Zwiebel (Allium cepa) – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung

Die Küchenzwiebel (Allium cepa L.) gehört zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und dort zur Unterfamilie der Lauchgewächse (Allioideae). Sie ist damit eine nahe Verwandte von Knoblauch und Bärlauch, mit denen sie den charakteristischen Schwefelgeruch und einen großen Teil der Inhaltsstoffchemie teilt.

Botanisch ist die Zwiebel eine ausdauernde krautige Pflanze, die im Anbau jedoch ein- oder zweijährig kultiviert wird. Was wir im Alltag „die Zwiebel“ nennen, ist kein Wurzelorgan, sondern ein unterirdisches Speicherorgan: Auf einer stark gestauchten, scheibenförmigen Sprossachse sitzen fleischige Niederblätter, die sich schalenförmig umschließen. Die Pflanze bildet röhrige, hohle Laubblätter aus und entwickelt im zweiten Jahr einen aufrechten Blütenschaft mit einer kugeligen Scheindolde aus zahlreichen weißlichen bis grünlichen Einzelblüten. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.

Zwiebeln bevorzugen milde, sandig-lehmige Böden oder Lössböden an sonnigen, warmen Standorten. Die Aussaat oder das Stecken erfolgt im März und April in einer Tiefe von ein bis zwei Zentimetern bei einem Reihenabstand von 25 bis 40 Zentimetern; geerntet wird je nach Sorte zwischen August und Oktober. Anschließend werden die Zwiebeln trocken, kühl und luftig gelagert. Der Anbau erfolgt in der EU (vorwiegend in AT und DE) im Feldbau, wobei in Deutschland Niedersachsen und Bayern die wichtigsten Anbauregionen sind.

Sortenkundlich unterscheidet man vor allem Sommerzwiebeln und Winterzwiebeln sowie nach Farbe und Schärfe gelbe, weiße und rote Speisezwiebeln, dazu milde Gemüsezwiebeln und kleine Schalotten. Für die Naturheilkunde und für Hausmittel wird traditionell die gewöhnliche gelbe Speisezwiebel verwendet, weil sie den höchsten Gehalt an schwefelhaltigen Verbindungen aufweist und den typischen scharfen Saft liefert.

Inhaltsstoffe

Die Zwiebel besteht zu rund 88 Prozent aus Wasser und enthält etwa 4,9 Gramm Kohlenhydrate sowie rund 160 Milligramm Kalium je 100 Gramm. Ernährungsphysiologisch und pflanzenchemisch interessant ist sie jedoch weniger wegen ihrer Makronährstoffe als wegen zweier Stoffgruppen: der schwefelhaltigen Verbindungen und der Flavonoide.

Schwefelverbindungen (Cysteinsulfoxide): Die wichtigste geschmacksbestimmende Verbindung der Zwiebel ist das Isoalliin, eine schwefelhaltige Aminosäureverbindung. Daneben kommen Cycloalliin, Methiin und Propiin vor. Werden die Zellen beim Schneiden verletzt, setzt das Enzym Alliinase aus Isoalliin zunächst Propensulfensäure frei, aus der über eine weitere enzymatische Umsetzung das flüchtige Propanthial-S-oxid entsteht. Diese Substanz reizt die Schleimhäute und ist der eigentliche Grund für das Tränen der Augen beim Zwiebelschneiden. Aus denselben Vorstufen bilden sich Thiosulfinate und weitere Sulfide.

Hier liegt die enge Verwandtschaft zum Knoblauch: Beide Gattungsvertreter nutzen dasselbe biochemische Prinzip aus Cysteinsulfoxid plus Alliinase. Beim Knoblauch heißt die Vorstufe jedoch Alliin und das Reaktionsprodukt Allicin, bei der Zwiebel ist es das isomere Isoalliin, aus dem andere Folgeprodukte entstehen. Deshalb riechen und schmecken Zwiebel und Knoblauch verwandt, aber deutlich unterschiedlich – und deshalb lassen sich Untersuchungsergebnisse zum Knoblauch nicht einfach auf die Zwiebel übertragen.

Flavonoide: Die Zwiebel zählt zu den flavonoidreichsten Gemüsen überhaupt. Hauptvertreter ist Quercetin, das in der Zwiebel überwiegend als Quercetin-4′-Glucosid und Quercetin-3,4′-Diglucosid gebunden vorliegt. Besonders hohe Gehalte finden sich in den äußeren, trockenen Schalen und in roten Sorten; in den fleischigen Speicherblättern überwiegen die Quercetinglucoside. Weitere Flavonoide sind Kämpferol und Luteolin, in roten Zwiebeln kommen zusätzlich Anthocyane vor, die für die violette Färbung verantwortlich sind.

Fructane: Als Speicherkohlenhydrat lagert die Zwiebel keine Stärke, sondern Fructane ein – also Fructoseketten vom Inulin-Typ und kurzkettige Oligofructose. Diese Kohlenhydrate werden im Dünndarm nicht gespalten und gelangen unverändert in den Dickdarm. Für empfindliche Personen ist genau das der Grund, warum Zwiebeln blähend wirken können.

Ergänzt wird das Profil durch Polysaccharide, Saponine, Phenolsäuren sowie geringe Mengen an Vitamin C und B-Vitaminen.

Volksmedizinische Anwendungsgebiete

Die Zwiebel ist eines der klassischen Hausmittel des mitteleuropäischen Raums. Der Verein NHV Theophrastus wählte sie zur Heilpflanze des Jahres 2015. Wichtig für das Verständnis der folgenden Abschnitte: Es handelt sich um überlieferte Anwendungen der Volksmedizin, nicht um belegte Therapieverfahren. Eine europäische Arzneibuch-Monographie, die eine medizinische Wirksamkeit bestätigen würde, existiert für die Zwiebel ausdrücklich nicht (siehe Abschnitt zur regulatorischen Einordnung).

Zwiebelsaft mit Honig – das klassische Hausmittel bei Husten

Die bekannteste Zwiebelanwendung ist der Zwiebelsaft oder Zwiebelsirup. Traditionell wird eine Zwiebel klein geschnitten, mit Honig oder Kandiszucker angesetzt und einige Stunden stehen gelassen, bis sich ein Sirup gebildet hat; überliefert ist auch das kurze Erwärmen der Zwiebelstücke mit Honig. Der entstehende Saft wird löffelweise eingenommen. Diese Zubereitung ist seit Generationen in der Hausapotheke bei Husten und Reizungen im Bereich der Bronchien verankert.

Sachlich einzuordnen ist dabei, dass zwei Bestandteile zusammenkommen. Für den Zwiebelanteil selbst liegen keine belastbaren klinischen Daten vor. Für den Honiganteil hat ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2018 die vorhandenen Studien zu akutem Husten bei Kindern zusammengefasst: Danach reduziert Honig die Hustensymptomatik wahrscheinlich stärker als keine Behandlung oder Placebo, bei moderater Vertrauenswürdigkeit der Evidenz; gegenüber Dextromethorphan zeigte sich eine ähnliche Wirkung bei niedriger Evidenzsicherheit. Die Autoren betonen zugleich, dass es keine starke Evidenz für oder gegen den Einsatz von Honig gibt und dass die untersuchte Anwendungsdauer meist nur eine Nacht umfasste. Der traditionelle Zwiebelsaft ist damit ein wohlschmeckendes Hausmittel, aber kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung.

Der Zwiebelwickel bei Ohrenschmerzen

Ebenfalls fest überliefert ist das Zwiebelsäckchen oder der Zwiebelwickel. Dazu werden fein gewürfelte Zwiebeln in ein Tuch eingeschlagen, über einer Wärmflasche auf Körpertemperatur angewärmt und außen auf das betroffene Ohr aufgelegt, wo sie mit einem Stirnband oder einer Mütze fixiert werden. Die Anwendung wird in der Volksmedizin als wohltuend beschrieben und in der Hausmittelliteratur bei Beschwerden im Bereich der Ohren genannt.

Auch hier gilt eine klare Grenze: Der Zwiebelwickel ist eine traditionelle äußerliche Wärme- und Hausanwendung. Ohrenschmerzen können eine behandlungsbedürftige Ursache haben, insbesondere bei Kindern, bei Fieber, bei Flüssigkeitsaustritt aus dem Ohr oder bei anhaltenden Beschwerden. In diesen Fällen gehört die Abklärung in ärztliche Hände, und der Wickel ersetzt sie nicht. Niemals dürfen Zwiebelstücke oder Zwiebelsaft in den Gehörgang eingebracht werden.

Weitere überlieferte Anwendungen

In der Hausmittelliteratur wird zudem das Einreiben von Insektenstichen mit einer aufgeschnittenen Zwiebel beziehungsweise deren Saft beschrieben, dem eine lindernde Wirkung nachgesagt wird. Überliefert ist ferner die Zwiebel als appetitanregendes Küchengewürz. Wissenschaftlich befassen sich Übersichtsarbeiten mit den Inhaltsstoffen der Zwiebel und ihren im Labor beobachteten Eigenschaften; daraus lassen sich jedoch keine Aussagen zu einer Wirkung beim Menschen ableiten.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für die Zwiebel besteht in der Europäischen Union kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Es dürfen daher keine gesundheitsbezogenen Wirkaussagen für Zwiebel oder Zwiebelzubereitungen getroffen werden.

Bemerkenswert und für die ehrliche Einordnung wichtig: Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat die Zwiebel geprüft und ist zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Im Public Statement zu Allium cepa L., bulbus (EMA/HMPC/347189/2011, verabschiedet am 27. März 2012) hält das Gremium fest, dass eine Monographie nicht erstellt werden kann. Weder die Anforderungen an einen „well-established use“ nach Artikel 10a der Richtlinie 2001/83/EG noch die Anforderungen an einen „traditional use“ nach Artikel 16a(1)(d) seien erfüllt. Es gebe im europäischen Markt nur sehr wenige entsprechende Produkte. Für die Zwiebel existiert damit – anders als etwa für die Wegwartenwurzel – weder eine Monographie zum traditionellen Gebrauch noch eine zum wissenschaftlich anerkannten Gebrauch.

Das ist kein Werturteil über die Zwiebel als Lebensmittel oder als Hausmittel. Es bedeutet lediglich, dass die Zwiebel arzneimittelrechtlich in der EU nicht als Heilpflanze eingestuft ist und dass alle oben beschriebenen Anwendungen ausschließlich als traditionelle Hausmittel zu verstehen sind.

Anwendung und Dosierung

Da keine arzneiliche Monographie und keine amtlich festgelegte Dosierung existieren, lassen sich nur die überlieferten Zubereitungsformen beschreiben. Verbindliche Dosisempfehlungen gibt es nicht.

  • Zwiebelsaft / Zwiebelsirup: Eine mittelgroße Zwiebel schälen, klein würfeln, in ein sauberes Glas geben und mit Honig oder Kandiszucker bedecken. Zugedeckt mehrere Stunden bis über Nacht ziehen lassen, bis sich ein Sirup gebildet hat, anschließend abseihen. Traditionell wird der Saft löffelweise über den Tag verteilt eingenommen. Im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von ein bis zwei Tagen frisch zubereiten.
  • Zwiebelwickel / Zwiebelsäckchen: Eine Zwiebel fein würfeln, in ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch einschlagen und über einer Wärmflasche auf angenehme Körpertemperatur anwärmen – nie heiß auflegen. Das Säckchen außen auf das Ohr legen und mit einem Stirnband fixieren. Übliche Anwendungsdauer in der Hausmittelliteratur: etwa 20 bis 30 Minuten. Bei Hautreizung sofort entfernen.
  • Als Lebensmittel: Roh in Salaten, gedünstet oder gegart als Gemüse und Würzgrundlage. Beim Erhitzen gehen die scharfen Schwefelverbindungen weitgehend verloren, die Zwiebel schmeckt süßlich.
  • Küchentipp gegen tränende Augen: Ein scharfes Messer und eine gekühlte Zwiebel setzen weniger Propanthial-S-oxid frei, weil weniger Zellen zerquetscht werden und die Reaktion langsamer abläuft.

Geschichte und Überlieferungen

Die Zwiebel gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Ihre Nutzung lässt sich über mehr als 5.000 Jahre zurückverfolgen, mit Belegen sowohl im Alten Ägypten als auch in China. Im pharaonischen Ägypten hatte die Zwiebel eine besondere kulturelle Stellung: Sie wurde als Grabbeigabe verwendet, und ihre konzentrischen Schalen wurden als Sinnbild für Ewigkeit und Unvergänglichkeit gedeutet. Antike Autoren berichten, dass Zwiebeln zur Verpflegung der Arbeiter beim Pyramidenbau gehörten.

In der griechischen und römischen Antike war die Zwiebel fester Bestandteil der Alltagskost und wurde zugleich in den medizinischen Schriften der Zeit erwähnt. Römische Legionäre trugen wesentlich zur Verbreitung der Pflanze in Mitteleuropa bei – ein Muster, das sich bei vielen Küchen- und Heilkräutern wiederholt. Der deutsche Name leitet sich über eine volksetymologische Umformung vom lateinischen cēpula, der Verkleinerungsform von cepa, ab; im wissenschaftlichen Namen Allium cepa ist diese Wurzel bis heute erhalten.

Im Mittelalter war die Zwiebel eine der Pflanzen, die in Klostergärten und Bauerngärten selbstverständlich angebaut wurden. Sie taucht in den einschlägigen Kräuterbüchern der frühen Neuzeit auf und war wegen ihrer guten Lagerfähigkeit ein wichtiges Wintergemüse in einer Zeit ohne Kühlmöglichkeiten. Aus dieser jahrhundertelangen Alltagspräsenz erklärt sich, warum sich rund um die Zwiebel so viele Hausmittel gebildet haben: Sie war schlicht immer verfügbar, in jedem Haushalt, das ganze Jahr über. Zwiebelsaft und Zwiebelwickel sind damit weniger das Ergebnis gezielter Heilkunde als vielmehr Ausdruck einer praktischen Volkskultur, die mit dem arbeitete, was vorrätig war.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Als Lebensmittel ist die Zwiebel für die meisten Menschen gut verträglich. Bei gezielter, größerer oder äußerlicher Anwendung sind jedoch mehrere Punkte zu beachten.

  • Honig niemals für Säuglinge unter 12 Monaten: Dies ist der wichtigste Sicherheitshinweis dieser Seite. Zwiebelsaft wird traditionell mit Honig angesetzt – und Honig ist eine bekannte Quelle für Sporen von Clostridium botulinum. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellt in seinen aktualisierten Fragen und Antworten zum Botulismus (Stand 15. Juni 2023) ausdrücklich fest: „Für den sogenannten Säuglingsbotulismus ist Honig eine bekannte Quelle. Deswegen sollte Honig nicht an Säuglinge unter einem Jahr verfüttert werden.“ Auch der Cochrane-Review zu Honig bei akutem Husten weist darauf hin, dass Honig bei Säuglingen bis zu einem Alter von 12 Monaten nicht empfohlen wird. Säuglingsbotulismus ist selten, kann aber lebensbedrohlich verlaufen. Für Kinder unter einem Jahr ist Zwiebelsaft mit Honig daher ungeeignet; als Ansatz kommt allenfalls Zucker in Frage – die Anwendung bei Säuglingen gehört generell zuvor ärztlich besprochen.
  • Allergien und Unverträglichkeiten: Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Zwiebel oder anderen Lauchgewächsen (Knoblauch, Bärlauch, Porree) ist eine Gegenanzeige. Bei äußerlicher Anwendung sind Kontaktreaktionen der Haut möglich.
  • Empfindlicher Magen-Darm-Trakt: Die enthaltenen Fructane zählen zu den fermentierbaren Kohlenhydraten. Bei Reizdarmbeschwerden oder Fructoseintoleranz können bereits kleine Mengen Blähungen und Völlegefühl auslösen. Rohe Zwiebeln werden dabei meist schlechter vertragen als gegarte.
  • Sodbrennen und Reflux: Rohe Zwiebeln gehören zu den Lebensmitteln, die Refluxbeschwerden verstärken können.
  • Äußerliche Anwendung: Zwiebelauflagen niemals auf offene, verletzte oder entzündete Haut und nie in den Gehörgang. Wickel nur handwarm, nicht heiß anwenden, insbesondere bei Kindern (Verbrühungsgefahr).
  • Gerinnungshemmende Medikamente: Für Lauchgewächse wird eine mögliche Beeinflussung der Blutgerinnung diskutiert. Bei Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel und vor geplanten Operationen sollten größere Mengen von Zwiebelzubereitungen ärztlich abgesprochen werden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Als Lebensmittel in üblichen Küchenmengen unbedenklich. Für konzentrierte Zubereitungen liegen keine ausreichenden Daten vor.
  • Hinweis für Haustiere: Zwiebeln sind für Hunde und Katzen giftig und können zu einer Schädigung der roten Blutkörperchen führen. Zwiebelhaltige Speisereste gehören nicht in den Napf.

Anhaltende, starke oder wiederkehrende Beschwerden – insbesondere Husten über mehr als ein bis zwei Wochen, Fieber, Atemnot oder starke Ohrenschmerzen – gehören ärztlich abgeklärt. Hausmittel sind eine Begleitung, keine Behandlung.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Gibt es eine EMA-Monographie zur Zwiebel?

Nein. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat Allium cepa L., bulbus geprüft und im Public Statement EMA/HMPC/347189/2011 vom 27. März 2012 festgehalten, dass eine Monographie nicht erstellt werden kann. Es sei weder die Anforderung an einen wissenschaftlich anerkannten Gebrauch („well-established use“) noch jene an einen traditionellen Gebrauch („traditional use“) erfüllt. Für die Zwiebel liegt in der EU also weder eine Traditional-use- noch eine Well-established-use-Monographie vor.

Wie wird Zwiebelsaft mit Honig traditionell zubereitet?

Eine Zwiebel wird geschält, klein gewürfelt, in ein Glas gegeben und mit Honig oder Kandiszucker bedeckt. Nach mehreren Stunden bis über Nacht hat sich ein Sirup gebildet, der abgeseiht und löffelweise eingenommen wird. Wichtig: Diese Zubereitung ist ein überliefertes Hausmittel, keine belegte Therapie. Für Säuglinge unter 12 Monaten ist die Honigvariante wegen des Botulismusrisikos nicht geeignet.

Warum tränen beim Zwiebelschneiden die Augen?

Beim Schneiden werden Zellen verletzt. Das Enzym Alliinase setzt aus der schwefelhaltigen Vorstufe Isoalliin Propensulfensäure frei, aus der das flüchtige Propanthial-S-oxid entsteht. Dieser Stoff reizt die Schleimhäute der Augen. Ein sehr scharfes Messer und eine zuvor gekühlte Zwiebel verringern den Effekt, weil weniger Zellen zerquetscht werden und die enzymatische Reaktion langsamer abläuft.

Worin unterscheiden sich Zwiebel und Knoblauch chemisch?

Beide nutzen dasselbe Prinzip aus einem Cysteinsulfoxid und dem Enzym Alliinase. Beim Knoblauch ist die Vorstufe Alliin, aus der Allicin entsteht; bei der Zwiebel ist es das isomere Isoalliin, aus dem unter anderem Propanthial-S-oxid und andere Thiosulfinate hervorgehen. Die Stoffgruppen sind also verwandt, die konkreten Verbindungen jedoch verschieden – Untersuchungsergebnisse zum Knoblauch lassen sich deshalb nicht auf die Zwiebel übertragen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Public statement on Allium cepa L., bulbus, EMA/HMPC/347189/2011, Final, 27. März 2012. PDF (englisch)
  2. European Medicines Agency: Übersichtsseite Allii cepae bulbus – Status: kein EU-Herbal-Monograph verabschiedet. EMA (englisch)
  3. Zhao XX, Lin FJ, Li H, Li HB, Wu DT, Geng F, Ma W, Wang Y, Miao BH, Gan RY (2021): Recent Advances in Bioactive Compounds, Health Functions, and Safety Concerns of Onion (Allium cepa L.). Frontiers in Nutrition 8:669805. DOI: 10.3389/fnut.2021.669805 | PMC-Volltext
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Selten, aber vermeidbar: Fragen und Antworten zum Botulismus, aktualisierte FAQ vom 15. Juni 2023. PDF
  5. Oduwole O, Udoh EE, Oyo-Ita A, Meremikwu MM (2018): Honey for acute cough in children. Cochrane Database of Systematic Reviews 4:CD007094. DOI: 10.1002/14651858.CD007094.pub5 | Cochrane-Zusammenfassung
  6. NHV Theophrastus: Die Zwiebel (Allium cepa L.) – Heilpflanze des Jahres 2015. Fachartikel
  7. Wikipedia: Zwiebel (Allium cepa)

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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