Gewürznelke: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Gewuerznelke Lexikon Bild

Botanik und Beschreibung

Die Gewürznelke (Syzygium aromaticum (L.) Merr. & L. M. Perry) ist die getrocknete, noch geschlossene Blütenknospe des Gewürznelkenbaums aus der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Der immergrüne Baum stammt von den Nördlichen Molukken, den sogenannten Gewürzinseln im heutigen Indonesien, und wird meist acht bis zwölf Meter hoch. Seine ledrigen, glänzenden Blätter duften beim Zerreiben bereits deutlich nach Nelke.

Geerntet werden die Knospen, kurz bevor sie sich öffnen – wenn sie sich von Grün zu Rosarot verfärben. Beim Trocknen werden sie rotbraun und hart. Ihre Form mit dem vierzipfeligen Kelch und dem kugeligen Köpfchen erinnert an einen kleinen Nagel; daher stammt auch der deutsche Name: „Nelke“ geht auf mittelalterliche Verkleinerungsformen von „Nagel“ zurück und bedeutet so viel wie „Nägelchen“. Mit der Gartennelke ist das Gewürz nicht verwandt. Wichtige Anbaugebiete sind heute Indonesien, Madagaskar sowie Sansibar und Pemba in Tansania.

Für arzneiliche Zwecke werden die getrockneten Knospen (Caryophylli flos) und das daraus durch Wasserdampfdestillation gewonnene Nelkenöl (Caryophylli floris aetheroleum) verwendet. Beide sind im Europäischen Arzneibuch beschrieben. Eine einfache Qualitätsprobe: Gute Nelken sind ölhaltig und sinken in Wasser ab oder stellen sich senkrecht, ausgelaugte Ware schwimmt waagrecht an der Oberfläche.

Inhaltsstoffe

  • Ätherisches Öl: Gewürznelken gehören zu den ölreichsten Gewürzen überhaupt. Hauptbestandteil des Öls ist Eugenol, daneben Eugenylacetat und β-Caryophyllen. Eugenol ist für den typischen Duft, den brennend-scharfen Geschmack und die leicht betäubende Wirkung verantwortlich.
  • Gerbstoffe: vor allem Gallotannine mit zusammenziehender Wirkung auf Schleimhäute.
  • Polyphenole und Flavonoide: unter anderem Quercetin- und Kaempferol-Verbindungen sowie Phenolsäuren. In einer Auswertung der Phenol-Explorer-Datenbank (Pérez-Jiménez und Mitarbeitende, 2010) standen Gewürznelken mit rund 15.000 mg Polyphenolen je 100 g an erster Stelle aller untersuchten Lebensmittel – wegen der kleinen Verzehrsmengen ist der Beitrag zur Ernährung allerdings begrenzt.
  • Triterpene wie Oleanolsäure sowie Mineralstoffe, insbesondere Mangan.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

Nelkenöl bei Zahnschmerzen und im Mund

Am besten abgesichert ist die Anwendung im Mund. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat Nelkenöl als traditionelles pflanzliches Arzneimittel für zwei Anwendungsgebiete eingestuft: zur Linderung leichter Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie zur vorübergehenden Linderung von Zahnschmerzen durch ein kariöses Loch. Die Einstufung beruht auf langjähriger Verwendung, nicht auf klinischen Wirksamkeitsnachweisen. Auch in der Zahnmedizin hat Eugenol seinen Platz: Zinkoxid-Eugenol-Zemente werden seit Langem für provisorische Füllungen verwendet. Wichtig: Nelkenöl überbrückt nur die Zeit bis zum Zahnarzttermin, es behandelt die Ursache nicht. Bei Mundgeruch überdeckt das Kauen einer Nelke den Geruch kurzfristig.

Helfen Gewürznelken gegen Arthrose?

Diese Frage wird häufig gestellt. Eugenol hat in Labor- und Tierversuchen entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften gezeigt, und in der Volksmedizin werden Nelken bei Gelenkbeschwerden als Tee oder verdünntes Öl zum Einreiben genutzt. Klinische Studien, die eine Wirkung bei Arthrose belegen, gibt es jedoch nicht. Eine Einreibung kann über die Wärme- und Duftwirkung als angenehm empfunden werden – eine ärztlich begleitete Arthrose-Behandlung mit Bewegung und gegebenenfalls Physiotherapie ersetzt sie nicht.

Sollte man täglich Nelken kauen?

In sozialen Medien kursieren Empfehlungen, täglich Nelken zu kauen. Das gelegentliche Kauen einer einzelnen Nelke, etwa für frischen Atem, ist für Erwachsene unbedenklich. Einen belegten Gesundheitsnutzen eines täglichen „Nelkenkauens“ gibt es jedoch nicht. Wer regelmäßig viele Nelken kaut, riskiert Reizungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut durch das scharfe Eugenol.

Anwendung und Dosierung

  • Als Gewürz: ganze oder gemahlene Nelken für Rotkraut, Wild, Lebkuchen, Glühwein, Kompott und Punsch. In üblichen Küchenmengen gelten Nelken als unbedenklich.
  • Nelkentee: zwei bis drei ganze, leicht angedrückte Nelken mit einer Tasse heißem Wasser übergießen und etwa zehn Minuten ziehen lassen. Häufig wird Nelke mit Ingwer oder Zimt kombiniert.
  • Mundspülung (EMA-Monographie): Zubereitungen mit 1 bis 5 % Nelkenöl, mehrmals täglich, für Erwachsene, höchstens eine Woche.
  • Bei Zahnschmerzen (EMA-Monographie): ein kleines Wattestück mit Nelkenöl oder einer mindestens 50-prozentigen Lösung tränken und gezielt in das kariöse Loch legen; bei Bedarf nach 20 Minuten, dann alle zwei Stunden wiederholen. Kontakt mit dem Zahnfleisch vermeiden, nicht länger als eine Woche anwenden und rasch einen Zahnarzt aufsuchen.
  • Äußerlich auf der Haut: Nelkenöl nie unverdünnt auftragen, sondern stark verdünnt in einem fetten Öl; vorher an einer kleinen Hautstelle testen.
  • Innerlich: Nelkenöl nicht pur einnehmen. Fertigpräparate nur nach Packungsbeilage verwenden.

Geschichte und Überlieferungen

Gewürznelken gehören zu den ältesten Handelsgewürzen der Welt. Aus dem alten China wird überliefert, dass Hofbeamte zur Zeit der Han-Dynastie Nelken im Mund trugen, um mit frischem Atem vor den Kaiser zu treten. Über Indien und Arabien gelangte das Gewürz in den Mittelmeerraum und später nach Mitteleuropa, wo es im Mittelalter zu den kostbarsten Waren zählte. Nelken wurden nicht nur in der Küche, sondern auch zur Konservierung, in Räucherwerk und zur „Reinigung der Luft“ verwendet; mit Nelken gespickte Orangen (Pomander) sind bis heute ein beliebter Duftschmuck in der Adventszeit.

Ab dem 16. Jahrhundert kämpften europäische Seemächte um die Kontrolle der Molukken. Im 17. Jahrhundert setzte die Niederländische Ostindien-Kompanie ein Monopol durch und ließ den Anbau auf wenige Inseln konzentrieren. Erst im 18. Jahrhundert gelang es französischen Kolonialbeamten, Setzlinge auszuführen – der Beginn des Nelkenanbaus im Indischen Ozean und schließlich auf Sansibar, das im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Anbaugebiet wurde. In der Zahnheilkunde fand das Nelkenöl früh Verwendung und ist dort über Eugenol bis heute präsent. Weitere klassische Gewürze mit ähnlicher Geschichte sind Muskatnuss und Piment, das ebenfalls reich an Eugenol ist.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Kinder: Nelkenöl gehört nicht in Kinderhände. Nach dem Verschlucken von 5 bis 10 ml Nelkenöl wurden bei Kleinkindern unter zwei Jahren lebensbedrohliche Vergiftungen mit Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Übersäuerung des Blutes, Unterzuckerung und Leberschäden beschrieben. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird die arzneiliche Anwendung nicht empfohlen. Bei Verschlucken sofort den Notruf oder die Vergiftungsinformationszentrale verständigen.
  • Allergien: Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Nelken, Eugenol oder Perubalsam. Eugenol ist ein bekanntes Kontaktallergen und muss in Kosmetika ab bestimmten Mengen als Duftstoff-Allergen angegeben werden.
  • Schleimhaut und Haut: Unverdünntes Öl kann Haut, Zahnfleisch und Schleimhäute reizen oder schädigen. Übermäßiger Verzehr kann Magenbeschwerden verursachen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Als Gewürz in üblichen Mengen unbedenklich. Für die arzneiliche Anwendung von Nelkenöl ist die Sicherheit nicht belegt; sie wird nicht empfohlen.
  • Blutgerinnung: Eugenol hemmt im Labor die Zusammenlagerung der Blutplättchen. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt oder vor einer Operation steht, sollte größere Mengen Nelken oder Nelkenöl-Präparate meiden und dies ärztlich besprechen. Für die Anwendung im Mund sind laut EMA keine Wechselwirkungen bekannt.
  • Leber: Bei Lebererkrankungen auf die innerliche Anwendung von Nelkenöl verzichten.

Häufige Fragen und Antworten

  • Wie kann man Nelken für die Schmerzlinderung verwenden? Sie können Nelkenöl verdünnt auf die schmerzende Stelle auftragen oder Nelken als Gewürz in der Ernährung verwenden.
  • Hilft Nelkenöl bei Zahnschmerzen? Ja, Nelkenöl kann bei Zahnschmerzen helfen. Als Überbrückung bis zum Zahnarztbesuch kann ein kleines, mit Nelkenöl getränktes Wattestück gezielt auf den schmerzenden Zahn gelegt werden; das Zahnfleisch dabei aussparen.
  • Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten? Nelken können mit bestimmten Medikamenten interagieren, insbesondere blutverdünnenden Medikamenten. Es ist wichtig, dies mit einem Arzt zu besprechen.
  • Kann ich Nelkenöl innerlich einnehmen? Pures Nelkenöl sollte nicht eingenommen werden. Innerlich nur Fertigpräparate nach Packungsbeilage verwenden; Nelken als Gewürz sind in üblichen Mengen unbedenklich.
  • Sind Nelken für schwangere Frauen sicher? Als Gewürz in üblichen Mengen ja. Größere Mengen und die arzneiliche Anwendung von Nelkenöl werden in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, weil die Sicherheit nicht belegt ist.
  • Sind Nelken sicher für den Verzehr? Ja, wenn sie in moderaten Mengen konsumiert werden. Übermäßiger Verzehr kann jedoch zu Magenbeschwerden führen.
  • Wie kann man Nelken in der Naturheilkunde verwenden? Sie können Nelken als Tee, ätherisches Öl oder Tinktur verwenden, abhängig von Ihrem Bedarf.
  • Welche Beschwerden können mit Nelken behandelt werden? Nelken können bei Entzündungen, Schmerzen, Magenproblemen und mehr helfen.
  • Gibt es Nebenwirkungen bei der Anwendung von Nelkenöl auf der Haut? Bei einigen Menschen kann Nelkenöl Hautreizungen verursachen. Es sollte vor der großflächigen Anwendung getestet werden.
  • Helfen Gewürznelken gegen Arthrose? Gewürznelken enthalten Eugenol, das in Laborversuchen entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt. In der Volksmedizin werden sie daher bei Gelenkbeschwerden als Tee oder verdünntes Nelkenöl zum Einreiben verwendet. Eine Arthrose-Behandlung ersetzen sie nicht.
  • Welche Wirkung haben Nelken als Gewürz? Nelken werden traditionell zur Anregung der Verdauung und gegen Blähungen eingesetzt und haben im Labor antibakterielle Eigenschaften. Gekaut oder als Öl betäuben sie leicht und werden seit jeher bei Zahnschmerzen eingesetzt.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.