Prüfungsangst – Symptome, Naturheilmittel und Bewältigungsstrategien

Was ist Prüfungsangst?
Prüfungsangst ist eine ausgeprägte Angst vor Leistungssituationen, in denen man bewertet wird – etwa vor Schularbeiten, Matura, Führerscheinprüfung, mündlichen Prüfungen an der Universität oder Bewerbungsgesprächen. Sie kann schon Tage oder Wochen vorher beginnen, sich am Prüfungstag zuspitzen und während der Prüfung das Denken blockieren.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen normaler Aufregung und belastender Angst. Eine gewisse Anspannung ist nützlich: Sie macht wach, schärft die Aufmerksamkeit und mobilisiert Energie. Schon 1908 beschrieben die Psychologen Yerkes und Dodson, dass die Leistung bei mittlerer Erregung am besten ist und sowohl bei zu wenig als auch bei zu viel Anspannung abnimmt. Von Prüfungsangst im engeren Sinn spricht man, wenn die Angst so stark wird, dass sie Lernen und Leistung beeinträchtigt, das Wohlbefinden über längere Zeit belastet oder dazu führt, dass Prüfungen hinausgeschoben oder ganz vermieden werden. Verwandt ist das Lampenfieber vor Auftritten und Vorträgen.
Ursachen
Prüfungsangst entsteht meist aus einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- Bewertungsdruck: hohe Erwartungen von Eltern, Lehrenden, Arbeitgebern oder von sich selbst; das Gefühl, dass „alles“ von dieser Prüfung abhängt.
- Negative Erfahrungen: frühere Misserfolge, Blackouts oder Bloßstellungen, die sich als Erwartungsangst festsetzen.
- Denkmuster: Perfektionismus, Katastrophengedanken („Wenn ich durchfalle, ist alles vorbei“) und geringes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
- Unzureichende Vorbereitung: Lernen unter Zeitdruck, fehlender Überblick über den Stoff, Aufschieben.
- Veranlagung: Menschen, die generell ängstlicher reagieren oder unter Angstzuständen leiden, sind häufiger betroffen. In Befragungen berichten Frauen häufiger über Prüfungsangst als Männer.
- Verstärkende Faktoren: Schlafmangel, viel Koffein oder Energydrinks und fehlende Erholung in der Lernphase.
Körperlich steckt dahinter die Stressreaktion: Das Gehirn bewertet die Prüfung als Bedrohung und schaltet in den „Kampf-oder-Flucht“-Modus. Das sympathische Nervensystem wird aktiviert, Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet. Für Kampf oder Flucht ist das sinnvoll – für das ruhige Abrufen von Wissen nicht.
Symptome
Prüfungsangst zeigt sich auf mehreren Ebenen:
- Körperlich: Herzklopfen und Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, feuchte Hände, Übelkeit, Durchfall, Magenschmerzen, häufiger Harndrang, Kopfschmerzen, Schlafstörungen vor der Prüfung.
- Gedanklich: Grübeln, Sorgen, Konzentrationsprobleme, das Gefühl, „alles vergessen“ zu haben, bis hin zum Blackout in der Prüfung.
- Gefühlsmäßig: Nervosität, innere Unruhe, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit.
- Im Verhalten: Aufschieben des Lernens, übermäßiges Lernen ohne Pausen, Absagen oder Verschieben von Prüfungen, Griff zu Alkohol, Beruhigungs- oder Aufputschmitteln.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Baldrian (Valeriana officinalis): Von der EMA zur Linderung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen anerkannt – hilfreich vor allem für ruhigeren Schlaf in der Lernphase.
- Passionsblume: Traditionell bei leichten Symptomen von psychischem Stress und als Einschlafhilfe, von der EMA als traditionelles Arzneimittel eingestuft.
- Lavendel: Lavendelöl ist traditionell bei leichten Stresssymptomen anerkannt; ein spezieller Lavendelöl-Extrakt in Kapseln ist in Deutschland als Arzneimittel bei Unruhe mit ängstlicher Verstimmung zugelassen.
- Hopfen: Traditionell bei leichten Stresssymptomen und Einschlafproblemen, meist kombiniert mit Baldrian.
- Melisse: Traditionell bei leichten Stresssymptomen und nervösen Magen-Darm-Beschwerden.
- Ashwagandha (Withania somnifera): Kleinere Studien geben Hinweise auf ein geringeres Stressempfinden; wegen möglicher Leberschäden ist Vorsicht geboten.
- L-Theanin: Die Aminosäure aus Teeblättern wurde in kleinen Studien bei Stress untersucht; die Belege sind schwach.
- Rotbuschtee und grüner Tee: Rotbuschtee ist ein koffeinfreies Getränk für die Lernphase; grüner Tee enthält neben L-Theanin auch Koffein.
Baldrian bei Prüfungsangst
Baldrian ist die bekannteste Heilpflanze bei Nervosität. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur erkennt Baldrianwurzel-Trockenextrakte zur Linderung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen an. Am besten belegt ist der Nutzen für den Schlaf, und erholsamer Schlaf ist in der Lernphase eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Prüfungsstress. Die volle Wirkung entfaltet sich oft erst nach mehreren Tagen bis zwei Wochen regelmäßiger Einnahme. Baldrian kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen und müde machen. Er sollte deshalb nicht erst am Prüfungstag zum ersten Mal genommen werden, und nach der Einnahme sollte man nicht Auto fahren, bis man die eigene Reaktion kennt – das gilt besonders vor einer Führerscheinprüfung.
Was pflanzliche Mittel leisten können – und was nicht
Pflanzliche Beruhigungsmittel können leichte Nervosität und Einschlafprobleme lindern. Gegen eine ausgeprägte Prüfungsangst mit Blackouts oder Panik reichen sie in der Regel nicht aus. Sie ersetzen weder eine gute Vorbereitung noch Entspannungstraining oder psychologische Unterstützung. Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Vorsicht gilt bei koffeinhaltigen Getränken wie grünem Tee, Kaffee und Energydrinks: Koffein kann Herzklopfen, Zittern und Unruhe verstärken.
Was Sie selbst tun können
Am wirksamsten gegen Prüfungsangst ist eine Kombination aus guter Vorbereitung, Entspannung und einem freundlicheren Umgang mit den eigenen Gedanken.
- Lernplan erstellen: Stoff in überschaubare Einheiten aufteilen, früh beginnen und Wiederholungen einplanen. Das Gefühl, den Überblick zu haben, senkt die Angst deutlich.
- Prüfungssituation üben: Alte Prüfungsfragen unter Zeitdruck lösen, mündliche Prüfungen mit Freunden simulieren, laut erklären. Je vertrauter die Situation, desto geringer die Angst.
- Atmung nutzen: Langsam durch die Nase einatmen und deutlich länger ausatmen, etwa vier Sekunden ein und sechs bis acht Sekunden aus. Das beruhigt das Nervensystem und funktioniert auch unmittelbar vor und während der Prüfung.
- Entspannungsverfahren erlernen: Progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Achtsamkeitsübungen wirken am besten, wenn sie über Wochen regelmäßig geübt werden.
- Bewegen: Regelmäßige körperliche Aktivität baut Stresshormone ab; in Studien verringerte Sport bei Studierenden die Prüfungsangst.
- Gut schlafen: Nächte durchzulernen schadet dem Gedächtnis, denn Gelerntes wird im Schlaf gefestigt. Siehe auch Stress abbauen.
- Gedanken prüfen: Katastrophengedanken bewusst hinterfragen und durch realistische Sätze ersetzen („Ich habe mich vorbereitet. Eine Prüfung kann man wiederholen.“).
- Am Prüfungstag: Normal frühstücken, rechtzeitig losgehen, sich nicht mehr von anderen verunsichern lassen. Bei einem Blackout kurz innehalten, tief ausatmen und mit einer leichten Frage weitermachen.
- Unterstützung annehmen: Viele Schulen und Hochschulen bieten psychologische Beratung an; in Österreich gibt es zudem die kostenlose Psychologische Studierendenberatung.
Wann zum Arzt?
Ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe ist angezeigt, wenn:
- die Angst trotz Vorbereitung und Selbsthilfe so stark ist, dass Sie Prüfungen wiederholt abbrechen, verschieben oder gar nicht antreten
- es zu Panikattacken mit Atemnot, Brustenge oder Todesangst kommt
- Herzrasen, Brustschmerzen oder Schwindel auftreten, deren Ursache nicht geklärt ist
- Ängste auch außerhalb von Prüfungen den Alltag bestimmen
- anhaltende Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Anzeichen einer Depression hinzukommen
- Sie regelmäßig zu Alkohol, Beruhigungs- oder Aufputschmitteln greifen, um Prüfungen durchzustehen
- Gedanken auftreten, sich etwas anzutun – dann bitte sofort Hilfe suchen, etwa beim ärztlichen Notdienst oder bei der Telefonseelsorge (in Österreich unter der Nummer 142)
Medikamente gegen Prüfungsangst: Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine können Gedächtnis und Reaktionsvermögen beeinträchtigen und abhängig machen; sie sind für Prüfungen ungeeignet. Bei ausgeprägten körperlichen Symptomen wie Herzrasen und Zittern verordnen Ärztinnen und Ärzte manchmal Betablocker – das ist eine individuelle ärztliche Entscheidung und nicht zur Selbstmedikation gedacht. Eine Verhaltenstherapie ist bei starker Prüfungsangst die am besten untersuchte Behandlung.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Müdigkeit und Verkehr: Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse können die Reaktionsfähigkeit vermindern. Nicht mit Alkohol oder anderen Beruhigungsmitteln kombinieren.
- Ashwagandha: Es wurden Fälle von Leberschäden beschrieben. Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Lebererkrankungen und nur nach ärztlicher Rücksprache bei Schilddrüsenerkrankungen oder Einnahme von Medikamenten.
- Lavendelöl-Kapseln: können Aufstoßen und Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
- Kinder und Jugendliche: Viele pflanzliche Beruhigungsmittel sind erst ab 12 Jahren vorgesehen; Packungsbeilage beachten oder in der Apotheke fragen.
- Medikamente: Wer Antidepressiva, Schlafmittel oder andere Psychopharmaka einnimmt, sollte pflanzliche Mittel vorher ärztlich abstimmen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Was kann man gegen Prüfungsangst tun?
Am wirksamsten sind eine frühzeitige, gut geplante Vorbereitung, das Üben der Prüfungssituation, Atem- und Entspannungsübungen, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf. Pflanzliche Beruhigungsmittel können leichte Nervosität lindern. Bei starker Angst helfen psychologische Beratungsstellen oder eine Verhaltenstherapie. -
Wie verbreitet ist Prüfungsangst?
Sie ist ein häufiges Phänomen und betrifft Menschen in allen Altersgruppen und Lebensbereichen. -
Was sind die häufigsten Symptome der Prüfungsangst?
Symptome reichen von körperlichen Reaktionen wie Zittern bis zu mentalen wie Konzentrationsschwierigkeiten. -
Kann man Prüfungsangst vollständig überwinden?
Mit der richtigen Unterstützung und Strategien können die Symptome oft deutlich reduziert werden. -
Welche Naturheilmittel werden zur Behandlung von Prüfungsangst empfohlen?
Bei leichter Nervosität und Einschlafproblemen in der Lernphase kommen vor allem Baldrian, Passionsblume, Hopfen, Melisse und Lavendel in Frage, die von der Europäischen Arzneimittel-Agentur für leichte Stresssymptome bzw. nervöse Anspannung anerkannt sind. Ashwagandha wird ebenfalls verwendet, ist aber wegen möglicher Leberschäden mit Vorsicht zu sehen. Bei starker Prüfungsangst ersetzen pflanzliche Mittel keine psychologische Unterstützung. -
Hilft Baldrian bei Prüfungsangst?
Baldrian wird traditionell bei nervöser Unruhe und Einschlafproblemen eingesetzt und kann helfen, in der Lernphase besser zur Ruhe zu kommen. Da er müde machen kann, sollte man ihn nicht erst am Prüfungstag zum ersten Mal ausprobieren. Bei starken Ängsten ist professionelle Unterstützung sinnvoll. -
Gibt es Medikamente gegen Prüfungsangst?
Verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel sollten wegen Nebenwirkungen und Abhängigkeitsrisiko nur nach ärztlicher Beratung eingenommen werden. Bei ausgeprägter Prüfungsangst helfen psychologische Beratungsstellen, die es an vielen Hochschulen kostenlos gibt, sowie gezieltes Entspannungstraining.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kenda M et al. (2022): Medicinal Plants Used for Anxiety, Depression, or Stress Treatment: An Update. Molecules 27(18). → PubMed PMID 36144755
- Wikipedia: Prüfungsangst
- Wikipedia (EN): Test anxiety (EN)
- PMC: Interventional Strategies to Reduce Test Anxiety among Nursing Students – Systematic Review (2023)
- PMC: Effects of Exercise Intervention on Students' Test Anxiety – Systematic Review with Meta-Analysis (2022)
- PubMed: Interventions for Test Anxiety in Undergraduate Nursing Students – Integrative Review (2023)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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