Herpes simplex: Ursachen, Symptome & was hilft

Was ist Herpes?
Als Herpes bezeichnet man im Alltag Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV). Es gibt zwei Typen: HSV-1 wird meist über den Mund übertragen und verursacht vor allem Lippenherpes, die bekannten Fieberblasen. HSV-2 wird überwiegend sexuell übertragen und ist der Hauptauslöser von Genitalherpes (Herpes genitalis). Beide Typen können jedoch beide Körperregionen befallen.
Herpes ist eine der häufigsten Virusinfektionen des Menschen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation tragen rund 3,8 Milliarden Menschen unter 50 Jahren – etwa 64 Prozent – HSV-1 in sich, und rund 520 Millionen Menschen zwischen 15 und 49 Jahren – etwa 13 Prozent – HSV-2. Die meisten Infektionen verlaufen unbemerkt oder mit so leichten Beschwerden, dass sie nicht erkannt werden.
Nicht zu verwechseln ist Herpes simplex mit der Gürtelrose (Herpes zoster): Sie wird von einem verwandten, aber anderen Virus ausgelöst, dem Windpockenvirus.
Ursachen
Herpesviren werden durch direkten Kontakt mit Haut oder Schleimhaut übertragen – beim Küssen, beim Geschlechtsverkehr (auch Oralverkehr) oder über die Hände. Besonders ansteckend ist die Flüssigkeit in den Bläschen. Das Virus kann aber auch dann weitergegeben werden, wenn gerade keine Bläschen sichtbar sind, weil es zeitweise unbemerkt auf der Schleimhaut ausgeschieden wird. Viele Menschen stecken sich bereits in der Kindheit mit HSV-1 an.
Warum Herpes immer wiederkommt
Nach der Erstinfektion zieht sich das Virus in Nervenknoten zurück und bleibt dort lebenslang in einer Art Ruhezustand. Bestimmte Reize können es reaktivieren; es wandert dann entlang der Nervenbahnen zurück zur Haut und löst erneut Bläschen aus, meist an derselben Stelle. Häufige Auslöser sind:
- Fieber und Infekte, etwa eine Erkältung
- starke UV-Strahlung, zum Beispiel beim Skifahren oder am Strand
- psychischer Stress und Schlafmangel
- hormonelle Veränderungen, etwa rund um die Monatsblutung
- Verletzungen und Reizungen der Haut oder Lippen, auch Zahnbehandlungen
- eine geschwächte Abwehr, zum Beispiel durch Krankheiten oder Medikamente
Symptome
Lippen- und Mundherpes
Ein Rückfall kündigt sich oft durch Kribbeln, Spannen, Jucken oder Brennen an der Lippe an. Wenige Stunden später entstehen gerötete Stellen mit kleinen, gruppiert stehenden, flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Sie platzen auf, nässen, verkrusten und heilen in der Regel innerhalb von sieben bis zehn Tagen ohne Narben ab. Die Erstinfektion verläuft bei Kindern manchmal als schmerzhafte Mundschleimhautentzündung mit vielen Bläschen im Mund, Fieber und geschwollenen Lymphknoten (Stomatitis aphthosa) – betroffene Kinder trinken dann oft schlecht.
Genitalherpes
Beim Genitalherpes bilden sich schmerzhafte Bläschen und kleine Geschwüre an Scheide, Schamlippen, Penis, After oder Oberschenkeln. Die Erstinfektion kann mit Fieber, Krankheitsgefühl, geschwollenen Leistenlymphknoten und Brennen beim Wasserlassen einhergehen. Rückfälle sind meist milder und kürzer. Genitalherpes ist gut behandelbar, aber nicht heilbar; offene Herpesstellen erhöhen zudem das Risiko, sich mit anderen sexuell übertragbaren Erregern wie HIV anzustecken.
Herpes am Auge
Am Auge kann Herpes die Lider, die Bindehaut oder die Hornhaut befallen. Warnzeichen sind ein gerötetes, schmerzendes Auge, Lichtempfindlichkeit, Tränen, Fremdkörpergefühl und verschwommenes Sehen. Eine Herpes-Hornhautentzündung kann bei wiederholten Schüben zu Narben und bleibender Sehverschlechterung führen und gehört immer sofort in augenärztliche Behandlung.
Gefährliche Sonderformen
Bei Menschen mit Neurodermitis kann sich Herpes großflächig über die erkrankte Haut ausbreiten (Ekzema herpeticatum), bei Neugeborenen kann eine Ansteckung rund um die Geburt lebensbedrohlich verlaufen. Sehr selten kommt es zu einer Gehirnentzündung. Diese Formen sind Notfälle.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Melisse – eine Creme mit Melissenblätter-Extrakt linderte in einer kontrollierten Studie die Beschwerden bei wiederkehrendem Lippenherpes; sie wird beim ersten Kribbeln mehrmals täglich aufgetragen.
- Ringelblume – laut EMA traditionell bei leichten Hautentzündungen und zur Unterstützung der Wundheilung; kann die abheilende, verkrustete Haut pflegen.
- Aloe Vera – das Gel kühlt und spendet Feuchtigkeit; eine Wirkung gegen das Herpesvirus ist beim Menschen nicht belegt.
- Teebaumöl – wirkt im Labor gegen verschiedene Keime und ist laut EMA traditionell bei kleinen oberflächlichen Wunden anerkannt, nicht aber bei Herpes. Nur stark verdünnt verwenden, da es die Haut reizen und Allergien auslösen kann; nicht in Augennähe.
- Zink – zinkhaltige Gele und Salben werden äußerlich bei Lippenherpes eingesetzt und trocknen die Bläschen aus.
- L-Lysin – wird häufig zur Vorbeugung empfohlen; eine Cochrane-Übersichtsarbeit (Chi und Kollegen, 2015) fand jedoch keinen Beleg dafür, dass Lysin Lippenherpes verhindert.
- Schwedenkräuter – werden volksmedizinisch äußerlich als Umschlag verwendet; für Herpes gibt es keine Belege, und der Alkoholgehalt kann die offenen Stellen reizen.
Pflanzliche Mittel können die Beschwerden bei Lippenherpes lindern. Bei Genitalherpes, Herpes am Auge, häufigen Rückfällen und geschwächtem Immunsystem sind ärztlich verordnete antivirale Medikamente die Behandlung der Wahl.
Melisse – die bestuntersuchte Heilpflanze bei Lippenherpes
In einer placebokontrollierten Studie (Koytchev und Kollegen, 1999) mit 66 Menschen, die mindestens viermal im Jahr an Lippenherpes litten, verringerte eine Creme mit 1 Prozent Melissenblätter-Trockenextrakt die Beschwerden am zweiten Behandlungstag stärker als Placebo. Die Creme wurde viermal täglich über fünf Tage aufgetragen. Die Studie ist klein, das Ergebnis aber ermutigend. Melissentee innerlich wird dagegen vor allem zur Beruhigung und bei Verdauungsbeschwerden verwendet; gegen Herpes ist er nicht untersucht.
Was die Schulmedizin bietet
Cremes mit Aciclovir oder Penciclovir sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und wirken am besten, wenn sie schon beim ersten Kribbeln aufgetragen werden. Spezielle Herpes-Pflaster decken die Bläschen ab, verringern das Ansteckungsrisiko und verbergen sie optisch. Bei Genitalherpes, schweren Verläufen oder Herpes am Auge verordnen Ärztinnen und Ärzte antivirale Tabletten. Wer sehr häufig Rückfälle hat, kann sie vorbeugend einnehmen; laut der genannten Cochrane-Übersicht senkt eine Langzeiteinnahme das Rückfallrisiko, der Nutzen ist aber begrenzt.
Was Sie selbst tun können
- Früh reagieren: Beim ersten Kribbeln behandeln – dann ist die Wirkung äußerlicher Mittel am größten.
- Bläschen nicht aufstechen oder aufkratzen und Krusten nicht abreißen; das verlängert die Heilung und kann zu bakteriellen Infektionen führen.
- Hände waschen: nach jedem Berühren der Bläschen und vor dem Einsetzen von Kontaktlinsen – so verhindern Sie die Übertragung auf Augen oder Genitalien.
- Andere schützen: solange Bläschen bestehen, nicht küssen, keine Gläser, Besteck, Handtücher oder Lippenpflegestifte teilen. Keinen Kontakt zu Neugeborenen, Menschen mit Neurodermitis oder geschwächtem Immunsystem.
- Bei Genitalherpes: während eines Ausbruchs auf Geschlechtsverkehr verzichten; Kondome senken das Übertragungsrisiko auch zwischen den Schüben, schließen es aber nicht völlig aus. Informieren Sie Ihre Partnerin oder Ihren Partner.
- Auslöser meiden: Lippenpflege mit UV-Schutz beim Skifahren und am Strand, ausreichend Schlaf, Stress abbauen – Anregungen unter Stress abbauen.
- Abwehr unterstützen: ausgewogene Ernährung, Bewegung und Erholung – mehr unter Immunsystem stärken.
Herpes in der Schwangerschaft
Für Neugeborene ist vor allem eine Erstinfektion der Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen gefährlich. Teilen Sie Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt mit, wenn Sie oder Ihr Partner jemals Genitalherpes hatten. Bei einem Ausbruch zur Geburt wird gemeinsam über das Vorgehen entschieden. Menschen mit Lippenherpes sollten Neugeborene nicht küssen.
Wann zum Arzt?
Ärztlichen Rat sollten Sie einholen:
- bei Verdacht auf Genitalherpes, besonders beim ersten Auftreten
- wenn Lippenherpes nach zehn bis vierzehn Tagen nicht abgeheilt ist, sich ausbreitet oder sehr häufig wiederkehrt
- bei Fieber, starkem Krankheitsgefühl oder eitrigen Krusten
- bei Herpes in der Schwangerschaft
- bei Kleinkindern mit vielen Bläschen im Mund, die schlecht trinken
- bei bekannter Immunschwäche
Sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei einem geröteten, schmerzenden oder lichtempfindlichen Auge mit Herpes in der Nähe oder Sehverschlechterung (augenärztlicher Notdienst), bei großflächiger Ausbreitung auf Neurodermitis-Haut, bei Bläschen oder Fieber bei Neugeborenen sowie bei Kopfschmerzen mit Verwirrtheit, Fieber, Nackensteifigkeit oder Krampfanfällen – dann den Notruf 144 wählen.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie wird Herpes übertragen?
Herpes-simplex-Viren werden durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, etwa beim Küssen, beim Geschlechtsverkehr einschließlich Oralverkehr oder über die Hände. Besonders ansteckend ist die Flüssigkeit in den Bläschen, eine Übertragung ist aber auch ohne sichtbare Bläschen möglich. Gemeinsam benutzte Gläser, Handtücher oder Lippenstifte sollten während eines Ausbruchs vermieden werden. -
Kann Herpes geheilt werden?
Es gibt keine Heilung für Herpes, aber antivirale Medikamente können die Symptome lindern und Ausbrüche kontrollieren. -
Welche Faktoren können Herpesausbrüche auslösen?
Stress, Sonnenexposition, hormonelle Veränderungen und geschwächte Immunität können Auslöser für Herpesausbrüche sein. -
Ist Herpes ansteckend, wenn keine Symptome vorhanden sind?
Ja, Herpes kann auch asymptomatisch übertragen werden, wenn keine sichtbaren Symptome vorhanden sind. -
Kann Herpes auf andere Körperteile übertragen werden?
Ja. Wer die Bläschen berührt und anschließend andere Stellen anfasst, kann das Virus übertragen, etwa von der Lippe auf die Augen, die Finger oder die Genitalien. Besonders gefährlich ist Herpes am Auge. Waschen Sie deshalb nach jedem Berühren die Hände, besonders vor dem Einsetzen von Kontaktlinsen. -
Was hilft bei Lippenherpes?
Am besten wirkt eine Behandlung schon beim ersten Kribbeln, etwa mit einer antiviralen Creme mit Aciclovir aus der Apotheke. Zubereitungen mit Melissenextrakt werden traditionell äußerlich eingesetzt. Bläschen nicht aufstechen, Hände nach dem Berühren waschen und bei Herpes am Auge immer sofort ärztliche Hilfe suchen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Omarova S et al. (2022): Genital Herpes Simplex Virus-An Updated Review. Adv Pediatr 69(1):149-162. → PubMed PMID 35985707
- Wikipedia: Herpes simplex
- Wikipedia (EN): Herpes simplex (EN)
- PMC: A review of HSV pathogenesis, vaccine development and applications (2024)
- PMC: Topical and systemic treatment of oral herpes simplex virus infection – systematic review (2025)
- PMC: Single-day treatment for orolabial and genital herpes – pathogenesis and pharmacology (Review)
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Herpes simplex virus – Fact sheet
- Chi CC et al. (2015): Interventions for prevention of herpes simplex labialis (cold sores on the lips). Cochrane Review (PMC-Volltext)
- Koytchev R, Alken RG, Dundarov S (1999): Balm mint extract (Lo-701) for topical treatment of recurring herpes labialis (PubMed)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Verwandte Themen
- Gürtelrose (Herpes Zoster): Ursachen, Symptome und natürliche Unterstützung
- Fieberblase (Lippenherpes): Ursachen, Symptome und natürliche Unterstützung
- L-Lysin – Wesentlicher Nährstoff für Immunsystem und Hautgesundheit
- Warzen: Ursachen, Symptome, Naturheilmittel und Prävention
- Melisse – Beruhigendes Heilkraut mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten
- Teebaumöl: Natürliches Heilmittel mit Vielseitiger Anwendung
🌿 5 % Willkommensrabatt
Kräuterwissen, zweimal im Monat
Gesundheitstipps aus der Pflanzenwelt und unsere aktuellen Aktionen – bequem per E-Mail. Zur Begrüßung schenken wir Ihnen 5 % Rabatt.
Fast geschafft!
Wir haben Ihnen eben eine E-Mail geschickt. Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung über den Link darin – danach erhalten Sie Ihren 5 % Willkommensrabatt.
