Heilerde (Bentonit, Löss) – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Herkunft und Gewinnung
Heilerde ist keine einheitlich definierte Substanz, sondern ein Sammelbegriff für fein vermahlene, mineralische Naturprodukte. Zwei Rohstoffquellen dominieren den Markt: Löss und Bentonit.
Löss ist ein Sediment aus der Eiszeit. Feinste Gesteinspartikel wurden über Jahrtausende vom Wind ausgetragen und in mächtigen Schichten wieder abgelagert. Aus solchen eiszeitlichen Lössablagerungen wird ein Großteil der in Europa – und damit auch in der EU (vorwiegend in AT und DE) – angebotenen Heilerde gewonnen. Die Gebrauchsanweisung eines gängigen Präparats beschreibt den Rohstoff als „ein reines, mineralisches Naturprodukt“, das „aus eiszeitlichen Lössablagerungen gewonnen, schonend verarbeitet und ultra fein vermahlen“ wird.
Bentonit hingegen ist ein Tongestein, dessen Hauptbestandteil das Schichtsilikat Montmorillonit ist. Es entstand aus verwitterter vulkanischer Asche. Bentonit besitzt ein ausgeprägtes Quellvermögen: Die Schichtstruktur nimmt Wasser zwischen die Lagen auf, wodurch das Volumen deutlich zunimmt. Fachlich wird Heilerde denn auch als im Wesentlichen aus „Aluminium-Silikaten wie z. B. in Bentonit“ bestehend beschrieben.
Nach dem Abbau wird das Rohmaterial gereinigt, getrocknet und vermahlen. Der Mahlgrad ist dabei mehr als ein Detail: Je feiner das Pulver, desto größer die Oberfläche und desto ausgeprägter die Fähigkeit, Substanzen anzulagern. Hersteller unterscheiden deshalb zwischen gröberen Qualitäten für äußerliche Anwendungen und ultrafein vermahlenen Pulvern beziehungsweise Kapseln für die innerliche Anwendung.
Inhaltsstoffe
Heilerde ist ein reines Mineralgemisch ohne pflanzliche oder tierische Bestandteile. Die Zusammensetzung schwankt naturgemäß je nach Lagerstätte, folgt aber einem festen Grundmuster:
- Aluminiumsilikate (unter anderem Montmorillonit, Illit, Kaolinit) – mengenmäßig der Hauptbestandteil und zugleich der sicherheitsrelevanteste (siehe Abschnitt Gegenanzeigen)
- Silicium in Form von Siliciumdioxid und silikatisch gebunden – der namensgebende Bezug zur verwandten Kieselerde und zum Mineralstoff Silicium
- Calcium – vor allem als Calcit (Calciumcarbonat), das für die säurebindende Eigenschaft mitverantwortlich ist
- Magnesium – unter anderem in Dolomit gebunden
- Eisen, Kalium, Natrium sowie weitere Spurenelemente in geringen Mengen
- Feldspäte und Quarz als weitere Gesteinsanteile
Wichtig für die Einordnung: Aus dieser Liste darf man nicht ableiten, Heilerde sei ein relevanter Mineralstofflieferant. Die Minerale liegen überwiegend in schwer löslicher, silikatisch gebundener Form vor und stehen dem Stoffwechsel kaum zur Verfügung. Eine Laboranalyse mehrerer Heilerde-Pulver im Auftrag eines Recherchemediums ergab Magnesiumgehalte von 5,1 bis 5,4 mg/kg und einen durchschnittlichen Kaliumgehalt von 12,3 mg/kg – Größenordnungen, die zur täglichen Versorgung nichts Nennenswertes beitragen. Wer seinen Bedarf an Magnesium decken will, ist mit dem Lebensmittel oder einem dafür vorgesehenen Präparat besser bedient.
Funktionell beruht Heilerde auf zwei physikalisch-chemischen Eigenschaften: der Adsorption – der Anlagerung gelöster Teilchen an der großen inneren Oberfläche – und der Säurebindung durch die carbonatischen Anteile. Beides ist rein physikalisch beziehungsweise chemisch, nicht pharmakologisch: Heilerde wird nicht in den Blutkreislauf aufgenommen, sondern wirkt im Magen-Darm-Trakt und verlässt den Körper mit dem Stuhl.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Traditionell innerlich: Wird traditionell und als Medizinprodukt bei Magen-Darm-Beschwerden wie Magendrücken, Völlegefühl und Sodbrennen verwendet (physikalische Säurebindung durch Adsorption).
- Äußerlich in der Pflege: In Volksheilkunde und Kosmetik äußerlich als Maske, Packung oder Wickel bei unreiner oder fettiger Haut geschätzt.
- Bindende Eigenschaft: Geschätzt wegen ihrer Fähigkeit, Stoffe an ihrer großen Oberfläche zu binden.
- Wichtig – Sicherheit: Enthält natürliches Aluminiumsilikat; ausreichend Abstand zu Arzneimitteln einhalten und nicht dauerhaft anwenden.
Einordnung: Für Heilerde ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; eine „Entgiftungs“-Wirkung ist nicht belegt. Die Punkte beschreiben überlieferte bzw. Medizinprodukt-Verwendungen.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für Heilerde, Bentonit, Löss oder Aluminiumsilikate ist im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Es existiert also kein zulässiger EU-Health-Claim, mit dem Heilerde als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel beworben werden dürfte. Diese Feststellung ist kein Makel, sondern schlicht der Sachstand – und sie erklärt, warum Heilerde in der EU regelmäßig nicht als Lebensmittel, sondern als Medizinprodukt beziehungsweise als Arzneimittel mit antazider Wirkung in Verkehr gebracht wird.
Der Unterschied ist praktisch bedeutsam: Bei einem Medizinprodukt beruht die Zweckbestimmung auf einer physikalischen Wirkweise (hier Adsorption und Säurebindung), nicht auf einer pharmakologischen. Die zulässigen Anwendungsgebiete ergeben sich dann aus der Konformitätsbewertung nach der EU-Medizinprodukteverordnung und stehen in der jeweiligen Gebrauchsanweisung – nicht in der Health-Claims-Liste. Aussagen, die darüber hinausgehen, sind rechtlich angreifbar: Werbung für ein Heilerde-Produkt zur „Körperentgiftung“ und Histaminhemmung wurde 2020 vom Landgericht Frankfurt als irreführend bewertet; das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte die Entscheidung im Dezember 2021.
Innerliche Anwendung
Die Gebrauchsanweisung eines in Deutschland und Österreich verkehrsfähigen Heilerde-Medizinprodukts nennt als Anwendungsgebiete unter anderem die „Linderung von Magen-Darm-Beschwerden wie Magendruck, Völlegefühl, Blähungen und Durchfall“, die „unterstützende Behandlung der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen Reizmagen und Reizdarm“ sowie die „Linderung von Sodbrennen“. Diese Zweckbestimmungen sind produktbezogen; sie gelten für das jeweilige zertifizierte Produkt in der dort angegebenen Dosierung und lassen sich nicht pauschal auf jedes Erdpulver übertragen.
Nachvollziehbar ist der Mechanismus vor allem bei Sodbrennen: Die carbonatischen Bestandteile puffern überschüssige Magensäure ab – dasselbe Prinzip, auf dem klassische Antazida beruhen. Bei Durchfall, Blähungen und Völlegefühl steht die Adsorption im Vordergrund, also die Bindung von Flüssigkeit und gelösten Substanzen im Darm.
Äußerliche Anwendung
Traditionell und heute unstrittig populär ist die äußerliche Anwendung. Heilerde wird mit Wasser zu einer Paste angerührt und als Gesichtsmaske, Peeling, Wickel, Packung oder als Badezusatz verwendet. Die Gebrauchsanweisung nennt hier unter anderem die unterstützende Behandlung von Muskel- und Gelenkbeschwerden, von Hautproblemen wie Akne und fettiger Haut sowie die Linderung von Juckreiz.
Praktische Hinweise aus der Anwendung: Kalte Auflagen empfehlen sich bei akut entzündlichen Beschwerden, warme bei Beschwerden, bei denen eine Entspannung der Muskulatur im Vordergrund steht. Bei warmen Anwendungen ist die Temperatur vor dem Auftragen zu prüfen, um Verbrennungen zu vermeiden. Auf empfindlicher Haut empfiehlt sich nach der Anwendung eine leichte, parfümfreie Creme. Heilerde sollte äußerlich nicht gleichzeitig mit Salben, Cremes oder Pasten angewendet werden, die Arzneistoffe enthalten – auch hier gilt das Prinzip der unspezifischen Bindung.
Was die Datenlage nicht hergibt
Bei aller Tradition ist Zurückhaltung angebracht. Fachleute weisen darauf hin, dass für die meisten beworbenen Einsatzgebiete besser belegte Alternativen existieren; ein klinischer Pharmakologe formulierte es gegenüber einem Recherchemedium so: „Mir fällt kein Anwendungsgebiet ein, für das es nicht wirksamere und durch wissenschaftliche Evidenz belegte Alternativen gäbe.“ Und zur häufig beworbenen Cholesterinbindung stellte ein Kardiologe klar: „Heilerde hat in der Behandlung von Hypercholesterinämie keine Relevanz und kann auch kein Ersatz für Statine sein.“
Auch das Vokabular des „Entgiftens“ und „Entschlackens“ hält einer Prüfung nicht stand: In einem gesunden Körper gibt es keine Ansammlung von „Schlacken“ – nicht verwertbare Stoffe werden über Darm und Nieren ausgeschieden. Wir ordnen dieses Themenfeld in eigenen Beiträgen zu Entgiften und Entschlacken sowie zur Schwermetall-Ausleitung ein.
Anwendung und Dosierung
Die folgenden Angaben orientieren sich an der Gebrauchsanweisung eines zertifizierten Heilerde-Pulvers für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren. Maßgeblich ist stets die Anleitung des konkret verwendeten Produkts.
- Innerlich: ein- bis zweimal täglich ein gestrichener Teelöffel (etwa 4 g). Bei stärkeren Beschwerden sind weitere Gaben möglich, jedoch nicht mehr als drei Teelöffel pro Tag. Die empfohlene maximale Tagesdosis von 12 g soll nicht überschritten werden.
- Zeitpunkt: jeweils etwa eine halbe Stunde vor oder nach dem Essen beziehungsweise bei Bedarf.
- Zubereitung: Das Pulver wird in ein Glas stilles Mineralwasser oder Tee eingerührt und in kleinen Schlucken getrunken. Auf eine insgesamt ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag ist zu achten – quellende Mineralpulver ohne ausreichend Wasser können die Darmpassage erschweren.
- Anwendungsdauer: nicht länger als 30 Tage am Stück. Nach einer Pause von etwa zwei Wochen kann bei Bedarf eine neue Anwendung erfolgen.
- Äußerlich (Maske/Peeling): ein gehäufter Esslöffel Pulver mit einem Esslöffel Wasser zu einer dicken Paste verrühren, Augen- und Mundpartie aussparen, antrocknen lassen und mit klarem Wasser abspülen – je nach Hautzustand ein- bis dreimal wöchentlich.
- Äußerlich (Wickel/Packung): etwa fünf leicht gehäufte Esslöffel Heilerde mit vier Esslöffeln Wasser zu einer salbenartigen Paste anrühren, auftragen, mit einem nassen Wickel umwickeln und mit einem trockenen Tuch abdecken; 20 bis 30 Minuten einwirken lassen.
Eine vorübergehende Veränderung von Stuhlkonsistenz und -farbe kann bei innerlicher Anwendung im Einzelfall auftreten und ist für sich genommen unbedenklich. Bei anhaltendem Sodbrennen oder anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden ist zum Ausschluss schwerwiegender Erkrankungen unbedingt ärztlicher Rat einzuholen.
Geschichte und Hintergrund
Erden als Heil- und Pflegemittel gehören zu den ältesten überlieferten Hausmitteln überhaupt. Die Gebrauchsanweisung eines heutigen Präparats greift diese Linie auf: „Bereits im Altertum wurden ausgesuchte, ,heilende‘ Erden zur Unterstützung und Beschleunigung des Heilungsprozesses von innerlichen und äußerlichen Beschwerden angewandt.“ In der europäischen Naturheilkunde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erlebten Lehm- und Erdanwendungen – Wickel, Packungen, Bäder – eine zweite Blüte und wurden fester Bestandteil der Kur- und Badekultur.
Der entscheidende Schritt in die Gegenwart war die Standardisierung. Erst die kontrollierte Gewinnung aus definierten Lagerstätten, die Reinheitsprüfung und die reproduzierbare Vermahlung machten aus dem Hausmittel ein prüfbares Produkt. Heute unterliegt Heilerde in der EU der Medizinprodukteverordnung: Hersteller müssen Zweckbestimmung, Sicherheit und Leistung belegen, Gebrauchsanweisungen sind vorgeschrieben, und schwerwiegende Vorkommnisse sind den zuständigen Behörden zu melden – in Deutschland dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, in Österreich dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen beziehungsweise der AGES Medizinmarktaufsicht.
Parallel dazu hat sich der Blick auf die Risiken geschärft. Seit die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit einen gesundheitlichen Richtwert für die Aluminiumaufnahme abgeleitet hat und das Bundesinstitut für Risikobewertung 2019 die Gesamtaufnahme der Bevölkerung erstmals umfassend bewertete, wird der Aluminiumgehalt aluminiumsilikathaltiger Produkte deutlich genauer diskutiert als noch vor zwei Jahrzehnten.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Heilerde ist ein Naturprodukt – das macht sie nicht automatisch harmlos. Die folgenden Punkte sind der wichtigste Teil dieser Seite.
Aluminium: Gehalt und behördliche Einordnung
Heilerde besteht im Wesentlichen aus Aluminiumsilikaten und weist entsprechend hohe Aluminiumgehalte auf. Bei der innerlichen Anwendung können durch den Kontakt mit Magensäure freie Aluminiumionen entstehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) legt seiner Risikobewertung „die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abgeleitete tolerierbare wöchentliche Aluminiumaufnahmemenge (TWI-Wert – tolerable weekly Intake) von 1 Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht“ zugrunde.
Das BfR hält in derselben Stellungnahme fest: „Eine hohe Aufnahme von Aluminium und seinen Verbindungen kann unter anderem neurotoxische Entwicklungsstörungen sowie Schäden an Nieren, Leber und Knochen verursachen.“ Und weiter: Werden neben Lebensmitteln weitere relevante Quellen berücksichtigt, „kann die Gesamtaufnahmemenge in allen Altersgruppen den TWI ausschöpfen oder sogar überschreiten“. Die Empfehlung des BfR lautet, die Aluminiumaufnahme aus vermeidbaren Quellen zu reduzieren.
Praktische Konsequenz: Die innerliche Anwendung von Heilerde sollte kurzfristig und nicht dauerhaft erfolgen, die vom Hersteller angegebene Höchstmenge ist einzuhalten, und die übrige Aluminiumaufnahme (etwa aus aluminiumhaltigen Antitranspirantien, aluminiumhaltiger Zahnpasta oder aus Saurem und Salzigem in unbeschichteten Aluminiumgefäßen) sollte im Blick behalten werden. Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sind hier besonders zurückhaltend – gerade weil die Niere das entscheidende Ausscheidungsorgan für Aluminium ist.
Wechselwirkungen mit Arzneimitteln
Heilerde bindet unspezifisch. Die Gebrauchsanweisung formuliert deshalb: „Aufgrund des ausgeprägten Vermögens, andere Stoffe zu binden, sollte [Heilerde] jedoch im zeitlichen Abstand von mindestens zwei Stunden vor oder nach der Einnahme von Arzneimitteln eingenommen werden.“ Ergänzend heißt es: „In Einzelfällen kann die Wirksamkeit bestimmter Medikamente, insbesondere von fettlöslichen Arzneimitteln (z. B. Antibiotika, Hormonpräparate), verringert sein.“ Bei retardierten (verzögert wirksamen) Arzneimitteln kann die Wirkung ebenfalls beeinträchtigt werden – hier ist vorab ärztliche Rücksprache angezeigt.
Wer hormonell verhütet, sollte diesen Punkt ernst nehmen: „Hormonpräparate“ schließt orale Kontrazeptiva ein. Dasselbe gilt sinngemäß für Aktivkohle und andere stark adsorbierende Substanzen.
Wann Heilerde innerlich nicht angewendet werden darf
- bei bekannter Empfindlichkeit gegenüber Heilerdezubereitungen
- bei Darmverschluss, Gallengangverengung oder Gallensteinen
- bei Dialysepflicht
- bei schweren Störungen der Nierenfunktion
- in Schwangerschaft und Stillzeit
- bei Kindern unter 12 Jahren
Nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden sollten Personen mit einer Nierenfunktionsstörung unklaren Ausmaßes, mit Leberinsuffizienz oder mit Malabsorption sowie Personen, die retardierte Arzneimittel einnehmen. Bei äußerlicher Anwendung gilt: nicht gleichzeitig mit arzneilichen Salben, Cremes oder Pasten auf derselben Hautstelle anwenden; bei offenen, stark nässenden oder großflächigen Wunden gehört die Beurteilung in ärztliche Hand.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Gibt es für Heilerde einen zugelassenen EU-Health-Claim?
Nein. Im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 ist für Heilerde, Bentonit, Löss oder Aluminiumsilikate keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Heilerde wird in der EU deshalb in der Regel nicht als Lebensmittel, sondern als Medizinprodukt beziehungsweise als Arzneimittel mit säurebindender Wirkung in Verkehr gebracht. Die zulässigen Anwendungsgebiete stehen dann in der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Produkts.
Wie viel Aluminium nehme ich mit Heilerde auf?
Heilerde besteht im Wesentlichen aus Aluminiumsilikaten und weist entsprechend hohe Aluminiumgehalte auf. Das BfR legt seiner Bewertung den von der EFSA abgeleiteten TWI von 1 Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht pro Woche zugrunde und weist darauf hin, dass die Gesamtaufnahme aus allen Quellen diesen Wert ausschöpfen oder überschreiten kann. Deshalb: innerlich nur kurzfristig anwenden, die vom Hersteller angegebene Tageshöchstmenge einhalten und die übrigen Aluminiumquellen im Blick behalten.
Welcher Abstand ist zu Arzneimitteln einzuhalten?
Mindestens zwei Stunden vor oder nach der Einnahme von Arzneimitteln. Heilerde bindet Stoffe unspezifisch; insbesondere bei fettlöslichen Arzneimitteln wie Antibiotika und Hormonpräparaten – dazu zählen orale Kontrazeptiva – kann die Wirksamkeit im Einzelfall verringert sein. Bei retardierten Arzneimitteln ist vorab ärztliche Rücksprache angezeigt.
Worin unterscheiden sich Heilerde und Kieselerde?
Beide sind mineralische Naturprodukte, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke. Heilerde ist ein Gemisch aus Löss beziehungsweise Bentonit mit Aluminiumsilikaten als Hauptbestandteil und wird vor allem wegen ihrer adsorbierenden und säurebindenden Eigenschaften im Magen-Darm-Bereich sowie äußerlich eingesetzt. Kieselerde besteht überwiegend aus Siliciumdioxid und wird traditionell im Zusammenhang mit Haut, Haaren und Nägeln genannt. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Kieselerde.
Was ist der Unterschied zwischen Heilerde und Bentonit?
Heilerde ist ein Sammelbegriff für fein vermahlene Mineralerden, die meist aus eiszeitlichem Löss gewonnen werden. Bentonit ist ein Tonmineral vulkanischen Ursprungs mit hohem Montmorillonit-Anteil, das stark aufquillt und besonders viel binden kann.
Eignet sich Heilerde zur Darmreinigung?
Heilerde bindet im Magen-Darm-Trakt Säure und andere Stoffe und wird traditionell bei Sodbrennen und Völlegefühl eingesetzt. Eine reinigende oder entgiftende Wirkung auf den Darm ist nicht belegt. Weil Heilerde auch Arzneistoffe binden kann, sollte sie mit zeitlichem Abstand zu Medikamenten eingenommen werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- delta pronatura / Bullrich: Gebrauchsanweisung „Bullrich Heilerde Pulver ultra fein“, Medizinprodukt nach MDR, Stand August 2023. Gebrauchsanweisung (PDF)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Reduzierung der Aluminiumaufnahme kann mögliche Gesundheitsrisiken minimieren. Stellungnahme Nr. 045/2019 vom 18. November 2019, DOI 10.17590/20191115-135258. Stellungnahme (PDF)
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL): Aluminium in Lebensmitteln. lgl.bayern.de
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben, Anhang (kein Eintrag zu Heilerde/Bentonit). Anhang im Volltext | EUR-Lex
- MedWatch: Heilerde – so führt Luvos Verbraucher:innen in die Irre (mit Einordnungen von Prof. Bernd Mühlbauer und Prof. Ulrich Laufs sowie zu den Urteilen des LG bzw. OLG Frankfurt). medwatch.de
- Verbraucherzentrale: Detox – überflüssig oder doch gesünder durch Entgiftung? verbraucherzentrale.de
- Wikipedia: Heilerde

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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