Mandelöl: Wirkung auf Haut & Haare, Eigenschaften & Anwendung

Mandeloel lexikon Bild

Botanik und Beschreibung

Mandelöl ist das fette Öl aus den Samen des Mandelbaums (Prunus dulcis), eines Rosengewächses (Rosaceae) und nahen Verwandten von Pfirsich, Marille und Kirsche. Der Mandelbaum stammt aus Vorder- und Zentralasien und wird heute vor allem im Mittelmeerraum, im Nahen Osten und in Kalifornien angebaut, dem mit Abstand größten Anbaugebiet der Welt. Im zeitigen Frühjahr, noch vor dem Austrieb der Blätter, bedeckt er sich mit weißen bis zartrosa Blüten. Aus ihnen entwickeln sich die samtig behaarten Steinfrüchte, deren harter Kern den Samen – die eigentliche Mandel – umschließt.

Man unterscheidet die Süßmandel (Prunus dulcis var. dulcis) und die Bittermandel (var. amara). Bittermandeln enthalten Amygdalin, aus dem beim Kauen giftige Blausäure entsteht. Für die Pflege wird meist Öl aus Süßmandeln verwendet. Das fette Öl kann aber auch aus Bittermandeln gepresst werden, denn Amygdalin geht nicht in das fette Öl über. Nicht zu verwechseln ist es mit dem ätherischen Bittermandelöl, einem Aromastoff, der nicht auf die Haut gehört.

Gewonnen wird Mandelöl durch Pressen der geschälten Samen. Natives, kaltgepresstes Mandelöl ist hellgelb, fast geruchlos und mild nussig im Geschmack; raffiniertes Mandelöl ist noch heller, geschmacksneutral und länger haltbar. Beide Qualitäten sind im Europäischen Arzneibuch beschrieben und werden in Drogerie und Apotheke als Pflegeöl und als Grundlage für Salben, Cremes und Massageöle verwendet.

Inhaltsstoffe

Die besonderen Eigenschaften des Mandelöls ergeben sich aus seiner Fettsäurezusammensetzung:

  • Ölsäure – eine einfach ungesättigte Fettsäure, die meist deutlich mehr als die Hälfte der Fettsäuren ausmacht. Sie macht das Öl geschmeidig, gut verteilbar und vergleichsweise oxidationsstabil.
  • Linolsäure – eine zweifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, die auch ein Baustein der hauteigenen Barrierelipide ist.
  • Gesättigte Fettsäuren wie Palmitinsäure in kleinerem Anteil.
  • Vitamin E (vor allem Alpha-Tocopherol), das das Öl selbst vor dem Ranzigwerden schützt, sowie Pflanzensterine wie Beta-Sitosterin.

Die oft zu lesende Angabe, Mandelöl sei reich an Vitamin A, trifft nicht zu – Vitamin A ist darin praktisch nicht enthalten. Ebenso wenig „dringt“ das Öl tief in die Haut ein: Es wirkt vor allem in den obersten Hautschichten, wo es Lipide ergänzt und die Verdunstung von Wasser bremst.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Trockene Haut – Mandelöl macht die Haut geschmeidig, verringert den Wasserverlust und lindert Spannungsgefühle.
  • Juckreiz durch Trockenheit – rückfettende Pflege kann trockenheitsbedingten Juckreiz mildern.
  • Dehnungsstreifen – eine Studie bei Schwangeren fand weniger Juckreiz und Rötung und eine geringere Ausbreitung von Dehnungsstreifen.
  • Reinigung und Massage – als mildes Abschminköl und als Trägeröl für ätherische Öle bewährt.
  • Haare und Kopfhaut – pflegt trockene Haarspitzen und eine trockene Kopfhaut.

Mandelöl ist ein Pflegemittel, kein Arzneimittel. Die Wirkungen beruhen auf seinen physikalischen Eigenschaften als hautverwandtes, mildes Öl; für eine eigenständige entzündungshemmende Heilwirkung beim Menschen fehlen belastbare Belege.

Ist Mandelöl gut für die Haut?

Für die meisten Menschen: ja. Mandelöl ist mild, zieht bei dünnem Auftragen gut ein und eignet sich besonders für trockene Haut, raue Stellen an Ellenbogen und Händen sowie trockene Lippen. Es legt sich als feiner Lipidfilm auf die Hautoberfläche und hält Feuchtigkeit zurück. Am besten wirkt es auf leicht feuchter Haut, etwa direkt nach dem Duschen. Einen Sonnenschutz bietet Mandelöl nicht.

Mandelöl gegen Juckreiz

Wenn die Haut wegen Trockenheit spannt und juckt, kann Mandelöl ihr Fett zurückgeben und den Juckreiz lindern. Juckreiz kann aber auch Zeichen einer Allergie, einer Hauterkrankung oder einer inneren Erkrankung sein. Hält er an, tritt er ohne erkennbaren Grund auf oder stört er den Schlaf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Ekzeme, Neurodermitis und Schuppenflechte

Bei Ekzemen, Neurodermitis und Psoriasis ist eine konsequente rückfettende Basispflege ein wichtiger Teil der Behandlung, und Mandelöl kann in Cremes und Ölbädern dazu beitragen. Eine Behandlung der Entzündung ersetzt es nicht. Zu bedenken ist, dass Menschen mit Neurodermitis häufiger Allergien entwickeln; bei Kindern mit Neurodermitis sollten Pflegeprodukte mit Nussölen nur nach Rücksprache mit der Kinder- oder Hautärztin verwendet werden. Mehr zur Pflege trockener, entzündeter Haut bietet auch das Nachtkerzenöl.

Dehnungsstreifen und Narben

Mandelöl wird traditionell in der Schwangerschaft zum Einmassieren von Bauch, Hüften und Brust verwendet, um Dehnungsstreifen vorzubeugen. Eine iranische Doppelblindstudie (Hajhashemi und Mitarbeiter, 2018) mit 160 Erstschwangeren fand, dass eine Creme mit süßem Mandelöl im Vergleich zu einer Grundcreme und zu keiner Behandlung Juckreiz und Rötung verringerte und die Ausbreitung der Streifen bremste. Ob dabei das Öl oder vor allem die regelmäßige Massage entscheidend ist, bleibt offen; die Veranlagung spielt für Dehnungsstreifen eine große Rolle. Bei der Narbenbehandlung kann Mandelöl als Massageöl verwendet werden, um verheilte Narben geschmeidig zu halten – auf offene oder frische Wunden gehört es nicht.

Mandelöl bei Sonnenbrand

Auf frischen Sonnenbrand sollte kein Öl aufgetragen werden: Die Haut muss zuerst gekühlt werden, und ein Ölfilm kann die Wärmeabgabe behindern. Erst wenn die akute Rötung abgeklungen ist und die Haut trocken wird und schuppt, kann Mandelöl zur Pflege beitragen. Bei Blasen, großflächigem Sonnenbrand, Fieber oder Kreislaufbeschwerden ist ärztliche Hilfe nötig.

Reinigung, unreine Haut und Haare

Mandelöl löst Make-up und Sonnenschutz sanft und eignet sich als mildes Reinigungsöl. Bei fettiger, zu Unreinheiten neigender Haut sollte es anschließend gründlich abgewaschen werden, da reichhaltige Öle die Poren bei manchen Menschen belasten können. Für die Haare wird es als Kur in die trockenen Spitzen gegeben oder sparsam in die Kopfhaut einmassiert. Bei trockener, schuppender Kopfhaut kann das Spannungsgefühl nachlassen; bei echter Schuppenbildung durch Hefepilze oder Ekzeme hilft Öl allein meist nicht. Siehe auch kraftloses, dünnes Haar.

Anwendung und Dosierung

  • Körperpflege: einige Tropfen auf die leicht feuchte Haut auftragen und einmassieren, bei Bedarf täglich.
  • Gesicht: sparsam verwenden, etwa ein bis zwei Tropfen, oder als Zusatz zur gewohnten Creme.
  • Abschminken: etwas Öl auf ein Wattepad geben, Make-up lösen, danach mit lauwarmem Wasser oder einem milden Reinigungsgel abnehmen.
  • Massage- und Trägeröl: als Grundlage für ätherische Öle, die nie unverdünnt auf die Haut gehören; für Erwachsene meist ein- bis zweiprozentig mischen.
  • Haarkur: eine kleine Menge in die Haarspitzen geben, einwirken lassen und anschließend auswaschen.
  • Ölbad: einige Esslöffel ins Badewasser; Vorsicht, die Wanne wird rutschig.
  • Lagerung: kühl, dunkel und gut verschlossen aufbewahren und nach dem Öffnen zügig aufbrauchen. Ranzig riechendes Öl nicht mehr verwenden, da oxidierte Fette die Haut reizen können.

Als Lebensmittel ist kaltgepresstes Mandelöl ein feines Speiseöl für die kalte Küche und Desserts.

Geschichte und Überlieferungen

Mandeln gehören zu den ältesten Kulturfrüchten des Nahen Ostens und werden schon in der Bibel erwähnt, etwa im blühenden Stab Aarons. Über Griechen, Römer und Araber verbreitete sich der Mandelbaum im ganzen Mittelmeerraum. Das Öl war seit der Antike ein geschätztes Pflegemittel und Salbengrundstoff; in der indischen Ayurveda-Tradition wird Mandelöl für Massagen verwendet. In der europäischen Apotheke diente Mandelöl über Jahrhunderte als milde Grundlage für Salben, Linimente und Emulsionen und als besonders hautfreundliches Öl für empfindliche Haut. Bis heute ist es in Drogerien und Apotheken ein Klassiker für die Körper-, Massage- und Haarpflege, häufig gemeinsam mit anderen Pflanzenölen wie Jojobaöl oder Olivenöl.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Nuss- und Mandelallergie: Raffiniertes Mandelöl enthält kaum Eiweiß, kaltgepresstes etwas mehr. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich. Bei bekannter Mandelallergie verzichten, bei anderen Nussallergien zuerst an einer kleinen Hautstelle testen. Mehr unter Allergie.
  • Säuglinge: Gesunde Babyhaut braucht meist keine Öle. Wird Mandelöl verwendet, dann sparsam und in reiner Qualität. Bei Säuglingen mit Neurodermitis oder Allergien in der Familie sollte die Pflege mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt abgestimmt werden, da eine geschädigte Hautbarriere Sensibilisierungen begünstigen kann.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: äußerlich unbedenklich. Vor dem Stillen das Öl von der Brustwarze entfernen.
  • Unreine Haut: Bei Neigung zu Mitessern und Pickeln sparsam verwenden oder auf leichtere Pflege ausweichen.
  • Offene Wunden und frischer Sonnenbrand: nicht mit Öl behandeln.
  • Kondome: Öle können Latex angreifen und die Sicherheit von Kondomen beeinträchtigen.
  • Wechselwirkungen: Bei äußerlicher Anwendung sind keine Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt. Auf ärztlich verordnete Salben sollte Mandelöl nur nach Rücksprache aufgetragen werden.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Kann Mandelöl bei Akne verwendet werden?
    Mandelöl kann als mildes Reinigungsöl auch bei unreiner Haut verwendet werden, sollte dann aber gründlich abgewaschen werden. Als Pflege auf der Haut belassen kann es die Poren bei manchen Menschen belasten. Eine Wirkung gegen Akne ist nicht belegt.
  2. Ist Mandelöl sicher für empfindliche Haut?
    Mandelöl gilt als mild und wird von empfindlicher Haut meist gut vertragen. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich, besonders bei einer Mandel- oder Nussallergie. Vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen.
  3. Kann ich Mandelöl in der Schwangerschaft verwenden?
    Ja, äußerlich ist Mandelöl in der Schwangerschaft unbedenklich und wird gern zum Einmassieren von Bauch und Hüften verwendet. Eine Studie fand weniger Juckreiz und eine geringere Ausbreitung von Dehnungsstreifen; sicher verhindern lassen sie sich damit nicht, da die Veranlagung eine große Rolle spielt.
  4. Wie lagert man Mandelöl am besten?
    Mandelöl sollte an einem kühlen, dunklen Ort gelagert werden, um seine Haltbarkeit zu gewährleisten.
  5. Kann Mandelöl bei der Babypflege verwendet werden?
    Gesunde Babyhaut braucht meist keine Öle. Wird Mandelöl verwendet, dann sparsam und in reiner Qualität. Bei Säuglingen mit Neurodermitis oder Allergien in der Familie die Pflege vorher mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen.
  6. Wofür ist Mandelöl gut?
    Süßes Mandelöl ist ein mildes, gut verträgliches Pflegeöl für trockene und empfindliche Haut. Es eignet sich als Massageöl, als Basisöl für ätherische Öle, zur Pflege trockener Haarspitzen und zum sanften Abschminken.
  7. Hilft Mandelöl gegen Juckreiz?
    Juckt die Haut wegen Trockenheit, kann Mandelöl ihr Fett zurückgeben und das Spannungsgefühl lindern. Bei anhaltendem oder starkem Juckreiz ohne erkennbaren Grund sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
  8. Hat Mandelöl Nebenwirkungen?
    Mandelöl ist meist sehr gut verträglich. Menschen mit einer Mandel- oder Nussallergie sollten es jedoch zunächst an einer kleinen Hautstelle testen oder darauf verzichten.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.