Psychische Erkrankungen: Ursachen, Symptome & was hilft

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Was sind psychische Erkrankungen?

Psychische Erkrankungen (Fachbegriff: psychische Störungen) sind Erkrankungen, die das Denken, Fühlen, Wahrnehmen und Verhalten eines Menschen so verändern, dass daraus deutliches Leiden oder eine spürbare Beeinträchtigung im Alltag, im Beruf oder in Beziehungen entsteht. Entscheidend für die Diagnose ist nicht ein einzelnes Gefühl – Traurigkeit, Angst oder Erschöpfung gehören zum Leben –, sondern dass Beschwerden über längere Zeit anhalten, sehr ausgeprägt sind und das Leben merklich einschränken.

Psychische Erkrankungen sind häufig. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lebte 2023 weltweit fast jeder siebte Mensch – rund 1,2 Milliarden – mit einer psychischen Erkrankung; am häufigsten sind Angststörungen und Depressionen. Sie können in jedem Alter auftreten, viele beginnen bereits in Kindheit, Jugend oder jungem Erwachsenenalter.

Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten ordnen psychische Erkrankungen nach internationalen Klassifikationen ein, vor allem der ICD der WHO. Zu den wichtigsten Gruppen zählen:

  • Affektive Störungen wie die Depression und die bipolare Störung, bei der depressive und manische Phasen wechseln.
  • Angststörungen, etwa die generalisierte Angststörung, Phobien und die Panikstörung mit wiederkehrenden Panikattacken.
  • Belastungs- und Traumafolgestörungen, zum Beispiel die posttraumatische Belastungsstörung, sowie Zwangsstörungen.
  • Psychotische Erkrankungen wie die Schizophrenie, bei der Wahn, Halluzinationen und Denkstörungen auftreten können.
  • Abhängigkeitserkrankungen, etwa von Alkohol, Medikamenten oder Drogen, siehe Alkoholismus.
  • Essstörungen wie Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Störung.
  • Persönlichkeitsstörungen, Entwicklungsstörungen wie ADHS sowie Erkrankungen, bei denen Gedächtnis und Denken nachlassen, etwa die Demenz.

Nicht jede Krise ist eine Krankheit: Ein Stimmungstief, Trauer nach einem Verlust oder ein Burn-out-Gefühl bei Überlastung sind zunächst verständliche Reaktionen. Halten sie jedoch an oder verschlimmern sie sich, sollte man sie ernst nehmen und fachlich abklären lassen.

Ursachen

Psychische Erkrankungen haben fast nie eine einzige Ursache. Die Medizin spricht von einem bio-psycho-sozialen Modell: Mehrere Faktoren wirken zusammen, und ihr Gewicht ist von Mensch zu Mensch verschieden.

  • Erbliche Veranlagung: Bei vielen Erkrankungen, etwa Depression, bipolarer Störung oder Schizophrenie, ist das Risiko in betroffenen Familien erhöht – eine Veranlagung bedeutet aber nicht, dass man zwangsläufig erkrankt.
  • Biologische Faktoren: Veränderungen in der Signalübertragung zwischen Nervenzellen, in Stresshormonsystemen und in der Entwicklung des Gehirns. Die früher verbreitete Vorstellung eines einfachen „chemischen Ungleichgewichts“ gilt heute als zu vereinfacht.
  • Körperliche Erkrankungen und Medikamente: Schilddrüsenerkrankungen, chronische Schmerzen, Herz- und Hirnerkrankungen sowie manche Arzneimittel können psychische Beschwerden auslösen oder verstärken.
  • Belastende Lebensereignisse: Verluste, Trennungen, Gewalt, Vernachlässigung in der Kindheit, Traumata, Arbeitslosigkeit oder finanzielle Sorgen.
  • Dauerhafter Stress und Überforderung, siehe Stress und Unruhe.
  • Soziale Faktoren: Einsamkeit, fehlende Unterstützung, Ausgrenzung und Diskriminierung.
  • Substanzen: Alkohol und Drogen, darunter Cannabis, können psychische Erkrankungen begünstigen oder auslösen und verschlechtern ihren Verlauf.
  • Schlaf: Anhaltende Schlafstörungen sind sowohl Folge als auch Risikofaktor vieler psychischer Erkrankungen.

Symptome

Die Anzeichen sind so vielfältig wie die Erkrankungen selbst. Häufige Warnsignale, die über mehrere Wochen bestehen, sind:

  • anhaltende Niedergeschlagenheit, innere Leere oder Hoffnungslosigkeit (siehe innere Leere), Verlust von Freude und Interesse;
  • starke, unbegründete oder unkontrollierbare Ängste und Sorgen, Anspannung und Unruhe;
  • ausgeprägte Stimmungsschwankungen, ungewöhnlich gehobene oder gereizte Stimmung mit vermindertem Schlafbedürfnis;
  • Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme;
  • Veränderungen von Schlaf, Appetit und Gewicht;
  • sozialer Rückzug, Vernachlässigung von Pflichten und Körperpflege;
  • körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Ursache, etwa Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen, Herzklopfen;
  • Hören von Stimmen, Misstrauen und Verfolgungsgedanken, verworrenes Denken;
  • zunehmender Konsum von Alkohol, Medikamenten oder Drogen;
  • Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, oder Gedanken an Selbstverletzung.

Gedanken an Suizid sind immer ein Notfall und kein Zeichen von Schwäche – sie sind häufig Ausdruck einer behandelbaren Erkrankung.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Johanniskraut – Extrakte sind von der EMA als bewährte Anwendung bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden anerkannt; nur nach ärztlicher Abklärung und wegen vieler Wechselwirkungen mit Vorsicht.
  • Baldrian – EMA-anerkannt bei leichter nervöser Anspannung und Schlafstörungen.
  • Lavendel – traditionell bei leichten Symptomen von psychischem Stress und zur Unterstützung des Schlafs (EMA-Monographie).
  • Melisse – traditionell bei leichten Stresssymptomen und zur Förderung des Schlafs (EMA-Monographie).
  • Passionsblume und Hopfen – traditionell bei leichter Unruhe und Einschlafproblemen.
  • Rosenwurz – traditionell zur vorübergehenden Linderung von Stresssymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung (EMA-Monographie).
  • Melatonin – kann die Einschlafzeit verkürzen und bei Jetlag helfen; keine Behandlung psychischer Erkrankungen.
  • Vitamin D – ein nachgewiesener Mangel sollte ausgeglichen werden; in einer großen Studie beugte Vitamin D Depressionen jedoch nicht vor.
  • L-Tryptophan – Baustein des Botenstoffs Serotonin; eine stimmungsaufhellende Wirkung ist nicht ausreichend belegt, und mit Antidepressiva drohen Wechselwirkungen.
  • Omega-3-Fettsäuren – werden bei Depression als Ergänzung untersucht; die Ergebnisse sind uneinheitlich.

Einordnung: Naturheilmittel können bei leichten Beschwerden, Stress und Schlafproblemen eine Ergänzung sein. Schwere Depressionen, Psychosen, bipolare Störungen, Suchterkrankungen und Essstörungen gehören in fachärztliche und psychotherapeutische Behandlung. Pflanzliche Mittel ersetzen keine verordneten Medikamente – diese nie eigenmächtig absetzen.

Johanniskraut: wirksam, aber nicht harmlos

Johanniskraut ist das am besten untersuchte pflanzliche Mittel bei Depression. Ein Cochrane-Review von Linde und Kollegen (2008) mit 29 Studien und 5489 Patientinnen und Patienten kam zum Ergebnis, dass geprüfte Extrakte bei leichter bis mittelschwerer Depression besser wirkten als Placebo und ähnlich gut wie herkömmliche Antidepressiva, bei weniger Studienabbrüchen wegen Nebenwirkungen. Johanniskraut beschleunigt jedoch den Abbau vieler Arzneimittel – darunter die Antibabypille, Gerinnungshemmer, Mittel nach Organtransplantation, HIV-Medikamente und manche Herzmittel –, die dann schlechter wirken. Zusammen mit Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann ein gefährliches Serotonin-Syndrom entstehen. Außerdem kann es die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Deshalb gilt: Johanniskraut nur nach ärztlicher Diagnose und nach Prüfung aller anderen Medikamente.

Vitamin D und psychische Gesundheit

Niedrige Vitamin-D-Spiegel wurden in Beobachtungsstudien mit einem höheren Depressionsrisiko in Verbindung gebracht. In der großen randomisierten VITAL-DEP-Studie (Okereke und Kollegen, 2020) nahmen über 18.000 Erwachsene ab 50 Jahren rund fünf Jahre lang täglich 2000 I.E. Vitamin D3 oder ein Placebo ein; das Risiko für Depressionen oder depressive Symptome unterschied sich nicht. Vitamin D ist also sinnvoll, um einen Mangel auszugleichen, aber kein Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Depressionen.

Was Sie selbst tun können

  • Darüber sprechen: Sich einer vertrauten Person, der Hausärztin oder dem Hausarzt anzuvertrauen, ist oft der wichtigste erste Schritt.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, am besten im Freien und bei Tageslicht, wirkt sich nachweislich günstig auf Stimmung und Stressbelastung aus.
  • Schlaf und Tagesstruktur: feste Aufsteh- und Schlafenszeiten, regelmäßige Mahlzeiten, kleine, erreichbare Tagesziele.
  • Ausgewogene Ernährung: viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Fisch nach Art der Mittelmeerkost.
  • Alkohol und Drogen meiden: Sie verschlechtern Schlaf, Stimmung und den Verlauf fast aller psychischen Erkrankungen.
  • Entspannung: Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen oder Yoga helfen beim Umgang mit Stress.
  • Soziale Kontakte pflegen und Hilfe annehmen – auch von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen.
  • Behandlung konsequent fortführen: Psychotherapie braucht Zeit, Medikamente wirken oft erst nach einigen Wochen. Nichts eigenmächtig absetzen.

Wann zum Arzt?

Psychische Erkrankungen sind gut behandelbar, und je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind meist die Aussichten. Die Hausarztpraxis ist eine gute erste Anlaufstelle; sie vermittelt an Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie, an Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten und Beratungsstellen. Ärztlichen Rat sollten Sie suchen, wenn:

  • Niedergeschlagenheit, Ängste, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen länger als zwei Wochen anhalten;
  • Beschwerden Alltag, Arbeit oder Beziehungen deutlich beeinträchtigen;
  • Sie Stimmen hören, sich verfolgt fühlen oder Angehörige deutliche Veränderungen im Denken und Verhalten bemerken;
  • Sie zunehmend Alkohol, Beruhigungsmittel oder Drogen brauchen, um zurechtzukommen;
  • Essverhalten oder Gewicht sich stark verändern.

Sofort Hilfe holen bei Gedanken an Suizid oder Selbstverletzung, bei akuter Gefahr für sich oder andere und bei plötzlicher Verwirrtheit: Rettung 144 oder Euronotruf 112. Rund um die Uhr, anonym und kostenlos erreichbar ist in Österreich die Telefonseelsorge unter 142; Kinder und Jugendliche finden Hilfe bei Rat auf Draht unter 147. In Deutschland ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 erreichbar.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Was sind die häufigsten psychischen Erkrankungen?
    Am häufigsten sind Angststörungen und Depressionen. Ebenfalls verbreitet sind Abhängigkeitserkrankungen, etwa von Alkohol, sowie Belastungsstörungen. Seltener, aber oft schwer verlaufend sind bipolare Störungen und Schizophrenie.
  2. Können Naturheilmittel Medikamente ersetzen?
    Nicht ohne ärztliche Beratung. Sie können unterstützend wirken, aber nicht unbedingt Medikamente ersetzen.
  3. Wie wird eine psychische Erkrankung diagnostiziert?
    Die Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte, vor allem für Psychiatrie, oder klinische Psychologinnen und Psychologen und Psychotherapeuten in ausführlichen Gesprächen, oft ergänzt durch standardisierte Fragebögen. Grundlage sind internationale Kriterien wie die ICD der WHO. Körperliche Ursachen, etwa eine Schilddrüsenerkrankung, werden durch Untersuchung und Blutwerte ausgeschlossen.
  4. Welche Rolle spielt die Ernährung?
    Eine ausgewogene Ernährung kann die psychische Gesundheit positiv beeinflussen.
  5. Sind psychische Erkrankungen heilbar?
    Viele Menschen erleben mit der richtigen Behandlung eine erhebliche Besserung.
  6. Wo findet man Hilfe bei psychischen Problemen?
    Erste Anlaufstelle ist oft die Hausärztin oder der Hausarzt, die an Fachärzte für Psychiatrie, Psychotherapeuten oder Beratungsstellen weitervermitteln. In Österreich ist die Telefonseelsorge unter 142 rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar, für Kinder und Jugendliche Rat auf Draht unter 147. Bei akuter Gefahr für sich selbst oder andere sofort die Rettung unter 144 oder den Euronotruf 112 wählen.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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