemerkt auf Haut und Nasenschleimhaut tragen – darunter auch antibiotikaresistente Stämme (MRSA). Seltener sind Streptokokken oder, etwa bei Zahn- und Analabszessen, Bakterien der Mund- und Darmflora beteiligt.

Die Erreger gelangen meist über kleine Verletzungen ins Gewebe:

  • entzündete Haarwurzeln, eingewachsene Haare und Rasierverletzungen
  • Schnitte, Schürfwunden, Stiche, Splitter und andere Fremdkörper
  • Injektionen oder unsachgemäß gestochene Piercings
  • ausgedrückte oder aufgekratzte Pickel bei Akne
  • Karies und Zahnfleischtaschen bei Zahnabszessen (siehe Parodontitis)

Begünstigt werden Abszesse durch ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes mellitus, Übergewicht, Rauchen, enge, scheuernde Kleidung und Hautkrankheiten. Wer immer wieder Abszesse bekommt, sollte ärztlich nach der Ursache suchen lassen – etwa nach bestimmten Staphylokokken-Stämmen, einem unerkannten Diabetes oder der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Acne inversa, die typischerweise in Achseln, Leisten und im Intimbereich auftritt.

Abszess im Intimbereich

Abszesse im Intimbereich sind häufig und unangenehm. Dazu gehören etwa der Abszess der Bartholin-Drüse am Scheideneingang, Abszesse nach Haarentfernung, der Analabszess und der Abszess an der Steißbeinregion (Pilonidalsinus). Gerade hier ist Selbstbehandlung riskant: Ein Analabszess muss chirurgisch eröffnet werden, weil sich sonst Fistelgänge bilden können. Hausmittel wie warme Sitzbäder können die Wartezeit erleichtern, ersetzen aber die ärztliche Untersuchung nicht.

Symptome

  • schmerzhafte, gerötete und überwärmte Schwellung, die sich zunächst derb, später prall-elastisch anfühlt
  • pochender Schmerz, der beim Reifen des Abszesses meist zunimmt
  • ein gelblich-weißer Eiterpunkt unter der Haut, sobald sich der Eiter an der Oberfläche sammelt
  • spontane Entleerung von Eiter, oft mit rascher Schmerzlinderung
  • je nach Lage Bewegungseinschränkungen oder Beschwerden beim Kauen, Schlucken, Sitzen oder Stuhlgang
  • bei größeren oder tiefen Abszessen Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit

Ein unbehandelter oder falsch behandelter Abszess kann sich ausbreiten, in Lymphbahnen oder Blutgefäße einbrechen und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Besonders gefährlich sind Abszesse und Furunkel im Gesicht oberhalb der Oberlippe und an der Nase, weil von dort eine Infektion über die Venen bis ins Gehirn verschleppt werden kann.

Wie wird ein Abszess ärztlich behandelt?

Die wichtigste Behandlung eines reifen Abszesses ist die Eröffnung und Entleerung (Inzision und Drainage) unter sterilen Bedingungen und örtlicher Betäubung. Danach wird die Wundhöhle gespült und gegebenenfalls offen gehalten, damit Eiter abfließen kann. Antibiotika werden zusätzlich eingesetzt, wenn der Abszess groß ist, sich die Entzündung ausbreitet, Fieber besteht, der Abszess im Gesicht liegt oder Risikofaktoren wie Diabetes oder Immunschwäche vorliegen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Warme Umschläge: fördern die Durchblutung und können kleine, oberflächliche Abszesse schneller „reifen“ und sich von selbst entleeren lassen.
  • Zugsalbe: Salben mit Ammoniumbituminosulfonat (Schieferöl) werden traditionell bei Furunkeln und kleinen Abszessen eingesetzt, um die Reifung zu unterstützen.
  • Kamille: von der EMA als traditionelles Arzneimittel bei leichten Hautentzündungen, oberflächlichen Wunden und kleinen Furunkeln anerkannt, etwa als Umschlag.
  • Ringelblume (Calendula officinalis): traditionell anerkannt bei leichten Hautentzündungen und zur Unterstützung der Heilung kleiner Wunden – sinnvoll für die Nachpflege, sobald der Abszess entleert ist.
  • Teebaumöl: hemmt im Labor zahlreiche Bakterien einschließlich Staphylokokken; nur stark verdünnt auf intakter Haut verwenden.
  • Propolis: im Labor antibakteriell; gilt allerdings als häufiges Kontaktallergen.
  • Schwedenkräuter: volksmedizinisch als Umschlag bei Schwellungen und Entzündungen; wegen des Alkoholgehalts nicht auf offene Stellen.
  • Zwiebel: traditioneller Zwiebelumschlag zur Unterstützung der Reifung; belastbare Studien fehlen.
  • Basen: basische Bäder sind in der Naturheilkunde verbreitet; für eine Wirkung auf Abszesse gibt es keine Belege.

Was Hausmittel leisten können

Naturheilmittel können bei kleinen, oberflächlichen Abszessen und Furunkeln die natürliche Reifung und Entleerung unterstützen, die Haut beruhigen und nach der Entleerung die Wundheilung begleiten (siehe auch Wundheilung fördern). Einen größeren oder tiefen Abszess heilen sie nicht: Eine abgekapselte Eiterhöhle wird von außen aufgetragenen Mitteln kaum erreicht, und Antibiotika wie Pflanzenstoffe dringen schlecht in den Eiter ein. Deshalb ist die Eröffnung durch eine Ärztin oder einen Arzt oft unumgänglich.

Teebaumöl bei Abszessen

Teebaumöl wird oft als „natürliches Antibiotikum“ empfohlen. Im Reagenzglas wirkt es gegen viele Bakterien, für die Behandlung von Abszessen gibt es aber keine aussagekräftigen Studien. Unverdünnt kann es die Haut reizen; außerdem kann es Kontaktallergien auslösen, besonders wenn es gealtert und oxidiert ist. Wer es verwenden möchte, sollte es nur stark verdünnt auf die geschlossene Haut um einen kleinen Herd auftragen – nie in offene Wunden, Schleimhäute oder den Intimbereich.

Zur Stärkung der Abwehr werden häufig Echinacea oder Knoblauch genannt. Für Echinacea ist eine traditionelle Anwendung bei Erkältungen anerkannt; dass Abszesse dadurch schneller abheilen, ist nicht belegt.

Was Sie selbst tun können

  • Nicht drücken, nicht aufstechen: Selbst geöffnete oder ausgedrückte Abszesse können Bakterien tiefer ins Gewebe treiben und die Entzündung ausbreiten.
  • Feuchtwarme Umschläge: mehrmals täglich für etwa 10 bis 15 Minuten ein sauberes, in warmes Wasser oder abgekühlten Kamillentee getauchtes Tuch auflegen. Nur bei kleinen, oberflächlichen Herden ohne Warnzeichen.
  • Sitzbäder: bei Beschwerden im Gesäß- oder Intimbereich als Linderung bis zur ärztlichen Abklärung; nicht bei offenen Wunden oder hohem Fieber.
  • Hygiene: Hände vor und nach dem Berühren waschen, Handtücher und Waschlappen nicht teilen und häufig bei 60 °C waschen, den Bereich nach der Entleerung sauber abdecken.
  • Nachsorge: nach Entleerung Verband regelmäßig wechseln; zur Wundpflege eignen sich Ringelblumen- oder Kamillenzubereitungen auf intakten Wundrändern.
  • Vorbeugen: Rasur mit sauberer Klinge in Haarwuchsrichtung, keine Pickel ausdrücken, luftige Kleidung, Blutzucker bei Diabetes gut einstellen.

Wann zum Arzt?

Ein Abszess gehört grundsätzlich ärztlich beurteilt, wenn er sich nicht innerhalb weniger Tage bessert. Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei:

  • Fieber, Schüttelfrost oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl
  • roten Streifen, die vom Abszess ausgehen, oder rasch zunehmender Rötung und Schwellung
  • Abszessen oder Furunkeln im Gesicht, besonders an Nase und Oberlippe oder in Augennähe
  • Abszessen im Intim- oder Analbereich und an der Brust (zum Beispiel in der Stillzeit)
  • Zahnabszessen, Schwellungen von Wange, Kiefer oder Hals sowie Schluck- oder Atembeschwerden – dann umgehend zum Zahnarzt oder in die Notaufnahme
  • großen, sehr schmerzhaften oder tief liegenden Abszessen
  • Diabetes, Immunschwäche, Einnahme immununterdrückender Medikamente sowie bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen
  • immer wiederkehrenden Abszessen

Häufige Fragen und Antworten

  • Kann ich einen Abszess selbst behandeln? Kleine, oberflächliche Abszesse können mit warmen Umschlägen und Zugsalbe unterstützt werden, bis sie sich von selbst entleeren. Bei großen oder tiefen Abszessen ist eine ärztliche Behandlung erforderlich.
  • Ist es sicher, einen Abszess selbst zu öffnen? Das eigenständige Öffnen eines Abszesses kann gefährlich sein und zu einer weiteren Infektion führen. Es sollte nur von einem Arzt durchgeführt werden.
  • Wie kann ich die Schmerzen bei einem Abszess lindern? Die Schmerzen können mit Schmerzmitteln oder durch das Auftragen von warmen Kompressen gelindert werden. Umschläge mit Kamillentee können ebenfalls wohltuend sein.
  • Was sind die häufigsten Ursachen von Abszessen? Abszesse werden in der Regel durch bakterielle Infektionen verursacht, oft durch Staphylococcus aureus.
  • Kann ich Abszesse durch gute Hygiene verhindern? Ja, regelmäßiges Händewaschen und saubere Hautpflege können helfen, Abszesse zu verhindern.
  • Welche Hausmittel helfen bei einem Abszess? Bei kleinen, oberflächlichen Abszessen können warme Umschläge oder Kamillenbäder die Reifung fördern, Zugsalbe mit Ammoniumbituminosulfonat unterstützt das Abfließen des Eiters. Ein Abszess darf nie selbst ausgedrückt werden. Bei Fieber, roten Streifen, starker Schwellung oder Abszessen im Gesicht muss er ärztlich behandelt werden.
  • Welche Hausmittel helfen bei einem Abszess im Intimbereich?
    Im Intimbereich ist Selbstbehandlung riskant. Dazu zählen der Abszess der Bartholin-Drüse, Abszesse nach Haarentfernung, Analabszess und der Abszess an der Steißbeinregion. Teebaumöl gehört nie in den Intimbereich. Ein solcher Abszess sollte ärztlich beurteilt werden.
  • Wie lässt sich ein Abszess ohne OP behandeln?
    Die wichtigste Behandlung eines reifen Abszesses ist die ärztliche Eröffnung und Entleerung. Bei kleinen, oberflächlichen Abszessen können warme Umschläge und Zugsalbe die Reifung unterstützen, sodass sie sich von selbst entleeren. Bessert sich der Abszess nicht innerhalb weniger Tage, gehört er ärztlich beurteilt.
  • Hilft Teebaumöl bei einem Abszess?
    Teebaumöl wirkt im Reagenzglas gegen viele Bakterien, für die Behandlung von Abszessen gibt es aber keine aussagekräftigen Studien. Es kann die Haut reizen und Kontaktallergien auslösen. Nur stark verdünnt auf die geschlossene Haut um einen kleinen Herd auftragen, nie in offene Wunden.
  • Wie wirken Zugsalbe und warme Umschläge bei einem Abszess?
    Warme Umschläge fördern die Durchblutung und können kleine Abszesse schneller reifen lassen. Salben mit Ammoniumbituminosulfonat (Schieferöl) werden traditionell bei Furunkeln und kleinen Abszessen eingesetzt, um die Reifung zu unterstützen.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.