Kakaobohne: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Kakaobohne Bild Lexikon

Botanik und Beschreibung

Die Kakaobohne ist der Samen des Kakaobaums (Theobroma cacao L.). Der Gattungsname bedeutet wörtlich „Götterspeise“ (griechisch theos = Gott, broma = Speise); vergeben hat ihn Carl von Linné im 18. Jahrhundert. Der Kakaobaum gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und stammt aus dem tropischen Regenwald Mittel- und Südamerikas, vermutlich aus dem oberen Amazonasgebiet.

Der immergrüne Baum wird in Kultur meist vier bis acht Meter hoch und wächst bevorzugt im Schatten größerer Bäume. Er braucht ein gleichmäßig warmes, feuchtes Klima und gedeiht daher nur im Gürtel rund um den Äquator. Eine Besonderheit ist die sogenannte Stammblütigkeit: Die kleinen, weißlich-rosa Blüten und später die Früchte wachsen direkt am Stamm und an dicken Ästen. Die gurkenförmigen, gelb bis rotbraun gefärbten Früchte („Kakaoschoten“) werden 15 bis 30 Zentimeter lang und enthalten 20 bis 50 Samen, eingebettet in ein süßlich-säuerliches, weißes Fruchtfleisch (Pulpa).

Heute wird Kakao weltweit in den Tropen angebaut; die größten Erzeugerländer liegen in Westafrika (vor allem Côte d’Ivoire und Ghana), daneben in Südostasien (etwa Indonesien) und Lateinamerika.

Vom Samen zur Kakaobohne

Frisch aus der Frucht sind die Samen bitter, adstringierend und ohne das typische Kakaoaroma. Dieses entsteht erst durch die Verarbeitung: Die Samen werden mit dem Fruchtfleisch einige Tage fermentiert, anschließend getrocknet und meist geröstet. Danach werden Schalen entfernt, die Bohnen zu „Kakaonibs“ gebrochen und zu Kakaomasse vermahlen. Durch Pressen trennt man die Masse in Kakaobutter und Kakaopulver. Viele Kakaopulver werden zusätzlich „alkalisiert“, um Farbe und Geschmack milder zu machen – dabei geht ein erheblicher Teil der Flavanole verloren. Auch sogenannter „Rohkakao“ ist in aller Regel fermentiert, lediglich nicht oder nur schonend geröstet.

Inhaltsstoffe

  • Flavanole: vor allem Epicatechin und Catechin sowie deren Verbindungen (Procyanidine). Kakao zählt zu den flavanolreichsten Lebensmitteln; der Gehalt hängt stark von Sorte, Fermentation, Röstung und Alkalisierung ab. Sie gehören zu den Flavonoiden und damit zur großen Gruppe der Polyphenole.
  • Theobromin: das mengenmäßig wichtigste Methylxanthin (ein Alkaloid) der Kakaobohne, chemisch eng mit Koffein verwandt, aber deutlich milder anregend.
  • Koffein: in geringerer Menge als Theobromin; siehe Koffein.
  • Kakaobutter: rund die Hälfte der Bohne ist Fett. Es besteht zu etwa gleichen Teilen aus Stearinsäure, Palmitinsäure (beide gesättigt) und Ölsäure (einfach ungesättigt). Stearinsäure gilt als weitgehend neutral für den Cholesterinspiegel.
  • Mineralstoffe: Kakao ist eine gute Quelle für Magnesium, Eisen, Zink, Kupfer und Mangan.
  • Ballaststoffe und Eiweiß: besonders im entölten Kakaopulver in nennenswerter Menge.
  • Anandamid und Phenylethylamin (PEA): Stoffe, die auch im menschlichen Gehirn als Botenstoffe vorkommen; in Kakao nur in Spuren, die für eine messbare Wirkung nach heutigem Wissen nicht ausreichen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Blutgefäße und Blutfluss – für flavanolreiche Kakaoerzeugnisse ist in der EU ein Health Claim zugelassen: Kakaoflavanole tragen zur Aufrechterhaltung der Elastizität der Blutgefäße bei, was einen normalen Blutfluss unterstützt.
  • Herz-Kreislauf – in Studien Hinweise auf leicht günstige Effekte auf Blutdruck und Gefäßfunktion; eine große Langzeitstudie konnte Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt jedoch nicht signifikant senken.
  • Gehirn und Gedächtnis – Kakaoflavanole werden auf Effekte auf Durchblutung und kognitive Leistung untersucht; die Ergebnisse sind bisher uneinheitlich.
  • Stimmung und Wohlbefinden – volksmedizinisch und kulturell als stimmungshebendes Genussmittel geschätzt; der Genuss selbst und das Theobromin dürften hier mehr beitragen als die Spurenstoffe.
  • Kräftigung – bei Maya und Azteken als nahrhaftes Kraftgetränk überliefert, in Europa lange als stärkendes Getränk für Kranke und Genesende verwendet.

Was der zugelassene Health Claim genau besagt

Die EU hat 2014 die Angabe zugelassen, dass Kakaoflavanole zur Aufrechterhaltung der Elastizität der Blutgefäße beitragen. Grundlage war eine Bewertung der EFSA zur sogenannten endothelabhängigen Gefäßerweiterung. Die Angabe gilt für eine tägliche Aufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen, die etwa aus 2,5 g flavanolreichem Kakaopulver oder 10 g flavanolreicher dunkler Schokolade stammen können. Wichtig ist das Wort „flavanolreich“: Gewöhnliche Schokolade oder alkalisierter Kakao enthalten oft deutlich weniger Flavanole. Eine Aussage zur Blutdrucksenkung umfasst der Claim nicht.

Kakao und Herz-Kreislauf-Gesundheit

Mehrere kleinere Studien und Meta-Analysen zeigten, dass Kakaoflavanole den Blutdruck leicht senken und die Gefäßfunktion verbessern können. Die große amerikanische COSMOS-Studie mit über 21.000 älteren Erwachsenen prüfte einen Kakaoflavanol-Extrakt über mehrere Jahre: Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt wurden nicht signifikant seltener, bei den Todesfällen aus Herz-Kreislauf-Ursachen zeigte sich als Nebenergebnis ein günstiger Trend. Kakao ist damit ein interessanter Baustein einer herzgesunden Ernährung, aber kein Ersatz für Behandlung und Vorsorge bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gefäßverkalkung.

Anwendung und Dosierung

  • Kakaopulver: Für die Flavanolaufnahme eignet sich nicht alkalisiertes, schwach entöltes Kakaopulver am besten. Es lässt sich mit Milch, Pflanzendrinks, Joghurt oder Haferflocken verrühren. Ohne Zucker zubereitet bleibt der Kakaogenuss eine sinnvolle Ergänzung.
  • Dunkle Schokolade: Je höher der Kakaoanteil (etwa 70 Prozent und mehr), desto mehr Flavanole und desto weniger Zucker. Wegen des hohen Energiegehalts empfiehlt sich eine kleine Tagesportion, etwa ein bis zwei Rippen.
  • Kakaonibs: gebrochene, geschälte Kakaobohnen; herb-bitter im Geschmack, als Topping für Müsli, Joghurt oder Gebäck.
  • Kakaoschalentee: Die gerösteten Schalen der Bohne werden traditionell als mild schokoladig schmeckender Aufguss zubereitet; er enthält wenig Theobromin.
  • Kakaobutter äußerlich: Sie schmilzt bei Körpertemperatur und wird traditionell zur Pflege trockener Haut und Lippen verwendet.
  • Kakaoextrakte: standardisierte Flavanol-Extrakte nach Packungsangabe.

Geschichte und Überlieferungen

Rückstände in alten Keramikgefäßen aus Südamerika, unter anderem aus Ecuador, zeigen, dass Kakao dort bereits vor rund 5.000 Jahren genutzt wurde. In Mittelamerika war er seit mehr als 3.000 Jahren ein Kultur- und Kultgetränk – zunächst bei den Olmeken, später bei Maya und Azteken. Das Wort „Kakao“ geht auf das Maya-Wort kakaw zurück. Getrunken wurde ein bitteres, oft mit Chili, Vanille oder Maismehl gewürztes und aufgeschäumtes Getränk. Bei den Azteken dienten Kakaobohnen zugleich als Zahlungsmittel und als Tributgabe.

Mit den spanischen Eroberern um Hernán Cortés gelangte Kakao im 16. Jahrhundert nach Europa. Am spanischen Hof wurde er mit Zucker gesüßt und verbreitete sich von dort an die europäischen Fürstenhöfe – auch nach Wien, wo die Trinkschokolade im Barock zum Getränk des Adels wurde. Lange galt Kakao als Arznei- und Stärkungsmittel und wurde in Apotheken verkauft. Im 19. Jahrhundert ermöglichte die Kakaopresse die Trennung von Kakaobutter und Kakaopulver; daraus entstanden das leicht lösliche Kakaopulver und schließlich die feste Tafelschokolade.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Anregende Wirkung: Theobromin und Koffein können bei empfindlichen Menschen Unruhe, Herzklopfen oder Schlafstörungen verursachen – größere Mengen am Abend meiden.
  • Migräne: Schokolade wird häufig als Migräne-Auslöser genannt. Teilweise ist der Heißhunger auf Süßes aber schon ein Vorbote der Attacke; wer einen Zusammenhang beobachtet, führt am besten ein Kopfschmerztagebuch.
  • Sodbrennen: Kakao und Schokolade können bei Neigung zu Sodbrennen die Beschwerden verstärken.
  • Nierensteine: Kakao ist oxalatreich. Bei Neigung zu oxalathaltigen Nierensteinen nur in Maßen genießen.
  • Schwermetalle: Kakao kann je nach Anbaugebiet Cadmium aus dem Boden enthalten; die EU hat dafür Höchstgehalte festgelegt. Eine abwechslungsreiche Auswahl und maßvolle Mengen sind sinnvoll, besonders bei Kindern.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: In üblichen Genussmengen unbedenklich; der Koffein- und Theobromingehalt sollte bei der täglichen Gesamtaufnahme anregender Getränke mitgezählt werden.
  • Kinder: Wegen der anregenden Stoffe und des Zuckergehalts handelsüblicher Produkte nur in kleinen Mengen.
  • Wechselwirkungen: Wie bei anderen koffeinhaltigen Lebensmitteln können sich anregende Effekte mit Koffein, Mate oder Guarana addieren. Wer Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen oder MAO-Hemmer einnimmt, sollte größere Mengen ärztlich abklären.
  • Allergien: Echte Kakaoallergien sind selten; häufiger reagieren Menschen auf Begleitzutaten von Schokolade wie Milch, Nüsse oder Soja.
  • Haustiere: Theobromin wird von Hunden und Katzen nur sehr langsam abgebaut und ist für sie giftig. Schokolade und Kakaoprodukte gehören nicht in Reichweite von Haustieren.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für Kakaoflavanole ist in der EU eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen: Sie tragen zur Aufrechterhaltung der Elastizität der Blutgefäße bei, was einen normalen Blutfluss unterstützt. Die Angabe gilt nur für Erzeugnisse, die eine tägliche Aufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen ermöglichen. Darüber hinausgehende Aussagen, etwa zur Stimmung oder zum Gedächtnis, sind nicht zugelassen. Für Kakaoerzeugnisse gelten außerdem eigene EU-Vorschriften zu Bezeichnung und Zusammensetzung sowie Höchstgehalte für Cadmium.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was sind Kakaoflavanole?

Kakaoflavanole (insbesondere Epicatechin und Catechin) sind Pflanzenstoffe aus der Klasse der Flavonoide. Sie kommen natürlich in der Kakaobohne vor und sind für den größten Teil der gesundheitlichen Eigenschaften von Kakao verantwortlich.

Was ist der Unterschied zwischen Kakao und Schokolade?

Rohkakao ist die Kakaobohne in getrocknetem und fermentiertem Zustand. Schokolade ist ein verarbeitetes Produkt aus Kakaobohnen mit Zuckerzätz, bei dem je nach Sorte unterschiedlich viele Flavanoide erhalten bleiben. Dunkle Schokolade (≥70 % Kakaogehalt) hat den höchsten Flavanolgehalt.

Kann man Kakaobohnen roh essen?

Geschälte Kakaobohnen und Kakaonibs lassen sich pur, im Müsli oder in Smoothies essen und schmecken herb-bitter. Sie enthalten Theobromin und etwas Koffein, größere Mengen können daher Unruhe oder Herzklopfen auslösen. Da Kakao je nach Herkunft Cadmium enthalten kann, empfiehlt sich ein maßvoller Verzehr.

Quellen und weiterführende Informationen


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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