Borreliose: Ursachen, Symptome, Spätfolgen & was hilft

Kraeutermax Lexikon Borreliose

Was ist Borreliose?

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die in Europa fast ausschließlich durch Zecken übertragen wird. Sie ist die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Mitteleuropa und damit auch in Österreich. Die Krankheit kann in mehreren Stadien verlaufen und verschiedene Organe betreffen – vor allem Haut, Gelenke, Nervensystem und seltener das Herz.

Die gute Nachricht vorweg: Rechtzeitig erkannt, lässt sich die Borreliose mit Antibiotika in aller Regel vollständig ausheilen. Entscheidend ist daher, die frühen Zeichen zu kennen und nach einem Zeckenstich aufmerksam zu bleiben. Von Mensch zu Mensch ist die Borreliose nicht ansteckend.

Wichtig für die Einordnung: Borreliose ist nicht dasselbe wie die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), die ebenfalls durch Zecken übertragen wird, aber von einem Virus verursacht wird. Die in Österreich verbreitete FSME-Impfung schützt deshalb nicht vor Borreliose.

Ursachen

Auslöser sind Bakterien aus der Gruppe Borrelia burgdorferi im weiteren Sinn. In Europa kommen mehrere Arten vor, vor allem Borrelia afzelii und Borrelia garinii; das erklärt, warum sich die Krankheit hier teilweise anders zeigt als in Nordamerika. Überträger ist bei uns hauptsächlich der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), die häufigste heimische Zeckenart.

  • Zeckenstich: Die Borrelien leben im Darm der Zecke. Sie gelangen erst nach einer gewissen Saugzeit in die Haut – meist dauert es viele Stunden. Je länger eine Zecke saugt, desto höher ist das Risiko. Eine rasche Entfernung ist daher der wichtigste Schutz.
  • Nicht jeder Stich führt zur Infektion: Nur ein Teil der Zecken trägt Borrelien in sich, und nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zur Erkrankung. Der Anteil schwankt je nach Region und Jahreszeit.
  • Jahreszeit und Lebensraum: Zecken sind bei milden Temperaturen aktiv, also vor allem vom Frühjahr bis in den Herbst, in milden Wintern auch länger. Sie halten sich in hohem Gras, im Unterholz, an Waldrändern und auch in Gärten auf.
  • Risikogruppen: Menschen, die viel im Freien sind – beim Wandern, bei der Garten- und Waldarbeit, beim Spielen oder mit Hunden.

Mehr zum richtigen Vorgehen nach einem Stich finden Sie unter Zecken entfernen und Krankheiten vorbeugen.

Symptome

Frühstadium: die Wanderröte

Das häufigste und typischste Zeichen ist die Wanderröte (Erythema migrans). Sie tritt einige Tage bis wenige Wochen nach dem Stich rund um die Einstichstelle auf: eine rötliche Fläche, die sich langsam ringförmig ausbreitet und in der Mitte oft blasser wird. Sie juckt und schmerzt meist kaum. Wichtig: Eine kleine Rötung direkt nach dem Stich ist meist nur eine harmlose Reaktion auf den Stich selbst. Verdächtig ist eine Rötung, die erst später auftritt und größer wird. Begleitend können grippeähnliche Beschwerden wie leichtes Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Nicht jede Infektion zeigt jedoch eine Wanderröte.

Besonders bei Kindern kann sich ein Borrelien-Lymphozytom bilden – eine bläulich-rote, weiche Schwellung, typischerweise am Ohrläppchen oder an der Brustwarze.

Ausbreitung: Nerven und Herz

Werden die Bakterien nicht behandelt, können sie sich im Körper ausbreiten. In Europa ist die Neuroborreliose die häufigste Form dieses Stadiums. Typisch sind brennende, oft nachts betonte Nervenschmerzen, eine Lähmung einer Gesichtshälfte (Fazialisparese) – bei Kindern eine häufige Erscheinungsform – oder eine Hirnhautentzündung mit Kopfschmerzen. Selten befällt die Infektion das Herz und verursacht Herzrhythmusstörungen.

Spätfolgen

  • Lyme-Arthritis: Monate nach der Infektion können wiederkehrende Schwellungen großer Gelenke auftreten, am häufigsten des Knies – siehe auch Gelenksentzündung.
  • Acrodermatitis chronica atrophicans: eine langsam fortschreitende, bläulich-rote Hautveränderung, meist an Händen, Füßen oder Unterschenkeln, bei der die Haut später dünn und pergamentartig wird. Sie betrifft überwiegend ältere Menschen.
  • Chronische Neuroborreliose: selten; mit fortschreitenden neurologischen Beschwerden.

Anhaltende Beschwerden nach der Behandlung

Manche Menschen leiden nach einer korrekt behandelten Borreliose noch über Wochen oder Monate an Erschöpfung, Schmerzen oder Konzentrationsproblemen. Diese Beschwerden bessern sich meist mit der Zeit. Eine verlängerte Antibiotikagabe hat sich dafür in Studien nicht als hilfreich erwiesen. Der Begriff „chronische Borreliose“ wird oft für unklare Beschwerden verwendet, ohne dass eine aktive Infektion nachgewiesen ist – hier ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung wichtig, damit andere Ursachen nicht übersehen werden.

Wie wird Borreliose festgestellt?

Die typische Wanderröte ist eine Blickdiagnose; ein Bluttest ist dafür nicht nötig und im Frühstadium oft noch negativ. In späteren Stadien werden Antikörper im Blut bestimmt, in der Regel in zwei Stufen (Suchtest und Bestätigungstest), bei Verdacht auf Neuroborreliose zusätzlich im Nervenwasser. Ein positiver Antikörperbefund allein beweist keine aktive Erkrankung: Antikörper können nach einer ausgeheilten oder unbemerkt verlaufenen Infektion lange nachweisbar bleiben.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Antibiotika sind die einzige belegte Behandlung der Borreliose; kein Naturheilmittel kann sie ersetzen.
  • Karde (Dipsacus) wird in der Ratgeberliteratur häufig bei Borreliose genannt; eine Wirkung gegen Borrelien ist beim Menschen nicht belegt.
  • Katzenkralle zeigte im Labor Aktivität gegen Borrelien; Studien am Menschen fehlen.
  • Weihrauch enthält Boswelliasäuren, die entzündungshemmend untersucht werden – allenfalls eine Begleitmaßnahme bei Gelenkbeschwerden nach ärztlicher Rücksprache.
  • OPC (Oligomere Proanthocyanidine) aus Traubenkernen wirkt antioxidativ; für die Borreliose gibt es keine Studien.
  • Chlorella wird in der Naturheilkunde zur „Ausleitung“ verwendet; dass sie Borrelien-Giftstoffe bindet, ist nicht belegt.
  • Basen – basische Mineralstoffe werden naturheilkundlich zur Unterstützung des Säure-Basen-Haushalts eingesetzt; ein Einfluss auf die Infektion ist nicht belegt.

Was sagt die Forschung zu Kräutern bei Borreliose?

Eine Übersichtsarbeit (Thompson und Kollegen, 2023) hat 18 Kräuter untersucht, die Betroffene häufig bei anhaltenden Beschwerden einnehmen, darunter auch Kardenwurzel. Für sieben von ihnen – unter anderem Katzenkralle, Japanischen Staudenknöterich, Einjährigen Beifuß, Thymian und Oreganoöl – gab es Laborhinweise auf eine Wirkung gegen Borrelien; die Kardenwurzel gehörte nicht dazu. Studien am Menschen fehlten für alle. Die Autoren warnen zudem vor Wechselwirkungen, etwa einem erhöhten Risiko für Blutungen, niedrigen Blutdruck und Unterzuckerung. Naturheilmittel können daher höchstens begleitend und in Absprache mit dem Arzt eingesetzt werden – niemals anstelle der Antibiotikatherapie.

Was Sie selbst tun können

  • Vorbeugen: Im Freien lange, helle Kleidung tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken; auf hellem Stoff sind Zecken leichter zu erkennen. Zeckenabwehrmittel für die Haut bieten zusätzlichen Schutz für einige Stunden.
  • Absuchen: Nach jedem Aufenthalt im Grünen den ganzen Körper absuchen, besonders Kniekehlen, Leisten, Achseln, Haaransatz und hinter den Ohren. Bei Kindern auch den Kopf kontrollieren. Haustiere ebenfalls absuchen.
  • Zecke richtig entfernen: Mit einer feinen Pinzette, Zeckenkarte oder Zeckenzange möglichst nah an der Haut fassen und langsam gerade herausziehen. Kein Öl, Klebstoff oder Nagellack verwenden – das kann die Zecke reizen. Danach die Stelle desinfizieren.
  • Beobachten: Datum und Körperstelle des Stichs notieren und die Haut einige Wochen lang beobachten. Ein Foto der Stelle erleichtert den späteren Vergleich.
  • Keine Panik bei Rückständen: Bleibt ein kleiner Rest in der Haut, wird er meist von selbst abgestoßen. Nicht herumstochern.
  • Nach der Behandlung: Die Antibiotika vollständig wie verordnet einnehmen. Ausreichend Schlaf, maßvolle Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen dem Körper bei der Erholung und stärken das Immunsystem – sie ersetzen aber keine Therapie.

Wann zum Arzt?

Ein Zeckenstich allein ist noch kein Grund zur Sorge. Eine vorbeugende Antibiotikagabe nach jedem Stich wird bei uns im Allgemeinen nicht empfohlen, und die Untersuchung der entfernten Zecke auf Borrelien ist für die Behandlungsentscheidung wenig aussagekräftig. Ärztliche Hilfe brauchen Sie bei folgenden Zeichen:

  • Eine sich ausbreitende Rötung um die Stichstelle, die Tage bis Wochen nach dem Stich auftritt, oder mehrere solcher Rötungen am Körper.
  • Grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen in den Wochen nach einem Zeckenstich.
  • Eine Lähmung im Gesicht – etwa ein hängender Mundwinkel oder ein Auge, das sich nicht mehr schließen lässt –, starke Nervenschmerzen oder Taubheitsgefühle.
  • Starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit, Fieber oder Verwirrtheit – hier sofort ärztliche Hilfe suchen.
  • Herzstolpern, Schwindel oder Ohnmacht nach einem Zeckenstich.
  • Wiederkehrende Gelenkschwellungen, besonders am Knie, ohne erkennbare Ursache.
  • Zecke nicht entfernbar oder Stich bei Säuglingen und Kleinkindern im Kopfbereich mit anschließenden Beschwerden.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Keine Selbstbehandlung: Wer eine Borreliose allein mit Naturheilmitteln behandelt, riskiert, dass sich die Infektion ausbreitet und Nerven, Gelenke oder Herz schädigt.
  • Wechselwirkungen: Pflanzliche Präparate können mit Antibiotika und anderen Medikamenten wechselwirken. Mineralstoffpräparate, etwa basische Mineralstoffe mit Calcium oder Magnesium, können die Aufnahme bestimmter Antibiotika wie Doxycyclin vermindern – einen zeitlichen Abstand einhalten und ärztlich abklären.
  • Weihrauch und Katzenkralle: nicht in Schwangerschaft und Stillzeit; bei Einnahme von Gerinnungshemmern oder Immunsuppressiva nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Doxycyclin und Sonne: Das häufig verordnete Antibiotikum macht die Haut lichtempfindlich. Während der Einnahme intensive Sonne meiden.
  • Schwangerschaft und Kinder: Hier wählt der Arzt andere Antibiotika; Naturheilmittel sollten ohne ärztliche Rücksprache nicht eingesetzt werden.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Kann Borreliose ohne Antibiotika behandelt werden?
    Nein. Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion, und Antibiotika sind die einzige belegte Behandlung. Für Naturheilmittel gibt es keine Studien am Menschen, die eine Wirkung gegen Borrelien zeigen. Sie können allenfalls begleitend und nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden.
  2. Wie wird Borreliose diagnostiziert?
    Die typische Wanderröte ist eine Blickdiagnose und wird ohne Bluttest behandelt, zumal Antikörper im Frühstadium oft noch fehlen. In späteren Stadien werden Antikörper im Blut in zwei Stufen bestimmt, bei Verdacht auf Neuroborreliose auch im Nervenwasser. Ein positiver Antikörperbefund allein beweist keine aktive Erkrankung.
  3. Sind Naturheilmittel eine Alternative zur Antibiotikabehandlung?
    Nein. Naturheilmittel können die Antibiotikatherapie weder ganz noch teilweise ersetzen. Wer sie begleitend einnehmen möchte, sollte das mit dem Arzt absprechen, da Wechselwirkungen möglich sind – Mineralstoffpräparate können etwa die Aufnahme mancher Antibiotika vermindern.
  4. Welche weiteren Maßnahmen können bei Borreliose helfen?
    Ruhe, ausreichend Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung können den Heilungsprozess unterstützen.
  5. Ist Borreliose heilbar?
    Ja. Rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, heilt die Borreliose in aller Regel vollständig aus. Auch spätere Stadien sind meist gut behandelbar, die Erholung kann aber länger dauern. Manche Menschen haben nach der Behandlung noch einige Zeit Beschwerden wie Erschöpfung, die sich meist allmählich bessern.
  6. Wie entsteht eine Borreliose?
    Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia ausgelöst, die bei uns vor allem durch den Stich infizierter Zecken übertragen werden. Das Risiko steigt, je länger die Zecke saugt, deshalb sollte sie möglichst rasch entfernt werden. Von Mensch zu Mensch ist Borreliose nicht ansteckend; eine Wanderröte rund um die Stichstelle gehört ärztlich behandelt.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.