Baobab (Affenbrotbaum) – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
Botanik und Beschreibung
Der Baobab oder Afrikanische Affenbrotbaum (Adansonia digitata L.) gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Die Gattung Adansonia umfasst mehrere Arten, die über Afrika, Madagaskar und Australien verbreitet sind; Adansonia digitata ist die auf dem afrikanischen Kontinent heimische Art und wächst vor allem im subsaharischen Afrika in tieferen Lagen mit vier bis zehn Trockenmonaten pro Jahr. Der Artname digitata verweist auf die fingerförmig angeordneten Teilblätter; der deutsche Name „Affenbrotbaum" bezieht sich auf die von Tieren gern gefressenen Früchte.
Kaum ein Baum wirkt so eigentümlich. Der Baobab ist gedrungen und dabei enorm mächtig: Ein bekanntes Exemplar in Südafrika misst rund 19 Meter Höhe bei einem Stammdurchmesser von 10,64 Metern. Die Rinde ist fünf bis zehn Zentimeter dick und schützt den Baum vor kleineren Buschfeuern. Junge Bäume bilden zunächst eine Pfahlwurzel aus und gehen später zu einem flach streichenden Wurzelsystem über, das etwa 1,8 Meter tief reicht und sich horizontal weiter ausdehnt, als der Baum hoch ist.
Nach etwa hundert Jahren können Stammdurchmesser von vier bis fünf Metern erreicht sein. Die meisten Bäume sind jünger als 400 Jahre, einzelne werden bis zu 800 Jahre alt. Der älteste bekannte Baobab, der Baum „Panke" in Simbabwe, war nach neueren Untersuchungen über 2.500 Jahre alt, als er um 2010/2011 abstarb. Zur Trockenzeitvorsorge speichert der Stamm große Wassermengen – in der Literatur werden bis zu 140.000 Liter genannt.
Die Frucht ist eine große, längliche, holzig-harte Kapsel mit filziger Außenschale. In ihrem Inneren liegen die Samen eingebettet in ein weißliches, mehlig-trockenes Fruchtfleisch. Diese Besonderheit macht den Baobab wirtschaftlich interessant: Das Fruchtfleisch trocknet bereits am Baum und muss nach der Ernte im Wesentlichen nur noch von Schale und Samen getrennt und vermahlen werden. Genau so beschreibt es auch die EU-Zulassung: Die harten Schalen werden aufgebrochen, das Fruchtfleisch von Samen und Schale getrennt, gemahlen, in grobe und feine Partikel (3 bis 600 μ) getrennt und verpackt.
Zur Herkunft: Baobab wächst ausschließlich in Afrika und nicht in Europa. Die Formulierung „aus der EU" kann sich bei Baobab-Erzeugnissen daher nie auf den Anbau beziehen, sondern nur auf Verarbeitung, Abfüllung, Qualitätsprüfung und rechtliche Regulierung, die in der EU (vorwiegend in AT und DE) erfolgen.
Inhaltsstoffe
Handelsüblich ist praktisch ausschließlich das getrocknete Fruchtfleisch („Baobab-Fruchtpulver"). Es unterscheidet sich von den meisten Trockenfrüchten durch einen ungewöhnlich hohen Ballaststoffanteil bei gleichzeitig geringem Fettgehalt.
- Ballaststoffe: Eine Übersichtsarbeit von 2023 nennt für die Frucht rund 80,3 g Ballaststoffe je 100 g Trockenmasse. Bemerkenswert ist die Verteilung im Fruchtfleisch: etwa 57,3 g lösliche und 16,1 g unlösliche Ballaststoffe je 100 g – der lösliche Anteil überwiegt also deutlich. Bei den Samen kehrt sich das Verhältnis um (rund 62,0 g unlöslich, 16,3 g löslich).
- Vitamin C: In derselben Arbeit werden 466 mg je 100 g angegeben. Andere Analysen kommen zu abweichenden Werten – dazu unten mehr.
- Mineralstoffe: Kalium (rund 1.240 mg/100 g), Phosphor (775 mg), Calcium (309 mg), Magnesium (155 mg), Eisen (rund 15 mg) und Zink (1,8 mg).
- Polyphenole: auffallend hoch. Genannt werden unter anderem Procyanidin B2 (533,3 mg/100 g Frischgewicht), Gallussäure (68,5 mg), (−)-Epicatechin (43 mg) sowie Gesamtphenole von rund 702 mg/100 g. Der Gerbstoffanteil setzt sich aus kondensierten (rund 336 mg) und hydrolysierbaren Gerbstoffen (rund 238 mg) zusammen.
- Organische Säuren und Zucker: Zitronen-, Wein- und Apfelsäure prägen den charakteristisch sauer-frischen Geschmack; die Gesamtzuckerwerte liegen laut EU-Spezifikation zwischen 15,2 und 36,5 g/100 g.
- Antinutritive Begleitstoffe: Neben Gerbstoffen werden geringe Mengen Phytinsäure (rund 2,6 mg/100 g), Trypsininhibitoren (rund 5,9 mg/100 g) sowie Spuren von Oxalaten und Blausäure beschrieben.
Diese Zahlen sind Orientierungswerte, keine Konstanten. Die zitierte Übersichtsarbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass die Zusammensetzung von Sorte, Alter des Baumes, genetischer Variation und Umweltbedingungen abhängt. Wie stark diese Streuung ist, zeigt ein Blick in die amtliche EU-Spezifikation: Dort ist der Feuchtigkeitsgehalt mit 4,5 bis 13,7 g/100 g und der Proteingehalt mit 1,8 bis 9,3 g/100 g angegeben – Spannen, die einen Faktor drei bis fünf umfassen. Maßgeblich ist deshalb immer die Nährwertdeklaration des konkreten Erzeugnisses.
Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete
Der Baobab ist in weiten Teilen Afrikas weit mehr als eine Nutzpflanze. Die folgenden Angaben beschreiben überlieferte Verwendungen und den Stand der wissenschaftlichen Beschäftigung – sie sind keine Wirkversprechen.
Kulturelle Bedeutung in Afrika
In vielen afrikanischen Regionen ist der Baobab der zentrale Baum des Dorfes: Unter seiner Krone werden Märkte abgehalten, Versammlungen geführt und Streitfälle besprochen. In der Literatur wird er unter anderem als „magic tree", „chemist tree" und „symbol of the earth" bezeichnet. Diese Rolle hat handfeste Gründe: Der Baum liefert in Trockenzeiten Nahrung, Fasern und Wasser, und seine Früchte sind Teil der Nahrungssicherung ländlicher Gemeinschaften.
Überlieferte Verwendungen
Traditionell werden nahezu alle Teile des Baumes genutzt. Das Fruchtfleisch wird in mehreren Regionen – beschrieben sind unter anderem Indien, Südafrika, Tansania, Kamerun und die Elfenbeinküste – traditionell zur oralen Flüssigkeitszufuhr bei Durchfallerkrankungen sowie als fiebersenkendes Hausmittel eingesetzt. Blätter und Samen finden in der Volksmedizin bei Wurmbefall, Husten, Zahnschmerzen und Zahnfleischbeschwerden Verwendung; das aus den Samen gepresste Öl wird äußerlich zur Hautpflege genutzt. Diese Anwendungen sind ethnobotanisch dokumentiert; sie sind nicht mit einer nachgewiesenen Wirksamkeit gleichzusetzen und in der EU nicht als arzneiliche Anwendung anerkannt.
Verwendung als Lebensmittel in Europa
In Europa wird Baobab-Fruchtpulver als Lebensmittelzutat und als Nahrungsergänzungsmittel verwendet – in Smoothies, Joghurt, Müsli, Backwaren und Getränkepulvern. Der säuerliche, leicht zitrusartige Geschmack und der hohe Anteil löslicher Ballaststoffe machen es zu einer Alternative zu anderen ballaststoffreichen Zutaten wie Flohsamenschalen, Akazienfaser oder Inulin. Wie diese wird Baobab-Pulver im Zusammenhang mit Präbiotika diskutiert.
Gegenstand aktueller Forschung
Baobab-Fruchtpulver ist Gegenstand laufender wissenschaftlicher Untersuchungen. Ein 2025 veröffentlichtes Studienprotokoll beschreibt beispielsweise eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung mit 16 g Fruchtpulver täglich über 45 Tage, was rund 8 g Ballaststoffe pro Tag entspricht. Zu betonen ist: Es handelt sich um ein Protokoll – die Studie war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht abgeschlossen, Ergebnisse liegen nicht vor. Aussagen über gesundheitliche Wirkungen lassen sich daraus ausdrücklich nicht ableiten.
Regulatorische Einordnung in der EU
Baobab ist einer der wenigen exotischen Rohstoffe mit einer vollständig dokumentierten EU-Zulassung – ein echtes Qualitätsmerkmal, das hier im Detail dargestellt sei.
Novel-Food-Zulassung 2008. Getrocknetes Baobab-Fruchtfleisch war in der EU vor 1997 nicht in nennenswertem Umfang als Lebensmittel in Verkehr und galt damit als neuartiges Lebensmittel („Novel Food"). Das Unternehmen PhytoTrade Africa beantragte am 9. August 2006 bei den britischen Behörden das Inverkehrbringen. Die zuständige britische Bewertungsstelle kam am 12. Juli 2007 zu dem Ergebnis, dass getrocknetes Baobab-Fruchtfleisch bei den vorgeschlagenen Verwendungsmengen für den menschlichen Verzehr sicher ist. Mit der Entscheidung 2008/575/EG der Kommission vom 27. Juni 2008 wurde das Inverkehrbringen gemeinschaftsweit genehmigt. Die im Verfahren erhobenen Einwände betrafen ausdrücklich keine Sicherheitsbedenken.
Kennzeichnung. Artikel 2 der Entscheidung legt fest, dass die Bezeichnung in der Kennzeichnung „Baobab-Fruchtfleisch" (englisch: „Baobab fruit pulp") zu lauten hat.
Heutige Rechtsgrundlage. Seit der Ablösung der alten Novel-Food-Verordnung ist das getrocknete Fruchtfleisch von Adansonia digitata (Baobab) in der Unionsliste der zugelassenen neuartigen Lebensmittel geführt (Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470). Dort ist bei den Verwendungsbedingungen „Keine Angabe" vermerkt – es bestehen also keine auf bestimmte Lebensmittelkategorien beschränkten Höchstmengen. Die dortige Spezifikation nennt unter anderem Feuchtigkeit 4,5–13,7 g/100 g, Protein 1,8–9,3 g/100 g, Fett 0–1,6 g/100 g, Gesamtkohlenhydrate 76,3–89,5 g/100 g, Gesamtzucker 15,2–36,5 g/100 g, Asche 3,8–6,6 g/100 g und höchstens 0,2 % Fremdstoffe.
Wichtig und selten erwähnt: Die amtliche Spezifikation enthält keine Vorgaben für Ballaststoff- oder Vitamin-C-Gehalt. Beide sind also nicht behördlich garantiert, sondern hängen vom jeweiligen Erzeugnis ab.
Zugelassene Angaben – und was für Ballaststoffe wirklich gilt
Für Adansonia digitata als Pflanze ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Zulässige Angaben knüpfen ausschließlich an Nährstoffe im Endprodukt an.
Vitamin C. Hier besteht ein zugelassener Claim nach der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Der Wortlaut lautet: „Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei." Die Verwendungsbedingung dazu: „Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Vitamin-C-Quelle gemäß der im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 aufgeführten Angabe [NAME DES VITAMINS/DER VITAMINE] UND/ODER [NAME DES MINERALSTOFFS/DER MINERALSTOFFE]-QUELLE erfüllen." Der Claim ist damit an den tatsächlichen Gehalt im fertigen Erzeugnis gebunden, nicht an den Rohstoff.
Ballaststoffe – hier ist eine Klarstellung nötig. Entgegen einer verbreiteten Annahme gibt es in der EU keinen allgemeinen Health Claim für „Ballaststoffe". Die in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zugelassenen Ballaststoff-Angaben sind sämtlich rohstoffgebunden und gelten jeweils nur für die dort genannte Quelle – etwa „Roggen-Ballaststoffe tragen zu einer normalen Darmfunktion bei", „Weizenkleie trägt zur Beschleunigung der Darmpassage bei" oder „Haferkorn-Ballaststoffe tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei". Baobab ist in keiner dieser Angaben genannt. Ein solcher Claim darf für Baobab-Erzeugnisse daher nicht verwendet werden.
Was zulässig bleibt, sind die rein nährwertbezogenen Angaben nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, sofern das Produkt die Mengen erreicht: „Ballaststoffquelle" ist nur zulässig, „wenn das Produkt mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 g oder mindestens 1,5 g Ballaststoffe pro 100 kcal enthält"; „Hoher Ballaststoffgehalt" nur, „wenn das Produkt mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100 g oder mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 kcal enthält". Diese Angaben beschreiben ausschließlich den Gehalt, nicht eine Wirkung.
Keine EMA/HMPC-Monographie. Für Adansonia digitata besteht nach unserer Recherche keine Pflanzenmonographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur – weder als „traditional use" noch als „well-established use". Baobab ist in der EU ein Lebensmittel, kein Arzneimittel.
Anwendung und Dosierung
Es existiert in der EU keine behördlich festgelegte Verzehrsempfehlung für Baobab-Fruchtpulver. Die folgenden Angaben beschreiben die übliche Praxis; maßgeblich sind die Herstellerangaben auf der Verpackung.
- Fruchtpulver: handelsüblich sind Portionen im Bereich von etwa 5 bis 15 g täglich. Das oben genannte Studienprotokoll arbeitet mit 16 g pro Tag. Das Pulver löst sich in Wasser, Saft, Pflanzendrinks, Joghurt oder Smoothies.
- Als Backzutat: in Müsliriegeln, Brot oder Gebäck; die Fruchtsäure kann dabei die Teigführung beeinflussen.
- Kapseln: vor allem, wenn der säuerliche Geschmack nicht erwünscht ist. Die enthaltene Menge ist hier meist deutlich geringer als bei Pulver.
Wichtig bei ballaststoffreichen Erzeugnissen: Steigern Sie die Menge langsam über mehrere Tage und trinken Sie ausreichend – mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt. Eine plötzlich stark erhöhte Ballaststoffzufuhr bei zu geringer Flüssigkeitsaufnahme kann zu Völlegefühl, Blähungen und Beschwerden führen. Bewahren Sie das Pulver trocken, dunkel und gut verschlossen auf; Vitamin C ist licht-, wärme- und sauerstoffempfindlich.
Geschichte und Hintergrund
Der Baobab ist in der afrikanischen Überlieferung fest verankert. Zahlreiche Erzähltraditionen deuten seine ungewöhnliche Gestalt so, als sei der Baum verkehrt herum eingepflanzt worden – mit den Wurzeln in der Luft. Die botanische Erfassung ist gut dokumentiert: Die Gattung Adansonia ist nach dem französischen Botaniker Michel Adanson benannt. Bernard de Jussieu berichtete Carl von Linné von der durch Adanson entdeckten Art und vergab den Gattungsnamen zu Ehren Adansons; die Beschreibung übermittelte Adanson in einem auf den 2. Oktober 1758 datierten Brief, veröffentlicht wurde sie 1764 in Linnés Genera Plantarum. Der Name „Baobab" leitet sich vom arabischen Ausdruck bu-hubub her, der Artname digitata von den fingerförmig angeordneten Teilblättern.
Wirtschaftlich hat der Baobab erst in jüngerer Zeit internationale Bedeutung gewonnen. Die EU-Zulassung von 2008 war dabei ein Wendepunkt: Antragsteller war ein Zusammenschluss, der die Wertschöpfung ausdrücklich bei den sammelnden Gemeinschaften in Afrika halten wollte. Da die Früchte von wild wachsenden Bäumen gesammelt und nicht in Plantagen angebaut werden, ist die Ernte bis heute überwiegend Handarbeit und für viele ländliche Haushalte eine wichtige Einkommensquelle. Wer Baobab kauft, sollte deshalb auf Herkunft und Handelsbedingungen achten.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Getrocknetes Baobab-Fruchtfleisch wurde im EU-Verfahren als sicher für den menschlichen Verzehr bei den vorgeschlagenen Verwendungsmengen bewertet. Für den Alltag sind dennoch einige Punkte zu beachten:
- Verdauungsbeschwerden bei zu schneller Steigerung: Der sehr hohe Anteil löslicher Ballaststoffe kann bei rascher Mengenerhöhung oder zu geringer Trinkmenge zu Blähungen, Völlegefühl und Bauchkrämpfen führen. Langsam einschleichen und ausreichend trinken.
- Aufnahme von Arzneimitteln: Ballaststoffe und Gerbstoffe können die Aufnahme von Arzneistoffen und Mineralstoffen im Darm verzögern oder vermindern. Halten Sie – wie bei allen ballaststoffreichen Zubereitungen üblich – einen Abstand von etwa zwei Stunden zur Medikamenteneinnahme ein.
- Eisenpräparate: Aufgrund des Gerbstoff- und Phytinsäuregehalts ist auch hier ein zeitlicher Abstand sinnvoll.
- Bestehende Darmerkrankungen: Bei Verengungen des Darms, entzündlichen Darmerkrankungen im Schub oder nach Operationen im Bauchraum ist eine ärztliche Abklärung vor der Anwendung ballaststoffreicher Erzeugnisse notwendig.
- Neigung zu Nierensteinen: Baobab enthält Spuren von Oxalaten. Bei bekannter Oxalatsteinbildung sprechen Sie die Verwendung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Als Lebensmittelzutat in üblichen Mengen bestehen keine spezifischen Bedenken. Zu hoch dosierten Nahrungsergänzungsmitteln liegen keine ausreichenden Daten vor – hier ist ärztliche Rücksprache angezeigt.
- Kleinkinder: Konzentrierte Ballaststoffzubereitungen sind für Kleinkinder nicht geeignet.
- Überempfindlichkeit: Allergische Reaktionen sind selten, aber wie bei jedem Lebensmittel möglich.
Baobab ist ein Lebensmittel und kein Ersatz für eine ärztlich verordnete Therapie oder für eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Was ist Baobab-Fruchtpulver genau?
Es ist das getrocknete Fruchtfleisch der Frucht des Afrikanischen Affenbrotbaums (Adansonia digitata). Das Fruchtfleisch trocknet bereits in der geschlossenen Kapsel am Baum. Nach der Ernte werden die harten Schalen aufgebrochen, das Fruchtfleisch von Samen und Schale getrennt, gemahlen, in grobe und feine Partikel getrennt und verpackt – so beschreibt es die EU-Spezifikation. Das Pulver schmeckt säuerlich-fruchtig und ist besonders reich an löslichen Ballaststoffen.
Ist Baobab in der EU als Lebensmittel zugelassen?
Ja. Getrocknetes Baobab-Fruchtfleisch wurde mit der Entscheidung 2008/575/EG der Kommission vom 27. Juni 2008 als neuartige Lebensmittelzutat zugelassen, nachdem die britische Bewertungsstelle es bei den vorgeschlagenen Verwendungsmengen als sicher für den menschlichen Verzehr eingestuft hatte. Heute ist es in der Unionsliste nach der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 geführt, ohne Beschränkung auf bestimmte Lebensmittelkategorien. Die vorgeschriebene Bezeichnung in der Kennzeichnung lautet „Baobab-Fruchtfleisch".
Darf man bei Baobab mit Ballaststoffen werben?
Nur eingeschränkt. Einen allgemeinen gesundheitsbezogenen Claim für „Ballaststoffe" gibt es in der EU nicht; die zugelassenen Ballaststoff-Angaben der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 sind an bestimmte Quellen wie Roggen-Ballaststoffe, Haferkorn-Ballaststoffe oder Weizenkleie gebunden und gelten nicht für Baobab. Zulässig sind lediglich die nährwertbezogenen Angaben „Ballaststoffquelle" (mindestens 3 g je 100 g oder 1,5 g je 100 kcal) und „Hoher Ballaststoffgehalt" (mindestens 6 g je 100 g oder 3 g je 100 kcal), sofern das Produkt diese Mengen tatsächlich erreicht.
Worauf sollte ich bei der Anwendung achten?
Steigern Sie die Menge langsam über mehrere Tage und trinken Sie ausreichend – mindestens 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt. Halten Sie etwa zwei Stunden Abstand zu Medikamenten und Eisenpräparaten, da Ballaststoffe und Gerbstoffe deren Aufnahme beeinflussen können. Bei Darmverengungen, entzündlichen Darmerkrankungen im Schub, nach Bauchoperationen oder bei Neigung zu Oxalatsteinen ist eine ärztliche Abklärung vor der Anwendung erforderlich.
Quellen und weiterführende Informationen
- Entscheidung der Kommission vom 27. Juni 2008 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von getrocknetem Baobab-Fruchtfleisch als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 (2008/575/EG), ABl. L 183 vom 11.7.2008, S. 38–39. EUR-Lex
- Durchführungsverordnung (EU) 2017/2470 der Kommission zur Erstellung der Unionsliste der neuartigen Lebensmittel (Eintrag „Getrocknetes Fruchtfleisch von Adansonia digitata (Baobab)"). EUR-Lex (deutsch)
- Adansonia digitata L. (Baobab) Bioactive Compounds, Biological Activities, and the Potential Effect on Glycemia: A Narrative Review. Nutrients 2023;15(9):2170. Volltext (PMC)
- Effects of Baobab fruit powder on gut and cardiometabolic health in obesity – Protocol for a randomised placebo-controlled trial. PLoS ONE 2025, DOI 10.1371/journal.pone.0328774. Volltext (PMC)
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern. EUR-Lex (deutsch)
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, konsolidierte Fassung (Anhang: „Ballaststoffquelle", „Hoher Ballaststoffgehalt"). EUR-Lex (deutsch)
- Wikipedia: Afrikanischer Affenbrotbaum

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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