5-HTP (Hydroxytryptophan): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Auf einen Blick: 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) ist eine Aminosäure, die im Körper als Zwischenstufe zwischen L-Tryptophan und dem Botenstoff Serotonin entsteht. Für Nahrungsergänzungsmittel wird sie aus den Samen der westafrikanischen Pflanze Griffonia simplicifolia gewonnen. Für Stimmung und Schlaf ist die Beleglage unzureichend; für Haut und Haare gibt es keine Belege.
| Stoffklasse | Aminosäure, Vorstufe von Serotonin (und darüber Melatonin) |
|---|---|
| Quelle | Samen von Griffonia simplicifolia (Hülsenfrüchtler, Westafrika) |
| Vorkommen in Lebensmitteln | Praktisch nicht in nennenswerten Mengen; Ernährung liefert die Ausgangsstufe L-Tryptophan |
| Darreichung | Kapseln oder Tabletten mit standardisiertem Griffonia-Samenextrakt |
| Übliche Menge | In Nahrungsergänzungsmitteln meist 50 bis 100 mg pro Einnahme, ein- bis dreimal täglich; maßgeblich ist die Packung |
| Nicht kombinieren | SSRI, SNRI, trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer, Triptane, Tramadol, Lithium, Johanniskraut (Gefahr eines Serotonin-Syndroms) |
| Nicht empfohlen | Schwangerschaft und Stillzeit; Kinder und Jugendliche nur nach ärztlicher Anweisung |
Herkunft und Beschreibung
5-HTP (5-Hydroxytryptophan) ist eine Aminosäure, die im menschlichen Körper als Zwischenstufe entsteht: Aus der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan, die wir mit der Nahrung aufnehmen, bildet der Körper zunächst 5-HTP und daraus anschließend den Botenstoff Serotonin. Serotonin spielt eine wichtige Rolle für Stimmung, Schlaf-Wach-Rhythmus, Appetit und die Darmtätigkeit. Als Arzneistoff trägt 5-HTP den internationalen Freinamen Oxitriptan.
Anders als Serotonin selbst kann 5-HTP die Blut-Hirn-Schranke passieren. Das ist der Grund, warum es als Vorstufe überhaupt interessant ist: Serotonin aus Lebensmitteln erreicht das Gehirn nicht, 5-HTP dagegen schon.
Für Nahrungsergänzungsmittel wird 5-HTP nicht synthetisch hergestellt, sondern aus den Samen der westafrikanischen Kletterpflanze Griffonia simplicifolia gewonnen. Die Pflanze gehört zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und wächst als holziger Kletterstrauch in Westafrika, etwa in Ghana und an der Elfenbeinküste. Diese Samen enthalten einen außergewöhnlich hohen Anteil an 5-HTP, weshalb sie weltweit die wichtigste Rohstoffquelle sind.
Kommt 5-HTP in Lebensmitteln vor?
In üblichen Lebensmitteln kommt 5-HTP praktisch nicht in nennenswerten Mengen vor. Gelegentlich werden Bananen, Tomaten, Pflaumen oder Walnüsse genannt – diese enthalten jedoch vor allem Serotonin, das aus dem Darm nicht ins Gehirn gelangt. Was die Ernährung tatsächlich liefert, ist die Ausgangsstufe L-Tryptophan, etwa aus Milchprodukten und Käse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, Haferflocken, Eiern, Fisch und Fleisch. Daraus stellt der Körper sein 5-HTP selbst her.
Aufbau und Wirkungsweise
Die Serotoninbildung verläuft in zwei Schritten:
- Tryptophan → 5-HTP: Das Enzym Tryptophan-Hydroxylase hängt eine Hydroxygruppe an. Dieser Schritt gilt als der geschwindigkeitsbestimmende Engpass der Serotoninbildung.
- 5-HTP → Serotonin: Ein zweites Enzym, die Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase, spaltet Kohlendioxid ab. Es benötigt als Helfer die aktive Form von Vitamin B6.
Wird 5-HTP direkt zugeführt, umgeht es den ersten, regulierten Engpass. Zudem konkurriert es – anders als Tryptophan – nicht mit anderen Aminosäuren um den Transport ins Gehirn und wird nicht für die Eiweißbildung oder andere Stoffwechselwege abgezweigt. In der Zirbeldrüse wird Serotonin nachts weiter zu Melatonin umgebaut, dem Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Ein großer Teil des zugeführten 5-HTP wird allerdings bereits außerhalb des Gehirns, etwa in Darm und Leber, zu Serotonin umgewandelt – was die typischen Magen-Darm-Nebenwirkungen erklärt.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Stimmung: Als Serotonin-Vorstufe wird 5-HTP traditionell bei gedrückter Stimmung eingesetzt; kleine ältere Studien geben Hinweise, die Beleglage gilt aber als unzureichend.
- Schlaf: Über Serotonin als Vorstufe von Melatonin wird 5-HTP zur Unterstützung des Einschlafens verwendet; belastbare Daten sind spärlich.
- Appetit und Sättigung: Kleine Studien aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren deuten auf ein früheres Sättigungsgefühl hin.
- Fibromyalgie: Eine kleine doppelblinde Studie berichtete über eine Besserung einzelner Beschwerden – eine Bestätigung in größeren Studien fehlt.
- Kopfschmerzen: Bei Spannungskopfschmerz und Migräne volksmedizinisch eingesetzt; die Studienergebnisse sind uneinheitlich.
Wichtig für die Einordnung: 5-HTP ist kein Heilmittel für psychische Erkrankungen und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die vorhandenen Studien sind überwiegend klein, älter und methodisch begrenzt.
5-HTP und Stimmung
Der bekannteste Einsatzbereich ist die Stimmung. Ein Cochrane-Review von Shaw, Turner und Del Mar (2002) prüfte über hundert Studien zu Tryptophan und 5-HTP bei Depression, konnte aber nur zwei mit insgesamt 64 Teilnehmenden als ausreichend aussagekräftig einschließen. Diese deuteten auf eine Überlegenheit gegenüber Placebo hin; die Autoren hielten die Datenlage jedoch für zu dünn für eine Empfehlung. Wer unter anhaltender Niedergeschlagenheit leidet, sollte ärztliche Hilfe suchen. Bei leichten saisonalen Verstimmungen hilft oft schon Tageslicht und Bewegung – mehr dazu unter Stimmungstief und Winterblues.
5-HTP für den Schlaf
Weil aus Serotonin in der Nacht Melatonin entsteht, wird 5-HTP häufig abends eingenommen. Die Studienlage zu Schlafqualität ist begrenzt; einzelne neuere Arbeiten untersuchten 5-HTP bei älteren Menschen. Bei Ein- und Durchschlafstörungen stehen Schlafhygiene und die Abklärung der Ursache an erster Stelle.
Sättigung und Heißhunger
In kleinen italienischen Studien um Cangiano (1989–1992) aßen übergewichtige Erwachsene unter 5-HTP weniger, nahmen weniger Kohlenhydrate zu sich, berichteten über ein früheres Sättigungsgefühl und verloren an Gewicht. In der Studie von 1992 wurden allerdings nur 20 Personen über zweimal sechs Wochen untersucht – mit einer Tagesmenge, die deutlich über den in Nahrungsergänzungsmitteln üblichen Mengen liegt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach übertragen. Allgemeine Tipps gegen Heißhunger finden Sie auf unserer eigenen Seite.
Fibromyalgie und Kopfschmerzen
Eine doppelblinde Studie von Caruso und Kollegen (1990) mit 50 Personen mit Fibromyalgie berichtete unter 5-HTP über eine deutliche Besserung aller untersuchten Beschwerden bei nur leichten, vorübergehenden Nebenwirkungen. Die Autoren betonten selbst, dass weitere kontrollierte Studien nötig sind – diese sind bis heute rar. Bei Migräne und Spannungskopfschmerz liegen einige kleine Studien mit gemischten Ergebnissen vor.
Wirkt 5-HTP auf Haut und Haare?
Diese Frage wird häufig gestellt. Für eine Wirkung von 5-HTP auf Hautbild oder Haarwachstum gibt es keine Belege. Bei Haarausfall lohnt es sich, nach Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen oder hormonellen Veränderungen zu suchen.
Anwendung und Dosierung
- Übliche Form: Kapseln oder Tabletten mit Griffonia-Samenextrakt, standardisiert auf einen bestimmten 5-HTP-Gehalt.
- Übliche Menge: In Nahrungsergänzungsmitteln meist 50–100 mg pro Einnahme, ein- bis dreimal täglich – maßgeblich sind die Angaben auf der Packung. Die angegebene tägliche Verzehrsmenge nicht überschreiten.
- Einschleichen: Mit der niedrigsten Menge beginnen, um die Verträglichkeit zu prüfen; das senkt das Risiko von Übelkeit.
- Einnahmezeitpunkt: Häufig empfohlen werden 30–60 Minuten vor einer Mahlzeit; zur Unterstützung des Schlafs wird 5-HTP meist am Abend eingenommen.
- Dauer: Bei längerer Einnahme Rücksprache mit Arzt oder Ärztin halten.
- Qualität: Auf geprüfte Ware mit Angabe des 5-HTP-Gehalts und Analysenzertifikat achten.
Nebenwirkungen von 5-HTP
Am häufigsten werden Magen-Darm-Beschwerden beschrieben: Übelkeit, Völlegefühl, Sodbrennen, Durchfall oder Bauchkrämpfe. Auch Müdigkeit, Schwindel oder lebhafte Träume sind möglich. Die Beschwerden hängen meist von der Menge ab und lassen sich oft durch niedrigere Mengen verringern.
Geschichte und Überlieferungen
Die Geschichte des 5-HTP ist eng mit der Entdeckung des Serotonins verbunden. Ende der 1940er-Jahre wurde im Blutserum ein gefäßverengender Stoff isoliert und Serotonin genannt; zuvor war er im Darm als „Enteramin“ beschrieben worden. In den folgenden Jahren klärte man den Bildungsweg aus Tryptophan über 5-HTP auf. Ab den 1960er- und 1970er-Jahren wurde 5-HTP in Europa klinisch untersucht, unter anderem bei Depressionen, und war in einigen Ländern als Arzneimittel erhältlich.
Die Pflanze Griffonia simplicifolia wird in der westafrikanischen Volksmedizin seit Generationen genutzt. Ihre Bedeutung als Rohstoff für 5-HTP erlangte sie erst, als man den hohen Gehalt der Samen entdeckte und Extrakte standardisiert herstellen konnte.
Ein wichtiges Kapitel ist das Eosinophilie-Myalgie-Syndrom: 1989 erkrankten zahlreiche Menschen nach Einnahme verunreinigter L-Tryptophan-Präparate eines einzelnen Herstellers. Wegen der chemischen Verwandtschaft stand danach auch 5-HTP unter Beobachtung; in einzelnen Proben wurde über eine Spurenverunreinigung („Peak X“) berichtet. Eine Sicherheitsübersicht von Das und Kollegen (2004) fand trotz jahrzehntelanger weltweiter Verwendung keine eindeutigen Vergiftungsfälle und bewertete diesen Befund kritisch. Seither ist die Reinheitsprüfung ein zentrales Qualitätsmerkmal.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Antidepressiva: Nicht mit SSRI, SNRI, trizyklischen Antidepressiva oder MAO-Hemmern kombinieren. Die gleichzeitige Einnahme kann ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom auslösen.
- Weitere serotonerge Mittel: Auch Triptane (Migränemittel), Tramadol und andere Opioide mit serotonerger Wirkung, Lithium sowie Johanniskraut sollten nicht mit 5-HTP kombiniert werden.
- Parkinson-Medikamente: Bei Einnahme von Carbidopa nur nach ärztlicher Rücksprache.
- Warnzeichen eines Serotonin-Syndroms: Unruhe, Verwirrtheit, Herzrasen, starkes Schwitzen, Fieber, Zittern, Muskelzucken und Durchfall. Treten diese Beschwerden auf, sofort ärztliche Hilfe holen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Nicht empfohlen, da keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen (siehe auch Schwangerschaft und Stillen).
- Kinder und Jugendliche: Nicht ohne ärztliche Anweisung anwenden.
- Vor Operationen: Einige Zeit vorher absetzen und die Narkoseärztin oder den Narkosearzt informieren, da viele Narkose- und Schmerzmittel serotonerg wirken.
- Bestehende Erkrankungen: Bei psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Leber- und Nierenerkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache.
Regulatorische Einordnung in der EU
5-HTP wird in Österreich und Deutschland als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. Für 5-HTP sind in der EU keine gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims) zugelassen; Aussagen zu Stimmung, Schlaf oder Gewicht dürfen für solche Produkte daher nicht beworben werden. Die oben beschriebenen Anwendungen geben den Stand von Überlieferung und Forschung wieder und sind keine Wirkversprechen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist 5-HTP und woher stammt es?
5-HTP ist ein natürlicher Stoff, der im Körper aus der Aminosäure L-Tryptophan gebildet wird. Als Nahrungsergänzungsmittel wird es aus den Samen der Pflanze Griffonia simplicifolia gewonnen.
Wofür wird 5-HTP traditionell verwendet?
5-HTP wird volksmedizinisch zur Unterstützung von Stimmung, Schlaf und Sättigungsgefühl eingesetzt. Es ist eine naturheilkundliche Ergänzung und kein Ersatz für ärztliche Behandlung.
Kann 5-HTP mit Antidepressiva kombiniert werden?
Nein. Die Kombination mit SSRIs, MAO-Hemmern oder Triptanen kann zu ernsthaften Nebenwirkungen führen. Bitte immer zuerst einen Arzt fragen.
Gibt es Nebenwirkungen?
Bei empfohlener Dosierung können gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Hohe Dosen oder Kombinationen mit bestimmten Medikamenten können ernsthafte Wechselwirkungen verursachen.
Wirkt 5-HTP auf Haut und Haare?
Für eine Wirkung von 5-HTP auf Haut oder Haare gibt es keine Belege. Untersucht wird es vor allem als Vorstufe des Botenstoffs Serotonin im Zusammenhang mit Stimmung, Schlaf und Sättigung.
Wie wirkt 5-HTP auf Haut und Haare?
Für eine Wirkung von 5-HTP auf Hautbild oder Haarwachstum gibt es keine Belege. Bei Haarausfall lohnt es sich, nach Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen oder hormonellen Veränderungen zu suchen.
Wie wird 5-HTP dosiert?
In Nahrungsergänzungsmitteln sind meist 50 bis 100 mg pro Einnahme üblich, ein- bis dreimal täglich. Maßgeblich sind die Angaben auf der Packung; die angegebene Verzehrsmenge nicht überschreiten. Man beginnt mit der niedrigsten Menge, um die Verträglichkeit zu prüfen, was das Risiko von Übelkeit senkt.
Darf man 5-HTP in der Schwangerschaft einnehmen?
In Schwangerschaft und Stillzeit wird 5-HTP nicht empfohlen, da keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen.
Hilft 5-HTP beim Schlafen?
Aus Serotonin entsteht nachts Melatonin, deshalb wird 5-HTP häufig abends eingenommen. Die Studienlage zur Schlafqualität ist begrenzt, belastbare Daten sind spärlich. Bei Ein- und Durchschlafstörungen stehen Schlafhygiene und die Abklärung der Ursache an erster Stelle.
Quellen und weiterführende Informationen
- PubMed: 5-Hydroxytryptophan – Natural Occurrence, Analysis, Biosynthesis, Biotechnology, Physiology and Toxicology (Morrens et al., 2021)
- PubMed: 5-Hydroxytryptophan – a clinically-effective serotonin precursor (Birdsall, 1998)
- PMC: 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) – Natural Occurrence, Biosynthesis, Physiology and Toxicology (2021)
- PubMed: Impact of 5-HTP supplementation on sleep quality in older adults – randomized controlled trial (2024)
- Shaw K, Turner J, Del Mar C (2002): Tryptophan and 5-hydroxytryptophan for depression (Cochrane Review)
- Caruso I et al. (1990): Double-blind study of 5-hydroxytryptophan versus placebo in the treatment of primary fibromyalgia syndrome
- Cangiano C et al. (1992): Eating behavior and adherence to dietary prescriptions in obese adult subjects treated with 5-hydroxytryptophan
- Das YT et al. (2004): Safety of 5-hydroxy-L-tryptophan

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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