Zecken: Schutz, Biss-Symptome und Naturheilmittel

Kraeutermax Lexikon Zecken

Was sind Zecken?

Zecken sind blutsaugende Parasiten aus der Ordnung der Milben und gehören damit zu den Spinnentieren. In Mitteleuropa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) mit Abstand die wichtigste Art. Zecken durchlaufen drei Entwicklungsstadien – Larve, Nymphe und erwachsenes Tier –, und für jeden Schritt brauchen sie eine Blutmahlzeit an Säugetieren, Vögeln oder Menschen. Larven haben sechs, Nymphen und erwachsene Zecken acht Beine. Eine Blutmahlzeit kann mehrere Tage dauern; vollgesogene Weibchen schwellen dabei auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe an.

Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, wie oft angenommen wird. Sie warten in Bodennähe auf Gräsern, Farnen und niedrigem Gebüsch – an Waldrändern, in hohem Gras, auf Wiesen, in Parks und Gärten – und werden im Vorbeigehen abgestreift. Am Körper suchen sie oft eine Weile nach einer dünnen, warmen Hautstelle, etwa in den Kniekehlen, der Leiste, unter den Achseln, am Haaransatz oder hinter den Ohren. Fachlich spricht man von einem Zeckenstich, weil Zecken mit einem Stechapparat die Haut ritzen und sich mit Widerhaken verankern; umgangssprachlich ist auch „Zeckenbiss“ üblich. Da ihr Speichel betäubende Stoffe enthält, bleibt der Stich meist unbemerkt.

Zecken sind schon bei milden Temperaturen aktiv; die Hauptsaison reicht in Österreich etwa von Frühjahr bis Herbst, in milden Wintern auch darüber hinaus.

Ursachen

Gefährlich ist nicht der Stich selbst, sondern die Krankheitserreger, die Zecken übertragen können. In Mitteleuropa sind zwei Erkrankungen besonders wichtig:

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): eine Virusinfektion, die Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark befallen kann. Ganz Österreich gilt als FSME-Gebiet. Das Virus sitzt im Speichel der Zecke und kann schon kurz nach dem Stich übertragen werden – rasches Entfernen schützt deshalb nicht sicher. Selten erfolgt die Ansteckung auch über nicht pasteurisierte Rohmilch infizierter Ziegen, Schafe oder Kühe. Gegen FSME gibt es eine wirksame Schutzimpfung, aber keine ursächliche Behandlung.
  • Borreliose (Lyme-Borreliose): eine Infektion mit Bakterien der Gattung Borrelia. Die Erreger leben im Darm der Zecke und werden meist erst nach längerer Saugzeit übertragen – das Risiko steigt mit jeder Stunde. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, sie lässt sich aber mit Antibiotika gut behandeln.

Seltener übertragen Zecken in Europa weitere Erreger, etwa Anaplasmen, Rickettsien oder Babesien. Zudem kann ein Zeckenstich in seltenen Fällen eine Allergie gegen rotes Fleisch (Alpha-Gal-Syndrom) auslösen. Nicht jede Zecke ist infiziert, und nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Erkrankung.

Symptome

Am Einstich

Nach dem Entfernen einer Zecke ist eine kleine, juckende Rötung von bis zu etwa zwei Zentimetern normal; sie verschwindet meist nach wenigen Tagen. Sie ist eine örtliche Reaktion auf den Speichel und noch kein Zeichen einer Infektion. Wichtig ist, die Stelle in den folgenden Wochen zu beobachten.

Hinweise auf Borreliose

Das typische Frühzeichen ist die Wanderröte (Erythema migrans): eine Rötung, die sich Tage bis Wochen nach dem Stich ringförmig ausbreitet, oft in der Mitte abblasst und größer als fünf Zentimeter wird. Sie tritt nicht bei allen Erkrankten auf. Begleitend können grippeähnliche Beschwerden wie Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten. Unbehandelt kann sich die Infektion ausbreiten und Wochen bis Monate später Nerven (z. B. Gesichtslähmung, brennende Nervenschmerzen), Gelenke (meist Knieschwellung) oder selten das Herz betreffen.

Hinweise auf FSME

Viele Infektionen verlaufen unbemerkt. Bei einem Teil der Infizierten treten etwa ein bis zwei Wochen nach dem Stich grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf. Nach einer kurzen beschwerdefreien Phase kann eine zweite Krankheitsphase mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, Bewusstseinsstörungen oder Lähmungen folgen. Bei Erwachsenen verläuft die Erkrankung oft schwerer als bei Kindern, und es können bleibende Schäden zurückbleiben.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Zitroneneukalyptus-Wirkstoff PMD: Das aus Zitroneneukalyptus gewonnene PMD (p-Menthan-3,8-diol) ist ein pflanzenbasierter Wirkstoff mit nachgewiesener abweisender Wirkung gegen den Holzbock.
  • Ätherische Öle: Öle wie Geranie, Zitronengras, Lavendel oder Teebaumöl wirken im Versuch teils abweisend, meist aber nur kurz.
  • Schwarzkümmelöl und Kokosöl: werden als natürliche Zeckenabwehr empfohlen; verlässliche Belege für einen Schutz beim Menschen fehlen.
  • Ringelblume: traditionell anerkannt bei leichten Hautentzündungen und kleinen Wunden; kann die gereizte Einstichstelle pflegen.
  • Weihrauch: wird volksmedizinisch bei entzündlichen Hautreizungen verwendet; für Zeckenstiche gibt es keine Studien.
  • Karde: ist in der Naturheilkunde bei Borreliose populär; eine Wirkung ist nicht belegt, sie ersetzt keinesfalls Antibiotika.
  • Basen: Dass ein „entsäuerter“ Körper Zecken weniger anzieht, ist nicht belegt.

Wie gut schützen natürliche Zeckenmittel?

Die ehrliche Antwort: weniger zuverlässig als oft beworben. Eine Literaturübersicht von Lupi und Kollegen (2013) fand nur wenige standardisierte Untersuchungen zum Zeckenschutz; gegen den Holzbock schnitten neben DEET und Icaridin auch Mittel mit PMD gut ab, während viele pflanzliche Repellents nur kurz schützen. In einem Feldversuch in Schweden (Garboui und Kollegen, 2006) hielten mit PMD behandelte Stoffe deutlich weniger Zecken-Nymphen als unbehandelte; die Wirkung ließ innerhalb weniger Tage stark nach. Reine ätherische Öle verdunsten rasch und müssen häufig erneuert werden. Unverdünnt können sie die Haut reizen und Allergien auslösen; bei Säuglingen und Kleinkindern sind sie nicht geeignet. Kein Repellent – ob pflanzlich oder synthetisch – bietet vollständigen Schutz. Es ergänzt das Absuchen des Körpers und bei FSME die Impfung, ersetzt sie aber nicht.

Pflege nach dem Stich

Für die Einstichstelle genügt eine Desinfektion. Eine milde Pflege, etwa mit Ringelblumensalbe, kann Juckreiz und Reizung lindern (siehe auch entzündete Insektenstiche). Wichtig: Eine Salbe darf eine sich ausbreitende Rötung nicht verdecken – die Beobachtung der Stelle ist entscheidend.

Was Sie selbst tun können

Zecken richtig entfernen

  • So rasch wie möglich: Je kürzer die Zecke saugt, desto geringer ist das Borreliose-Risiko.
  • Werkzeug: Eine feine, spitze Pinzette, eine Zeckenzange oder eine Zeckenkarte verwenden. Die Zecke möglichst nah an der Haut am Kopf fassen, nicht am vollgesogenen Hinterleib.
  • Langsam und gleichmäßig herausziehen, ohne zu quetschen. Leichtes Hin- und Herbewegen oder Drehen ist möglich.
  • Keine Hausmittel davor: Kein Öl, Klebstoff, Nagellack oder Alkohol auf die Zecke geben – das kann sie reizen, mehr Speichel abzugeben.
  • Danach: Die Stelle desinfizieren, Datum und Körperstelle notieren und die Stelle etwa sechs Wochen beobachten. Bleibt ein kleiner Rest des Stechapparats in der Haut, wird er meist von selbst abgestoßen.

Zeckenstichen vorbeugen

  • FSME-Impfung: Die wirksamste Vorbeugung gegen FSME. Den Impfstatus regelmäßig prüfen und Auffrischungen nach dem österreichischen Impfplan einhalten; beraten lassen Sie sich ärztlich oder in der Apotheke.
  • Kleidung: Geschlossene Schuhe, lange Hosen und die Socken über die Hosenbeine ziehen. Auf heller Kleidung sind Zecken leichter zu erkennen.
  • Wege nutzen: Hohes Gras, Unterholz und Waldränder möglichst meiden.
  • Repellents auf Haut und Kleidung auftragen und nach Packungsangabe erneuern – sie schützen nur für einige Stunden.
  • Absuchen: Nach jedem Aufenthalt im Freien den ganzen Körper absuchen, bei Kindern besonders Kopf, Nacken und Ohren. Duschen hilft, noch nicht festgesaugte Zecken abzuspülen.
  • Haustiere: Hunde und Katzen regelmäßig kontrollieren und tierärztlich beraten lassen, da sie Zecken ins Haus bringen können.
  • Rohmilch: In FSME-Gebieten Milch von Ziegen, Schafen und Kühen nur pasteurisiert oder abgekocht trinken.

Wann zum Arzt?

Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn:

  • sich um die Einstichstelle Tage bis Wochen später eine größer werdende Rötung (Wanderröte) bildet
  • in den Wochen nach einem Stich Fieber, starke Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder ausgeprägte Abgeschlagenheit auftreten
  • Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, Verwirrtheit, Lähmungen (z. B. einseitige Gesichtslähmung) oder Nervenschmerzen auftreten – dann rasch, gegebenenfalls über den Notruf 144
  • Gelenke, besonders ein Knie, ohne erkennbaren Grund anschwellen
  • die Einstichstelle stark entzündet, heiß, eitrig oder schmerzhaft wird
  • sich die Zecke nicht vollständig entfernen lässt und die Stelle sich entzündet
  • Unsicherheit über den FSME-Impfschutz besteht – eine nachträgliche Impfung nach dem Stich muss ärztlich beurteilt werden

Eine vorbeugende Antibiotikagabe nach jedem Zeckenstich wird in Europa nicht routinemäßig empfohlen; ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie kann man sich vor Zeckenbissen schützen?
    Gegen FSME schützt am wirksamsten die Impfung. Zusätzlich helfen geschlossene Schuhe, lange, helle Kleidung mit in die Socken gesteckten Hosenbeinen, das Meiden von hohem Gras und Unterholz sowie Repellents, die nach Packungsangabe erneuert werden. Nach jedem Aufenthalt im Freien sollte der ganze Körper abgesucht werden, bei Kindern besonders Kopf, Nacken und Ohren.
  2. Wie entfernt man eine Zecke richtig?
    Zecken sollten so schnell wie möglich mit einer feinen Pinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernt werden. Die Zecke möglichst nah an der Haut fassen und langsam, gleichmäßig herausziehen, ohne den Körper zu quetschen. Kein Öl, Klebstoff oder Alkohol vorher auftragen. Danach die Stelle desinfizieren und einige Wochen beobachten.
  3. Wann sollte man nach einem Zeckenbiss einen Arzt aufsuchen?
    Ärztlicher Rat ist nötig, wenn sich um die Einstichstelle Tage bis Wochen später eine größer werdende Rötung (Wanderröte) bildet, wenn Fieber, starke Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Nackensteifigkeit, Lähmungen oder Gelenkschwellungen auftreten, wenn sich die Stelle stark entzündet oder wenn Unsicherheit über den FSME-Impfschutz besteht.
  4. Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden?
    In Mitteleuropa vor allem die Borreliose, eine bakterielle Infektion, die mit Antibiotika behandelt wird, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Virusinfektion, gegen die es eine Schutzimpfung gibt. Seltener werden Anaplasmen, Rickettsien oder Babesien übertragen.
  5. Können Haustiere von Zecken befallen werden?
    Ja, Haustiere können ebenfalls von Zecken befallen werden und sollten regelmäßig auf Zecken kontrolliert werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.