Arganöl – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Arganöl – Kräutermax Lexikon

Herkunft und Gewinnung

Arganöl wird aus den Kernen der Früchte des Arganbaums (Argania spinosa (L.) Skeels) gewonnen, eines dornigen, ausgesprochen trockenheitsresistenten Baumes aus der Familie der Sapotengewächse (Sapotaceae). Der Baum erreicht Wuchshöhen von acht bis zwölf Metern, vereinzelt bis zu 20 Metern, und bildet eine ausladende Krone von über 14 Metern Durchmesser. Seine Wurzeln reichen rund 30 Meter tief – damit übersteht er Hitze von über 50 Grad Celsius und lange Trockenperioden. Arganbäume werden 150 bis 400 Jahre alt und tragen eine charakteristisch raue, netzartig aufgerissene Rinde, die häufig als „Schlangenhaut“ beschrieben wird.

Der Arganbaum ist endemisch in Marokko, Algerien, der Westsahara und Mauretanien. Sein heutiges Hauptverbreitungsgebiet liegt im Südwesten Marokkos, wo er auf rund 820.000 Hektar wächst. Fossile Funde legen nahe, dass die Art früher weite Teile Nordafrikas und Südeuropas besiedelte.

UNESCO-Biosphärenreservat: Die marokkanischen Arganwälder wurden 1998 von der UNESCO im Rahmen des Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB) als Biosphärenreservat Arganeraie anerkannt – als erstes Biosphärenreservat Marokkos. Es umfasst eine Fläche von 2.499.970 Hektar, also rund 2,5 Millionen Hektar, und erstreckt sich über eine weite Ebene zwischen Hohem Atlas und Antiatlas, die sich nach Westen zum Atlantik hin öffnet. Die UNESCO hebt die Widerstandsfähigkeit dieses Waldes unter ariden Bedingungen und die von ihm getragene Artenvielfalt hervor; zu den seltenen endemischen Pflanzen zählen etwa der Marokkanische Hornklee (Lotus maroccanus) und Selaginella balansae, zur Tierwelt der Karakal und das Mähnenschaf. Städte wie Agadir und Essaouira liegen innerhalb der Reservatsgrenzen.

Traditionelle Gewinnung und Frauenkooperativen: Im November 2014 nahm die UNESCO „Argan, practices and know-how concerning the argan tree“ in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Die Eintragung beschreibt die traditionellen Verfahren der ländlichen Bevölkerung im Biosphärenreservat Arganeraie – ausgeübt vor allem von Frauen und in geringerem Maße von Männern. Ausdrücklich hält die UNESCO fest, dass die „Arganfrauen“ ihr Wissen systematisch weitergeben, indem sie ihre Töchter von klein auf anlernen.

Die Verarbeitung umfasst eine Kette aufeinanderfolgender Arbeitsschritte: Ernten der Früchte, Trocknen, Entfernen des Fruchtfleisches, Knacken der Steinkerne, Sortieren, Mahlen und Kneten. Die dafür verwendete Handmühle wird von örtlichen Handwerkern gefertigt; beim Kneten wird schrittweise lauwarmes Wasser in genau bemessener Menge zugegeben, bis sich das Öl abscheidet. Das Knacken der sehr harten Kerne zwischen zwei Steinen ist bis heute Handarbeit und der zeitaufwendigste Schritt. Der Ertrag erklärt den Preis des Öls: Für einen Liter Arganöl werden etwa 30 Kilogramm Früchte benötigt, aus denen sich rund 4,5 Kilogramm Kerne gewinnen lassen.

Die Organisation der Produktion in Frauenkooperativen hat dem Öl seinen Ruf als Beispiel für regionale Wertschöpfung eingetragen. Neben der Einkommenswirkung nennt die UNESCO auch die soziale Funktion des Öls: Es dient als Hochzeitsgeschenk und wird für Festtagsgerichte verwendet; die damit verbundenen Praktiken fördern sozialen Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt zwischen den Gemeinschaften.

Kosmetisches versus Speise-Arganöl

Ein Unterschied, der beim Einkauf oft übersehen wird, aber entscheidend ist: Es gibt zwei verschiedene Arganöle, die sich in der Herstellung, in Farbe, Geruch und Haltbarkeit unterscheiden.

  • Kosmetisches Arganöl (ungeröstet): Es wird aus ungerösteten Kernen hergestellt und ist goldfarben. Da der Röstschritt entfällt, riecht es dezent und nussig-neutral. Die Haltbarkeit liegt bei etwa einem Jahr.
  • Speise-Arganöl (geröstet): Hier werden die Kerne vor der Kaltpressung einige Minuten geröstet. Das Ergebnis ist ein kupferfarbenes Öl mit intensivem Haselnussaroma, das durch Maillard-Reaktionsprodukte beim Rösten entsteht. Es zeigt die bessere Oxidationsstabilität und ist etwa zwei Jahre haltbar.

Für die Hautpflege wird ausschließlich das ungeröstete, kosmetische Öl verwendet – der Röstgeruch des Speiseöls wäre auf der Haut unangenehm. Umgekehrt schmeckt kosmetisches Öl in der Küche flach. In Marokko wird Speise-Arganöl traditionell nicht zum Braten, sondern als Beigabe zu Brot und zu fertigen Gerichten verwendet.

Inhaltsstoffe

Arganöl besteht zu rund 80 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren. Die analytischen Kennzahlen einer Fachübersicht zur chemischen Zusammensetzung lauten:

  • Ölsäure (einfach ungesättigt, Omega-9): 43–49 g/100 g
  • Linölsäure (zweifach ungesättigt, Omega-6): 29–37 g/100 g
  • Palmitinsäure (gesättigt): rund 11,7 g/100 g
  • Stearinsäure (gesättigt): rund 3,1–3,3 g/100 g

Dieses Verhältnis – viel Ölsäure, daneben ein beträchtlicher Anteil Linölsäure – macht Arganöl zu einem mittelschweren Pflanzenöl, das auf der Haut spürbar geschmeidig, aber nicht so schwer wie reine Ölsäureöle wirkt.

Tocopherole (Vitamin-E-Gruppe): Der Gesamtgehalt an Tocopherolen liegt bei 60–90 mg/100 g. Bemerkenswert ist die Zusammensetzung dieser Fraktion: Sie wird eindeutig vom γ-Tocopherol dominiert, das 81–92 Prozent der Tocopherole ausmacht. Es folgen δ-Tocopherol mit 6,2–12,8 Prozent, α-Tocopherol mit 2,4–6,5 Prozent und β-Tocopherol mit 0,1–0,3 Prozent. Der hohe γ-Tocopherol-Anteil unterscheidet Arganöl von vielen anderen Pflanzenölen und trägt gemeinsam mit den enthaltenen Phenolen zur Oxidationsstabilität des Öls bei.

Sterole: Der Phytosterolgehalt erreicht bis zu 220 mg/100 g. Die Sterolfraktion ist für Arganöl geradezu charakteristisch, weil sie von zwei Verbindungen bestimmt wird, die in anderen Speiseölen kaum vorkommen: Schottenol mit 44–49 Prozent und Spinasterol mit 34–44 Prozent der Sterolfraktion, dazu Δ-7-Avenasterol mit 4–7 Prozent. Dieses Sterolmuster dient in der Analytik als Echtheitsnachweis: Fehlen Schottenol und Spinasterol, handelt es sich nicht um reines Arganöl.

Weitere Begleitstoffe: Die unverseifbare Fraktion macht etwa ein Prozent aus und enthält neben Sterolen und Tocopherolen auch Carotine, Xanthophylle, Triterpenalkohole und Squalen. Hinzu kommen phenolische Verbindungen wie Syringasäure, Ferulasäure und Vanillinsäure.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Hautpflege bei trockener Haut: Wird in der Naturkosmetik als pflegendes Basisöl für Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit der Haut verwendet (INCI: Argania Spinosa Kernel Oil).
  • Haar- und Nagelpflege: Findet als Bestandteil von Haar- und Nagelölen kosmetische Verwendung.
  • Feinschmeckeröl: Geröstetes Speise-Arganöl wird traditionell kalt zu Brot, Couscous, Salaten und Gemüse verwendet.

Arganöl ist in Europa in erster Linie ein kosmetisches Pflanzenöl und ein hochwertiges Speiseöl. In der marokkanischen Alltagskultur hat es beide Rollen seit jeher.

Kosmetische Verwendung

In der Naturkosmetik wird Arganöl als pflegendes Basisöl geschätzt – pur oder als Bestandteil von Cremes, Seren, Haar- und Nagelölen. Kosmetisch dient es, wie andere fette Pflanzenöle auch, der Hautglättung und Geschmeidigkeit: Es legt sich als Lipidfilm auf die Hautoberfläche und wird deshalb bei trockener Haut traditionell verwendet. In der Kosmetikgesetzgebung ist der Rohstoff unter der INCI-Bezeichnung Argania Spinosa Kernel Oil geführt.

In der Anwendung verhält sich Arganöl ähnlich wie andere mittelschwere Pflanzenöle. Wer verschiedene Öle vergleicht, findet in unserem Lexikon Porträts zu Jojobaöl, Mandelöl, Avocado-Öl und Traubenkernöl sowie zur festeren Sheabutter.

Kulinarische Verwendung

Geröstetes Speise-Arganöl ist ein charakterstärkes Feinschmeckeröl mit deutlichem Haselnussaroma. Traditionell wird es nicht erhitzt, sondern kalt verwendet: zu Brot, über Couscous, Salate oder Gemüse geträufelt. Bekannt ist auch Amlou, eine marokkanische Paste aus Arganöl, gerösteten Mandeln und Honig.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für Arganöl besteht in der Europäischen Union kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006. Es dürfen daher keine gesundheitsbezogenen Wirkaussagen für Arganöl getroffen werden. Ebenso wenig existiert eine Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu Argania spinosa – weder zum traditionellen noch zum wissenschaftlich anerkannten Gebrauch.

Daraus folgt für die Darstellung auf dieser Seite: Arganöl ist ein Kosmetikum beziehungsweise ein Lebensmittel, kein Arzneimittel. Kosmetische Mittel dürfen das Aussehen und den Zustand der Haut pflegen und beeinflussen; sie dürfen jedoch keine Wirkung bei Hauterkrankungen beanspruchen. Aussagen wie eine Behandlung von Neurodermitis, Schuppenflechte oder Akne sind daher weder zulässig noch belegt. Auch verbreitete Anti-Aging-Versprechen – etwa das Glätten von Falten oder eine Verjüngung der Haut – sind wissenschaftlich nicht belegte Werbeaussagen, die wir bewusst nicht übernehmen.

Was sachlich bleibt, ist genug: ein hochwertiges, gut charakterisiertes Pflanzenöl mit ungewöhnlichem Sterolprofil, hohem γ-Tocopherol-Anteil und einer bemerkenswerten kulturellen Geschichte.

Anwendung und Dosierung

Da Arganöl kein Arzneimittel ist, gibt es keine arzneiliche Dosierung. Die folgenden Angaben beschreiben die übliche kosmetische und kulinarische Handhabung.

  • Gesicht: Zwei bis drei Tropfen kosmetisches Arganöl in den Handflächen anwärmen und auf die gereinigte, leicht feuchte Haut auftragen. Auf feuchter Haut verteilt sich das Öl besser und zieht angenehmer ein.
  • Körper: Nach dem Duschen auf die noch feuchte Haut auftragen, besonders an trockenen Stellen wie Ellenbogen, Knien und Schienbeinen.
  • Haare: Eine kleine Menge in den Handflächen verteilen und in die Längen und Spitzen einarbeiten. Als intensive Kur ein bis zwei Stunden oder über Nacht einwirken lassen und anschließend auswaschen. Auf dem Haaransatz sparsam bleiben.
  • Nägel und Nagelhaut: Ein Tropfen, in die Nagelhaut einmassiert.
  • Küche: Geröstetes Speise-Arganöl kalt verwenden – nicht zum Braten oder Frittieren, da Hitze das Aroma zerstört und ungesättigte Fettsäuren belastet.
  • Lagerung: Kühl, dunkel und gut verschlossen, am besten in der Originalflasche aus dunklem Glas. Kosmetisches Arganöl hält etwa ein Jahr, geröstetes Speiseöl etwa zwei Jahre. Ranzig riechendes Öl gehört weder auf die Haut noch auf den Teller.
  • Qualität erkennen: Kaltgepresst und ungefiltert oder schonend gefiltert, sortenrein und mit klarer Angabe, ob geröstet oder ungeröstet. Ein sehr niedriger Preis ist bei einem Öl, für das rund 30 Kilogramm Früchte pro Liter nötig sind, ein Warnsignal für Verschnitt.

Geschichte und Hintergrund

Der Arganbaum ist ein Relikt aus einer erdgeschichtlich älteren, feuchteren Epoche Nordafrikas. Er hat sich in einem schmalen Streifen Südwestmarokkos gehalten, wo die Feuchtigkeit des Atlantiknebels seinen Wasserbedarf mitdeckt. Für die dort lebenden Berbergemeinschaften war er über Jahrhunderte ein Baum, der praktisch vollständig genutzt wurde: das Öl als Nahrungsmittel und Hautpflege, der Presskuchen als Viehfutter, das Holz als Brenn- und Bauholz, das Fruchtfleisch als Futter und die Kronen als Schattenspender und Weide.

Bekannt geworden ist der Baum in Europa auch durch ein Bild, das inzwischen touristisch stark vermarktet wird: Ziegen, die zum Fressen in die Kronen klettern. Historisch war die unkontrollierte Beweidung allerdings eine der Hauptursachen für den Rückgang der Bestände, weil Jungpflanzen abgefressen wurden und sich der Wald nicht verjüngen konnte. Zusammen mit Rodung für Brennholz und Ackerland führte dies zu erheblichen Flächenverlusten.

Genau darauf zielte die Anerkennung als Biosphärenreservat im Jahr 1998: Sie verband Schutz und Nutzung, statt den Wald einfach abzusperren. Die Aufwertung des Arganöls zu einem international nachgefragten Kosmetik- und Feinschmeckerprodukt gab der lokalen Bevölkerung ein wirtschaftliches Interesse am Erhalt der Bäume. Die Bildung von Kooperativen, in denen Frauen das Öl gemeinschaftlich herstellen und vermarkten, verschob dabei einen Teil der Wertschöpfung dorthin, wo die Arbeit tatsächlich geleistet wird.

Die UNESCO-Eintragung des Arganwissens als immaterielles Kulturerbe 2014 setzte diesen Weg fort, indem sie nicht das Produkt, sondern das Wissen und Können der Herstellerinnen unter Schutz stellte – vom Knacken der Kerne über den Bau der Handmühlen bis zur genau dosierten Wasserzugabe beim Kneten. Als Kehrseite des Erfolgs gelten heute der Druck durch steigende Nachfrage, Klimaveränderungen mit ausgeprägten Dürre- und Überschwemmungszyklen sowie Verfälschungen minderwertiger Öle, die als Arganöl verkauft werden.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Arganöl gilt bei bestimmungsgemäßer Anwendung als gut verträglich. Dennoch sind einige Punkte zu beachten.

  • Allergien: Bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Arganöl oder Nussprodukten ist Vorsicht geboten. Auch wenn der Arganbaum botanisch nicht zu den Nüssen zählt, sind allergische Reaktionen auf Arganöl beschrieben worden. Vor der erstmaligen flächigen Anwendung empfiehlt sich ein Verträglichkeitstest in der Armbeuge, der 24 Stunden beobachtet wird.
  • Gereizte oder geschädigte Haut: Auf offene Wunden, nässende Ekzeme oder frische Verletzungen gehört kein Pflegeöl. Bestehende Hauterkrankungen gehören in ärztliche oder dermatologische Behandlung; Arganöl ist dafür weder geprüft noch zugelassen.
  • Unreine Haut: Wie jedes fette Öl kann Arganöl bei zu Unreinheiten neigender Haut individuell schlecht vertragen werden. Sparsam beginnen und die Reaktion beobachten.
  • Augen: Kontakt mit den Augen vermeiden; bei versehentlichem Kontakt mit reichlich Wasser spülen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die äußerliche Anwendung als Pflegeöl und der Verzehr des Speiseöls in üblichen Lebensmittelmengen sind unproblematisch. Kontrollierte Untersuchungen zu größeren oder gezielten Mengen liegen nicht vor.
  • Kinder: Als Pflegeöl äußerlich üblich; bei Säuglingen und Kleinkindern gilt für alle Pflegeöle, sie sparsam und nur auf intakter Haut einzusetzen.
  • Wechselwirkungen mit Arzneimitteln: Bei äußerlicher kosmetischer Anwendung sind keine Wechselwirkungen zu erwarten. Wird gleichzeitig eine äußerliche medikamentöse Behandlung durchgeführt, sollte die Kombination mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden, da fette Öle die Aufnahme anderer Wirkstoffe beeinflussen können.
  • Verfälschungen: Wegen des hohen Preises ist Arganöl ein häufiges Ziel von Streckung mit billigeren Ölen. Auffällig günstige Ware, fehlende Herkunftsangaben und ein untypisch neutraler Geruch sind Hinweise darauf. Analytisch ist reines Arganöl am Sterolmuster mit Schottenol und Spinasterol erkennbar.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Worin unterscheiden sich kosmetisches und Speise-Arganöl?

Kosmetisches Arganöl wird aus ungerösteten Kernen gewonnen, ist goldfarben, riecht dezent und ist etwa ein Jahr haltbar. Für Speise-Arganöl werden die Kerne vor der Kaltpressung einige Minuten geröstet; es ist kupferfarben, hat durch Maillard-Reaktionsprodukte ein intensives Haselnussaroma, zeigt die bessere Oxidationsstabilität und ist rund zwei Jahre haltbar. Für die Hautpflege wird ausschließlich das ungeröstete Öl verwendet.

Welche Inhaltsstoffe sind für Arganöl typisch?

Arganöl besteht zu rund 80 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren, vor allem Ölsäure (43–49 g/100 g) und Linölsäure (29–37 g/100 g). Der Tocopherolgehalt liegt bei 60–90 mg/100 g und wird mit 81–92 Prozent vom γ-Tocopherol dominiert. Charakteristisch ist das Sterolprofil mit bis zu 220 mg/100 g Phytosterolen, davon 44–49 Prozent Schottenol und 34–44 Prozent Spinasterol – diese beiden Sterole dienen in der Analytik als Echtheitsnachweis.

Gibt es einen zugelassenen EU-Claim oder eine EMA-Monographie zu Arganöl?

Nein. Für Arganöl besteht kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, und es existiert auch keine Monographie des HMPC der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu Argania spinosa. Arganöl ist damit ein Kosmetikum beziehungsweise ein Lebensmittel, kein Arzneimittel. Wirkaussagen bei Hauterkrankungen oder Anti-Aging-Versprechen sind weder zulässig noch belegt.

Warum ist Arganöl so teuer?

Der Aufwand ist hoch: Für einen Liter Öl werden etwa 30 Kilogramm Früchte benötigt, aus denen sich rund 4,5 Kilogramm Kerne gewinnen lassen. Das Knacken der sehr harten Steinkerne zwischen zwei Steinen ist bis heute Handarbeit und der zeitaufwendigste Arbeitsschritt. Hinzu kommt, dass der Arganbaum nur in einem begrenzten Gebiet Südwestmarokkos wächst. Auffällig billige Ware ist deshalb ein Hinweis auf Streckung mit anderen Ölen.

Wie wendet man Arganöl für Haare und Gesicht an?

Für die Haare einige Tropfen zwischen den Handflächen verreiben und in Längen und Spitzen des feuchten oder trockenen Haars einarbeiten. Im Gesicht genügen zwei bis drei Tropfen, die abends auf die gereinigte, leicht feuchte Haut eingeklopft werden. Für die Pflege eignet sich kosmetisches, ungeröstetes Arganöl, nicht das geröstete Speiseöl.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Gharby S, Charrouf Z (2021): Argan Oil: Chemical Composition, Extraction Process, and Quality Control. Frontiers in Nutrition 8:804587. DOI: 10.3389/fnut.2021.804587 | PMC-Volltext
  2. Mechqoq H, El Yaagoubi M, El Hamdaoui A, Momchilova S, Guedes da Silva Almeida JR, Msanda F, El Aouad N (2021): Ethnobotany, phytochemistry and biological properties of Argan tree (Argania spinosa (L.) Skeels) (Sapotaceae) – A review. Journal of Ethnopharmacology 281:114528. DOI: 10.1016/j.jep.2021.114528
  3. UNESCO, Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB): Arganeraie Biosphere Reserve, Morocco – anerkannt 1998, Fläche 2.499.970 ha. UNESCO MAB (englisch)
  4. UNESCO: Argan, practices and know-how concerning the argan tree – Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, eingetragen 2014. UNESCO ICH (englisch)
  5. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Amtlicher Text (CELEX 32006R1924)
  6. Wikipedia: Arganbaum (Argania spinosa)

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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