Weizenkeimöl: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Herkunft und Beschreibung
Weizenkeimöl wird aus dem Keimling (Germen) des Weizenkorns (Triticum aestivum L.) gewonnen. Der Keimling ist der Teil des Korns, aus dem bei der Keimung die neue Pflanze wächst. Er macht nur etwa zwei bis drei Prozent des Korns aus, ist aber besonders reich an Fett, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Beim Mahlen von Weißmehl wird der Keimling abgetrennt, weil sein Fett das Mehl rasch ranzig werden ließe – Weizenkeime fallen daher als Nebenprodukt der Müllerei an.
Aus den Keimen wird das Öl entweder durch Kaltpressung oder durch Extraktion mit anschließender Raffination gewonnen. Weil der Fettgehalt der Keime vergleichsweise gering ist, ist die Ausbeute niedrig; kaltgepresstes Weizenkeimöl ist deshalb ein eher hochpreisiges Öl. Es hat eine goldgelbe bis bräunliche Farbe, einen kräftigen, getreideartigen Geruch und schmeckt nussig-würzig. Raffiniertes Öl ist heller und geschmacksneutraler, enthält aber weniger der empfindlichen Begleitstoffe.
Weizenkeimöl gehört zu den reichsten natürlichen Quellen für Vitamin E und wird sowohl in der Küche als Speiseöl für kalte Gerichte als auch als Pflegeöl für die Haut verwendet.
Inhaltsstoffe
- Vitamin E (Tocopherole): Weizenkeimöl hat einen der höchsten Vitamin-E-Gehalte aller Speiseöle – etwa 150 bis 250 mg je 100 g, überwiegend in Form von α-Tocopherol, der biologisch wirksamsten Form.
- Linolsäure (Omega-6): mit etwa 55 bis 60 Prozent die wichtigste Fettsäure; sie ist essenziell, muss also mit der Nahrung aufgenommen werden.
- Ölsäure (Omega-9): etwa 14 bis 25 Prozent.
- Alpha-Linolensäure (Omega-3): etwa 5 bis 10 Prozent.
- Gesättigte Fettsäuren: vor allem Palmitinsäure, in kleinerem Anteil.
- Phytosterine: pflanzliche Sterine wie β-Sitosterin und Campesterin; Weizenkeimöl ist vergleichsweise reich daran.
- Octacosanol: ein langkettiger Fettalkohol, der in Studien im Zusammenhang mit körperlicher Leistung untersucht wurde.
- Carotinoide in geringer Menge, die zur gelblichen Farbe beitragen.
Eine häufige Fehlannahme betrifft die B-Vitamine: Weizenkeime sind zwar reich an Vitamin B1, B2 und B6, diese Vitamine sind aber wasserlöslich und bleiben beim Pressen weitgehend im Presskuchen. Das Öl selbst ist daher keine nennenswerte Quelle für B-Vitamine.
Wie viel Vitamin E steckt in einem Esslöffel?
Ein Esslöffel Weizenkeimöl (rund 13 bis 14 g) liefert je nach Qualität etwa 20 mg Vitamin E und damit mehr als den Referenzwert für die tägliche Zufuhr eines Erwachsenen von 12 mg. Zum Vergleich: Olivenöl enthält nur einen Bruchteil davon.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Zellschutz: Weizenkeimöl ist reich an Vitamin E, und Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen – ein von der EU zugelassener Health Claim.
- Trockene Haut: Äußerlich wird das Öl traditionell und in der Naturkosmetik zur Pflege trockener, rauer und reifer Haut eingesetzt.
- Fettsäureversorgung: Als Speiseöl liefert es die essenziellen Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolensäure.
- Blutfette: Phytosterine und ungesättigte Fettsäuren werden im Zusammenhang mit dem Cholesterinspiegel untersucht; für Weizenkeimöl selbst ist die Beleglage dünn.
- Körperliche Leistung: Das enthaltene Octacosanol wurde in kleineren Studien auf Ausdauer und Leistungsfähigkeit untersucht; die Ergebnisse sind uneinheitlich.
Vitamin E und Zellschutz
Vitamin E ist das wichtigste fettlösliche Antioxidans des Körpers. Es sitzt in den Zellmembranen und schützt deren ungesättigte Fettsäuren vor dem Angriff sogenannter freier Radikale. Ein echter Vitamin-E-Mangel ist bei ausgewogener Ernährung selten und tritt vor allem bei Störungen der Fettaufnahme im Darm auf. Weizenkeimöl ist eine einfache Möglichkeit, die Zufuhr über Lebensmittel zu sichern.
Weizenkeimöl für die Haut
In der Hautpflege wird Weizenkeimöl wegen seines Vitamin-E-Gehalts und seiner Linolsäure geschätzt. Linolsäure ist ein Baustein der Hautbarriere, Vitamin E schützt die Hautfette vor Oxidation. Das Öl ist recht reichhaltig und eignet sich daher vor allem für trockene, raue Haut, für reife Haut sowie für Hände, Ellbogen und Füße. Häufig wird es anderen Ölen in kleiner Menge beigemischt – auch, weil sein Vitamin E die Mischung länger haltbar macht.
Traditionell wird Weizenkeimöl in der Schwangerschaft zur Massage von Bauch und Hüften verwendet, um Dehnungsstreifen vorzubeugen. Die regelmäßige Massage hält die Haut geschmeidig; dass Öle Dehnungsstreifen sicher verhindern, ist jedoch nicht belegt. Auch bei der Pflege verheilter Narben wird es eingesetzt.
Weizenkeimöl und Cholesterin
Phytosterine ähneln in ihrem Aufbau dem Cholesterin und können dessen Aufnahme im Darm teilweise hemmen. Die Mengen, die für eine messbare Senkung des Cholesterinspiegels nötig sind, werden mit üblichen Speisemengen von Weizenkeimöl aber kaum erreicht. Hilfreiche Ernährungstipps finden Sie unter Cholesterin natürlich senken.
Anwendung und Dosierung
- Innerlich (kaltgepresstes Öl): 1–2 Esslöffel täglich über Salate, Rohkost, Müsli, Joghurt oder in Smoothies. Wegen des kräftigen Geschmacks lässt es sich gut mit milderen Ölen mischen.
- Nicht erhitzen: Zum Braten und Backen ist kaltgepresstes Weizenkeimöl ungeeignet; Hitze zerstört Vitamin E und lässt die ungesättigten Fettsäuren oxidieren.
- Kapseln: nach Packungsangabe; die empfohlene tägliche Verzehrsmenge nicht überschreiten.
- Äußerlich: pur in kleinen Mengen auf trockene Hautstellen auftragen und einmassieren oder zu etwa zehn bis zwanzig Prozent einem leichteren Basisöl wie Mandelöl oder Jojobaöl beimischen.
- Lagerung: Weizenkeimöl ist trotz seines Vitamin-E-Gehalts oxidationsempfindlich. Kühl, dunkel und gut verschlossen lagern – nach dem Öffnen am besten im Kühlschrank – und innerhalb weniger Wochen verbrauchen. Ranzig riechendes Öl nicht mehr verwenden.
Geschichte und Überlieferungen
Die Bedeutung des Weizenkeimöls ist eng mit der Entdeckung des Vitamin E verbunden. 1922 beschrieben die amerikanischen Forscher Herbert Evans und Katharine Bishop einen bis dahin unbekannten Nahrungsfaktor, ohne den Ratten nicht fortpflanzungsfähig waren. Als besonders ergiebige Quelle dieses Faktors erwies sich Weizenkeimöl. 1936 gelang es, den Stoff aus Weizenkeimöl zu isolieren; er erhielt den Namen Tocopherol – aus dem Griechischen für „Geburt tragend“.
In der Folge wurde Weizenkeimöl zu einem beliebten Stärkungs- und Vitaminpräparat. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts interessierte sich auch die Sportforschung für das Öl und das darin enthaltene Octacosanol. In der Naturkosmetik ist Weizenkeimöl seit Jahrzehnten als reichhaltiges Pflegeöl und natürlicher Oxidationsschutz für Ölmischungen etabliert.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Zöliakie und Weizenallergie: Öle enthalten kaum Eiweiß, kaltgepresstes Weizenkeimöl kann aber Spuren von Weizenproteinen enthalten. Bei Zöliakie oder Weizenallergie die Kennzeichnung beachten und im Zweifel ärztlich beraten lassen. Auch auf der Haut sind bei Weizenallergie Reaktionen möglich.
- Blutgerinnungshemmer: Hohe Vitamin-E-Mengen aus Nahrungsergänzungsmitteln können die Wirkung blutverdünnender Medikamente verstärken. Wer solche Mittel einnimmt, sollte konzentrierte Vitamin-E-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Mit üblichen Speisemengen des Öls ist das nicht zu erwarten.
- Höchstmenge: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Erwachsene eine tolerierbare Höchstmenge von 300 mg Vitamin E pro Tag festgelegt. Bei Kombination mehrerer Vitamin-E-haltiger Präparate die Gesamtmenge im Blick behalten.
- Omega-6-Gleichgewicht: Weizenkeimöl ist reich an Omega-6-Fettsäuren. Wer ohnehin viel Sonnenblumen- oder Distelöl verwendet, sollte auf ausreichende Omega-3-Quellen wie Leinöl achten.
- Kalorien: Wie alle Öle ist Weizenkeimöl energiereich (rund 880 kcal je 100 g).
- Haut: Bei zu Unreinheiten neigender Haut sparsam verwenden; vor der ersten Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Warum ist Weizenkeimöl so reich an Vitamin E?
Der Weizenkeimling ist der nährstoffdichteste Teil des Weizenkorns. Er dient als Energiereserve für die junge Pflanze und speichert deshalb Vitamin E als Antioxidans zum Schutz der empäfindlichen Fettsäuren.
Kann man Weizenkeimöl erhitzen?
Nein – wegen des hohen Gehalts an ungesättigten Fettsäuren und Vitamin E sollte Weizenkeimöl nicht erhitzt werden. Kaltgepresstes Öl ausschließlich roh (Salate, Smoothies) verwenden.
Wofür wird Weizenkeimöl auf der Haut verwendet?
Weizenkeimöl wird pur oder in Cremes auf trockene, raue und gereizte Hautstellen aufgetragen, da sein hoher Vitamin-E-Gehalt die Hautbarriere unterstützt. Es ist dickflüssig und wird daher gerne mit leichteren Ölen gemischt. Weil es schnell ranzig wird, sollte es kühl und dunkel gelagert und zügig verbraucht werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Lee KS et al. (2013). Deposition of tocopherol and tocotrienol in the tissues of red hybrid tilapia, Oreochromis sp., fed vitamin E-free diets supplemented with different plant oils. Fish physiology and biochemistry.
- Bhosale P, Bernstein PS (2005): Vertebrate and invertebrate carotenoid-binding proteins. Arch Biochem Biophys 458(2):121–127. DOI: 10.1016/j.abb.2006.01.012
- Wikipedia: Weizenkeimöl
- NIH ODS: Vitamin E (Alpha-Tocopherol) – Health Professional Fact Sheet
- PMC: Wheat germ oil vitamin E cytoprotective effect in hepatocyte lipotoxicity (2022)
- PubMed: Chemical Composition and Anti-inflammatory Activity of Wheat Germ Oil (2021)
- PMC: Nutraceuticals composition of wheat bran oil and wheat germ oil (2015)

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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