Lavendelöl äußerlich: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Lavendel äußerlich: Die duftende Wohltat für Haut und Sinne

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Botanik und Beschreibung

Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum) ist das ätherische Öl des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia Mill.), eines immergrünen Halbstrauchs aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Pflanze stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum, wächst dort auf kargen, kalkhaltigen und sonnigen Hängen und wird heute vor allem in Frankreich, Bulgarien und Spanien angebaut. Gewonnen wird das Öl durch Wasserdampfdestillation der blühenden Zweigspitzen. Es ist farblos bis blassgelb und riecht frisch, blumig und leicht krautig.

Diese Seite behandelt vor allem die äußerliche Anwendung von Lavendelöl auf der Haut, im Bad und in der Aromapflege. Die Pflanze selbst, Lavendeltee und die Einnahme von Lavendelöl werden ausführlich auf der Seite Lavendel: Wirkung und Anwendung beschrieben.

Echter Lavendel, Lavandin und Speiklavendel

Im Handel werden mehrere Lavendelöle angeboten, die sich deutlich unterscheiden. Neben dem Öl des Echten Lavendels gibt es das Öl des Speiklavendels (Lavandula latifolia) und des Lavandins (Lavandula × intermedia), einer Kreuzung aus beiden. Lavandin liefert mehr Öl und ist deshalb günstiger, enthält aber wie Speiklavendel deutlich mehr Kampfer und 1,8-Cineol. Diese Öle riechen herber und eignen sich weniger für empfindliche Haut und für Kinder. Für arzneiliche Zwecke ist das Öl des Echten Lavendels in Arzneibuchqualität maßgeblich. Ein Blick auf den botanischen Namen auf der Packung schafft Klarheit; die Bezeichnung „Lavendelduftöl“ weist häufig auf ein synthetisch parfümiertes Produkt hin.

Inhaltsstoffe

  • Linalylacetat und Linalool: Die beiden Monoterpene bilden zusammen den größten Teil des Öls und prägen Duft und Wirkung.
  • Weitere Terpene: unter anderem Terpinen-4-ol, Lavandulylacetat, Ocimen und Caryophyllen.
  • Kampfer und 1,8-Cineol: beim Echten Lavendel nur in geringer Menge, bei Lavandin und Speiklavendel deutlich mehr.

Für Linalool und Linalylacetat wurde in Tierversuchen eine entzündungshemmende Wirkung beschrieben (Peana und Kollegen, 2002). In der Aromapflege werden sie als die Bestandteile angesehen, die über den Geruchssinn entspannend wirken. Lavendelöl enthält von Natur aus kaum Stoffe, die es vor Sauerstoff schützen. An der Luft entstehen daher mit der Zeit Oxidationsprodukte des Linalools und Linalylacetats, die stark allergieauslösend sein können (siehe Gegenanzeigen).

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Entspannung und Stressabbau: Die EMA erkennt Lavendelöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Symptome von psychischem Stress und Erschöpfung an – zur Einnahme und als Badezusatz. Der Duft kann leichte Angstzustände und Anspannung etwas lindern.
  • Schlafqualität: Ebenfalls traditionell als Einschlafhilfe anerkannt, etwa als abendliches Lavendelbad.
  • Wundheilung und Hautpflege: Volksmedizinisch bei kleinen Hautverletzungen, Akne und Hautreizungen verwendet; Hinweise stammen vor allem aus Labor- und Tierversuchen. Bei Ekzemen ist wegen des Allergierisikos Zurückhaltung geboten.
  • Schmerzen und Verspannungen: Verdünnt als Massageöl traditionell bei Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden und rheumatischen Beschwerden; die Studienlage ist dünn.
  • Insektenschutz und Stiche: Der Duft vertreibt traditionell Motten; gegen Stechmücken schützt er nur schwach und kurz. Verdünnt kann das Öl Juckreiz nach Stichen etwas lindern.
  • Atemwege: Als Raumduft oder Inhalation volksmedizinisch bei Erkältungen, Husten und Sinusitis verwendet; eine schleimlösende oder gegen Entzündungen gerichtete Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.

Wie wirkt Lavendelöl in der Aromatherapie?

Beim Einatmen gelangen die Duftstoffe über die Riechschleimhaut zu Hirnregionen, die an Gefühlen und Stressreaktionen beteiligt sind; zum Teil werden Linalool und Linalylacetat auch über die Lunge und die Haut aufgenommen. Bereits eine frühe Untersuchung von Buchbauer und Kollegen (1991) zeigte, dass Mäuse nach dem Einatmen von Lavendelöl weniger aktiv waren. Beim Menschen deuten zahlreiche kleinere Studien darauf hin, dass Lavendelduft Anspannung und Ängstlichkeit, etwa vor Zahnbehandlungen oder Operationen, etwas verringern kann. Die Studien sind allerdings oft klein und schwer zu verblinden, weil jeder Teilnehmer den Duft erkennt. Lavendelöl ist daher ein sanftes Mittel zur Entspannung im Alltag, kein Ersatz für die Behandlung einer Angststörung.

Lavendelöl für die Haut und zur Wundheilung

Für die Haut wird Lavendelöl seit langem bei kleinen Schnitt- und Schürfwunden, leichten Verbrennungen und Sonnenbrand sowie bei unreiner Haut verwendet. Im Labor zeigt das Öl antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften. In einem Rattenmodell beschleunigte Lavendelöl die Wundheilung (Mori und Kollegen, 2016); daneben gibt es kleine klinische Studien, etwa zu Dammschnittwunden nach der Geburt. Für eine gesicherte Wirkung beim Menschen reicht das nicht aus. Gleichzeitig kann unverdünntes Öl Haut und frische Wunden reizen. Lavendelöl gehört deshalb nur verdünnt und nur auf kleine, oberflächliche Verletzungen; tiefe oder verschmutzte Wunden, Brandblasen und großflächige Verbrennungen gehören in ärztliche Hände.

Hilft Lavendelöl bei Kopfschmerzen?

Traditionell wird Lavendelöl verdünnt auf Schläfen und Nacken getupft oder inhaliert. In einer kleinen placebokontrollierten Studie von Sasannejad und Kollegen (2012) sprachen Migränepatienten, die während eines Anfalls Lavendelöl inhalierten, häufiger auf die Behandlung an als die Vergleichsgruppe. Größere Studien fehlen; bei häufigen oder ungewohnt starken Kopfschmerzen ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

Anwendung und Dosierung

Ätherische Öle sind hochkonzentriert. Für die äußerliche Anwendung gilt deshalb fast immer: verdünnen. Die folgenden Angaben sind übliche Richtwerte aus der Aromapflege; bei Arzneimitteln gilt die Packungsbeilage.

  • Massage- und Hautöl: Als Faustregel für Erwachsene gilt eine Verdünnung von etwa ein bis zwei Prozent, grob 2 bis 6 Tropfen auf 10 Milliliter fettes Trägeröl wie Mandelöl, Jojobaöl oder Olivenöl. Für Gesicht und empfindliche Haut eher weniger.
  • Lavendelbad: Die EMA-Monographie nennt 1 bis 3 Gramm Lavendelöl pro Vollbad, einmal täglich, bei 35 bis 38 Grad für 10 bis 20 Minuten. Das Öl vorher mit einem Emulgator wie Sahne, Honig oder Badesalz vermischen, da es sich sonst nicht im Wasser verteilt und als Film auf der Haut reizen kann.
  • Duftlampe und Diffuser: wenige Tropfen in das Wasser der Duftlampe oder des Verneblers geben; nicht dauerhaft beduften und den Raum zwischendurch lüften.
  • Kissen und Schlafraum: ein bis zwei Tropfen auf ein Tuch neben dem Kopfkissen oder ein mit getrockneten Blüten gefülltes Lavendelkissen.
  • Insektenstiche: einen Tropfen mit etwas Trägeröl vermischt auftupfen.
  • Cremes, Salben und Gesichtswasser: Lavendelöl ist häufig Bestandteil von Hautpflege; hier ist es bereits passend verdünnt.

Kann man Lavendelöl pur auf die Haut auftragen?

In der Regel nicht. Unverdünntes Öl kann die Haut reizen und erhöht das Risiko einer Sensibilisierung. Allenfalls ein einzelner Tropfen auf eine sehr kleine Stelle, etwa einen Insektenstich, wird bei gesunder Haut meist vertragen. Vor der ersten Anwendung empfiehlt sich ein Verträglichkeitstest in der Armbeuge.

Lagerung

Weil Lavendelöl an der Luft oxidiert, sollte es kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahrt und nach dem Öffnen innerhalb etwa eines Jahres verbraucht werden. Ranzig oder scharf riechendes Öl nicht mehr auf die Haut bringen.

Geschichte und Überlieferungen

Lavendel wird seit der Antike zum Parfümieren von Bade- und Waschwasser verwendet; der Name wird meist vom lateinischen lavare („waschen“) abgeleitet, auch wenn diese Herkunft nicht ganz gesichert ist. Über die Benediktinerklöster gelangte die Pflanze nördlich der Alpen in die Gärten. Hildegard von Bingen beschrieb den Lavendel im 12. Jahrhundert und empfahl ihn unter anderem gegen Läuse.

In der Volksmedizin wurden Lavendel und sein Öl bei Kopfschmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit, zur Wundpflege und als Riechmittel bei Ohnmachtsneigung verwendet; Lavendelsäckchen hielten Motten aus den Kleiderschränken fern. Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich in der Provence der großflächige Anbau für Parfümerie und Seifen. Der französische Chemiker René-Maurice Gattefossé soll nach einem Laborunfall eine Brandverletzung an der Hand mit Lavendelöl behandelt haben; er prägte später den Begriff „Aromatherapie“. Die Anekdote ist populär, darf aber nicht als Beleg für die Behandlung von Verbrennungen verstanden werden.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Kann man auf Lavendel allergisch reagieren?

Ja. Lavendelöl ist zwar meist gut verträglich, kann aber eine Kontaktallergie auslösen. Entscheidend ist dabei oft das Alter des Öls: Hagvall und Kollegen (2008) zeigten, dass Lavendelöl an der Luft rasch Oxidationsprodukte bildet, die starke Kontaktallergene sind. Linalool zählt zu den Duftstoffen, die in Kosmetika ab bestimmten Mengen auf der Verpackung angegeben werden müssen. Typische Zeichen einer Kontaktallergie sind Rötung, Juckreiz, Bläschen und Schuppung an der Auftragsstelle, oft erst ein bis zwei Tage nach dem Kontakt. Dann das Öl absetzen und bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abklären lassen.

  • Allergie: bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Lavendel, Linalool oder andere Lippenblütler nicht anwenden.
  • Vollbäder: laut EMA nicht bei offenen Wunden, größeren Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infekten, schweren Kreislaufstörungen und Herzschwäche.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht ausreichend belegt; die EMA rät von der Anwendung als Arzneimittel ab. Vor der Verwendung ärztlich oder in Apotheke beziehungsweise Drogerie beraten lassen.
  • Kinder: Die EMA empfiehlt die Anwendung unter 12 Jahren mangels Daten nicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nie im Gesichts- und Nasenbereich anwenden. Fallberichte haben Lavendel- und Teebaumöl-haltige Pflegeprodukte mit Brustwachstum bei Buben vor der Pubertät in Verbindung gebracht (Henley und Kollegen, 2007); der Zusammenhang ist umstritten.
  • Asthma und Duftempfindlichkeit: Intensive Raumbeduftung kann empfindliche Atemwege reizen; sparsam dosieren und lüften.
  • Augen und Schleimhäute: Kontakt vermeiden. Ätherische Öle kindersicher aufbewahren, da das Verschlucken größerer Mengen gefährlich sein kann.
  • Wechselwirkungen: Die EMA nennt keine bekannten Wechselwirkungen. Da Lavendelöl die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen kann, nach der Anwendung als Arzneimittel nicht Auto fahren, wenn Sie sich müde fühlen, und eine Kombination mit Beruhigungs- und Schlafmitteln vorher ärztlich abstimmen.

Regulatorische Einordnung in der EU

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat für Lavendelöl eine Monographie zur traditionellen Anwendung erstellt: zur Linderung leichter Symptome von psychischem Stress und Erschöpfung sowie als Einschlafhilfe, für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene, zur Einnahme oder als Badezusatz. „Traditionell“ bedeutet, dass die Anwendung auf langjähriger Erfahrung beruht und nicht durch ausreichende klinische Studien belegt ist. Die äußerliche Anwendung auf der Haut, etwa bei Wunden oder Akne, ist von dieser Monographie nicht erfasst.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie verwende ich Lavendelöl zur Entspannung?
    Geben Sie einige Tropfen Lavendelöl in die Duftlampe oder einen Diffuser oder verwenden Sie es als Badezusatz. Für ein Vollbad das Öl vorher mit einem Emulgator wie Sahne, Honig oder Badesalz vermischen, damit es sich im Wasser verteilt.
  2. Kann Lavendelöl bei Schlafstörungen helfen?
    Lavendelöl ist von der EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Unterstützung des Schlafes anerkannt, etwa als abendliches Bad oder als Duft im Schlafzimmer. Bei leichten Einschlafproblemen kann das hilfreich sein; anhaltende Schlafstörungen sollten ärztlich abgeklärt werden.
  3. Gibt es Kontraindikationen für die Verwendung von Lavendelöl?
    Bei Allergie gegen Lavendel oder Linalool nicht anwenden. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter 12 Jahren rät die EMA mangels Daten von der Anwendung als Arzneimittel ab; bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nie im Gesichtsbereich verwenden. Vollbäder nicht bei offenen Wunden, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber, schweren Infekten, Herzschwäche oder schweren Kreislaufstörungen.
  4. Kann ich Lavendelöl direkt auf meine Haut auftragen?
    Ja, aber verdünnen Sie es zuerst mit einem Trägeröl wie Mandelöl, um Hautreizungen zu vermeiden.
  5. Gibt es verschiedene Lavendelsorten und sind sie gleich wirksam?
    Es gibt verschiedene Lavendelsorten, aber Lavandula angustifolia wird oft für medizinische Zwecke bevorzugt.
  6. Wofür ist Lavendelöl gut?
    Lavendelöl wird zur Entspannung und zum besseren Einschlafen in der Duftlampe oder im Bad verwendet, verdünnt zur Massage bei Verspannungen und zur Pflege kleiner Hautreizungen und Insektenstiche. Außerdem hält sein Duft Motten aus dem Kleiderschrank fern.
  7. Kann man auf Lavendel allergisch reagieren?
    Ja, eine Kontaktallergie ist möglich, vor allem bei altem, oxidiertem Öl, in dem sich allergieauslösende Abbauprodukte bilden. Lavendelöl deshalb kühl, dunkel und gut verschlossen lagern, vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen und bei Rötung oder Juckreiz absetzen.

 

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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