Elektrolyte – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Vorkommen im Körper

Elektrolyte sind keine einzelne Substanz, sondern ein Sammelbegriff. Gemeint sind Mineralstoffe, die in wässriger Lösung als elektrisch geladene Teilchen – als Ionen – vorliegen und dadurch elektrischen Strom leiten können. Genau diese Ladung macht sie für den Körper unverzichtbar: Sie verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Körperräume, sondern wird aktiv aufrechterhalten, und aus diesen Unterschieden entstehen jene elektrischen Spannungen an Zellmembranen, ohne die weder Nervenimpulse noch Muskelkontraktionen möglich wären.

Die wichtigsten Elektrolyte des Menschen sind Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid und Phosphat; sie verteilen sich charakteristisch auf die Körperräume:

  • Vorwiegend außerhalb der Zellen (im Blutplasma und in der Gewebsflüssigkeit): Natrium und Chlorid. Natrium ist das mengenmäßig bedeutendste Kation des Extrazellularraums und bestimmt maßgeblich, wie viel Wasser der Körper außerhalb der Zellen hält.
  • Vorwiegend innerhalb der Zellen: Kalium, Magnesium und Phosphat. Kalium ist das wichtigste Kation im Zellinneren.
  • Überwiegend im Knochen gebunden, im Blut streng reguliert: Calcium und ein großer Teil des Phosphats. Das Skelett dient hier zugleich als Speicher.

Aufgenommen werden Elektrolyte über die tägliche Ernährung – über Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Nüsse, Getreide, Fleisch, Fisch und über Speisesalz. Ausgeschieden werden sie hauptsächlich über die Nieren, in geringerem Umfang über Schweiß und Stuhl. Die Niere ist dabei das entscheidende Stellorgan: Sie passt die Ausscheidung laufend an die Zufuhr an und hält die Konzentrationen im Blut in engen Grenzen. Zu den einzelnen Mineralstoffen finden Sie in unserem Lexikon eigene, ausführliche Beiträge – etwa zu Kalium, zu Magnesium und zu Calcium. Diese Seite ordnet die Elektrolyte als Gruppe ein.

Inhaltsstoffe

Wenn von „Elektrolyten“ die Rede ist – etwa auf einem Getränkepulver oder einer Brausetablette –, verbergen sich dahinter üblicherweise Salze der folgenden Mineralstoffe:

  • Natrium (Na⁺): bestimmt gemeinsam mit Chlorid das Volumen des Extrazellularraums und ist zentral für die Wasserverteilung im Körper. Wird meist als Natriumchlorid oder Natriumcitrat eingesetzt.
  • Kalium (K⁺): das wichtigste Kation im Zellinneren; entscheidend für die elektrische Spannung an der Zellmembran.
  • Calcium (Ca²⁺): überwiegend im Knochen gebunden; der kleine frei gelöste Anteil ist an Signalübertragung, Muskelkontraktion und Blutgerinnung beteiligt.
  • Magnesium (Mg²⁺): vorwiegend intrazellulär; Cofaktor zahlreicher Enzymreaktionen.
  • Chlorid (Cl⁻): das wichtigste Anion des Extrazellularraums und Baustein der Magensäure.
  • Phosphat (PO₄³⁻): Bestandteil von Knochen, Zellmembranen und energiereichen Molekülen.

Ergänzt werden solche Zubereitungen häufig um Kohlenhydrate – meist Glucose oder Saccharose. Das hat einen konkreten physiologischen Grund: Glucose erleichtert im Dünndarm die Aufnahme von Natrium und damit auch von Wasser. Dieses Prinzip ist die Grundlage der oralen Rehydratation und wird weiter unten erläutert.

Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete

Elektrolyte sind kein überliefertes Naturheilmittel, sondern ein Kapitel der modernen Physiologie und Medizin. Eine volksmedizinische Tradition im engeren Sinn gibt es nicht – wohl aber eine überaus konkrete, gut belegte medizinische Anwendung: den Ersatz von Flüssigkeit und Salzen bei Verlusten.

Wasser- und Säure-Basen-Haushalt

Wasser folgt im Körper den gelösten Teilchen. Wo mehr Natrium ist, hält der Organismus mehr Wasser; sinkt die Natriumkonzentration, verschiebt sich Wasser in die Zellen. Damit ist der Elektrolythaushalt untrennbar mit dem Wasserhaushalt verbunden – man kann das eine nicht ohne das andere betrachten. Ebenso eng ist die Verbindung zum Säure-Basen-Haushalt: Bicarbonat und Phosphat gehören zu den wichtigsten Puffersystemen des Blutes, und die Nieren regulieren Elektrolyt- und Säureausscheidung gemeinsam.

Verluste durch Schwitzen

Schweiß besteht nicht aus reinem Wasser. Er enthält Elektrolyte, allen voran Natrium und Chlorid, in geringerem Umfang auch Kalium. Wie viel dabei verloren geht, schwankt beträchtlich. Eine Übersichtsarbeit in Sports Medicine berichtet für Sportlerinnen und Sportler Schweißraten von typischerweise etwa 0,5 bis 2,0 Liter pro Stunde – Werte über 3,0 Liter pro Stunde kommen nur selten und unter extremen Bedingungen vor. Die Natriumkonzentration im lokal gemessenen Schweiß liegt demnach typischerweise zwischen etwa 10 und 90 mmol pro Liter, bezogen auf den Ganzkörperschweiß etwa zwischen 10 und 70 mmol pro Liter. Kalium wird deutlich weniger und mit geringerer Schwankungsbreite ausgeschieden.

Aus diesen Zahlen folgt vor allem eines: Die individuellen Unterschiede sind groß. Pauschale Aussagen darüber, wie viel Salz jemand beim Sport „ersetzen muss“, sind daher wenig hilfreich; bei üblicher Alltagsbelastung deckt die normale Kost die Verluste ohne Weiteres ab.

Verluste durch Durchfall und Erbrechen – die orale Rehydratation

Deutlich relevanter als Sport sind Elektrolytverluste bei Durchfall und Erbrechen. Hier gehen Wasser und Salze in kurzer Zeit in erheblichem Umfang verloren – ein Zustand, der besonders für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen gefährlich werden kann.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF empfehlen dafür eine genau definierte Salz-Glucose-Mischung, die orale Rehydratationslösung (ORS). Die seit 2003 empfohlene Rezeptur mit reduzierter Osmolarität ist in einem WHO-Dokument exakt festgelegt. Pro Liter Trinkwasser werden aufgelöst: 2,6 g Natriumchlorid, 13,5 g wasserfreie Glucose, 1,5 g Kaliumchlorid und 2,9 g Trinatriumcitrat-Dihydrat – insgesamt 20,5 g. Daraus ergeben sich folgende Konzentrationen:

  • Natrium: 75 mmol/l
  • Chlorid: 65 mmol/l
  • Glucose (wasserfrei): 75 mmol/l
  • Kalium: 20 mmol/l
  • Citrat: 10 mmol/l
  • Gesamtosmolarität: 245 mOsm/l

Die WHO erläutert die Funktion der Bestandteile ausdrücklich: Glucose erleichtert im Dünndarm die Aufnahme von Natrium – und damit von Wasser – im molaren Verhältnis 1:1; Natrium und Kalium ersetzen die bei Durchfall und Erbrechen verlorenen Ionen; Citrat gleicht die durch Durchfall und Austrocknung entstehende Übersäuerung aus. Ausdrücklich hält die WHO fest, dass ORS – wie schon die frühere Rezeptur – als Arzneimittel gilt, in der WHO-Modellliste der unentbehrlichen Arzneimittel geführt wird und nach den Regeln der Guten Herstellungspraxis produziert werden soll. Fertige ORS-Präparate erhalten Sie in der Apotheke. Bei anhaltendem oder schwerem Durchfall, bei Blut im Stuhl, hohem Fieber sowie bei Säuglingen und Kleinkindern ist immer ärztlicher Rat einzuholen.

Sportgetränke – nüchtern eingeordnet

Für Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen, also für klassische Sportgetränke, existieren in der EU tatsächlich zugelassene gesundheitsbezogene Angaben – allerdings an sehr konkrete Zusammensetzungsbedingungen geknüpft. Der Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 nennt wörtlich:

„Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen tragen zur Aufrechterhaltung der Ausdauerleistung bei längerem Ausdauertraining bei“

„Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen verbessern die Aufnahme von Wasser während der körperlichen Betätigung“

Die Bedingungen für die Verwendung beider Angaben lauten dort gleichlautend: Damit die Angabe zulässig ist, sollten Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen 80–350 kcal/l aus Kohlenhydraten enthalten, und mindestens 75 % der Energie sollten aus Kohlenhydraten mit deutlich blutzuckersteigernder Wirkung stammen – wie Glucose, Glucosepolymere und Saccharose. Die Getränke sollten ferner zwischen 20 mmol/l (460 mg/l) und 50 mmol/l (1 150 mg/l) Natrium enthalten und eine Osmolalität von 200–330 mOsm/kg Wasser aufweisen.

Wichtig ist die Lesart: Diese Angaben gelten für Getränke mit dieser Zusammensetzung und im Zusammenhang mit längerem Ausdauertraining. Sie sind kein Freibrief für elektrolythaltige Getränke im Alltag – und schon gar keine Aussage über Elektrolyte als Sammelbegriff.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für „Elektrolyte“ als Sammelbegriff gibt es in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Man darf also weder werben, Elektrolyte würden den Wasserhaushalt regulieren, noch, sie beugten Krämpfen vor. Sehr wohl zugelassen sind hingegen Angaben zu einzelnen Mineralstoffen. Der Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 führt unter anderem wörtlich auf:

  • „Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“
  • „Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei“
  • „Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei“
  • „Calcium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“
  • „Chlorid trägt durch die Bildung von Magensäure zu einer normalen Verdauung bei“

Für alle diese Angaben gilt dieselbe Bedingung: Sie dürfen nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Quelle des jeweiligen Mineralstoffs gemäß der im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 aufgeführten Angabe erfüllen. Bei Chlorid kommt eine Besonderheit hinzu: Die Angabe darf nicht für Chlorid verwendet werden, das aus Natriumchlorid gewonnen wird – also nicht für Kochsalz.

Ein aufschlussreiches Detail betrifft Natrium: In den Erwägungsgründen derselben Verordnung wird festgehalten, dass die Behörde für eine Angabe zur Wirkung von Natrium auf die Beibehaltung der normalen Muskelfunktion einen ursächlichen Zusammenhang als nachgewiesen ansah – die Verwendung einer solchen Angabe wurde dennoch nicht zugelassen, weil sie ein widersprüchliches und verwirrendes Signal an die Verbraucher senden würde. Zugelassen ist stattdessen die umgekehrte Aussage: „Eine Reduzierung der Natrium-Aufnahme trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei“, gebunden an Lebensmittel mit geringem oder reduziertem Natriumgehalt.

Anwendung und Dosierung

Für Elektrolyte als Gruppe gibt es keine Dosierung – wohl aber Referenz- und Orientierungswerte für die einzelnen Mineralstoffe sowie für die Flüssigkeitszufuhr.

  • Trinkmenge: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt gemeinsam mit den Schwestergesellschaften Richtwerte für die Gesamtwasserzufuhr an. Für Erwachsene von 25 bis unter 51 Jahren sind das 2.600 ml pro Tag insgesamt, davon 1.410 ml über Getränke; für 51- bis unter 65-Jährige 2.250 ml (1.230 ml über Getränke) und ab 65 Jahren ebenfalls 2.250 ml (1.310 ml über Getränke). Diese Werte gelten für durchschnittliche Lebensbedingungen – bei Hitze, Fieber oder starkem Schwitzen liegt der Bedarf höher.
  • Kalium: Die DGE, die Österreichische und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung nennen für Erwachsene und Schwangere einen Schätzwert von 4.000 mg pro Tag, für Stillende 4.400 mg pro Tag. Ausdrücklich festgehalten wird dort: Eine zusätzliche Zufuhr über Supplemente, die über diese Schätzwerte hinausgeht, bringt keinen gesundheitlichen Nutzen und wird nicht empfohlen. Empfohlen wird stattdessen, den Verzehr unverarbeiteter Lebensmittel wie Gemüse und Obst zu erhöhen.
  • Natrium: Das EFSA-Gremium für Ernährung, neuartige Lebensmittel und Lebensmittelallergene kam 2019 zu dem Schluss, dass 2,0 g Natrium pro Tag eine sichere und angemessene Zufuhr für die erwachsene Allgemeinbevölkerung in der EU darstellen. 2,0 g Natrium entsprechen etwa 5 g Kochsalz. Die tatsächliche Zufuhr liegt in Mitteleuropa vielerorts darüber – ein Salzmangel ist im Alltag also das deutlich seltenere Problem.
  • Kalium in Nahrungsergänzungsmitteln: Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für den Zusatz von Kalium zu Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 500 mg pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts.
  • Orale Rehydratationslösung: Fertigpulver werden exakt nach Packungsangabe in der angegebenen Menge Trinkwasser aufgelöst – nicht „nach Gefühl“ konzentriert und nicht verdünnt. Die Zusammensetzung ist der wirksame Teil.

Geschichte und Hintergrund

Die Geschichte der Elektrolyte ist eng mit der Geschichte der Durchfallbehandlung verknüpft – und sie ist eine der großen Erfolgsgeschichten der öffentlichen Gesundheit. Die orale Rehydratationslösung wurde nach Darstellung der WHO erstmals 1969 verwendet und anschließend von WHO und UNICEF als Arzneimittel zur Behandlung klinischer Dehydratation weltweit empfohlen und verteilt. 1984 kam eine Rezeptur hinzu, die Trinatriumcitrat anstelle von Natriumhydrogencarbonat enthielt – mit dem Ziel, die Stabilität des Pulvers in heißen und feuchten Klimazonen zu verbessern. Über mehr als zwei Jahrzehnte empfahlen WHO und UNICEF diese eine Formulierung mit 90 mmol/l Natrium und einer Gesamtosmolarität von 311 mOsm/l. Sie hat, so die WHO, wesentlich zum dramatischen weltweiten Rückgang der Sterblichkeit durch Durchfallerkrankungen beigetragen.

Parallel wurde weiter geforscht: Ein Ansatz bestand darin, die Osmolarität durch Absenken von Glucose- und Kochsalzgehalt zu reduzieren. Die entsprechenden Studien wurden bei einem Fachtreffen im Juli 2001 in New York bewertet. Das Ergebnis: Bei Kindern mit akutem, nicht durch Cholera bedingtem Durchfall verbesserte sich die Wirksamkeit durch Senkung des Natriumgehalts auf 75 mmol/l, der Glucose auf 75 mmol/l und der Gesamtosmolarität auf 245 mOsm/l. Der Bedarf an ungeplanter zusätzlicher Infusionstherapie sank um 33 %; in einer kombinierten Auswertung mehrerer Studien mit reduzierter Osmolarität verringerte sich die Stuhlmenge um etwa 20 % und die Häufigkeit von Erbrechen um etwa 30 %.

WHO und UNICEF empfehlen seither diese Rezeptur für Durchfall jeder Ursache und in allen Altersgruppen. Zugleich weist die WHO offen auf eine Einschränkung hin: Bei Erwachsenen mit Cholera ist die Lösung mit 245 mOsm/l zwar ebenso wirksam wie die frühere Rezeptur, gelegentlich aber mit einer vorübergehenden, symptomlosen Hyponatriämie – also einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut – verbunden.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Elektrolyte sind lebensnotwendig – „mehr“ ist deshalb aber keineswegs „besser“. Der Körper hält die Konzentrationen normalerweise in engen Grenzen; gezielte Zufuhr über Supplemente kann diese Regulation in bestimmten Situationen stören.

  • Kalium bei eingeschränkter Nierenfunktion – der wichtigste Punkt dieser Seite: Das BfR hält fest, dass das Risiko durch hohe Kaliumaufnahmen über die Nahrung bei Gesunden gering ist, weil die Kaliumkonzentration streng homöostatisch reguliert wird. Zu einer Hyperkaliämie – einem gefährlich erhöhten Kaliumspiegel im Blut – kann es jedoch kommen, wenn diese Regulation gestört ist, etwa bei eingeschränkter Nierenfunktion, oder wenn extrem hohe Mengen über Supplemente oder parenteral zugeführt werden. Als Risikogruppen benennt das BfR ausdrücklich Personen mit bestehender Hyperkaliämie, Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Insulinmangel beziehungsweise Diabetes mellitus, Herzerkrankungen sowie ältere Menschen mit zunehmend eingeschränkter Nierenfunktion.
  • Kalium und Arzneimittel: In derselben Stellungnahme wird die Empfehlung des ehemaligen US-amerikanischen Institute of Medicine wiedergegeben, wonach Personen, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ACE-Hemmer einnehmen, sowie Personen unter Angiotensin-Rezeptor-Blockern oder kaliumsparenden Diuretika keine Kaliumsupplemente verwenden und weniger Kalium über die Nahrung aufnehmen sollten als für die gesunde Bevölkerung empfohlen. Wenn Sie solche Medikamente einnehmen, verwenden Sie Elektrolytpräparate bitte ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache – das gilt auch für kaliumreiche Diätsalze.
  • Natrium und Blutdruck: Die EFSA beschreibt einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen der Natriumausscheidung im Harn und dem systolischen wie diastolischen Blutdruck und leitet daraus 2,0 g Natrium pro Tag als sichere und angemessene Zufuhr ab. Eine großzügige, dauerhafte zusätzliche Salzzufuhr „für den Elektrolythaushalt“ ist vor diesem Hintergrund nicht sinnvoll.
  • Zu viel Trinken ist nicht harmlos: Bei sportlicher Belastung kann eine übermäßige Zufuhr hypotoner Flüssigkeiten zu einer belastungsassoziierten Hyponatriämie führen. Eine Übersichtsarbeit in Frontiers in Medicine beschreibt als wesentliche Ursache die überhöhte Aufnahme hypotoner Flüssigkeiten, wahrscheinlich in Kombination mit einer nicht-osmotisch ausgelösten Ausschüttung des antidiuretischen Hormons. Ausdrücklich festgehalten wird dort auch, dass die Natriumaufnahme während eines Wettkampfs den Abfall der Blutnatriumkonzentration zwar abmildern, eine belastungsassoziierte Hyponatriämie bei übermäßiger Flüssigkeitszufuhr aber nicht verhindern kann – ein Sportgetränk ist also kein Freibrief zum Übertrinken. Empfohlen wird, dem Durstgefühl zu folgen.
  • Bestehende Erkrankungen: Bei Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen, Nebennierenerkrankungen sowie bei Einnahme von Diuretika gehört jede gezielte Elektrolytzufuhr in ärztliche Hand.
  • Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen: Bei Durchfall und Erbrechen ist hier besondere Vorsicht geboten. Verwenden Sie ausschließlich fertige, altersgerechte Rehydratationspräparate nach Packungsangabe und suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat.
  • Selbst gemischte Lösungen: Von improvisierten Salz-Zucker-Mischungen nach ungeprüften Rezepten raten wir ab. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Salzkonzentrationen können schaden; die WHO-Rezeptur ist das Ergebnis jahrzehntelanger klinischer Prüfung.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was sind Elektrolyte und welche sind die wichtigsten?

Elektrolyte sind Mineralstoffe, die in wässriger Lösung als elektrisch geladene Teilchen – als Ionen – vorliegen. Die für den Menschen wichtigsten sind Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid und Phosphat. Natrium und Chlorid befinden sich vorwiegend außerhalb der Zellen, Kalium, Magnesium und Phosphat vorwiegend im Zellinneren, Calcium überwiegend im Knochen. Aus den Konzentrationsunterschieden zwischen innen und außen entstehen die elektrischen Spannungen an Zellmembranen. Ausgeschieden werden Elektrolyte vor allem über die Nieren, in geringerem Umfang über Schweiß und Stuhl.

Wie ist die orale Rehydratationslösung der WHO zusammengesetzt?

Die von WHO und UNICEF empfohlene Rezeptur mit reduzierter Osmolarität enthält pro Liter Trinkwasser 2,6 g Natriumchlorid, 13,5 g wasserfreie Glucose, 1,5 g Kaliumchlorid und 2,9 g Trinatriumcitrat-Dihydrat, insgesamt 20,5 g. Daraus ergeben sich 75 mmol/l Natrium, 65 mmol/l Chlorid, 75 mmol/l Glucose, 20 mmol/l Kalium und 10 mmol/l Citrat bei einer Gesamtosmolarität von 245 mOsm/l. Die WHO stuft diese Lösung als Arzneimittel ein; sie ist in der Modellliste der unentbehrlichen Arzneimittel geführt. Fertige Präparate erhalten Sie in der Apotheke.

Gibt es für „Elektrolyte“ eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe in der EU?

Für „Elektrolyte“ als Sammelbegriff nicht. Zugelassen sind Angaben zu einzelnen Mineralstoffen, etwa wörtlich „Kalium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“, „Kalium trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei“, „Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei“, „Calcium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“ und „Chlorid trägt durch die Bildung von Magensäure zu einer normalen Verdauung bei“. Diese Angaben dürfen jeweils nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Quelle des betreffenden Mineralstoffs erfüllen; bei Chlorid gilt zusätzlich, dass die Angabe nicht für Chlorid aus Natriumchlorid verwendet werden darf. Für Kohlenhydrat-Elektrolyt-Lösungen bestehen eigene, an genaue Zusammensetzungsbedingungen geknüpfte Angaben.

Für wen kann eine zusätzliche Kaliumzufuhr gefährlich sein?

Bei gesunden Menschen wird der Kaliumspiegel streng reguliert. Ist diese Regulation gestört, kann es zu einer Hyperkaliämie kommen. Das BfR benennt als Risikogruppen Personen mit bestehender Hyperkaliämie, Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion, Insulinmangel beziehungsweise Diabetes mellitus, Herzerkrankungen sowie ältere Menschen mit zunehmend eingeschränkter Nierenfunktion. Für Personen, die ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker oder kaliumsparende Diuretika einnehmen, wird von Kaliumsupplementen abgeraten. Verwenden Sie Elektrolytpräparate in diesen Fällen nur nach ärztlicher Rücksprache.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. World Health Organization / UNICEF, 2006: Oral Rehydration Salts – Production of the new ORS. WHO/FCH/CAH/06.1, Department of Child and Adolescent Health and Development, Genf. Volltext (PDF, englisch)
  2. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern (konsolidierte Fassung). EUR-Lex
  3. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (NDA), 2019: Dietary reference values for sodium. EFSA Journal 2019;17(9):5778. DOI: 10.2903/j.efsa.2019.5778 | Volltext (PMC)
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung, 2017: Revised Reference Values for Potassium Intake. Annals of Nutrition and Metabolism 2017;71(1–2):118–124. DOI: 10.1159/000479705 | Volltext (PMC)
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Höchstmengenvorschläge für Kalium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Volltext (PDF)
  6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Wasser. dge.de
  7. Sweating Rate and Sweat Sodium Concentration in Athletes: A Review of Methodology and Intra/Interindividual Variability. Sports Medicine 2017;47(Suppl 1):111–128. DOI: 10.1007/s40279-017-0691-5 | Volltext (PMC)
  8. Exercise-Associated Hyponatremia: 2017 Update. Frontiers in Medicine 2017;4:21. DOI: 10.3389/fmed.2017.00021 | Volltext (PMC)

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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