Silicium (Kieselsäure): Wirkung, Vorkommen & Anwendung

Silicium Kräutermax Naturheilmittel Lexikon

Herkunft und Beschreibung

Silicium (auch Silizium, chemisches Zeichen Si) ist nach dem Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erdkruste. In der Natur kommt es nie frei vor, sondern fast immer an Sauerstoff gebunden – als Siliciumdioxid (Quarz, Sand, Kieselerde) oder in Form von Silikaten, aus denen ein Großteil der Gesteine und Tonminerale besteht.

Für die Ernährung ist vor allem die Kieselsäure wichtig. Gemeint ist meist die wasserlösliche Orthokieselsäure, die in Trinkwasser, Mineralwasser und Pflanzensäften gelöst vorliegt. Pflanzen nehmen sie aus dem Boden auf und lagern sie in ihre Zellwände ein; besonders reich daran sind Gräser, Getreidespelzen, Bambus und der Acker-Schachtelhalm, in Österreich als Zinnkraut bekannt. Fossile Ablagerungen von Kieselalgen werden als Kieselerde genutzt.

Silicium wird oft als Spurenelement bezeichnet. Wissenschaftlich korrekt ist: Ob Silicium für den Menschen essenziell ist, also unbedingt mit der Nahrung zugeführt werden muss, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Einen offiziellen Bedarfswert gibt es deshalb nicht. Nicht verwechseln sollte man Silicium mit Silikon – einem künstlich hergestellten Kunststoff, der Silicium enthält, aber mit der Ernährung nichts zu tun hat.

Aufbau und Wirkungsweise

Im menschlichen Körper findet sich Silicium vor allem im Bindegewebe, in Knochen, Knorpel, Sehnen, Blutgefäßwänden, Haut, Haaren und Nägeln. Aus Tier- und Zellversuchen ergeben sich folgende Hinweise auf seine Rolle:

  • Bindegewebe und Kollagen: Silicium scheint an der Bildung und Vernetzung von Kollagen und anderen Bausteinen des Bindegewebes beteiligt zu sein.
  • Knochenaufbau: In wachsendem Knochen ist Silicium an den Stellen der beginnenden Mineralisierung angereichert. Zellstudien zeigen, dass Orthokieselsäure knochenbildende Zellen anregen kann.
  • Mangelversuche: Anfang der 1970er-Jahre beobachteten Forschergruppen, dass Küken und Ratten bei sehr siliciumarmer Fütterung Fehlbildungen an Knochen und Knorpel entwickelten. Ein vergleichbarer Mangel ist beim Menschen nicht beschrieben.
  • Aluminium: Silicium kann im Darm und im Körper Aluminium binden. Einzelne Studien zeigen, dass kieselsäurereiches Mineralwasser die Ausscheidung von Aluminium über den Harn erhöhen kann; eine allgemeine „Entgiftungswirkung“ ist daraus nicht abzuleiten.

Wie gut wird Silicium aufgenommen?

Die Aufnahme hängt stark von der chemischen Form ab. Gelöste Orthokieselsäure aus Wasser und Getränken wird gut aufgenommen und überschüssiges Silicium rasch über die Nieren ausgeschieden. Festes Siliciumdioxid aus Pflanzenpulvern oder Kieselerde wird dagegen nur in geringem Maß verwertet. Für Nahrungsergänzungsmittel wurden deshalb stabilisierte Formen der Orthokieselsäure entwickelt.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Knochen – in Beobachtungsstudien geht eine höhere Siliciumaufnahme mit höherer Knochendichte einher; ein Schutz vor Osteoporose ist nicht belegt.
  • Haut – eine kleine Studie zeigte nach 20 Wochen eine glattere Hautoberfläche bei lichtgeschädigter Haut; zur Hautalterung fehlen größere Studien.
  • Haare und Nägel – dieselbe Studie berichtete über weniger Brüchigkeit; gegen Haarausfall ist keine Wirkung nachgewiesen.
  • Bindegewebe – Beteiligung am Kollagenstoffwechsel aus Laborversuchen bekannt, beim Menschen nicht eindeutig gezeigt.
  • Gelenkschmerzen – traditionell in der Naturheilkunde eingesetzt; für Knorpelaufbau oder Linderung bei Arthritis gibt es keine belastbaren Studien.
  • Wundheilung – äußerlich werden Siliciumgele traditionell verwendet; zur Narbenbildung beziehen sich Studien meist auf Silikongele, nicht auf Kieselsäure.

Silicium und Knochengesundheit

Die meisten Daten gibt es zum Knochen. In der großen Framingham-Nachfolgestudie (Jugdaohsingh und Kollegen, 2004) hatten Männer und Frauen vor den Wechseljahren mit höherer Siliciumaufnahme eine höhere Knochendichte; bei Frauen nach den Wechseljahren zeigte sich dieser Zusammenhang nicht eindeutig. Eine solche Beobachtung beweist keine Ursache. In einer kontrollierten Studie von Spector und Kollegen (2008) erhielten Frauen mit verminderter Knochendichte ein Jahr lang Calcium und Vitamin D, ergänzt um stabilisierte Orthokieselsäure oder Placebo. Ein Marker der Kollagenbildung im Knochen stieg an, die Knochendichte der Lendenwirbelsäule veränderte sich jedoch nicht signifikant. Silicium kann daher eine ausreichende Versorgung mit Calcium und Vitamin D, Bewegung und eine ärztliche Osteoporose-Therapie nicht ersetzen.

Haut, Haare und Nägel

Die „Schönheit von innen“ ist die bekannteste Anwendung. Sie stützt sich vor allem auf eine Studie von Barel und Kollegen (2005): 50 Frauen mit lichtgeschädigter Gesichtshaut nahmen 20 Wochen lang 10 mg Silicium täglich als stabilisierte Orthokieselsäure oder ein Placebo ein. In der Siliciumgruppe nahm die Rauigkeit der Haut ab, und die Teilnehmerinnen bewerteten Haare und Nägel als weniger brüchig. Das ist ein interessanter Hinweis, aber noch kein gesicherter Wirksamkeitsnachweis. Brüchige Nägel und Haarausfall haben zudem häufig andere Ursachen, etwa Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen oder Hautkrankheiten, die abgeklärt werden sollten.

Wie wichtig ist Kieselsäure für die Gesundheit?

Bei abwechslungsreicher Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Wasser nehmen die meisten Menschen ausreichend Silicium auf. Ein Mangel ist beim Menschen nicht als Krankheitsbild beschrieben. Kieselsäure ist daher eher ein Baustein einer ausgewogenen Ernährung als ein Mittel, das man gezielt ergänzen müsste.

Vorkommen in Lebensmitteln

  • Getreide: vor allem Getreide mit Spelzen wie Hafer, Gerste und Hirse sowie Vollkornprodukte; viel Silicium steckt in den äußeren Schichten und geht beim Schälen und Ausmahlen teilweise verloren.
  • Trinkwasser und Mineralwasser: je nach Quelle unterschiedlich viel gelöste Kieselsäure, die gut aufgenommen wird. Der Gehalt steht oft auf dem Etikett.
  • Bier: durch Gerste und Hopfen vergleichsweise reich an gelöster Kieselsäure – das ist aber kein Grund, Alkohol zu trinken.
  • Gemüse und Obst: etwa grüne Bohnen und Bananen; aus Bananen wird Silicium allerdings nur schlecht aufgenommen.
  • Pflanzliche Rohstoffe: Zinnkraut, Brennnessel, Haferstroh und Bambus sind traditionell verwendete kieselsäurehaltige Pflanzen.

Bedarf und Versorgung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2004 in ihrer Stellungnahme zu Silicium keine tolerierbare Höchstmenge festgelegt, weil die Datenlage dafür nicht ausreichte; einen offiziellen Bedarfswert gibt es ebenfalls nicht. Die übliche Aufnahme aus der Nahrung wird in der Fachliteratur für westliche Länder meist mit etwa 20 bis 50 mg Silicium täglich angegeben. Eine Übersichtsarbeit von Rondanelli und Kollegen (2021) hält – ausdrücklich als Ableitung aus Tier- und Humandaten, nicht als amtlichen Wert – eine Aufnahme von rund 25 mg täglich für knochenfreundlich. Menschen, die sich überwiegend von stark verarbeiteten Lebensmitteln ernähren, nehmen tendenziell weniger auf. Ältere Menschen weisen in Studien oft niedrigere Blutwerte auf; ein Laborwert zur Routinebestimmung existiert aber nicht.

Anwendung und Dosierung

Siliciumpräparate gibt es in Drogerie und Apotheke als Kapseln, Tabletten, Pulver, Gel zum Trinken und in flüssiger Form; die enthaltenen Verbindungen reichen von Kieselerde und Pflanzenextrakten bis zu stabilisierter Orthokieselsäure. Daneben gibt es Gele und Cremes zur äußerlichen Anwendung.

  • Dosierung: nach Packungsbeilage; maßgeblich ist die Menge an elementarem Silicium, nicht an Kieselerde.
  • Studienmengen: In der Hautstudie wurden 10 mg Silicium täglich als stabilisierte Orthokieselsäure über 20 Wochen eingesetzt; in der Knochenstudie zeigte sich der Effekt auf den Kollagenmarker bei 6 und 12 mg täglich über ein Jahr.
  • Einnahme: mit ausreichend Flüssigkeit, damit überschüssiges Silicium gut über die Nieren ausgeschieden werden kann.
  • Geduld: Haare und Nägel wachsen langsam; Veränderungen wären frühestens nach mehreren Monaten zu erwarten.

Geschichte und Überlieferungen

Kieselhaltige Heil- und Tonerden gehören zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit und wurden seit der Antike äußerlich auf Haut und Wunden aufgetragen. Der Acker-Schachtelhalm wurde wegen seiner rauen, kieselsäurereichen Stängel nicht nur als Heilpflanze, sondern auch zum Scheuern von Zinngeschirr genutzt – daher der Name Zinnkraut. Sebastian Kneipp und die Volksheilkunde des 19. Jahrhunderts schätzten ihn als Tee und Badezusatz.

Als chemisches Element wurde Silicium 1824 vom schwedischen Chemiker Jöns Jakob Berzelius rein dargestellt. Das Interesse an seiner Rolle in der Ernährung erwachte erst in den 1970er-Jahren mit den Mangelversuchen an Tieren. Seitdem wird Silicium als möglicherweise bedeutsames Spurenelement erforscht; Nahrungsergänzungsmittel mit Kieselsäure sind seit Jahrzehnten vor allem für Haut, Haare und Nägel verbreitet.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Verträglichkeit: In üblichen Mengen gilt Silicium als gut verträglich. Gelegentlich treten Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen auf.
  • Nieren: Silicium wird über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollten Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Sehr selten wurden Nierensteine aus Silikat beschrieben, vor allem nach jahrelanger Einnahme silikathaltiger Magensäurebinder.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Für Präparate fehlen Sicherheitsdaten; nur nach ärztlicher Rücksprache. Die normale Aufnahme über die Ernährung ist unbedenklich.
  • Kinder: Präparate sind für Kinder nicht vorgesehen.
  • Zinnkraut-Präparate: Schachtelhalm wirkt leicht entwässernd und ist bei Wasseransammlungen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion nicht geeignet.
  • Äußerliche Anwendung: Bei Gelen und Cremes sind Hautreizungen und Allergien auf Begleitstoffe möglich; vorher an einer kleinen Hautstelle testen.
  • Einatmen von Quarzstaub: Feiner kristalliner Quarzstaub schädigt die Lunge und kann bei beruflicher Belastung zur Staublunge (Silikose) führen. Pulverförmige Präparate daher nicht einatmen; mit der Einnahme über den Mund hat diese Gefahr nichts zu tun.
  • Wechselwirkungen: Gut untersuchte Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind nicht bekannt. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme die Ergänzung dennoch ärztlich oder in der Apotheke besprechen.

Regulatorische Einordnung in der EU

Silicium darf in Form bestimmter, in der EU gelisteter Verbindungen in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. Für Silicium ist jedoch keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Aussagen wie „stärkt Haare und Nägel“ oder „für feste Knochen“ dürfen für Siliciumpräparate daher nicht beworben werden.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie wichtig ist Kieselsäure für die Gesundheit?
    Silizium, meist in Form von Kieselsäure aufgenommen, ist am Aufbau von Bindegewebe, Knochen, Haaren und Nägeln beteiligt. Ob es für den Menschen unverzichtbar ist, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt; einen offiziellen Bedarfswert gibt es nicht. Gute Quellen sind Vollkorngetreide wie Hafer, Gerste und Hirse, Gemüse und manche Mineralwässer.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.