Vergesslichkeit: Symptome, Ursachen und natürliche Unterstützung

Was ist Vergesslichkeit?
Vergesslichkeit bedeutet, dass Informationen nicht abrufbar sind, die man eigentlich kennt oder sich merken wollte – der Name eines Bekannten, ein Termin, der Ort des Schlüssels. Vergessen ist zunächst nichts Krankhaftes: Das Gehirn filtert täglich eine Fülle an Eindrücken und speichert längst nicht alles dauerhaft. Was unwichtig erscheint oder nur flüchtig wahrgenommen wurde, geht verloren. Ohne dieses Aussortieren wäre das Gedächtnis überfordert.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die geistige Leistungsfähigkeit. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt ab, das Lernen neuer Inhalte dauert länger, und Namen oder Wörter liegen öfter „auf der Zunge“. Erfahrungswissen, Wortschatz und Urteilsvermögen bleiben dagegen lange erhalten oder nehmen sogar zu. Diese altersbedingte Vergesslichkeit ist normal und beeinträchtigt den Alltag nicht.
Davon zu unterscheiden sind:
- Leichte kognitive Beeinträchtigung (englisch „Mild Cognitive Impairment“, MCI): Die Leistung ist messbar schlechter als altersüblich, die Selbstständigkeit im Alltag bleibt aber erhalten. Ein Teil der Betroffenen entwickelt später eine Demenz, bei anderen bleibt der Zustand stabil oder bessert sich.
- Demenz: Gedächtnis und weitere geistige Fähigkeiten lassen so weit nach, dass der Alltag nicht mehr allein bewältigt werden kann. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit, gefolgt von gefäßbedingten Demenzen.
Ursachen
Vergesslichkeit hat sehr häufig Ursachen, die nichts mit einer Demenz zu tun haben und gut behandelbar sind:
- Stress und Überlastung: Wer gedanklich bei vielen Dingen gleichzeitig ist, nimmt Informationen nur oberflächlich auf – sie werden gar nicht erst abgespeichert. Dauerhafter Stress beeinträchtigt über Stresshormone zudem Lernen und Erinnern.
- Schlafmangel: Im Schlaf werden Gedächtnisinhalte gefestigt. Schlafstörungen, auch nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe), führen oft zu Konzentrations- und Gedächtnisproblemen.
- Depression: Eine Depression kann – besonders im Alter – Gedächtnisstörungen verursachen, die einer Demenz ähneln. Wird die Depression behandelt, bessert sich meist auch das Gedächtnis.
- Medikamente: etwa Schlaf- und Beruhigungsmittel, manche Mittel gegen Allergien, Blasenschwäche oder Depression sowie die Kombination vieler Arzneimittel.
- Mangelzustände: vor allem ein Vitamin-B12-Mangel, seltener Folsäure- oder Eisenmangel.
- Flüssigkeitsmangel: Ältere Menschen trinken oft zu wenig; Austrocknung kann zu Verwirrtheit führen.
- Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen.
- Schwerhörigkeit und Sehschwäche: Wer schlecht hört, nimmt Informationen unvollständig auf; unbehandelte Schwerhörigkeit gilt zudem als Risikofaktor für geistigen Abbau.
- Alkohol und Rauchen.
- Gefäßrisiken: Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfette schädigen auf Dauer die kleinen Hirngefäße.
- Neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit, außerdem Schlaganfälle oder Hirnverletzungen.
Symptome
Meist harmlos
- Namen fallen erst später wieder ein
- Man vergisst, warum man einen Raum betreten hat
- Gegenstände werden verlegt, aber durch Nachdenken wiedergefunden
- Termine werden gelegentlich vergessen, später aber erinnert
Warnzeichen
- Dieselben Fragen oder Geschichten werden wiederholt, ohne es zu bemerken
- Kürzlich Erlebtes ist vollständig vergessen, nicht nur Einzelheiten
- Orientierungsprobleme an vertrauten Orten
- Schwierigkeiten mit gewohnten Abläufen wie Kochen, Bankgeschäften oder Medikamenteneinnahme
- Wortfindungsstörungen, die Gespräche erschweren
- Veränderungen der Persönlichkeit, Rückzug, Misstrauen
- Angehörigen fallen die Veränderungen stärker auf als der betroffenen Person selbst
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Ginkgo – standardisierter Ginkgo-Trockenextrakt ist von der EMA zur Verbesserung altersbedingter geistiger Beeinträchtigungen und der Lebensqualität bei leichter Demenz anerkannt.
- Rosenwurz – traditionell anerkannt bei stressbedingter Erschöpfung und Schwäche; kann helfen, wenn Vergesslichkeit Folge von Überlastung ist.
- Ginseng – traditionell bei Müdigkeit und Schwächegefühl verwendet.
- Salbei und Rosmarin – überlieferte „Gedächtnispflanzen“; kleine Studien liefern erste Hinweise, belegt ist eine Wirkung nicht.
- Bacopa – ayurvedische Pflanze, in einigen Studien mit Hinweisen auf leicht verbesserte Merkfähigkeit.
- Grüner Tee – Koffein und L-Theanin können kurzfristig Aufmerksamkeit und Wachheit fördern; eine Wirkung auf das Langzeitgedächtnis ist nicht belegt.
- Vitamin B12 – trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen psychischen Funktion bei; ein Mangel ist eine behandelbare Ursache von Vergesslichkeit.
- Omega-3-Fettsäure DHA – trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei (EU-zugelassene Angabe, bei 250 mg täglich).
- Vitamin D3 – ein Mangel sollte ausgeglichen werden; dass zusätzliches Vitamin D das Gedächtnis verbessert, ist nicht belegt.
- Resveratrol – im Labor antioxidativ; Studien am Menschen zum Gedächtnis sind wenige und uneinheitlich.
Ginkgo: die am besten untersuchte Pflanze
Für Ginkgo-Blätter hat die EMA eine Monographie mit allgemein anerkannter Anwendung erstellt. Sie gilt für einen speziellen, gereinigten und standardisierten Trockenextrakt in einer Tagesdosis von 240 mg – nicht für Ginkgo-Tee oder einfache Blattpulver. Die Einnahme sollte mindestens acht Wochen dauern; tritt nach drei Monaten keine Besserung ein, ist ärztlich zu prüfen, ob die Behandlung sinnvoll ist. Wichtig sind die Sicherheitshinweise: Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen, ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, soll drei bis vier Tage vor Operationen abgesetzt und bei Einnahme von Gerinnungshemmern, Thrombozytenaggregationshemmern, Dabigatran, Nifedipin, Efavirenz sowie bei Epilepsie nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden.
Was die Naturheilkunde leisten kann – und was nicht
Pflanzliche Mittel können eine gesunde Lebensweise ergänzen und bei stressbedingter Erschöpfung entlasten. Eine Demenz können sie weder verhindern noch heilen. Übersichtsarbeiten zur Vorbeugung des geistigen Abbaus kommen zu dem Schluss, dass vor allem beeinflussbare Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren zählen: Bildung und geistige Anregung, Bewegung, gesunde Ernährung und die gute Behandlung von Gefäßrisiken. Auch für chinesische Heilkräuter bei leichten Gedächtnisstörungen ist die Studienlage zu schwach für klare Empfehlungen.
Was Sie selbst tun können
- Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Hirndurchblutung und gehört zu den am besten belegten Schutzfaktoren.
- Geistig aktiv bleiben: Neues lernen – eine Sprache, ein Instrument, ein Hobby – fordert das Gehirn mehr als Routine.
- Soziale Kontakte pflegen: Gespräche, Vereine und Ehrenamt halten geistig wach und beugen dem Rückzug vor.
- Ausreichend schlafen und Schlafstörungen abklären lassen.
- Ausgewogen essen, etwa nach mediterranem Vorbild mit Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Olivenöl.
- Genug trinken: etwa 1,5 Liter täglich, sofern ärztlich nichts anderes empfohlen wird.
- Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig kontrollieren und behandeln lassen.
- Hören und Sehen prüfen lassen und Hörgeräte oder Brillen nutzen.
- Stress reduzieren: Pausen, Entspannungsverfahren und Aufgaben nacheinander statt gleichzeitig erledigen.
- Alltagshilfen: Kalender, Notizen, fester Platz für Schlüssel und Brille – das entlastet das Gedächtnis.
- Medikamente überprüfen lassen, besonders Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Wann zum Arzt?
Lassen Sie Vergesslichkeit hausärztlich abklären, wenn sie über Wochen zunimmt, den Alltag beeinträchtigt oder Angehörigen auffällt. Eine frühe Untersuchung lohnt sich: Behandelbare Ursachen wie Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Depression oder Medikamentennebenwirkungen werden erkannt, und bei einer beginnenden Demenz bleibt Zeit für Behandlung und Planung. Die Abklärung umfasst meist ein Gespräch, kurze Gedächtnistests, Blutuntersuchungen und gegebenenfalls eine Bildgebung des Gehirns.
Sofort ärztliche Hilfe (Notruf 144) ist nötig bei plötzlich auftretender Verwirrtheit, Sprach- oder Sehstörungen, Lähmungen, einem hängenden Mundwinkel oder starken Kopfschmerzen – das können Zeichen eines Schlaganfalls sein. Auch eine rasch einsetzende Verwirrtheit bei Fieber, Infekten oder nach Medikamentenwechsel gehört umgehend ärztlich beurteilt.
Häufige Fragen und Antworten
-
Können Naturheilmittel Vergesslichkeit heilen?
Naturheilmittel können unterstützend wirken, aber sie ersetzen nicht die Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal bei ernsthaften Gedächtnisproblemen. -
Wie können Naturheilmittel eingenommen werden, um das Gedächtnis zu unterstützen?
Am besten untersucht ist Ginkgo: Die EMA-Monographie bezieht sich auf einen standardisierten Ginkgo-Trockenextrakt mit 240 mg pro Tag, nicht auf Tee oder einfaches Blattpulver. Andere Mittel wie Rosenwurz werden nach Packungsbeilage eingenommen. Wegen möglicher Wechselwirkungen, etwa von Ginkgo mit Gerinnungshemmern, vorher ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen. -
Wie schnell können Verbesserungen durch die Einnahme von Naturheilmitteln erwartet werden?
Pflanzliche Mittel wirken nicht sofort. Ginkgo-Extrakt soll laut EMA mindestens acht Wochen eingenommen werden; zeigt sich nach drei Monaten keine Besserung, sollte ärztlich geprüft werden, ob die Behandlung sinnvoll ist. Nehmen die Gedächtnisprobleme zu, ist rasch eine ärztliche Abklärung nötig. -
Was kann neben der Einnahme von Naturheilmitteln noch getan werden, um die Gehirnfunktion zu unterstützen?
Ein gesunder Lebensstil, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche und geistige Aktivität können ebenfalls zur Unterstützung der Gehirnfunktion beitragen. -
Woher weiß ich, welches Naturheilmittel das richtige für mich ist?
Entscheidend ist zuerst die Ursache. Steckt Stress oder Erschöpfung dahinter, kommen andere Mittel infrage als bei altersbedingten Gedächtnisproblemen, und ein Vitamin-B12-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Depression brauchen eine gezielte Behandlung. Lassen Sie anhaltende Vergesslichkeit deshalb hausärztlich abklären und besprechen Sie pflanzliche Mittel mit Arzt, Apotheke oder Drogerie. -
Wann ist Vergesslichkeit ein Warnzeichen?
Gelegentliches Vergessen von Namen oder Terminen ist normal. Ärztlich abgeklärt werden sollte Vergesslichkeit, wenn sie zunimmt und den Alltag beeinträchtigt, etwa durch wiederholte gleiche Fragen, Orientierungsprobleme oder Wesensveränderungen. Hinter Gedächtnisproblemen können auch gut behandelbare Ursachen wie ein Vitamin-B12-Mangel, eine Schilddrüsenstörung, Depression oder Medikamente stecken.
Quellen und weiterführende Informationen
- May BH et al. (2009): Chinese herbal medicine for Mild Cognitive Impairment and Age Associated Memory Impairment: a review of randomised controlled trials. Biogerontology 10(2):109-23. → PubMed PMID 18716893
- Wikipedia: Vergesslichkeit
- Wikipedia (EN): Forgetting (EN)
- AHRQ/NCBI: Interventions to Prevent Age-Related Cognitive Decline, MCI and Alzheimer's-Type Dementia
- PubMed: Prevention of Age-Related Cognitive Decline - Which Strategies, When, and for Whom (Review)
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Ginkgo biloba L., folium (EMA/HMPC/321097/2012, 28.01.2015, PDF)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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