Acerola: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Acerola Kräutermax Naturheilmittel Lexikon

Botanik und Beschreibung

Die Acerola (Malpighia emarginata DC.), auch Acerolakirsche, Barbadoskirsche oder Westindische Kirsche genannt, ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Malpighiengewächse (Malpighiaceae). Mit Kirschen ist sie botanisch nicht verwandt – der Name bezieht sich nur auf das Aussehen der Früchte. In älterer Literatur findet sich die Pflanze auch unter den Namen Malpighia glabra oder Malpighia punicifolia.

Die Acerola stammt aus den tropischen und subtropischen Gebieten der Karibik, Mittelamerikas und des nördlichen Südamerika. Der dicht verzweigte Strauch wird meist zwei bis fünf Meter hoch und trägt kleine, glänzend grüne Blätter sowie zartrosa bis hellviolette Blüten. Daraus entwickeln sich kirschgroße, leuchtend rote, glänzende Früchte mit dünner Haut, saftigem, säuerlichem Fruchtfleisch und drei kantigen Samen. Die Pflanze kann mehrmals im Jahr blühen und fruchten.

Die reifen Früchte sind sehr druckempfindlich und verderben innerhalb weniger Tage. Frische Acerolas sind in Europa deshalb kaum erhältlich; verarbeitet werden sie zu Saft, Fruchtmark, Pulver oder Extrakt. Der wichtigste Anbau- und Exportstaat ist heute Brasilien, das einen eigenen Industriezweig für die Verarbeitung aufgebaut hat.

Inhaltsstoffe

Bekannt ist die Acerola vor allem für ihren außergewöhnlich hohen Gehalt an Vitamin C (Ascorbinsäure). Eine Übersichtsarbeit (Prakash und Baskaran, 2018) gibt für die Frucht 1.500 bis 4.500 Milligramm je 100 Gramm an – das 50- bis 100-Fache von Orangen oder Zitronen. Der tatsächliche Gehalt schwankt stark mit Sorte, Anbaugebiet und Reifegrad: Halbreife Früchte enthalten mehr Vitamin C als vollreife, und durch Lagerung, Hitze und Licht geht ein Teil verloren.

  • Vitamin C: mengenmäßig der wichtigste Inhaltsstoff; bereits wenige Gramm Fruchtpulver können den Tagesbedarf decken.
  • Carotinoide: darunter Beta-Carotin, das der Körper in Vitamin A umwandeln kann.
  • Anthocyane: rote Pflanzenfarbstoffe, die der reifen Frucht ihre Farbe geben.
  • Flavonoide und Phenolsäuren, etwa Quercetin-Verbindungen, mit antioxidativer Wirkung.
  • Pektin und Fruchtsäuren: Ballaststoffe und Säuren, die den säuerlichen Geschmack prägen.
  • Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium sowie geringe Mengen an B-Vitaminen.

Ob die Begleitstoffe die Aufnahme von Vitamin C verbessern, wird diskutiert. In einer kleinen Studie mit jungen Männern in Japan (Uchida und Kollegen, 2011) lag der Vitamin-C-Spiegel im Blut nach Acerolasaft tendenziell höher und die Ausscheidung über den Urin niedriger als nach reiner Ascorbinsäure in gleicher Menge. Belastbare Belege für eine deutlich bessere Wirkung von „natürlichem“ gegenüber synthetischem Vitamin C gibt es bislang nicht.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

Die genannten EU-Angaben gelten für Vitamin C, nicht für die Acerola als Pflanze. Sie dürfen für Lebensmittel verwendet werden, die eine nennenswerte Menge Vitamin C liefern. Für Acerola selbst gibt es keine eigene zugelassene Angabe.

Acerola, Immunsystem und Erkältungen

Vitamin C wird von Abwehrzellen in hoher Konzentration angereichert und für ihre Funktion benötigt. Bei einem Mangel steigt die Anfälligkeit für Infektionen. Ob eine zusätzliche Einnahme bei ausreichender Versorgung Erkältungen verhindert, hat eine Cochrane-Übersicht untersucht (Hemilä und Chalker, 2013): In der Allgemeinbevölkerung sank die Zahl der Erkältungen durch regelmäßige Einnahme nicht, die Dauer verkürzte sich jedoch leicht. Bei Menschen unter starker körperlicher Belastung, etwa Marathonläufern, halbierte sich das Erkältungsrisiko. Wer erst bei Beginn einer Erkältung mit der Einnahme startete, hatte keinen einheitlichen Nutzen. Mehr dazu unter Abwehrkräfte stärken.

Acerola und die Haut

Ohne Vitamin C kann der Körper kein stabiles Kollagen bilden – das Strukturprotein, das der Haut Festigkeit gibt. Eine ausreichende Versorgung ist daher für gesunde Haut wichtig. In der Kosmetik wird Acerolaextrakt wegen seines Vitamin-C-Gehalts eingesetzt. In Labor- und Tierversuchen zeigten Acerolaextrakte schützende Effekte gegenüber UV-Strahlung und eine aufhellende Wirkung auf Pigmentflecken; Studien am Menschen dazu fehlen bislang. Dass Acerola die Hautalterung sichtbar bremst, ist nicht belegt.

Acerola und der Darm

Als Frucht liefert Acerola Pektin und Fruchtsäuren. In Pulvern und Extrakten ist der Ballaststoffanteil allerdings gering. Größere Mengen Vitamin C wirken leicht abführend, weil nicht aufgenommene Ascorbinsäure Wasser im Darm bindet. Antioxidative und entzündungshemmende Effekte wurden vor allem im Labor beobachtet.

Anwendung und Dosierung

Erwachsene benötigen nach den Referenzwerten der EFSA täglich etwa 95 Milligramm (Frauen) bzw. 110 Milligramm (Männer) Vitamin C; Raucher haben einen höheren Bedarf. Diese Menge lässt sich mit Obst und Gemüse gut erreichen. Acerola bietet sich an, wenn die Ernährung zeitweise wenig frisches Obst und Gemüse enthält.

  • Pulver: in Wasser, Saft, Joghurt oder Müsli einrühren, nicht mit kochendem Wasser übergießen. Die Tagesmenge richtet sich nach dem angegebenen Vitamin-C-Gehalt auf der Packung, da dieser stark schwankt.
  • Kapseln und Lutschtabletten: nach Packungsangabe einnehmen.
  • Saft und Fruchtmark: enthalten je nach Verarbeitung deutlich weniger Vitamin C als Pulver.
  • Lagerung: trocken, kühl und lichtgeschützt, Packung gut verschließen.
  • Verteilung: Der Körper nimmt Vitamin C in kleineren Portionen über den Tag verteilt besser auf als in einer großen Einzeldosis.

Lutschtabletten mit Fruchtsäure sollten nicht dauerhaft im Mund behalten werden, da Säuren den Zahnschmelz angreifen können. Weitere Vitamin-C-reiche Früchte sind Hagebutte, Sanddorn und Camu Camu; zum Vergleich siehe auch Orange. Typische Anzeichen eines Mangels beschreibt die Seite Vitamin-C-Mangel.

Geschichte und Überlieferungen

In ihrer Heimat in der Karibik und in Mittelamerika wurden Acerolafrüchte seit langem frisch gegessen und zu Säften und Süßspeisen verarbeitet. In der Volksmedizin galten sie als Mittel bei Erkältungen, Fieber und Durchfall. Den Namen „Acerola“ gaben spanische Siedler der Frucht vermutlich wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Azarole, einer mediterranen Weißdornfrucht.

Wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhielt die Acerola um die Mitte des 20. Jahrhunderts, als Forscher in Puerto Rico ihren außergewöhnlich hohen Vitamin-C-Gehalt beschrieben. Danach wurde sie in Florida, Hawaii und vor allem in Brasilien in größerem Stil angebaut. Seit einigen Jahrzehnten ist sie als natürliche Vitamin-C-Quelle in Säften, Lebensmitteln und Nahrungsergänzungen weltweit verbreitet.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

In üblichen Mengen gilt Acerola als gut verträglich. Zu beachten sind vor allem die Folgen sehr hoher Vitamin-C-Mengen:

  • Magen und Darm: Hohe Mengen können Sodbrennen, Bauchkrämpfe und Durchfall auslösen, besonders bei empfindlichem Magen.
  • Nierensteine: Hochdosiertes Vitamin C wird teilweise zu Oxalat abgebaut. Wer zu Nierensteinen neigt oder eine Nierenerkrankung hat, sollte hochdosierte Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
  • Eisenspeicherkrankheit: Da Vitamin C die Eisenaufnahme steigert, sollten Menschen mit Hämochromatose oder anderen Eisenüberladungen keine hochdosierten Präparate verwenden.
  • Allergie: Allergische Reaktionen auf Acerola sind selten, aber in Einzelfällen beschrieben. Bei Hautausschlag, Juckreiz oder Atembeschwerden absetzen.
  • Medikamente und Laborwerte: Hohe Vitamin-C-Mengen können manche Labortests, etwa Blutzucker- oder Harnteststreifen, verfälschen. Vor Blutabnahmen die Einnahme erwähnen. Wer Medikamente einnimmt, sollte hochdosierte Präparate ärztlich abstimmen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Acerola als Lebensmittel ist unbedenklich; hochdosierte Nahrungsergänzungen nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Kinder: Präparate für Erwachsene sind wegen des hohen Vitamin-C-Gehalts nicht für Kinder gedacht; hier nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt dosieren.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Welche Wirkung hat Acerola auf die Haut?
    Acerola ist eine der reichsten natürlichen Vitamin-C-Quellen. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Haut bei und schützt die Zellen vor oxidativem Stress.
  2. Hat Acerola Nebenwirkungen?
    In üblichen Mengen gilt Acerola als gut verträglich. Sehr hohe Vitamin-C-Mengen können Durchfall und Magenbeschwerden auslösen; Menschen mit Neigung zu Nierensteinen sollten hochdosierte Präparate ärztlich abklären.
  3. Wie wirkt Acerola auf den Darm?
    Als Frucht liefert Acerola Ballaststoffe und Fruchtsäuren, die die Verdauung anregen können. In hoher Dosierung wirkt Vitamin C leicht abführend, weil nicht aufgenommenes Vitamin C Wasser im Darm bindet.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.