Mangan: Wirkung, Mangel, Symptome & Vorkommen

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Herkunft und Beschreibung

Mangan (chemisches Zeichen Mn) ist ein Metall und ein für den Menschen lebenswichtiges Spurenelement. „Spurenelement“ bedeutet, dass der Körper nur sehr kleine Mengen benötigt – wenige Milligramm am Tag –, auf diese aber nicht verzichten kann, weil er Mangan nicht selbst herstellen kann. Der Körper eines Erwachsenen enthält insgesamt nur etwa 10 bis 40 mg Mangan, vor allem in Knochen, Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse.

In der Natur kommt Mangan nicht in reiner Form vor, sondern in Mineralen wie dem Braunstein. Pflanzen nehmen es aus dem Boden auf und brauchen es selbst für die Photosynthese. Deshalb sind vor allem pflanzliche Lebensmittel gute Manganlieferanten. Technisch wird Mangan in großen Mengen für die Stahlherstellung verwendet – ein Bereich, in dem das Einatmen von Manganstaub ein bekanntes Gesundheitsrisiko darstellt.

Aufbau und Wirkungsweise im Körper

Mangan wirkt als Bestandteil oder Aktivator zahlreicher Enzyme. Wichtige Beispiele sind:

  • Mangan-Superoxiddismutase (MnSOD): ein Schutzenzym in den Mitochondrien, das aggressive Sauerstoffradikale unschädlich macht und so die Zellen vor oxidativem Stress schützt.
  • Arginase: ein Enzym des Harnstoffzyklus, mit dem die Leber stickstoffhaltige Abbauprodukte entgiftet.
  • Pyruvat-Carboxylase: wichtig für die Neubildung von Traubenzucker in der Leber und damit für den Energiestoffwechsel.
  • Glykosyltransferasen: Enzyme, die für den Aufbau von Knorpel, Knochen und Bindegewebe nötige Zucker-Eiweiß-Verbindungen (Proteoglykane) herstellen.
  • Prolidase: ein manganabhängiges Enzym, das die Aminosäure Prolin aus Eiweißen zurückgewinnt, die unter anderem für das Kollagen gebraucht wird.

Aus der Nahrung werden nur wenige Prozent des Mangans aufgenommen – nach aktuellen Übersichten weniger als 10 Prozent. Die Aufnahme steigt, wenn die Eisenspeicher leer sind, und sinkt bei hoher Zufuhr von Eisen, Calcium oder Phytinsäure aus Getreide. Überschüssiges Mangan scheidet die Leber über die Galle aus. Diese fein abgestimmte Regulation schützt den Körper normalerweise vor Mangel ebenso wie vor Überladung.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Knochen: Mangan trägt laut zugelassener EU-Angabe zur Erhaltung normaler Knochen bei; ein Schutz vor Osteoporose durch Mangan allein ist nicht belegt.
  • Zellschutz: Als Teil der Superoxiddismutase trägt Mangan zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei (zugelassene EU-Angabe); mehr unter Zellschutz vor freien Radikalen.
  • Energiestoffwechsel: Mangan trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei (zugelassene EU-Angabe); ein „Ankurbeln“ des Stoffwechsels über den Bedarf hinaus ist nicht belegt.
  • Bindegewebe: Mangan trägt zu einer normalen Bindegewebsbildung bei (zugelassene EU-Angabe) und ist damit auch an der Wundheilung beteiligt.
  • Blutzucker: Mangan wird für den Zuckerstoffwechsel gebraucht; dass Mangangaben bei Diabetes helfen, ist nicht belegt.

Mangan und Knochen

Mangan wird für den Aufbau der Knorpel- und Knochengrundsubstanz benötigt. Im Tierversuch führt ein Manganmangel zu Skelettveränderungen und Wachstumsstörungen. Studien am Menschen, in denen Mangan zusammen mit Calcium, Zink und Kupfer gegeben wurde, lassen keine Aussage über die Wirkung von Mangan allein zu. Für gesunde Knochen sind eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß, Bewegung und der Verzicht auf Rauchen wesentlich wichtiger.

Entzündungen und Gelenke

Über die Superoxiddismutase ist Mangan Teil der körpereigenen Abwehr gegen oxidativen Stress, der bei Entzündungen eine Rolle spielt. Daraus folgt aber nicht, dass zusätzliches Mangan Entzündungen hemmt. Bei Gelenkbeschwerden wurde Mangan meist in Kombination mit Glucosamin und Chondroitin untersucht; welchen Anteil Mangan an den beobachteten Effekten hat, ist offen. Bei einer entzündlichen Gelenkerkrankung wie Arthritis ersetzt es keine ärztliche Behandlung.

Wirkt Mangan auf die Psyche?

Eine stimmungsaufhellende oder beruhigende Wirkung zusätzlicher Mangangaben ist nicht belegt. Bekannt ist dagegen die Kehrseite: Ein Überschuss an Mangan, etwa durch jahrelanges Einatmen von Manganstaub im Bergbau oder beim Schweißen, schädigt das Gehirn. Am Beginn dieses sogenannten Manganismus stehen oft psychische Veränderungen wie Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, im Extremfall Halluzinationen und Psychosen; später folgen Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen.

Vorkommen in Lebensmitteln

Mangan ist in pflanzlichen Lebensmitteln weit verbreitet. Besonders reich sind:

  • Getreide und Vollkorn: Weizenkeime, Haferflocken, Roggenvollkornbrot, Naturreis
  • Nüsse und Samen: Haselnüsse, Pekannüsse, Leinsamen, Kürbiskerne
  • Hülsenfrüchte: Sojabohnen, Linsen, Bohnen
  • Getränke: Schwarzer Tee ist für viele Teetrinker eine der wichtigsten Manganquellen
  • Obst und Gemüse: Heidelbeeren, Ananas, Spinat und anderes grünes Blattgemüse
  • Tierische Lebensmittel enthalten meist wenig Mangan; Ausnahmen sind Muscheln.

Auch Trinkwasser kann – je nach Region und Grundwasser – Mangan enthalten. Bei Hausbrunnen lohnt eine Wasseranalyse.

Bedarf und Mangel

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2013 für Erwachsene eine angemessene Zufuhr von 3 mg Mangan pro Tag festgelegt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Schätzwert für Erwachsene 2 bis 5 mg täglich. Mit einer gemischten Kost, die Vollkorn, Nüsse und Hülsenfrüchte enthält, wird diese Menge in Europa üblicherweise erreicht; die durchschnittliche Zufuhr liegt bei etwa 2 bis 6 mg pro Tag.

Manganmangel: Symptome

Ein Manganmangel ist beim Menschen sehr selten und gilt in Europa nicht als Problem der öffentlichen Gesundheit. Was über die Folgen bekannt ist, stammt vor allem aus Tierversuchen und wenigen Studien mit gezielt manganarmer Kost. Beobachtet wurden:

  • Hautveränderungen, etwa ein feiner, juckender Ausschlag
  • Veränderungen im Fett- und Cholesterinstoffwechsel
  • Störungen im Zuckerstoffwechsel
  • im Tierversuch Knochen- und Knorpelveränderungen, Wachstumsstörungen und Fruchtbarkeitsprobleme

Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Muskelschwäche oder Konzentrationsprobleme haben fast immer andere Ursachen. Einen Manganstatus kann man mit einfachen Blutwerten zudem nur unzuverlässig bestimmen.

Anwendung und Dosierung

  • Ernährung zuerst: Für gesunde Menschen ist eine Ergänzung in der Regel nicht notwendig.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Mangan ist meist in Multimineralpräparaten in geringen Mengen enthalten. Die angegebene Tagesverzehrmenge nicht überschreiten und nicht mehrere manganhaltige Präparate kombinieren.
  • Abstand zu anderen Mineralstoffen: Hoch dosiertes Eisen oder Calcium kann die Manganaufnahme verringern und umgekehrt.
  • Medizinische Anwendung: Bei künstlicher Ernährung über die Vene wird die Manganzufuhr ärztlich gesteuert und überwacht.

Geschichte und Überlieferungen

Braunstein, ein manganhaltiges Mineral, wurde schon in prähistorischer Zeit als schwarzes Farbpigment für Höhlenmalereien verwendet und später zum Entfärben von Glas. Als Element erkannte es 1774 der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele; im selben Jahr stellte sein Landsmann Johan Gottlieb Gahn erstmals metallisches Mangan her. Der Name leitet sich von der lateinischen Bezeichnung „magnesia nigra“ für Braunstein ab. Dass Mangan für Tiere lebensnotwendig ist, zeigten Fütterungsversuche in den 1930er-Jahren; die Bedeutung für den Menschen wurde erst im Laufe des 20. Jahrhunderts genauer erforscht. Eine traditionelle Verwendung als Heilmittel gibt es nicht.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Überdosierung: Über die Nahrung ist eine Überdosierung praktisch nicht möglich. Riskant sind Manganstaub am Arbeitsplatz, stark belastetes Trinkwasser, langfristige künstliche Ernährung und hoch dosierte Präparate. Da die Zufuhr über die Nahrung meist schon ausreicht, raten Behörden bei manganhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln zur Zurückhaltung.
  • Lebererkrankungen: Weil Mangan über die Galle ausgeschieden wird, kann es sich bei Leberzirrhose oder Gallestau anreichern. Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Eisenmangel: Bei Eisenmangel wird mehr Mangan aufgenommen – ein Grund mehr, bei Eisenmangel keine zusätzlichen Manganpräparate einzunehmen.
  • Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit: Mangan aus Lebensmitteln ist unbedenklich und notwendig. Manganpräparate nur auf ärztliche Empfehlung, da sich das Nervensystem von Kindern noch entwickelt.
  • Medikamente: Mineralstoffpräparate können die Aufnahme bestimmter Antibiotika wie Tetrazykline oder Chinolone vermindern; einige Stunden Abstand halten. Magnesiumhaltige Säurebinder und Abführmittel können umgekehrt die Manganaufnahme verringern.
  • Andere Spurenelemente: Mangan steht in Wechselwirkung mit Eisen, Zink, Kupfer und Magnesium; einseitig hoch dosierte Einzelpräparate können dieses Gleichgewicht stören.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für Mangan sind in der EU vier gesundheitsbezogene Angaben zugelassen: Mangan trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur Erhaltung normaler Knochen, zu einer normalen Bindegewebsbildung und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei. Diese Angaben setzen eine ausreichende Versorgung voraus und bedeuten nicht, dass höhere Mengen zusätzlichen Nutzen bringen.

Häufige Fragen und Antworten

  1. In welchen Lebensmitteln ist Mangan enthalten?
    Mangan kommt in Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Nüssen, Tee, Hülsenfrüchten und grünem Blattgemüse vor.
  2. Wie viel Mangan benötigt der Körper?
    Die EFSA hat für Erwachsene eine angemessene Zufuhr von 3 mg Mangan pro Tag festgelegt; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Schätzwert 2 bis 5 mg täglich. Mit einer gemischten Kost mit Vollkorn, Nüssen und Hülsenfrüchten wird diese Menge üblicherweise erreicht.
  3. Kann Manganmangel auftreten?
    Ein Manganmangel ist beim Menschen sehr selten und in Europa kein Problem der öffentlichen Gesundheit, weil Mangan in pflanzlichen Lebensmitteln reichlich vorkommt. Beschrieben wurde er vor allem in Studien mit gezielt manganarmer Kost.
  4. Gibt es Wechselwirkungen zwischen Mangan und Medikamenten?
    Mineralstoffpräparate können die Aufnahme bestimmter Antibiotika wie Tetrazykline oder Chinolone vermindern, daher einige Stunden Abstand halten. Hoch dosiertes Eisen oder Calcium sowie magnesiumhaltige Säurebinder können die Manganaufnahme verringern. Bei Dauermedikation ärztlich beraten lassen.
  5. Ist Mangan für Kinder sicher?
    Mangan aus Lebensmitteln ist für Kinder unbedenklich und notwendig. Manganhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten Kinder nur auf ärztliche Empfehlung erhalten, da ein Überschuss das sich entwickelnde Nervensystem belasten kann.
  6. Welche Wirkung hat Mangan?
    Laut zugelassenen EU-Angaben trägt Mangan zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur Erhaltung normaler Knochen, zu einer normalen Bindegewebsbildung und zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei.
  7. Welche Symptome hat ein Manganmangel?
    Ein Manganmangel ist sehr selten, da Mangan in Vollkorn, Nüssen, Hülsenfrüchten und Tee reichlich vorkommt. In Studien mit gezielt manganarmer Kost wurden Hautveränderungen und Störungen im Fettstoffwechsel beobachtet, im Tierversuch auch Knochenveränderungen.
  8. Wirkt Mangan auf die Psyche?
    Eine Wirkung zusätzlicher Mangangaben auf die Psyche ist nicht belegt. Zu viel Mangan, etwa durch Einatmen am Arbeitsplatz, kann dagegen das Nervensystem schädigen; die empfohlene Zufuhr sollte daher nicht dauerhaft deutlich überschritten werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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