Nackenschmerzen (HWS): Ursachen, Symptome und natürliche Heilmittel

Kraeutermax Lexikon Nackenschmerzen

Was ist ein HWS-Syndrom?

Nackenschmerzen gehören neben Rückenschmerzen zu den häufigsten Beschwerden des Bewegungsapparats. Medizinisch werden Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) oft unter dem Sammelbegriff HWS-Syndrom oder Zervikalsyndrom zusammengefasst. Gemeint sind Schmerzen, Verspannungen und Bewegungseinschränkungen im Nacken, die in Hinterkopf, Schultern oder Arme ausstrahlen können.

Die Halswirbelsäule besteht aus sieben Wirbeln. Sie trägt den Kopf, der bei Erwachsenen etwa fünf Kilogramm wiegt, und ist zugleich der beweglichste Abschnitt der Wirbelsäule. Diese Beweglichkeit wird durch ein feines Zusammenspiel von Bandscheiben, kleinen Wirbelgelenken, Bändern und zahlreichen Muskeln ermöglicht – und macht den Nacken anfällig für Überlastung.

In der großen Mehrzahl der Fälle findet sich keine eindeutige körperliche Ursache; Fachleute sprechen dann von unspezifischen Nackenschmerzen. Sie sind meist harmlos und klingen oft innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab, neigen aber zur Wiederkehr. Halten sie länger als drei Monate an, gelten sie als chronisch.

Ursachen

  • Muskelverspannungen und Fehlhaltungen: langes Sitzen vor dem Bildschirm, ein nach vorne geschobener Kopf beim Blick auf das Mobiltelefon, einseitige Arbeitshaltungen. Je weiter der Kopf nach vorne geneigt ist, desto stärker muss die Nackenmuskulatur halten (siehe Verspannungen im Nacken lösen).
  • Bewegungsmangel und schwach trainierte Schulter- und Nackenmuskulatur
  • Stress und seelische Anspannung: Viele Menschen ziehen unter Druck unbewusst die Schultern hoch.
  • Zugluft und Kälte, ungünstige Schlafposition oder ein unpassendes Kopfkissen – typisch beim „steifen Hals“ am Morgen
  • Verschleiß: Mit dem Alter verlieren die Bandscheiben an Höhe, die Wirbelgelenke können arthrotisch verändert sein. Solche Veränderungen sind im Röntgenbild sehr häufig und verursachen keineswegs immer Beschwerden.
  • Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule mit Reizung einer Nervenwurzel (siehe Bandscheibenvorfall)
  • Verletzungen, etwa ein Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall
  • Seltene Ursachen: entzündlich-rheumatische Erkrankungen, Infektionen, Tumoren oder eine Hirnhautentzündung

Symptome

  • Steifigkeit im Nacken: Kopfdrehen und -neigen fallen schwer und schmerzen.
  • Verhärtete, druckempfindliche Muskulatur an Nacken und Schultergürtel, oft mit tastbaren „Knoten“
  • Ausstrahlende Schmerzen in Schultern und zwischen die Schulterblätter
  • Kopfschmerzen, die im Hinterkopf beginnen und nach vorne ziehen können
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schwäche in Armen und Händen, wenn eine Nervenwurzel gereizt ist
  • gelegentlich Schwindel oder Ohrgeräusche, deren Zusammenhang mit der Halswirbelsäule allerdings ärztlich geprüft werden sollte

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Wärme lockert verspannte Muskulatur und lindert Schmerzen – eines der einfachsten und wirksamsten Hausmittel.
  • Arnika ist von der EMA für die traditionelle äußerliche Anwendung bei örtlichen Muskelschmerzen, Prellungen und Verstauchungen anerkannt.
  • Rosmarin ist von der EMA für die traditionelle Anwendung bei leichten Muskel- und Gelenkschmerzen anerkannt, etwa als Einreibung oder Bad.
  • Cayennepfeffer – Zubereitungen mit Capsaicin sind von der EMA zur äußerlichen Anwendung bei Muskelschmerzen anerkannt.
  • Johanniskrautöl wird traditionell zur Massage verspannter Muskeln verwendet.
  • Pfefferminzöl ist auf Stirn und Schläfen aufgetragen bei Spannungskopfschmerzen anerkannt, die Nackenschmerzen oft begleiten.
  • Teufelskralle ist traditionell bei leichten Gelenkschmerzen anerkannt; Studien speziell zu Nackenschmerzen fehlen.
  • Weihrauch wird volksheilkundlich bei entzündlichen Beschwerden eingesetzt; Studien liegen vor allem zur Arthrose vor.
  • Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei; eine Wirkung auf Nackenschmerzen ist nicht belegt.
  • Vitamin B – die Vitamine B1, B6 und B12 tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei; ein Nutzen bei Nackenschmerzen ohne Mangel ist nicht belegt.
  • MSM wird bei Gelenk- und Muskelbeschwerden verwendet; aussagekräftige Studien zu Nackenschmerzen gibt es nicht.
  • Basen – eine gemüsereiche Ernährung ist sinnvoll, eine „Übersäuerung“ als Ursache von Verspannungen ist jedoch nicht belegt.

Äußerliche Anwendungen

Am besten bewährt sind bei Verspannungen äußerliche Maßnahmen: Wärme durch ein Kirschkernkissen, eine Wärmflasche, eine warme Dusche oder ein Bad. Einreibungen mit Arnika, Rosmarin oder Johanniskrautöl verbinden die Wirkung der Pflanze mit der lockernden Massage. Für Arnika, Rosmarin und Capsaicin bestehen Monographien der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die überwiegend auf langjähriger Erfahrung beruhen. Capsaicin-Pflaster und -Salben erzeugen ein kräftiges Wärmegefühl und dürfen nicht auf verletzte Haut, nicht in die Nähe der Augen und nicht zusammen mit einer Wärmflasche angewendet werden.

Akupunktur und Massage

Häufig gefragt wird nach Akupunktur bei HWS-Beschwerden. Eine Übersichtsarbeit (Trinh und Kollegen, 2007) fand mäßig gute Hinweise, dass Akupunktur chronische Nackenschmerzen kurzfristig besser lindert als Scheinbehandlungen oder Abwarten; zur langfristigen Wirkung ist wenig bekannt. Auch Massagen – einschließlich chinesischer Techniken wie An Mo oder Tuina – können Verspannungen vorübergehend lösen, die Studienlage ist jedoch begrenzt. In Österreich dürfen Akupunktur und andere komplementärmedizinische Verfahren ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten ausgeübt werden; den in Deutschland verbreiteten Beruf des Heilpraktikers gibt es hier nicht. Massagen bieten medizinische Masseure und Physiotherapeuten an.

Gegenanzeigen der genannten Mittel

Arnika ist ein Korbblütler und kann Kontaktallergien auslösen; sie sollte nicht auf offene Wunden aufgetragen werden. Johanniskrautöl macht die Haut lichtempfindlicher – nach der Anwendung keine starke Sonne. Pfefferminzöl nicht bei Säuglingen und Kleinkindern im Gesichtsbereich anwenden, da es Atemkrämpfe auslösen kann. Teufelskralle ist bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren ungeeignet. Nahrungsergänzungen mit Vitamin B6 nicht dauerhaft hoch dosieren, da sehr hohe Mengen Nervenschäden verursachen können.

Was Sie selbst tun können

  • In Bewegung bleiben: Bei akuten Nackenschmerzen ist Schonung im Bett nicht sinnvoll. Den Kopf im schmerzfreien Bereich vorsichtig bewegen und den Alltag so normal wie möglich fortsetzen. Eine Halskrause wird bei gewöhnlichen Nackenschmerzen nicht empfohlen.
  • Kräftigen statt nur dehnen: Laut einer Cochrane-Übersicht (Gross und Kollegen, 2015) sind Kraft- und Ausdauerübungen für Nacken, Schultergürtel und Schultern bei chronischen Nackenschmerzen vermutlich hilfreich, reine Dehnübungen dagegen kaum. Einfache Übungen: das Kinn langsam waagrecht nach hinten schieben („Doppelkinn machen“) und halten, die Schulterblätter nach hinten unten ziehen, den Kopf mit der Hand leicht gegen Widerstand drücken, ohne ihn zu bewegen. Eine physiotherapeutische Anleitung ist sinnvoll.
  • Arbeitsplatz einrichten: Bildschirm auf Augenhöhe, Unterarme aufgelegt, Füße am Boden. Das Mobiltelefon eher auf Augenhöhe heben als den Kopf senken.
  • Pausen: alle 30 bis 60 Minuten aufstehen, Schultern kreisen lassen, die Haltung wechseln.
  • Schlafen: ein Kissen, das den Nacken in Verlängerung der Wirbelsäule hält; Bauchlage mit stark gedrehtem Kopf vermeiden.
  • Stress abbauen: Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung oder bewusste Atemübungen lösen die Schulter-Nacken-Spannung; beruhigend kann auch Lavendel wirken.
  • Warm halten: Zugluft vermeiden, an kühlen Tagen einen Schal tragen.
  • Ausdauersport wie Walken, Radfahren oder Schwimmen beugt Rückfällen vor (siehe auch Rückenschmerzen und Muskelschmerzen).

Wann zum Arzt?

Sofort ärztliche Hilfe oder den Notruf brauchen Sie bei:

  • Nackensteifigkeit mit Fieber, starken Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Benommenheit – Verdacht auf Hirnhautentzündung
  • plötzlichem, heftigstem Kopf- und Nackenschmerz
  • Nackenschmerzen nach einem Unfall oder Sturz
  • Lähmungen, Kraftverlust in Armen oder Beinen, Gangunsicherheit, Störungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
  • Nackenschmerzen zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot oder Schmerzen im Kiefer – sie können auch vom Herzen ausgehen

Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem Nackenschmerzen, die

  • trotz Wärme und Bewegung nach etwa zwei Wochen nicht besser werden oder immer wiederkehren,
  • mit Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schmerzen in Arm und Hand einhergehen,
  • mit Gewichtsverlust, nächtlichem Schwitzen oder starken Ruheschmerzen in der Nacht verbunden sind,
  • bei bekannter Krebserkrankung, Osteoporose oder Rheuma auftreten.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Was sind die Hauptursachen für Nackenschmerzen (HWS)?
    Hauptursachen können Muskelverspannungen, Fehlhaltungen, Wirbelsäulenprobleme wie Bandscheibenvorfälle oder auch Verletzungen sein.
  2. Wie kann ich Nackenschmerzen vorbeugen?
    Regelmäßige Bewegung, ergonomische Arbeitsplätze und Pausen zur Entspannung des Nackens können zur Vorbeugung beitragen.
  3. Sind Naturheilmittel sicher zur Behandlung von Nackenschmerzen?
    Viele Naturheilmittel sind sicher, aber es ist wichtig, die Anweisungen zu befolgen und auf mögliche Gegenanzeigen zu achten.
  4. Wie lange dauern Nackenschmerzen normalerweise an?
    Gewöhnliche, verspannungsbedingte Nackenschmerzen klingen meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen ab, neigen aber zur Wiederkehr. Halten sie länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen. Bessern sich die Beschwerden trotz Wärme und Bewegung nach etwa zwei Wochen nicht, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
  5. Sollte ich bei Nackenschmerzen einen Arzt aufsuchen?
    Bei anhaltenden, schweren oder wiederkehrenden Nackenschmerzen sollte man einen Gesundheitsexperten konsultieren.
  6. Was hilft bei einer verspannten Halswirbelsäule?
    Wärme durch Kirschkernkissen oder warme Dusche, sanfte Dehn- und Bewegungsübungen und regelmäßige Pausen am Schreibtisch lösen Verspannungen. Massagen und Entspannungsübungen helfen ebenfalls, traditionell wird auch Arnika- oder Johanniskrautöl einmassiert. Bei Taubheit, Kraftverlust in den Armen oder nach einem Unfall ist ärztlicher Rat nötig.
  7. Was ist ein HWS-Syndrom?
    HWS-Syndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden der Halswirbelsäule wie Nackenschmerzen, Verspannungen und Bewegungseinschränkungen, die in Kopf, Schultern oder Arme ausstrahlen können. Meist sind Muskelverspannungen durch Fehlhaltung oder Stress die Ursache, seltener Verschleiß oder ein Bandscheibenvorfall.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.