Jojobaöl: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Jojoba Oel Lexikon Bild

Botanik und Beschreibung

Jojobaöl wird aus den Samen des Jojobastrauchs (Simmondsia chinensis) gewonnen. Die Pflanze ist die einzige Art ihrer Familie (Simmondsiaceae) und stammt aus der Sonora-Wüste im Südwesten Nordamerikas – aus dem südlichen Arizona und Kalifornien sowie aus dem Nordwesten Mexikos. Der irreführende Artname „chinensis“ hat mit China nichts zu tun; er geht nach der gängigen Überlieferung auf eine Verwechslung bei der Erstbeschreibung zurück.

Jojoba ist ein immergrüner, langsam wachsender Strauch von meist ein bis zwei Metern Höhe. Die ledrigen, graugrünen Blätter stehen oft fast senkrecht und bieten der Wüstensonne so wenig Angriffsfläche. Eine tiefreichende Pfahlwurzel macht die Pflanze ausgesprochen trockenheitsresistent. Jojoba ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, und nur die weiblichen bilden Kapselfrüchte mit meist einem bis drei braunen, kaffeebohnenähnlichen Samen. Diese Samen bestehen etwa zur Hälfte aus dem begehrten flüssigen Wachs. Heute wird Jojoba neben Nordamerika vor allem in Argentinien, Peru, Israel und Australien angebaut.

Gewonnen wird das Öl überwiegend durch Kaltpressung der Samen. Naturbelassenes Jojobaöl ist goldgelb und riecht dezent nussig; raffinierte Ware ist nahezu farb- und geruchlos. Auffällig ist das Verhalten bei Kälte: Unter etwa zehn Grad wird Jojobaöl trüb oder fest und bei Raumtemperatur wieder klar – ein natürlicher Vorgang, der nichts über die Qualität aussagt.

Inhaltsstoffe

Obwohl man von „Öl“ spricht, ist Jojobaöl chemisch ein flüssiges Wachs. Darin unterscheidet es sich grundlegend von Pflanzenölen wie Arganöl oder Mandelöl, die überwiegend aus Triglyceriden (Fetten) bestehen.

  • Wachsester (rund 97–98 %): Verbindungen aus langkettigen, einfach ungesättigten Fettsäuren und Fettalkoholen. Bei den Fettsäuren dominiert die Eicosensäure (Gondosäure), daneben kommen Erucasäure und Ölsäure vor; die Alkohole sind vor allem Eicosenol und Docosenol.
  • Freie Fettsäuren und Fettalkohole in geringen Mengen.
  • Tocopherole: Formen von Vitamin E, die als natürliche Antioxidantien das Wachs vor dem Verderben schützen.
  • Phytosterole wie Campesterol, Stigmasterol und Sitosterol.
  • Spuren von Triglyceriden, Flavonoiden und phenolischen Verbindungen.

Weil Jojobaöl kaum mehrfach ungesättigte Fettsäuren und praktisch keine Triglyceride enthält, ist es sehr oxidationsstabil und wird kaum ranzig. Daher stammt seine sprichwörtliche Haltbarkeit. Die oft zitierte Ähnlichkeit mit dem Hauttalg hat einen wahren Kern: Auch der menschliche Talg enthält einen beachtlichen Anteil an Wachsestern. Identisch mit dem Hauttalg ist Jojobaöl aber nicht – dieser besteht zum größeren Teil aus Triglyceriden und Squalen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Pflege trockener Haut – Jojobaöl legt sich als feiner, nicht fettender Film auf die Haut, macht sie geschmeidig und verringert das Austrocknen. Mehr dazu unter Feuchtigkeitsspendende Hautpflege.
  • Unreine Haut und leichte Akne – eine Beobachtungsstudie mit Heilerde-Jojoba-Masken liefert erste Hinweise; ein Wirknachweis für Jojobaöl allein fehlt (siehe Hautunreinheiten).
  • Haar- und Kopfhautpflege – macht trockene Haarspitzen geschmeidiger und verleiht Glanz; eine haarwuchsfördernde Wirkung ist nicht belegt.
  • Gereizte Haut – Labor- und Hautmodellversuche zeigen entzündungshemmende Effekte; bei Ekzemen oder Psoriasis kann es pflegend ergänzen, aber keine Behandlung ersetzen.
  • Wundpflege – in Zellversuchen beschleunigte Jojobawachs den Wundverschluss; Studien zur Heilung am Menschen fehlen.
  • Reife Haut – als Bestandteil der Anti-Aging-Pflege geschätzt, weil es die Haut geschmeidig hält; dass es Falten mindert, ist nicht belegt.

Einordnung: Jojobaöl ist in erster Linie ein Kosmetik- und Pflegerohstoff. Es gibt keine EMA-Monographie für Jojoba und keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die meisten Hinweise auf entzündungshemmende oder wundheilende Effekte stammen aus Zellkultur-, Tier- und Hautmodellversuchen.

Wirkt Jojobaöl gegen Pickel und Akne?

In einer offenen Beobachtungsstudie von Meier und Kollegen (2012) wendeten 194 Teilnehmende sechs Wochen lang zwei- bis dreimal wöchentlich eine Gesichtsmaske aus Heilerde und Jojobaöl an. Bei den 133 Personen mit vollständigen Angaben sank die Zahl der Hautveränderungen im Mittel um rund die Hälfte. Die Studie hatte jedoch keine Kontrollgruppe, und die Wirkung lässt sich nicht vom Anteil der Heilerde trennen. Die früher oft behauptete „antibakterielle Wirkung“ ließ sich in einer Laborstudie von Tietel und Kollegen (2021) nicht bestätigen: Typische Hautbakterien (Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis) und der Hefepilz Malassezia furfur wurden in praxisnahen Konzentrationen nicht gehemmt. Jojobaöl gilt aber als wenig komedogen und eignet sich daher als leichte Pflege auch für Mischhaut und zu Unreinheiten neigende Haut.

Entzündungen, Wunden und Hautbarriere

Ranzato und Kollegen (2011) zeigten an Hautzellen im Reagenzglas, dass Jojobawachs kaum zellschädigend ist und den Verschluss künstlicher „Wunden“ in Zellschichten beschleunigt. In einem Modell mit lebender menschlicher Haut außerhalb des Körpers (Tietel und Kollegen, 2024) senkte aufgetragenes Jojobawachs entzündungsfördernde Botenstoffe um etwa ein Drittel und steigerte die Bildung von Pro-Kollagen III und Hyaluronsäure. Dieselbe Forschungsgruppe beschrieb 2021 im Labor eine Hemmung von Herpes-simplex-Viren. Das sind interessante Grundlagenbefunde, aber keine Belege für eine Wirkung bei Patientinnen und Patienten. Bei Lippenherpes bleiben bewährte Behandlungen der richtige Weg – mehr dazu unter Fieberblase.

Jojobaöl für Haare und Kopfhaut

Im Haar wirkt Jojobaöl vor allem als Pflegefilm: Es glättet die äußere Schuppenschicht, verringert das Austrocknen der Spitzen und erleichtert das Kämmen. Spliss kann es nicht „reparieren“ – gespaltene Spitzen lassen sich nur abschneiden –, es kann aber helfen, dass trockenes Haar weniger leicht bricht. Bei trockener Kopfhaut wird es gern einmassiert. Bei Haarausfall oder hartnäckigen Schuppen sollte zuerst die Ursache abgeklärt werden, siehe Haarausfall.

Anwendung und Dosierung

Jojobaöl wird ausschließlich äußerlich angewendet. Eine feste Dosierung gibt es nicht; wenige Tropfen genügen.

  • Gesicht und Körper: Zwei bis drei Tropfen in den Handflächen anwärmen und auf die gereinigte, noch leicht feuchte Haut einmassieren. So verteilt es sich besser und hält die Feuchtigkeit in der Haut.
  • Haarspitzen: Ein bis zwei Tropfen in die trockenen Längen und Spitzen geben. Als Kur vor der Haarwäsche einwirken lassen und danach gründlich auswaschen.
  • Kopfhaut: Einige Tropfen einmassieren, kurz einwirken lassen, anschließend mit mildem Shampoo auswaschen.
  • Basisöl: Jojobaöl ist wegen seiner Stabilität ein beliebtes Trägeröl für ätherische Öle, die nie unverdünnt auf die Haut gehören.
  • Nagelhaut und Lippen: Ein Tropfen hält rissige Nagelhaut und trockene Lippen geschmeidig.

Worauf beim Kauf achten?

Für die Hautpflege eignet sich kaltgepresstes, naturbelassenes Jojobaöl. Raffiniertes Öl ist farbloser und geruchsneutraler, enthält aber weniger Begleitstoffe. Auf der Verpackung von Kosmetika steht es als Simmondsia Chinensis Seed Oil. Dunkel, gut verschlossen und nicht zu warm lagern.

Kein Sonnenschutz: Jojobaöl hat keinen nennenswerten Lichtschutzfaktor und ersetzt keine geprüfte Sonnencreme.

Geschichte und Überlieferungen

Indigene Völker der Sonora-Wüste nutzten die Samen und das daraus gewonnene Öl seit langer Zeit. Überliefert sind die Verwendung zur Haut- und Haarpflege sowie bei oberflächlichen Wunden; in der Volksheilkunde wurde Jojoba auch bei Halsschmerzen und weiteren Beschwerden eingesetzt.

Größere Bedeutung bekam Jojoba ab den 1970er-Jahren: Als der Handel mit Walprodukten eingeschränkt wurde, suchte man Ersatz für das Walrat des Pottwals, und das chemisch verwandte Jojobawachs rückte in den Mittelpunkt. Es folgten Plantagen in mehreren Ländern. Heute wird Jojoba vor allem in Kosmetik und Pharmazie verwendet – in Cremes, Lippenpflege, Haarpflege und als Grundlage für Salben.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Verträglichkeit: Jojobaöl gilt äußerlich als sehr gut verträglich. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich. Vor der ersten Anwendung im Gesicht empfiehlt sich ein Test an einer kleinen Hautstelle, etwa in der Armbeuge.
  • Nicht zum Verzehr: Jojobaöl ist kein Speiseöl. Die Wachsester werden im Darm kaum verdaut und können Durchfall verursachen. Ölflaschen deshalb außer Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Ätherische Öle: Mischungen mit ätherischen Ölen können anders als das reine Jojobaöl Reizungen oder Allergien auslösen; bei Säuglingen, Kleinkindern und in der Schwangerschaft gelten für ätherische Öle eigene Vorsichtsregeln.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Für die äußerliche Anwendung von reinem Jojobaöl sind keine besonderen Risiken bekannt; systematische Untersuchungen fehlen allerdings. Bei Säuglingen und sehr empfindlicher Haut sparsam verwenden und im Zweifel in der Apotheke oder ärztlich nachfragen.
  • Wechselwirkungen: Mit Arzneimitteln sind keine Wechselwirkungen bekannt. Jojoba kann jedoch die Aufnahme von Wirkstoffen in die Haut verändern – verordnete Salben und Cremes daher nicht ohne Rücksprache mit Jojobaöl mischen.
  • Wann zum Arzt? Bei nässenden, stark entzündeten oder sich ausbreitenden Hautveränderungen, bei Akne mit Knoten und Narbenbildung sowie bei Wunden, die nicht abheilen, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Für welche Hauttypen eignet sich Jojobaöl?
    Jojobaöl eignet sich für trockene, normale und empfindliche Haut ebenso wie für Mischhaut. Es zieht gut ein, legt sich als leichter, nicht fettender Film auf die Haut und verringert so das Austrocknen. Da es als wenig komedogen gilt, wird es auch bei zu Unreinheiten neigender Haut gern verwendet.
  2. Wie wird Jojobaöl auf die Haut aufgetragen?
    Jojobaöl kann dünn auf die gereinigte Haut aufgetragen und sanft einmassiert werden. Es kann auch als Basisöl für selbstgemachte Hautpflegeprodukte verwendet werden.
  3. Kann Jojobaöl bei Haarproblemen helfen?
    Jojobaöl pflegt trockene Längen und Spitzen, macht das Haar geschmeidiger und verleiht Glanz; auch bei trockener Kopfhaut wird es gern einmassiert. Spliss lässt sich damit nicht reparieren, und eine haarwuchsfördernde Wirkung ist nicht belegt. Bei Haarausfall oder hartnäckigen Schuppen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
  4. Ist Jojobaöl für die Verwendung im Gesicht geeignet?
    Ja, Jojobaöl kann auch im Gesicht angewendet werden. Es zieht schnell ein und hinterlässt die Haut geschmeidig.
  5. Gibt es Qualitätsunterschiede bei Jojobaöl?
    Ja, die Qualität kann variieren. Es wird empfohlen, kaltgepresstes, naturbelassenes Jojobaöl aus biologischem Anbau zu wählen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
  6. Ist Jojobaöl gut verträglich?
    Jojobaöl ähnelt in seiner Zusammensetzung dem hauteigenen Talg, zieht gut ein und gilt als sehr gut verträglich, auch bei empfindlicher Haut. Allergische Reaktionen sind selten, aber möglich. Vor der ersten Anwendung im Gesicht empfiehlt sich ein Test an einer kleinen Hautstelle.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.