Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
Botanik und Beschreibung
Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum L.) – in Österreich, Bayern und Südtirol Schwarze Ribisel genannt, im französischen Sprachgebrauch Cassis – ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Johannisbeeren in der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae). Sie zählt zu den wenigen heimischen Beerenarten, die sowohl als Obst als auch – mit ihren Blättern – als traditionelles Arzneimittel eine eigene regulatorische Geschichte haben.
Wuchs und Erkennungsmerkmale
Die Schwarze Johannisbeere wächst als sommergrüner, stacheloser Strauch und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 2 Metern. Auffällig ist ihr starker, von manchen als unangenehm empfundener Geruch – genau dieses Merkmal unterscheidet sie zuverlässig von der Roten Johannisbeere. Die Laubblätter sind bei einer Breite von bis zu 10 Zentimetern drei- bis fünflappig mit herzförmiger Spreitenbasis; die Blattoberseite ist kahl, die Unterseite behaart und mit sitzenden gelblichen Drüsen besetzt. In diesen Drüsen sitzen die ätherischen Bestandteile, die den charakteristischen Duft verursachen.
In Mitteleuropa liegt die Blütezeit im April und Mai. Die zwittrigen, grünlichgelben Blüten stehen in hängenden, traubigen Blütenständen und sind eher unscheinbar; die Kronblätter sind kleiner als die Kelchblätter. Die Frucht ist eine bei Reife schwarze Beere mit einem Durchmesser von 8 bis 12 Millimetern. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.
Verbreitung und Anbau
Natürlicherweise kommt Ribes nigrum in der gemäßigten und borealen Zone Eurasiens vor – von England und Frankreich im Westen bis zur Mandschurei im Osten, nach Norden bis Lappland, nach Süden bis Armenien und zum Himalaja. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Gipfel des Rubihorns bis auf 1930 Meter. Wild wächst sie in Erlenbrüchen, feuchten Gebüschen und Auwäldern auf feuchten bis nassen, nährstoffreichen Böden. Da natürliche und verwilderte Vorkommen kaum zu unterscheiden sind, lässt sich die ursprüngliche Verbreitung in Mitteleuropa nicht mehr rekonstruieren.
Als Beerenobst wird sie in Mitteleuropa etwa seit dem 16. Jahrhundert in Gärten angepflanzt; in Nordosteuropa erfolgte die gärtnerische Nutzung wahrscheinlich deutlich früher. Die Ernte der reifen Beeren fällt in Mitteleuropa üblicherweise in den Juli und August. Bekannte Anbausorten sind unter anderem Titania, Tisel, Ben Hope, Ometa und Bona. Früchte, Blätter und Samenöl aus europäischem Anbau werden zu Fertigprodukten verarbeitet, die in der EU (vorwiegend in AT und DE) hergestellt und reguliert werden.
Verwendete Pflanzenteile
- Frucht (Ribis nigri fructus): frisch, als Saft, Nektar, Gelee, Konfitüre oder Sirup; Grundlage des Cassis-Likörs und -Sirups.
- Blatt (Ribis nigri folium): von April bis Juli gepflückt und getrocknet als Teedroge – der Pflanzenteil, für den eine europäische Arzneimittel-Monographie existiert.
- Samenöl: aus den Kernen gepresst, wegen seines Gehalts an Gamma-Linolensäure gefragt.
- Blütenknospenextrakt: in der Parfümerie verwendet; kleine Mengen verleihen Parfüms eine fruchtige Note.
Inhaltsstoffe
Vitamin C – die auffälligste Kennzahl
Die Schwarze Johannisbeere gehört zu den vitamin-C-reichsten heimischen Früchten. Die US-amerikanische Nährwertdatenbank FoodData Central gibt für rohe schwarze Johannisbeeren (SR Legacy, FDC-ID 173963) 181 mg Vitamin C je 100 g an. Zum Vergleich: Rote und weiße Johannisbeeren kommen in derselben Datenbank auf 41 mg je 100 g – also weniger als ein Viertel. Die deutschsprachige Fachliteratur nennt gerundet etwa 180 mg je 100 g Beeren.
Bemerkenswert ist eine technologische Eigenheit: Anders als bei vielen anderen Früchten wird das Vitamin C der Schwarzen Johannisbeere beim Erhitzen während der Herstellung von Säften, Gelees oder Konfitüren nicht zerstört beziehungsweise nur unwesentlich vermindert. Weitere vitamin-C-reiche Lexikoneinträge finden Sie bei Acerola, Hagebutte und Vitamin C.
Anthocyane und weitere Polyphenole
Die tiefschwarze Farbe der Beeren stammt von Polyphenolen, genauer von Anthocyanen. Eine 2025 veröffentlichte pharmakognostische Untersuchung von fünf in Rumänien angebauten Ribes-nigrum-Sorten identifizierte als Hauptvertreter:
- Cyanidin-3-O-rutinosid – in allen untersuchten Sorten die vorherrschende Verbindung
- Delphinidin-3-O-rutinosid
- Cyanidin-3-O-glucosid
Daneben wurden Rutin, Kaffeesäure, Catechin und Vanillinsäure nachgewiesen. Die Arbeit betont eine erhebliche Schwankungsbreite zwischen den Sorten – pauschale Gehaltsangaben sind bei dieser Fruchtart also mit Vorsicht zu behandeln. Verwandte Stoffgruppen behandeln wir bei OPC; anthocyanreiche Verwandte sind die Heidelbeere und die Preiselbeere.
Gamma-Linolensäure im Samenöl
Ein Alleinstellungsmerkmal der Schwarzen Johannisbeere liegt nicht in der Frucht, sondern im Kern. Das aus den Samen gewonnene Öl gehört zu den wenigen pflanzlichen Ölen mit nennenswertem Gehalt an Gamma-Linolensäure (GLA), einer dreifach ungesättigten Omega-6-Fettsäure. Eine Übersichtsarbeit von 2025 nennt für Schwarze-Johannisbeer-Samenöl einen GLA-Anteil von 15 bis 20 Prozent der Gesamtfettsäuren. Zum Vergleich werden dort Borretschöl mit 20 bis 27 Prozent und Nachtkerzenöl mit 8 bis 14 Prozent angegeben. Das Samenöl liegt damit zwischen den beiden klassischen GLA-Quellen.
Weitere Bestandteile
Die Beeren enthalten außer Wasser, Kohlenhydraten, Fettsäuren, Proteinen und Mineralstoffen unter anderem Terpene wie β-Pinen und Caryophyllen, Flavonoide wie (+)-Catechin sowie Zitronensäure und Pektin – letzteres erklärt die gute Gelierfähigkeit. Nach FoodData Central liefern 100 g rohe schwarze Johannisbeeren rund 63 kcal, 322 mg Kalium, 55 mg Calcium und 1,54 mg Eisen.
Volksmedizinische Anwendungsgebiete
Das Blatt: EMA/HMPC-Monographie
Für das Blatt der Schwarzen Johannisbeere existiert eine Unionsmonographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur: „European Union herbal monograph on Ribes nigrum L., folium", EMA/HMPC/745353/2016, angenommen am 19. September 2017. Diese Monographie haben wir für diese Seite im Original geprüft.
Der Status ist eindeutig – und er ist nicht der höchste: Die Monographie führt ausschließlich die Kategorie „traditional use" (traditionelle Anwendung). Die Spalte „well-established use" (wissenschaftlich allgemein anerkannte medizinische Verwendung) ist leer. Ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel wird nach EU-Recht allein aufgrund langjähriger Anwendung registriert, nicht aufgrund klinischer Wirksamkeitsnachweise. Die Monographie formuliert die beiden Indikationen im Original so:
- „Traditional herbal medicinal product for the relief of minor articular pain." – Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Gelenkschmerzen.
- „Traditional herbal medicinal product to increase the amount of urine to achieve flushing of the urinary tract as an adjuvant in minor urinary complaints." – Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Steigerung der Harnmenge, um eine Durchspülung der Harnwege zu erreichen, begleitend bei leichten Beschwerden der Harnwege.
Die Monographie hält ausdrücklich fest, dass das Produkt in der genannten Indikation „exclusively based upon long-standing use" – also ausschließlich auf langjähriger Anwendung beruhend – eingesetzt wird. Ebenso ausdrücklich gilt sie nur für Erwachsene: Die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird nicht empfohlen.
Wichtig für die Einordnung: Diese Monographie betrifft das Blatt, nicht die Beere und nicht das Samenöl. Für Fruchtzubereitungen lässt sich daraus nichts ableiten.
Die Frucht in der überlieferten Volksmedizin
Die Beeren wurden früher als „Gichtbeeren", das Holz des Strauchs als „Gichtholz" bezeichnet; im Mittelhochdeutschen findet sich der Ausdruck gichtbeerbaum. Frucht und Holz wurden im Mittelalter zur Behandlung der damals als „Gicht" bezeichneten Beschwerden verwendet. Diese Namen sind kulturhistorisch interessant, aber ausdrücklich kein Beleg für eine Wirksamkeit – der Krankheitsbegriff des Mittelalters deckt sich nicht mit der heutigen Diagnose, und ein Wirksamkeitsnachweis liegt dafür nicht vor.
Praktisch bedeutsamer war und ist die Nutzung als Nahrungs- und Genussmittel: als Nektar und Limonade, als Gelee und Konfitüre, als Grundlage des Cassis-Sirups und -Likörs sowie in Deutschland für den „Aufgesetzten". Die frischen Blätter können von April bis Mai als Beigabe zu Kräuter- und Gemüsesuppen verwendet werden.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für Ribes nigrum als Pflanze oder Frucht ist in der Unionsliste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben – Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – kein Claim eingetragen. Aussagen wie „stärkt das Immunsystem" dürfen mit der Frucht als solcher deshalb nicht beworben werden.
Zulässig ist dagegen der Claim, der an den Nährstoff Vitamin C anknüpft. Sein Wortlaut in der deutschen Fassung der Unionsliste lautet: „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei". Die dazugehörige Bedingung ist ebenfalls wörtlich festgelegt: „Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Vitamin-C-Quelle gemäß der im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 aufgeführten Angabe [NAME DES VITAMINS/DER VITAMINE] UND/ODER [NAME DES MINERALSTOFFS/DER MINERALSTOFFE]-QUELLE erfüllen."
Hier liegt der entscheidende und oft übersehene Punkt: Der Claim hängt am Vitamin-C-Gehalt des fertigen Erzeugnisses, nicht an der Frucht. Als Vitaminquelle gilt ein Produkt, das eine signifikante Menge enthält; nach Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 sind das „15 % der Nährstoffbezugswerte … je 100 g oder 100 ml im Falle von anderen Erzeugnissen als Getränken" beziehungsweise „7,5 % … je 100 ml im Falle von Getränken". Der Referenzwert für Vitamin C beträgt 80 mg, die Schwelle für feste Lebensmittel also 12 mg je 100 g.
Konkret heißt das: Die frische Beere mit rund 181 mg je 100 g liegt weit über dieser Schwelle. Ein stark verdünnter Nektar, ein zuckerreicher Sirup oder ein Likör kann diese Schwelle dagegen deutlich unterschreiten – und darf den Claim dann nicht führen. Maßgeblich ist immer die Nährwertanalyse des konkreten Endprodukts, nicht der Ruf der Ausgangsfrucht.
Anwendung und Dosierung
Die folgenden Angaben für den Blattee entstammen der EMA/HMPC-Monographie und gelten für Erwachsene und ältere Menschen.
- Teeaufguss (zerkleinerte Droge), Indikation Gelenkschmerzen: Einzeldosis 2 bis 4 g der zerkleinerten Droge mit 200 ml kochendem Wasser als Aufguss, dreimal täglich; Tagesdosis 6 bis 12 g.
- Trockenextrakt (DEV 7:1, Auszugsmittel Wasser): Einzeldosis 170 mg, ein- bis dreimal täglich; Tagesdosis 170 bis 510 mg. Diese Zubereitung ist für beide Indikationen vorgesehen.
- Pulverisierte Droge: Einzeldosis 340 mg, drei- bis fünfmal täglich; Tagesdosis 1020 bis 1700 mg.
- Anwendungsdauer: Halten die Beschwerden bei Gelenkschmerzen länger als 4 Wochen, bei Harnwegsbeschwerden länger als 2 Wochen an, ist ärztlicher Rat einzuholen.
- Durchspülung: Damit die Harnmenge tatsächlich zunimmt, ist während der Anwendung eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erforderlich.
- Art der Anwendung: zum Einnehmen.
Für die Frucht gibt es keine arzneiliche Dosierung. Sie wird als Lebensmittel verzehrt – frisch, als Saft, Gelee oder Konfitüre. Das Samenöl wird üblicherweise in Kapselform angeboten; halten Sie sich hier an die Verzehrempfehlung des Herstellers und beachten Sie die Hinweise auf unserer Seite zur Gamma-Linolensäure. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.
Geschichte und Überlieferungen
Die Kulturgeschichte der Schwarzen Johannisbeere verläuft anders als die der meisten europäischen Heilpflanzen: Sie ist vergleichsweise jung. Während Brennnessel, Kamille oder Salbei bereits in antiken Schriften auftauchen, wurde Ribes nigrum in Mitteleuropa erst etwa ab dem 16. Jahrhundert planmäßig in Gärten kultiviert. Die mittelalterlichen Bezeichnungen „Gichtbeere" und „Gichtholz" belegen immerhin, dass die Pflanze schon davor als Heilmittel wahrgenommen wurde.
Eine Besonderheit ist die nordamerikanische Geschichte der Art. In den USA war der Anbau bis in die 1960er Jahre verboten – aus Angst vor der Verbreitung des Blasenrosts, einer Pilzkrankheit, bei der Johannisbeeren als Zwischenwirt dienen können. In manchen Bundesstaaten ist der Anbau bis heute eingeschränkt. Schätzungen zufolge hat nur etwa jeder tausendste Amerikaner überhaupt jemals Schwarze Johannisbeeren gegessen – ein bemerkenswerter Kontrast zu Europa, wo Cassis-Erzeugnisse zum kulinarischen Alltag gehören.
In Frankreich entwickelte sich aus der Frucht eine eigene Genusskultur: Der Cassis-Likör ist Bestandteil bekannter Aperitifs. Parallel dazu fand der Blütenknospenextrakt Eingang in die Parfümerie, wo bereits kleine Mengen eine unverwechselbare fruchtige Note erzeugen. Die arzneiliche Nutzung des Blattes wiederum wurde auf europäischer Ebene 2010 erstmals monographiert und 2017 nach systematischer Überprüfung bestätigt.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Die folgenden Angaben stammen aus der EMA/HMPC-Monographie zum Blatt und sind daher besonders belastbar. Für Frucht und Samenöl gelten sie nicht unmittelbar.
- Überempfindlichkeit: Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff ist eine Gegenanzeige.
- Eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr: Für die Durchspülungs-Indikation nennt die Monographie ausdrücklich als Gegenanzeige „conditions where reduced fluid intake is recommended (e.g. severe cardiac or renal disease)" – also Zustände, bei denen eine verringerte Flüssigkeitsaufnahme empfohlen wird, etwa schwere Herz- oder Nierenerkrankungen. Wer entwässernde Arzneimittel einnimmt oder unter Herz- oder Niereninsuffizienz leidet, sollte eine Durchspülungstherapie nur nach ärztlicher Rücksprache beginnen.
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: Die Anwendung ist mangels ausreichender Daten nicht belegt und wird nicht empfohlen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht belegt; mangels ausreichender Daten wird die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen. Zur Fertilität liegen keine Daten vor.
- Warnsymptome bei Gelenkbeschwerden: Gelenkschmerzen, die mit Schwellung, Rötung oder Fieber einhergehen, gehören ärztlich abgeklärt – hier ist Selbstbehandlung nicht angezeigt.
- Warnsymptome bei Harnwegsbeschwerden: Treten Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie), Krämpfe oder Blut im Urin auf, ist ärztlicher Rat einzuholen.
- Wechselwirkungen: Die Monographie vermerkt „None reported" – es sind keine Wechselwirkungen berichtet. Das ist eine Feststellung zur Berichtslage und keine Garantie der Unbedenklichkeit; bei Dauermedikation ist Rücksprache sinnvoll.
- Nebenwirkungen: Die Monographie führt „None known" auf und weist zugleich darauf hin, dass beim Auftreten unerwünschter Wirkungen ärztlicher Rat einzuholen ist. Präklinische Untersuchungen zu Reproduktionstoxizität, Genotoxizität und Kanzerogenität wurden nicht durchgeführt.
- Verwechslungsgefahr: Rote und Weiße Johannisbeeren sind eigene Sippen mit deutlich niedrigerem Vitamin-C-Gehalt (41 statt 181 mg je 100 g). Die Monographie gilt ausschließlich für Blätter von Ribes nigrum. Beim Sammeln hilft der charakteristische Geruch der schwarzfrüchtigen Art zur Unterscheidung.
- Samenöl: Für GLA-haltige Öle gelten eigene Hinweise; Personen mit Blutgerinnungsstörungen oder unter gerinnungshemmender Medikation sollten die Einnahme von Ölpräparaten ärztlich abklären.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Wie viel Vitamin C enthält die Schwarze Johannisbeere?
Die US-Nährwertdatenbank FoodData Central gibt für rohe schwarze Johannisbeeren 181 mg Vitamin C je 100 g an; die deutschsprachige Fachliteratur nennt gerundet rund 180 mg je 100 g. Rote und weiße Johannisbeeren kommen nur auf 41 mg je 100 g. Eine Besonderheit: Das Vitamin C der Schwarzen Johannisbeere wird beim Erhitzen während der Herstellung von Saft, Gelee oder Konfitüre nicht zerstört beziehungsweise nur unwesentlich vermindert.
Gibt es eine europäische Arzneimittel-Monographie zur Schwarzen Johannisbeere?
Ja – allerdings ausschließlich zum Blatt. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat am 19. September 2017 die Unionsmonographie zu Ribes nigrum L., folium (EMA/HMPC/745353/2016) angenommen. Der Status lautet ausschließlich traditional use, also traditionelle Anwendung; die Kategorie well-established use ist nicht belegt. Genannt werden zwei Indikationen: Linderung leichter Gelenkschmerzen sowie Steigerung der Harnmenge zur Durchspülung der Harnwege begleitend bei leichten Harnwegsbeschwerden. Für die Beere und für das Samenöl gibt es keine solche Monographie.
Darf man bei Johannisbeer-Produkten mit Vitamin C werben?
Für Ribes nigrum als Pflanze oder Frucht ist in der EU kein gesundheitsbezogener Claim zugelassen. Zulässig ist nur der nährstoffbezogene Claim zu Vitamin C, wörtlich: „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei". Er ist an den Vitamin-C-Gehalt des fertigen Erzeugnisses gebunden, nicht an die Ausgangsfrucht: Das Produkt muss die Mindestanforderungen an eine Vitamin-C-Quelle erfüllen, also mindestens 15 Prozent des Referenzwerts je 100 g (bei Getränken 7,5 Prozent je 100 ml) enthalten. Bei einem Referenzwert von 80 mg entspricht das 12 mg je 100 g.
Was macht das Samenöl der Schwarzen Johannisbeere besonders?
Das aus den Kernen gepresste Öl gehört zu den wenigen pflanzlichen Ölen mit nennenswertem Gehalt an Gamma-Linolensäure (GLA), einer Omega-6-Fettsäure. Eine Übersichtsarbeit von 2025 gibt für Schwarze-Johannisbeer-Samenöl 15 bis 20 Prozent GLA an, für Borretschöl 20 bis 27 Prozent und für Nachtkerzenöl 8 bis 14 Prozent. Damit liegt es zwischen den beiden bekannteren GLA-Quellen.
Quellen und weiterführende Informationen
- European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Ribes nigrum L., folium. EMA/HMPC/745353/2016, angenommen am 19. September 2017. Monographie (PDF, englisch) | Übersichtsseite der EMA
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission – Anhang (Unionsliste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben), Einträge „Vitamin C". Volltext auf EUR-Lex (deutsch)
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, konsolidierte Fassung – Anhang, Eintrag „[NAME DES VITAMINS/DER VITAMINE] UND/ODER [NAME DES MINERALSTOFFS/DER MINERALSTOFFE]-QUELLE". Konsolidierte Fassung auf EUR-Lex (deutsch)
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, konsolidierte Fassung – Anhang XIII (Referenzmengen und signifikante Mengen). Konsolidierte Fassung auf EUR-Lex (deutsch)
- U.S. Department of Agriculture, FoodData Central: „Currants, european black, raw" (SR Legacy, FDC-ID 173963) und „Currants, red and white, raw" (FDC-ID 173964). FoodData Central
- Pharmacognostic Evaluation and Antioxidant Profiling of Five Varieties of Ribes nigrum Grown in Romania. Plants (Basel) 2025; 14(11):1604. DOI: 10.3390/plants14111604. Volltext (PMC)
- Recent advances and future directions on GLA-producing organisms. Frontiers in Bioengineering and Biotechnology 2025. DOI: 10.3389/fbioe.2025.1567840. Volltext (PMC)
- Wikipedia: Schwarze Johannisbeere

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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