Hitze und Hitzewallungen: Ursachen, Symptome & was hilft

Kraeutermax Lexikon Hitze

Was ist Hitzebelastung – und was sind Hitzewallungen?

Unter Hitze versteht man ungewöhnlich hohe Temperaturen, die den Körper fordern. Der Mensch hält seine Kerntemperatur bei etwa 37 °C, indem er über die Haut Wärme abgibt – vor allem durch Schwitzen und eine stärkere Hautdurchblutung. Bei großer Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit oder körperlicher Anstrengung stößt dieses System an Grenzen. Dann drohen Hitzeerschöpfung und im Extremfall ein lebensbedrohlicher Hitzschlag. Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen auch in Österreich häufiger und länger.

Hitzewallungen entstehen dagegen von innen: Plötzlich steigt eine Hitzewelle über Brust, Hals und Gesicht auf, oft begleitet von Schweißausbrüchen und Herzklopfen. Sie sind das typischste Beschwerdebild der Wechseljahre und betreffen einen großen Teil der Frauen, häufig über mehrere Jahre. Beide Themen werden hier gemeinsam behandelt, weil sich die Maßnahmen zur Abkühlung teilweise überschneiden.

Ursachen

Hitzebelastung von außen

  • Hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit: Bei schwüler Luft verdunstet Schweiß schlecht und kühlt kaum.
  • Flüssigkeits- und Salzverlust: Starkes Schwitzen ohne ausreichendes Trinken führt zu Austrocknung; der Verlust von Elektrolyten begünstigt Krämpfe.
  • Anstrengung in der Sonne: Sport oder körperliche Arbeit in der Mittagshitze.
  • Besonders gefährdete Menschen: Ältere Menschen, die weniger Durst verspüren, Säuglinge und Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke (etwa mit Herz-, Nieren- oder Lungenerkrankungen) und Menschen, die im Freien arbeiten.
  • Medikamente: Entwässerungsmittel, manche Blutdrucksenker, Psychopharmaka und andere Arzneimittel können die Wärmeregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.

Hitzewallungen von innen

In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Dadurch reagiert das Temperaturzentrum im Gehirn empfindlicher: Schon kleine Temperaturschwankungen lösen eine „Kühlreaktion“ mit Gefäßerweiterung und Schwitzen aus. Auslöser einzelner Wallungen sind oft Wärme, Stress, Alkohol, Kaffee oder scharfes Essen. Hitzewallungen können auch durch bestimmte Medikamente – etwa in der Brustkrebs- oder Prostatakrebstherapie – sowie durch eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen. Auch Männer kennen sie, zum Beispiel bei einem Testosteronabfall (siehe Wechseljahre beim Mann).

Symptome

  • Hitzeerschöpfung: starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, blasse und feuchte Haut, schneller Puls, manchmal kurze Ohnmacht (siehe Kreislaufprobleme).
  • Hitzekrämpfe: schmerzhafte Muskelkrämpfe bei oder nach Anstrengung, meist durch Salzverlust.
  • Hitzeödeme: geschwollene Füße und Knöchel, vor allem bei älteren Menschen und bei Venenschwäche.
  • Sonnenstich: Kopfschmerzen, Übelkeit, Nackensteifigkeit und hochroter, heißer Kopf nach direkter Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf – besonders bei Kindern.
  • Hitzschlag (Notfall): Körpertemperatur über 40 °C, Verwirrtheit, Benommenheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit; die Haut kann heiß und trocken, aber auch schweißnass sein.
  • Hitzewallungen: plötzliche Wärme im Oberkörper und Gesicht, Rötung, Schweißausbrüche, Herzklopfen, danach oft Frösteln; nachts als Nachtschweiß mit Schlafstörungen.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Traubensilberkerze: Von der EMA als pflanzliches Arzneimittel mit anerkannter Wirksamkeit („well-established use“) bei Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen eingestuft.
  • Salbei: Traditionell von der EMA bei übermäßigem Schwitzen anerkannt; Studien geben Hinweise auf weniger Hitzewallungen.
  • Rosskastanie: Rosskastaniensamen-Extrakt ist bei Venenschwäche mit schweren, geschwollenen Beinen anerkannt – Beschwerden, die sich bei Hitze oft verstärken.
  • Pfefferminze: Das Menthol im Pfefferminzöl erzeugt auf der Haut ein angenehmes Kältegefühl, senkt aber die Körpertemperatur nicht.
  • Chinaöl: Das mentholreiche Öl wirkt äußerlich ebenfalls erfrischend – ein subjektiver Kühleffekt.
  • Rotklee und Soja-Isoflavone: Bei Hitzewallungen sind die Studienergebnisse uneinheitlich.
  • Yamswurzel: Wird bei Wechseljahrsbeschwerden beworben; eine Wirkung ist nicht belegt.

Pflanzliche Hilfe bei Hitzewallungen

Am besten untersucht ist der Wurzelstock der Traubensilberkerze. Die EMA hat dafür eine Monographie mit „well-established use“ erstellt – also eine Einstufung auf Basis wissenschaftlicher Daten. Als mögliche Nebenwirkungen nennt die EMA unter anderem Leberschäden, allergische Hautreaktionen und Verdauungsbeschwerden; bei Müdigkeit mit Appetitverlust, Oberbauchschmerzen, Gelbfärbung der Haut oder dunklem Urin ist die Einnahme sofort zu beenden und ärztlicher Rat einzuholen.

Für Salbeiblätter hat die EMA die traditionelle Anwendung bei übermäßigem Schwitzen anerkannt; die Monographie sieht dafür als Tee 2 g Salbeiblätter auf 150 ml kochendes Wasser vor. Eine Metaanalyse von Moradi und Mitarbeitern (2023) wertete vier kleine Studien mit 310 Frauen aus: Die Studien sprechen für seltenere Hitzewallungen, das zusammengefasste Ergebnis war statistisch aber nicht eindeutig. Salbeizubereitungen werden von der EMA für unter 18-Jährige und in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.

Die Yamswurzel enthält Diosgenin, aus dem im Labor Hormone hergestellt werden können. Im menschlichen Körper findet diese Umwandlung jedoch nicht statt. In einer placebokontrollierten Studie von Komesaroff und Mitarbeitern (2001) zeigte eine Yamswurzel-Creme keine besseren Effekte auf Wechseljahrsbeschwerden als Placebo. Bei starken Hitzewallungen ist die ärztlich begleitete Hormontherapie die wirksamste Behandlung; daneben gibt es nicht-hormonelle Medikamente.

Kühlende Pflanzen bei Sommerhitze

Pfefferminzöl und Chinaöl, verdünnt auf Stirn, Schläfen oder Nacken aufgetragen, vermitteln über Kälterezeptoren ein frisches Gefühl. Das kann an heißen Tagen wohltuend sein, ersetzt aber weder Trinken noch Schatten. Nicht bei Säuglingen und Kleinkindern im Gesichtsbereich anwenden und von den Augen fernhalten. Ein lauwarmer Pfefferminz- oder Kräutertee, auch abgekühlt getrunken, hilft vor allem dabei, auf eine ausreichende Trinkmenge zu kommen. Bei schweren, geschwollenen Beinen können Rosskastanienextrakt sowie kalte Güsse und Hochlagern der Beine Erleichterung bringen (siehe Venen).

Was Sie selbst tun können

  • Regelmäßig trinken: über den Tag verteilt Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsaftschorlen, auch ohne Durst. Bei starkem Schwitzen auf Salz achten, etwa durch eine Suppe oder salzige Kost. Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sprechen ihre Trinkmenge mit dem Arzt ab.
  • Alkohol meiden: Er fördert Flüssigkeitsverlust und belastet den Kreislauf.
  • Leicht essen: mehrere kleine Mahlzeiten mit wasserreichem Obst und Gemüse.
  • Wohnung kühl halten: tagsüber Fenster und Rollläden schließen, nachts und frühmorgens lüften.
  • Abkühlen: lauwarm duschen, feuchte Tücher auf Nacken und Unterarme, Fußbäder.
  • Sonne meiden: Mittagshitze im Schatten verbringen, Kopfbedeckung und luftige, helle Kleidung tragen, vor Sonnenbrand schützen. Sport in die Morgen- oder Abendstunden verlegen.
  • Anpassung zulassen: Der Körper gewöhnt sich innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen besser an Hitze; die Belastung in dieser Zeit langsam steigern.
  • Auf andere achten: Ältere Angehörige und Nachbarn an heißen Tagen anrufen; Kinder und Tiere nie im geparkten Auto lassen.
  • Bei Hitzewallungen: Kleidung im Zwiebelprinzip, kühles Schlafzimmer, atmungsaktive Bettwäsche, Auslöser wie Alkohol, Kaffee und scharfe Speisen beobachten und reduzieren, Entspannungsverfahren gegen Stress.

Wann zum Arzt?

Sofort den Notruf 144 wählen bei Verdacht auf Hitzschlag: Verwirrtheit, Benommenheit, Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder sehr hohe Körpertemperatur. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Person in den Schatten bringen, Kleidung lockern und den Körper mit feuchten Tüchern und Luftzug kühlen; Bewusstlose in die stabile Seitenlage bringen und ihnen nichts zu trinken geben.

Ärztliche Hilfe ist außerdem nötig, wenn

  • Beschwerden der Hitzeerschöpfung trotz Abkühlung und Trinken nicht innerhalb etwa einer Stunde besser werden,
  • Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere oder chronisch kranke Menschen deutliche Hitzesymptome zeigen,
  • Brustschmerzen, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen auftreten,
  • Sie Medikamente einnehmen, deren Dosis bei Hitze angepasst werden könnte – setzen Sie diese aber nicht eigenmächtig ab,
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche Ihren Schlaf und Alltag stark beeinträchtigen, außerhalb der typischen Wechseljahre auftreten oder von Gewichtsverlust, Fieber oder Herzrasen begleitet werden.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Wie kann ich meinen Körper bei heißem Wetter am besten kühlen?
    Trinken Sie ausreichend Wasser, tragen Sie lockere und luftige Kleidung und vermeiden Sie übermäßige Sonneneinstrahlung.
  2. Gibt es Lebensmittel, die bei Hitze helfen können?
    Wasserreiche Lebensmittel wie Wassermelone, Gurken, Tomaten oder Beeren tragen zur Flüssigkeitszufuhr bei. Bei starkem Schwitzen helfen leicht salzige Speisen wie eine Gemüsesuppe, den Salzverlust auszugleichen. Mehrere kleine, leichte Mahlzeiten belasten den Kreislauf weniger als ein schweres Essen.
  3. Welche Symptome deuten auf einen Hitzschlag hin?
    Typisch sind eine Körpertemperatur über 40 °C, Verwirrtheit, Benommenheit, Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit, oft zusammen mit schnellem Puls, Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Haut kann heiß und trocken, aber auch schweißnass sein. Ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich – wählen Sie sofort den Notruf 144.
  4. Wie kann ich Dehydratation verhindern?
    Trinken Sie regelmäßig Wasser und vermeiden Sie übermäßigen Alkohol- und Kaffeekonsum.
  5. Kann man sich an Hitze akklimatisieren?
    Ja, indem Sie sich allmählich an höhere Temperaturen gewöhnen, kann Ihr Körper sich anpassen und besser mit Hitze umgehen.
  6. Was tun bei Hitzschlag oder Hitzeerschöpfung?
    Die betroffene Person sofort in den Schatten oder einen kühlen Raum bringen, beengende Kleidung lockern und den Körper mit feuchten Tüchern und Luftzug kühlen. Ist sie bei klarem Bewusstsein, schluckweise Wasser trinken lassen. Bei Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder sehr hoher Körpertemperatur sofort den Notruf 144 (oder den Euro-Notruf 112) wählen; Bewusstlose in die stabile Seitenlage bringen und ihnen nichts zu trinken geben.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.