Eichenrinde: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Als Heilmittel wird die Rinde junger Zweige und Stockausschläge der Stieleiche (Quercus robur L.), der Traubeneiche (Quercus petraea) und der Flaumeiche (Quercus pubescens) verwendet. Die Eichen gehören zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) und zählen zu den prägenden Laubbäumen Mitteleuropas. Ausgewachsene Bäume werden 30 bis 40 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt.
Für die Arzneidroge eignet sich nur die glatte, glänzende „Spiegelrinde“ junger Äste, die im Frühjahr vor dem Laubaustrieb geschält und getrocknet wird. Die borkige Rinde alter Stämme enthält dagegen kaum noch Wirkstoffe. Getrocknete Eichenrinde ist außen graubraun bis silbrig, innen rotbraun und riecht schwach lohartig; ihr Geschmack ist stark zusammenziehend und leicht bitter.
- Familie: Fagaceae (Buchengewächse)
- Stammpflanzen: Stieleiche, Traubeneiche, Flaumeiche
- Verwendeter Teil: getrocknete Rinde junger Zweige (Quercus cortex)
Inhaltsstoffe
Eichenrinde gehört zu den gerbstoffreichsten heimischen Arzneidrogen. Ihre Wirkung ist fast vollständig auf diese Stoffgruppe zurückzuführen:
- Gerbstoffe: etwa 10 bis 20 Prozent, vor allem Catechin-Gerbstoffe (oligomere Proanthocyanidine) sowie Ellagitannine und Gallotannine.
- Catechine wie Catechin und Epicatechin als Bausteine der Gerbstoffe.
- Phenolsäuren wie Gallussäure und Ellagsäure.
- Triterpene und geringe Mengen Flavonoide.
Gerbstoffe verbinden sich mit Eiweißen an der Oberfläche von Haut und Schleimhaut. Die oberste Gewebeschicht verdichtet sich, man spricht von einer adstringierenden (zusammenziehenden) Wirkung. Nässende Stellen trocknen ab, Reizungen klingen leichter ab, und die Schleimhaut wird weniger durchlässig.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Leichter Durchfall: Innerlich als Tee bei leichtem, unspezifischem Durchfall – von der EMA als traditionelle Anwendung anerkannt.
- Mund und Rachen: Als Gurgellösung oder Mundspülung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei gereiztem Zahnfleisch.
- Haut: Äußerlich als Umschlag oder Waschung bei leichten Hautentzündungen und nässenden Hautstellen.
- Sitzbad: Zur Linderung von Juckreiz und Brennen im Analbereich, etwa bei Hämorrhoiden, nachdem ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen wurden.
- Fußbad: Volksmedizinisch bei starkem Fußschweiß; diese Anwendung ist überliefert, aber nicht durch Studien belegt.
Eichenrinde bei Durchfall
Bei leichtem Durchfall wird Eichenrinde seit jeher als Abkochung getrunken. Die Gerbstoffe verdichten die Darmschleimhaut und können die Flüssigkeitsabgabe in den Darm verringern. Wichtig ist, gleichzeitig ausreichend zu trinken. Hält der Durchfall länger als drei bis vier Tage an, ist ärztlicher Rat nötig.
Zahnfleisch, Mund und Rachen
Als Spülung wird ein abgekühlter Eichenrindensud bei gereiztem Zahnfleisch, bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Halsbeschwerden verwendet. Ähnlich gerbstoffreich sind Blutwurz und Odermennig.
Sitzbad und Umschläge
In Sitzbädern wird Eichenrinde traditionell bei Juckreiz und Brennen im Analbereich angewendet, etwa bei Hämorrhoiden. Für Umschläge und Waschungen bei leichten, nässenden Hautreizungen und kleinen Entzündungen wird ein kräftiger Sud verwendet. Mehr zu Hautreizungen lesen Sie unter Ekzem.
Anwendung und Dosierung
- Tee (Abkochung): etwa 1 g fein geschnittene Rinde (rund ein halber Teelöffel) mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, kurz aufkochen, 5 Minuten ziehen lassen und abseihen; bis zu dreimal täglich eine Tasse zwischen den Mahlzeiten.
- Gurgellösung und Umschläge: etwa 20 g Rinde auf 1 Liter Wasser 15 Minuten kochen, abseihen und abkühlen lassen; mehrmals täglich spülen bzw. Umschläge auflegen.
- Sitzbad und Teilbad: rund 5 g Rinde pro Liter Badewasser als vorbereitete Abkochung zugeben; Badedauer etwa 10 bis 20 Minuten.
- Dauer: Innerlich nicht länger als drei bis vier Tage, äußerlich nicht länger als zwei bis drei Wochen ohne ärztlichen Rat.
Geschichte und Überlieferungen
Die Eiche galt bei Kelten, Germanen, Griechen und Römern als heiliger Baum. Ihre Rinde wurde über Jahrhunderte vor allem zum Gerben von Leder genutzt – die „Lohe“ der Gerber war gemahlene Eichenrinde. Daher stammt auch der Begriff Gerbstoff. Schon die antiken Ärzte, darunter Dioskurides, beschrieben die zusammenziehende Wirkung der Eiche. In den Kräuterbüchern der frühen Neuzeit und bei Hildegard von Bingen finden sich Anwendungen bei Durchfall, Wunden und Schleimhautbeschwerden.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Vollbäder: Nicht bei großflächigen Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen unklarer Ursache, großflächigen Ekzemen, fieberhaften und infektiösen Erkrankungen, Herzschwäche oder starkem Bluthochdruck.
- Innerliche Anwendung: Bei empfindlichem Magen können gerbstoffreiche Abkochungen Übelkeit oder Magenbeschwerden auslösen.
- Wechselwirkungen: Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen, Alkaloiden und manchen Arzneimitteln verringern. Eichenrindentee deshalb mit einigen Stunden Abstand zu Medikamenten trinken.
- Kinder: Innerlich nach EMA-Vorgaben erst ab zwölf Jahren; bei Kleinkindern mit Durchfall immer ärztlichen Rat einholen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Ausreichende Daten fehlen; nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden.
- Warnzeichen: Blut im Stuhl, hohes Fieber, starke Bauchschmerzen oder Blutungen aus dem After gehören umgehend ärztlich abgeklärt.
Regulatorische Einordnung in der EU
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat Eichenrinde (Quercus cortex) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bewertet. Anerkannt sind die innerliche Anwendung bei leichtem Durchfall, die Anwendung bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut und der Haut sowie die Linderung von Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoiden. „Traditionell“ bedeutet, dass die Wirksamkeit aufgrund langjähriger Anwendung plausibel ist, klinische Studien aber weitgehend fehlen. Auch die frühere deutsche Kommission E hatte Eichenrinde für diese Gerbstoff-Anwendungen positiv bewertet.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Wofür wird Eichenrinde verwendet?
Eichenrinde wird wegen ihres hohen Gerbstoffgehalts traditionell innerlich bei leichtem Durchfall und äußerlich bei Zahnfleisch- und Rachenreizungen, nässenden Hautstellen sowie als Sitzbad bei Juckreiz im Analbereich verwendet.
Wie macht man ein Sitzbad mit Eichenrinde?
Etwa 20 bis 30 g Eichenrinde in einem Liter Wasser 15 Minuten kochen, abseihen und dem Sitzbad zugeben. Das Bad sollte angenehm warm sein und 10 bis 20 Minuten dauern.
Wer sollte Eichenrinde nicht anwenden?
Vollbäder sind bei großflächigen Hautverletzungen, fieberhaften Infekten, Herzschwäche und starkem Bluthochdruck ungeeignet. In der Schwangerschaft, bei Kleinkindern und bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte die Anwendung ärztlich abgeklärt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- European Medicines Agency (EMA/HMPC): Quercus cortex – Bewertung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel
- Wichtl M (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
- Wikipedia: Eichenrinde

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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