Quendel (Wilder Thymian): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
Botanik und Beschreibung
Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum L.) ist ein niedrig wachsender, aromatischer Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er wächst auf sonnigen, trockenen Wiesen, an Wegrändern und in Heiden ganz Mitteleuropas. Der Quendel ist eng verwandt mit dem Küchentymian (Thymus vulgaris), hat aber einen feineren, blumigeren Duft. Charakteristisch sind die kriechenden Stiele und die kleinen lila-rosa Blüten.
- Familie: Lamiaceae (Lippenblütler)
- Volksname: Quendel, Wilder Thymian, Feldthymian, Kudelkraut
- Verwendete Teile: Blühendes Kraut (getrocknet)
Inhaltsstoffe
- Ätherisches Öl: 0,5–1,5 %, hauptsächlich Thymol, Carvacrol, p-Cymol
- Flavonoide: Luteolin, Apigenin, Thymonin
- Gerb- und Bitterstoffe
- Ursolsäure, Oleanoläure (Triterpensäuren)
Volksmedizinische Anwendungsgebiete
- Atemwege: Volksmedizinisch und in der Phytotherapie als expektorierendes (schleimlösendes) und bronchospasmolytisches Mittel bei Husten und Erkältungen eingesetzt. Ähnliche Eigenschaften wie Küchentymian.
- Antibakteriell: Thymol aus ätherischem Öl wurde auf antimikrobielle Eigenschaften untersucht.
- Verdauung: Volksmedizinisch bei Blähungen und Verdauungsbeschwerden als Tee eingesetzt.
- Wunden: Volksmedizinisch äußerlich bei kleinen Wunden.
Anwendung und Dosierung
- Tee: 1–2 Teelöffel (1,5–3 g) getrocknetes Kraut auf 150 ml kochendes Wasser; 5–10 Minuten ziehen lassen; 2–3 Tassen täglich
- Inhalation: Dampfinhalation mit Quendelkraut bei Atemwegsbeschwerden
- Volksmedizinisch: Kann frisch gesammelt werden (April–Oktober)
Verwendung in der Drogerie
In Drogerien und Naturkostläden ist Quendel in verschiedenen Formen erhältlich: als getrocknetes Kraut für Tee, als ätherisches Öl und als Tinktur. Traditionell findet er sich außerdem als Bestandteil von Kräuterteemischungen für die Atemwege sowie in Pflegeprodukten für die Haut.
Geschichte und Überlieferungen
Quendel war eine der wichtigsten Heilpflanzen der germanischen und keltischen Volksmedizin. In mittelalterlichen Klostergärten war er unentbehrlich. Hildegard von Bingen (12. Jh.) lobte ihn bei Husten und Atemwegsleiden. Der Name „Quendel“ leitet sich vom lateinischen „quendula“ (Wilder Thymian) ab.
Bereits im Altertum wurde Quendel von Ägyptern, Griechen und Römern sowohl in der Küche als auch als Heilkraut verwendet. Im mittelalterlichen Europa galt er zudem als Schutzkraut und wurde traditionell eingesetzt, um Lebensmittel länger frisch zu halten.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Schwangerschaft: In medizinischen Mengen (als Tee in normalen Dosen) gängig; große Mengen nicht empfohlen
- Generell gut verträglich bei üblichen Teemengen
- Bei bekannter Allergie gegen Lippenblütler (Lamiaceae) ist Vorsicht angeraten
- Ätherisches Quendelöl niemals unverdünnt auf die Haut auftragen – es kann Hautreizungen verursachen
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Quendel und Thymian?
Quendel (Thymus serpyllum) ist der Wilde Thymian, der kleiner und kriechend wächst. Küchentymian (Thymus vulgaris) ist die kultivierte Form mit höherem ätherischem Ölgehalt. Beide haben ähnliche volksmedizinische Eigenschaften.
Wofür wird Quendel volksmedizinisch eingesetzt?
Vor allem bei Atemwegsbeschwerden wie Husten und Bronchialkatarrh als Tee. Auch bei Verdauungsbeschwerden und äußerlich bei kleinen Wunden.
Wie bereite ich Quendeltee zu?
Gießen Sie heißes Wasser über einen Teelöffel getrockneten Quendel und lassen Sie ihn fünf bis zehn Minuten ziehen. Anschließend abseihen und genießen.
Gibt es bekannte Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Bisher sind keine signifikanten Wechselwirkungen mit Medikamenten bekannt. Dennoch ist es ratsam, Ihren Arzt zu konsultieren, wenn Sie Medikamente einnehmen.
Kann Quendelöl äußerlich angewendet werden?
Ätherisches Quendelöl wird volksmedizinisch äußerlich angewendet. Es sollte jedoch niemals unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden, da es Hautreizungen verursachen kann.
Quellen und weiterführende Informationen
- Jalil B et al. (2024): Wild thyme (Thymus serpyllum L.): a review of the current evidence of nutritional and preventive health benefits. Front Nutr 11:1380962. -> PubMed PMID 38846542
- HMPC (2007): Community herbal monograph on Thymus serpyllum. EMA/HMPC/434/2005.
- Wikipedia: Sand-Thymian (Quendel)
- Wikipedia (EN): Thymus serpyllum (Wild Thyme)
- PMC: Ethnobotanical, Phytochemical, and Pharmacological Study of Thymus serpyllum L. (Review)
- PMC: Wild thyme (Thymus serpyllum L.) – Nutritional and Preventive Health Benefits (Review, 2024)
- PMC: Comprehensive review on phytochemistry, pharmacology and toxicology of Thymus serpyllum (2024)

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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