MSM (Methylsulfonylmethan): Wirkung, Studienlage & Anwendung

Herkunft und Beschreibung
MSM steht für Methylsulfonylmethan, chemisch auch Dimethylsulfon genannt (Summenformel C2H6O2S). Es handelt sich um eine kleine, organische Schwefelverbindung: Ein Schwefelatom trägt zwei Sauerstoffatome und zwei Methylgruppen. Rund ein Drittel der Masse von MSM entfällt auf Schwefel – daher die gängige Bezeichnung als „organischer Schwefel“. Reines MSM ist ein weißes, geruchloses, kristallines Pulver mit leicht bitterem Geschmack, das sich gut in Wasser löst.
MSM ist ein natürlicher Bestandteil des globalen Schwefelkreislaufs. Meeresalgen und Plankton bilden schwefelhaltige Verbindungen, aus denen über mehrere Zwischenstufen in der Atmosphäre unter anderem Dimethylsulfoxid (DMSO) und MSM entstehen. Mit dem Regen gelangen diese Stoffe in Böden und Pflanzen und so in geringen Mengen in die Nahrungskette. Auch im menschlichen Körper ist MSM in kleinen Konzentrationen nachweisbar; es entsteht dort unter anderem als Abbauprodukt von DMSO.
Das als Nahrungsergänzung angebotene MSM wird nicht aus Pflanzen gewonnen, sondern technisch hergestellt: in der Regel durch Oxidation von DMSO und anschließende Reinigung durch Destillation oder Kristallisation. Chemisch ist dieses MSM mit dem natürlich vorkommenden identisch. Wichtig ist die Abgrenzung zu DMSO selbst: DMSO ist eine eigenständige Substanz mit anderem Wirkprofil und anderen Anwendungsregeln und darf nicht mit MSM verwechselt werden.
Aufbau und Wirkungsweise
Schwefel ist für den menschlichen Körper unverzichtbar. Er steckt vor allem in den Aminosäuren Methionin und Cystein und damit in zahlreichen Eiweißen, Enzymen und im körpereigenen Antioxidans Glutathion. Cystein bildet über sogenannte Disulfidbrücken das stabile Gerüst von Keratin, dem Hauptbaustein von Haaren und Nägeln. Im Knorpel finden sich Schwefelgruppen in den Gelenkbausteinen wie Chondroitinsulfat. Für Kollagen spielt Schwefel dagegen eine geringere Rolle, als oft behauptet wird – sein Aufbau hängt vor allem von Glycin, Prolin und Vitamin C ab.
Ob und in welchem Umfang der Schwefel aus MSM beim Menschen tatsächlich in körpereigene Eiweiße eingebaut wird, ist nicht abschließend geklärt. In Tierversuchen wurde markierter Schwefel aus MSM in schwefelhaltigen Aminosäuren wiedergefunden; für den Menschen fehlen vergleichbare Daten. Ein gesonderter Referenzwert für die Schwefelzufuhr existiert nicht – der Bedarf wird bei ausreichender Eiweißzufuhr über Methionin und Cystein gedeckt.
In Labor- und Tierstudien werden für MSM vor allem zwei Wirkmechanismen diskutiert: eine Dämpfung entzündungsfördernder Signalwege (etwa über den Transkriptionsfaktor NF-κB und die Freisetzung von Zytokinen) sowie eine Beeinflussung des antioxidativen Gleichgewichts, unter anderem über Glutathion. Diese Befunde erklären das Forschungsinteresse, sind aber nicht automatisch auf die Einnahme beim Menschen übertragbar.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Gelenkbeschwerden bei Arthrose: In kleinen, kontrollierten Studien verbesserten sich unter MSM Schmerz und Beweglichkeit bei Kniearthrose; die Datenlage gilt als vielversprechend, aber nicht gesichert.
- Entzündungsprozesse: Laborbefunde und Studien zu Entzündungsmarkern geben Hinweise auf eine entzündungsdämpfende Wirkung; eine Behandlung chronischer Entzündungen ersetzt MSM nicht.
- Haut, Haare und Nägel: Eine Studie berichtet über weniger sichtbare Fältchen und verbesserte Hautfeuchtigkeit; zu Haaren und Nägeln liegen kaum belastbare Daten vor.
- Heuschnupfen: Zwei kleine Untersuchungen geben Hinweise auf gelinderte Nasenbeschwerden bei saisonaler Allergie.
- Muskelerholung nach Sport: Pilotstudien deuten auf weniger Muskelkater und günstigere Belastungsmarker hin; die Aussagekraft ist gering.
Für MSM ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Die folgenden Abschnitte ordnen die Studienlage ehrlich ein.
MSM bei Gelenkbeschwerden und Arthrose
Am besten untersucht ist MSM bei Arthrose des Kniegelenks. In einer randomisierten, placebokontrollierten Pilotstudie von Kim und Kollegen (2006) erhielten 50 Erwachsene mit Kniearthrose zwölf Wochen lang zweimal täglich 3 Gramm MSM. Schmerz und körperliche Funktion im WOMAC-Fragebogen besserten sich stärker als unter Placebo, ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Eine zweite Studie von Debbi und Kollegen (2011) mit 49 Teilnehmenden und dreimal täglich 1,125 Gramm über zwölf Wochen fand eine Verbesserung der körperlichen Funktion und des Gesamtwerts, beim Schmerz allein war der Unterschied zu Placebo jedoch nicht statistisch gesichert.
Eine systematische Übersicht von Brien und Kollegen (2008) kam zu dem Schluss, dass sich aufgrund der geringen Teilnehmerzahlen und kurzen Studiendauer noch keine endgültige Aussage treffen lässt. Daran hat sich grundsätzlich wenig geändert: MSM kann bei Gelenkschmerzen einen Versuch wert sein, eine Verlangsamung des Knorpelabbaus beim Menschen ist jedoch nicht nachgewiesen. MSM wird häufig gemeinsam mit Glucosamin und Chondroitinsulfat verwendet. Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der Arthritis gehört die Behandlung in ärztliche Hände – MSM ist dort allenfalls eine Ergänzung.
Entzündungen, Haut und Allergien
Die entzündungsdämpfenden Eigenschaften sind der Hauptgrund für die Popularität von MSM. Sie stützen sich überwiegend auf Labor- und Tierdaten sowie auf Messungen von Blutwerten in kleinen Studien. Ob sich daraus ein spürbarer Nutzen bei Entzündungen im Alltag ergibt, ist offen.
Für die Haut liegt eine Untersuchung von Muizzuddin und Benjamin (2022) vor: Teilnehmende, die 16 Wochen lang 1 oder 3 Gramm MSM täglich einnahmen, zeigten weniger sichtbare Fältchen sowie verbesserte Hautfeuchtigkeit und Elastizität. Die Studie entstand unter Beteiligung der Herstellerseite und ist noch nicht unabhängig bestätigt. Zur Pflege bei Hautalterung ist MSM also ein Thema mit ersten positiven Signalen. Für die Behauptung, MSM verringere Narben, gibt es keine belastbaren Belege.
Bei Heuschnupfen berichteten eine offene Studie von Barrager und Schauss sowie eine kleine, doppelblinde Untersuchung von Hewlings und Kalman (2018) über gelinderte Nasenbeschwerden. Beide Arbeiten sind klein; zur Allergielinderung ersetzt MSM keine ärztlich verordnete Behandlung.
Hilft MSM bei Erkältung?
Diese Frage wird häufig gestellt. Zur Wirkung von MSM bei Erkältungen oder grippalen Infekten gibt es keine aussagekräftigen Studien. Die Untersuchungen zu verstopfter Nase betreffen ausschließlich allergischen Schnupfen, nicht den durch Viren ausgelösten Infekt. Eine Stärkung des Immunsystems durch MSM ist beim Menschen nicht belegt.
Entgiftung und Sport
Häufig wird behauptet, MSM verbessere die Durchlässigkeit der Zellwände und fördere so die Entgiftung. Für diese Aussage fehlen Belege beim Menschen; die Entgiftung leisten Leber und Nieren. Im Sportbereich gibt es kleine Pilotstudien, etwa von Kalman und Kollegen (2012), mit Hinweisen auf weniger Muskelkater und günstigere Werte des oxidativen Stresses nach intensiver Belastung. Größere Untersuchungen stehen aus.
Vorkommen in Lebensmitteln
MSM kommt in vielen Lebensmitteln vor, allerdings nur in Spuren. Nachgewiesen wurde es unter anderem in Kuhmilch, Kaffee, Tee, Tomaten, verschiedenen Gemüsearten, Obst und Getreide. Durch Lagerung, Erhitzen und Verarbeitung geht ein Teil verloren. Die über die Ernährung aufgenommenen Mengen liegen daher weit unter den in Studien eingesetzten Grammdosen. Einen Mangel an MSM gibt es nicht – der Körper ist auf MSM nicht angewiesen, wohl aber auf ausreichend Eiweiß mit schwefelhaltigen Aminosäuren, etwa aus Eiern, Fisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Kohlgemüse.
Anwendung und Dosierung
MSM ist als Pulver, in Kapseln und Tabletten sowie in Cremes und Gelen zur äußerlichen Anwendung erhältlich. In Studien wurden Tagesmengen zwischen 1 und 6 Gramm über einige Wochen bis Monate eingesetzt. Übersichtsarbeiten, etwa von Butawan, Benjamin und Bloomer (2017), beschreiben Mengen bis etwa 4 Gramm täglich als von den meisten Menschen gut verträglich. Im Alltag gilt: die Angaben auf der Packung einhalten und nicht eigenmächtig überschreiten.
Wann einnehmen und wie lange?
- Zeitpunkt: Feste Einnahmezeiten sind wissenschaftlich nicht begründet. Bewährt hat sich die Einnahme zu einer Mahlzeit; größere Mengen werden meist auf zwei bis drei Portionen über den Tag verteilt.
- Einstieg: Mit einer niedrigen Menge beginnen und langsam steigern, um die Verträglichkeit, insbesondere des Magens, zu prüfen.
- Pulver: MSM-Pulver in Wasser oder Saft auflösen; der leicht bittere Geschmack lässt sich so abmildern.
- Dauer: In den Gelenkstudien zeigten sich Effekte nach etwa sechs bis zwölf Wochen. Bleibt nach drei Monaten eine spürbare Verbesserung aus, ist eine weitere Einnahme wenig sinnvoll.
- Äußerlich: Zu Cremes und Gelen mit MSM gibt es nur wenige Studien; auf Hautverträglichkeit achten.
Geschichte und Überlieferungen
Schwefel wird seit der Antike medizinisch genutzt, etwa in Form von Schwefelbädern, Schwefelquellen und schwefelhaltigen Salben gegen Hautleiden und Gelenkbeschwerden. Viele traditionelle Kurorte verdanken ihren Ruf solchen Quellen. MSM selbst ist dagegen eine vergleichsweise junge Substanz in der Gesundheitsvorsorge.
Seine Geschichte ist eng mit der Erforschung von DMSO verbunden, das ab den 1960er-Jahren in den USA intensiv untersucht wurde. Dabei rückte MSM als Stoffwechselprodukt von DMSO in den Blick. Ab den frühen 1980er-Jahren wurde MSM als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel bekannt, zunächst in Nordamerika, später auch in Europa. Seit den 2000er-Jahren ist MSM Gegenstand kontrollierter klinischer Studien – die Erforschung ist damit noch vergleichsweise jung, was die begrenzte Datenlage erklärt.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Verträglichkeit: MSM gilt in den untersuchten Mengen als gut verträglich. Berichtet werden vor allem leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder weicher Stuhl, gelegentlich Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Hautreaktionen.
- Allergien: Allergische Reaktionen auf MSM sind selten. MSM ist kein Sulfit und auch nicht mit Sulfonamid-Antibiotika verwandt, dennoch sollten Menschen mit bekannten Unverträglichkeiten vorsichtig beginnen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Es liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. In dieser Zeit sollte MSM nicht eingenommen werden.
- Kinder und Jugendliche: Für diese Altersgruppe gibt es keine Studien; eine Einnahme wird nicht empfohlen.
- Wechselwirkungen: Systematische Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln fehlen. Wer Gerinnungshemmer oder andere Medikamente dauerhaft einnimmt, sollte die Einnahme vorher ärztlich oder in der Apotheke abstimmen.
- Bestehende Erkrankungen: Bei Nieren- oder Lebererkrankungen sowie vor Operationen die Einnahme ärztlich besprechen.
- Warnzeichen: Geschwollene, gerötete oder überwärmte Gelenke, Fieber, nächtliche Schmerzen oder Beschwerden nach einem Sturz gehören ärztlich abgeklärt und nicht in die Selbstbehandlung.
Regulatorische Einordnung in der EU
MSM wird in der EU als Nahrungsergänzungsmittel angeboten und ist kein zugelassenes Arzneimittel. Im EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben ist für MSM keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Aussagen zu Gelenken, Haut oder Entzündungen dürfen daher in der Werbung nicht gemacht werden. In den USA ist MSM als GRAS eingestuft, also als grundsätzlich sicher für den Einsatz in Lebensmitteln anerkannt. Die in diesem Lexikonbeitrag beschriebenen Studienergebnisse dienen der sachlichen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie lange dauert es, bis MSM Wirkung zeigt?
Die Wirkung von MSM kann von Person zu Person variieren. Einige Menschen berichten von schnellen Ergebnissen, während es bei anderen länger dauern kann. -
Kann ich MSM mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen?
Ja, MSM kann in der Regel sicher mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden, aber es ist immer ratsam, dies mit einem Arzt zu besprechen. -
Gibt es Wechselwirkungen zwischen MSM und Medikamenten?
MSM kann mit bestimmten Medikamenten interagieren. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt, wenn Sie verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen. -
Welche Dosierung von MSM ist empfehlenswert?
Die empfohlene Dosierung kann je nach Gesundheitszustand variieren. Es ist am besten, die Anweisungen auf dem Produktetikett zu befolgen oder einen Arzt um Rat zu fragen. -
Kann MSM Allergien auslösen?
MSM kann allergische Reaktionen hervorrufen. Beenden Sie die Einnahme und suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion bemerken. -
Wie nimmt man MSM-Pulver ein?
MSM-Pulver wird in Wasser oder Saft aufgelöst und am besten zu einer Mahlzeit getrunken. Üblich ist ein Beginn mit einer niedrigen Menge, die über einige Wochen gesteigert wird. Da MSM leicht bitter schmeckt, eignet sich Fruchtsaft gut zum Verdünnen. -
Hilft MSM bei Erkältung?
MSM wirkt entzündungshemmend und wird von manchen bei Heuschnupfen und verstopfter Nase eingesetzt. Eine vorbeugende oder heilende Wirkung bei Erkältungen ist wissenschaftlich nicht belegt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Brien S et al. (2008): Systematic review of the nutritional supplements dimethyl sulfoxide (DMSO) and methylsulfonylmethane (MSM) in the treatment of osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage 16(11):1277-88. -> PubMed PMID 18417375
- Wikipedia: Methylsulfonylmethan (MSM)
- Wikipedia (EN): Methylsulfonylmethane
- PMC: Meta-Analysis of DMSO and Methylsulfonylmethane in the Treatment of Osteoarthritis of the Knee
- PMC: Efficacy of methylsulfonylmethane supplementation on osteoarthritis of the knee – a randomized controlled study (2011)
- Butawan M, Benjamin RL, Bloomer RJ (2017): Methylsulfonylmethane: Applications and Safety of a Novel Dietary Supplement. Nutrients 9(3):290
- Kim LS et al. (2006): Efficacy of methylsulfonylmethane (MSM) in osteoarthritis pain of the knee: a pilot clinical trial (PubMed)
- Muizzuddin N, Benjamin R (2022): Beauty from within: Oral administration of a sulfur-containing supplement methylsulfonylmethane improves signs of skin ageing (PubMed)
- Hewlings S, Kalman DS (2018): Methylsulfonylmethane and allergic rhinitis after a standard allergen challenge – randomized double-blind exploratory study
- Kalman DS et al. (2012): Influence of methylsulfonylmethane on markers of exercise recovery and performance in healthy men – a pilot study
Die oben genannten Informationen sind allgemeiner Natur und sollten nicht als Ersatz für medizinischen Rat verwendet werden.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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