Schafgarbe: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium L.) ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) – derselben Familie, zu der auch Kamille, Arnika und Ringelblume gehören. Sie ist in Europa und weiten Teilen Asiens heimisch und kommt heute in den gemäßigten Zonen der ganzen Nordhalbkugel vor. Man findet sie auf Wiesen, Weiden, an Weg- und Ackerrändern, vom Tiefland bis ins Gebirge.
Die Pflanze wird meist 20 bis 80 Zentimeter hoch. Ihre Blätter sind zwei- bis dreifach fein fiederteilig – daher der Artname millefolium, „tausendblättrig". Von Juni bis in den Herbst trägt sie flache, schirmartige Blütenstände aus vielen kleinen Blütenkörbchen in Weiß bis Rosa. Die ganze Pflanze riecht beim Zerreiben würzig-aromatisch und schmeckt bitter.
Botanisch ist die Schafgarbe keine einheitliche Art, sondern eine Artengruppe mit mehreren nah verwandten Sippen, die sich auch in ihren Inhaltsstoffen unterscheiden. Nicht alle bilden etwa das blau gefärbte Chamazulen. Wer selbst sammelt, sollte die Pflanze sicher kennen: Vor allem Jungpflanzen können mit giftigen Doldenblütlern verwechselt werden, deren Blätter ebenfalls fein zerteilt sind.
Arzneilich verwendet werden das blühende Kraut (Millefolii herba) und die Blüten (Millefolii flos), die zur Blütezeit geerntet und schonend getrocknet werden.
Inhaltsstoffe
- Ätherisches Öl mit Kampfer, 1,8-Cineol, Beta-Pinen, Sabinen und – je nach Sippe – Chamazulen. Chamazulen entsteht erst bei der Wasserdampfdestillation oder beim Aufbrühen aus farblosen Vorstufen (Proazulenen) und färbt das Öl blau. Es kommt auch in der Kamille vor und gilt als entzündungshemmend.
- Sesquiterpenlactone, darunter die Proazulene wie Achillicin. Sie tragen zum bitteren Geschmack bei; einzelne Vertreter können Kontaktallergien auslösen.
- Bitterstoffe, die den Appetit und die Bildung von Verdauungssäften anregen.
- Flavonoide wie Apigenin und Luteolin, denen in Laborversuchen krampflösende Eigenschaften zugeschrieben werden.
- Phenolcarbonsäuren (unter anderem Kaffeesäurederivate) und Gerbstoffe, die leicht zusammenziehend wirken.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Appetitlosigkeit: Von der EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit anerkannt.
- Verdauungsprobleme: Traditionell bei leichten, krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen und Völlegefühl (EMA-Monographie).
- Menstruationsbeschwerden: Traditionell bei leichten Krämpfen im Zusammenhang mit der Monatsblutung (EMA-Monographie).
- Kleine Wunden: Äußerlich als Umschlag traditionell zur Behandlung kleiner, oberflächlicher Wunden (EMA-Monographie); unterstützt die Heilung im volksmedizinischen Verständnis.
- Hautreizungen: Wegen ihrer entzündungshemmenden und leicht zusammenziehenden Inhaltsstoffe volksmedizinisch bei Hautreizungen genutzt; klinisch nicht ausreichend untersucht.
- Leichte Blutungen: Volksmedizinisch als „blutstillendes" Kraut bei kleinen Schnittwunden und Nasenbluten überliefert; eine Wirkung ist nicht belegt.
- Stress und Schlafprobleme: Eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem wird in der Volksheilkunde gelegentlich genannt, ist aber nicht belegt.
Die vier von der EMA anerkannten Anwendungen beruhen auf langjähriger Verwendung („traditional use") und nicht auf klinischen Studien. Klinisch ist die Schafgarbe bislang wenig untersucht; die meisten Befunde stammen aus Labor- und Tierversuchen.
Schafgarbe bei Verdauungsbeschwerden
Die bekannteste Anwendung ist die als bitter-aromatischer Magentee. Die Bitterstoffe regen über die Geschmacksnerven die Bildung von Speichel, Magensaft und Galle an; das ätherische Öl und die Flavonoide sollen zusätzlich krampflösend wirken. Deshalb wird Schafgarbe traditionell bei Völlegefühl, Blähungen und leichten Krämpfen eingesetzt und häufig mit Kamille, Pfefferminze oder Kümmel kombiniert. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden, etwa einer Gastritis, gehört die Ursache ärztlich geklärt.
Schafgarbe für Frauen
In der Volksheilkunde gilt die Schafgarbe als typisches „Frauenkraut", ähnlich wie der Frauenmantel. Die EMA erkennt die traditionelle Anwendung bei leichten Krämpfen während der Monatsblutung an. Überliefert sind auch warme Sitzbäder. Darüber hinausgehende Aussagen – etwa, die Schafgarbe reguliere hormonelle Schwankungen in den Wechseljahren – sind nicht belegt; die Pflanze enthält keine nachgewiesen hormonähnlich wirkenden Stoffe in relevanter Menge.
Anwendung und Dosierung
Die folgenden Angaben entsprechen der EMA-Monographie für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene:
- Tee bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden: 1,5 bis 4 g zerkleinertes Kraut mit 150 bis 250 ml kochendem Wasser übergießen, zugedeckt ziehen lassen und abseihen; 3- bis 4-mal täglich zwischen den Mahlzeiten trinken. Bei Appetitlosigkeit flüssige Zubereitungen etwa eine halbe Stunde vor dem Essen einnehmen.
- Tee bei Regelbeschwerden: 1 bis 2 g Kraut mit 250 ml kochendem Wasser, 2- bis 3-mal täglich.
- Frischpflanzenpresssaft: 5 bis 10 ml 2- bis 3-mal täglich.
- Tinktur: je nach Zubereitung 2 bis 4 ml 3-mal täglich, nach Packungsbeilage.
- Äußerlich bei kleinen Wunden: 3 bis 4 g Kraut mit 250 ml kochendem Wasser aufgießen, abkühlen lassen und als getränkte Kompresse auflegen, 2- bis 3-mal täglich.
- Anwendungsdauer: Bessern sich Verdauungsbeschwerden nicht innerhalb von zwei Wochen, Regelbeschwerden oder Wunden nicht innerhalb einer Woche, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Geschichte und Überlieferungen
Der Gattungsname Achillea erinnert an den griechischen Helden Achilles. Der Sage nach soll er das Kraut vom Kentauren Chiron kennengelernt und damit die Wunden seiner Gefährten behandelt haben. Volksnamen wie „Soldatenkraut", „Zimmermannskraut" oder „Blutkraut" zeigen, wie fest die Pflanze über Jahrhunderte mit der Versorgung von Verletzungen verbunden war.
In den mittelalterlichen Kräuterbüchern ist die Schafgarbe fest verankert; auch Hildegard von Bingen erwähnte sie. In der Volksheilkunde des 19. Jahrhunderts wurde sie als Magen- und Frauenkraut populär; Sebastian Kneipp wird der Ausspruch zugeschrieben, viel Ungemach bliebe den Frauen erspart, würden sie öfter zur Schafgarbe greifen. Der deutsche Name leitet sich vermutlich davon ab, dass Schafe das Kraut gern fressen; „Garbe" geht auf ein altes Wort für „heilen" zurück. Auch als Bestandteil der Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt ist die Schafgarbe in vielen Regionen Österreichs und Süddeutschlands überliefert.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Korbblütler-Allergie: Wer auf Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Beifuß allergisch reagiert, darf Schafgarbe nicht anwenden. Als Nebenwirkung sind Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut beschrieben; Hauptauslöser sind bestimmte Sesquiterpenlactone. Bei Hautausschlag, Juckreiz oder Niesreiz die Anwendung beenden.
- Kinder: Für Kinder unter 12 Jahren wird die Anwendung von der EMA mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht belegt; die Anwendung wird daher nicht empfohlen. In der Volksheilkunde wird zudem vor einer wehenfördernden Wirkung gewarnt.
- Wunden: Zeigen sich Anzeichen einer Infektion – Rötung, Schwellung, Eiter, Fieber –, ist ärztliche Hilfe nötig.
- Wechselwirkungen: Laut EMA sind keine Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt. Wer gerinnungshemmende oder andere Dauermedikamente einnimmt, sollte die regelmäßige Einnahme arzneilicher Mengen trotzdem vorsorglich ärztlich oder in der Apotheke besprechen.
- Tinkturen enthalten Alkohol und sind für Menschen mit Alkoholproblemen oder Lebererkrankungen nicht geeignet.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für Schafgarbenkraut und Schafgarbenblüten gibt es Monographien des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA. Anerkannt ist die traditionelle Anwendung („traditional use") bei vorübergehender Appetitlosigkeit, leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden, leichten Krämpfen während der Monatsblutung und äußerlich bei kleinen, oberflächlichen Wunden. Die Monographie zum Kraut wird derzeit im Rahmen einer regelmäßigen Überprüfung neu bewertet. Gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel mit Schafgarbe sind in der EU nicht zugelassen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie bereitet man Schafgarbentee zu?
Laut EMA-Monographie werden 1,5 bis 4 g zerkleinertes Schafgarbenkraut mit 150 bis 250 ml kochendem Wasser übergossen, zugedeckt ziehen gelassen und abgeseiht. Bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden trinkt man 3- bis 4-mal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten, bei Regelbeschwerden 1 bis 2 g Kraut je Tasse 2- bis 3-mal täglich. -
Welche Wirkstoffe sind in der Schafgarbe enthalten?
Schafgarbe enthält ätherische Öle, Flavonoide, Bitterstoffe und Gerbstoffe. -
Kann Schafgarbe bei Hautproblemen wie Akne helfen?
Traditionell und von der EMA anerkannt ist die äußerliche Anwendung als Umschlag bei kleinen, oberflächlichen Wunden. Für Akne gibt es keine belastbaren Belege; Schafgarbe kann bei Korbblütler-Allergie zudem Hautreaktionen auslösen. Ausgeprägte Akne gehört in dermatologische Behandlung. -
Ist Schafgarbe für Kinder geeignet?
Für Kinder unter 12 Jahren wird die Anwendung von Schafgarbe als Arzneimittel von der EMA nicht empfohlen, weil keine ausreichenden Daten vorliegen. Bei Jugendlichen ab 12 Jahren gelten die Dosierungen für Erwachsene. -
Gibt es Wechselwirkungen zwischen Schafgarbe und Medikamenten?
Laut EMA-Monographie sind keine Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt. Wer gerinnungshemmende oder andere Dauermedikamente einnimmt, sollte die regelmäßige Einnahme arzneilicher Mengen dennoch vorsorglich ärztlich oder in der Apotheke besprechen. Bei Allergie gegen Korbblütler ist Schafgarbe nicht geeignet. -
Welche Wirkung hat Schafgarbe?
Schafgarbe enthält Bitterstoffe, ätherisches Öl mit Chamazulen und Flavonoide. Traditionell wird sie bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Blähungen, bei leichten krampfartigen Regelbeschwerden sowie äußerlich bei kleinen oberflächlichen Wunden eingesetzt. Menschen mit Allergie gegen Korbblütler sollten Schafgarbe meiden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Farasati Far B et al. (2023): Achillea millefolium: Mechanism of action, pharmacokinetic, clinical drug-drug interactions and tolerability. Heliyon 9(12):e22841. -> PubMed PMID 38076118
- Wikipedia: Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium)
- Wikipedia (EN): Achillea millefolium (EN)
- PubMed: Pharmacognosy, Phytochemistry and Pharmacological Properties of Achillea millefolium L.: A Review (2017)
- EMA/HMPC: Millefolii herba (Schafgarbenkraut) – Herbal Monograph
- PMC: A review on phytochemistry and medicinal properties of the genus Achillea (2011)
- EMA/HMPC: Millefolii flos (Schafgarbenblüten) – Herbal Monograph
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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