L-Threonin: Wirkung, Vorkommen & Anwendung

L-Threonin – Kräutermax Lexikon

Herkunft und Bedeutung

L-Threonin ist eine der neun essentiellen Aminosäuren. Der menschliche Körper kann sie nicht selbst herstellen; sie muss daher täglich mit der Nahrung zugeführt werden. Threonin wurde 1935 von dem amerikanischen Biochemiker William Cumming Rose als letzte der proteinogenen Aminosäuren entdeckt – im Rahmen der Versuche, mit denen er herausfand, welche Aminosäuren für Wachstum unverzichtbar sind. Der Name leitet sich von dem Zucker Threose ab, dem die Struktur des Moleküls ähnelt.

In Nahrungsergänzungsmitteln und in der Tierernährung wird L-Threonin heute überwiegend durch Fermentation mit Mikroorganismen gewonnen.

Inhaltsstoffe und chemische Eigenschaften

Threonin ist eine Aminosäure mit einer Hydroxygruppe (OH-Gruppe) in der Seitenkette – ähnlich wie L-Serin. Es besitzt zwei Chiralitätszentren; biologisch bedeutsam ist nur die L-Form. Über die Hydroxygruppe können im Körper Phosphatreste oder Zuckerketten angehängt werden, was für die Funktion vieler Eiweiße wichtig ist.

  • Abkürzung: Thr bzw. T
  • Einordnung: essentiell, proteinogen, polar
  • Abbau: unter anderem zu Glycin und zu Bausteinen des Energiestoffwechsels

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Eiweißaufbau: Threonin ist Baustein nahezu aller Körpereiweiße, etwa von Enzymen, Antikörpern und Strukturproteinen.
  • Darmschleim: Die Schleimstoffe (Muzine), die die Darmschleimhaut schützen, sind besonders reich an Threonin – ein gut untersuchter biochemischer Zusammenhang.
  • Signalübertragung: Viele Enzyme werden über angehängte Phosphatreste an Threonin- und Serinbausteinen an- oder abgeschaltet.
  • Ergänzungsernährung: Als Bestandteil von Aminosäuremischungen verbreitet; eine eigenständige Wirkung isolierten Threonins ist beim Gesunden nicht belegt.

Einordnung: Für L-Threonin ist in der EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.

Threonin und Darmschleimhaut

Die Darmschleimhaut ist mit einer Schleimschicht überzogen, deren Hauptbestandteile Muzine sind. Diese Eiweiße enthalten einen auffallend hohen Anteil an Threonin, an dem die Zuckerketten hängen. Ein großer Teil des mit der Nahrung aufgenommenen Threonins wird deshalb bereits in der Darmwand verbraucht. Ob eine zusätzliche Zufuhr beim Gesunden einen Nutzen hat, ist nicht untersucht.

Bedarf und Vorkommen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO/FAO/UNU, 2007) gibt für Erwachsene einen Bedarf von etwa 15 mg Threonin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag an – bei 70 kg rund 1 g täglich. Mit einer abwechslungsreichen Ernährung wird diese Menge in Europa problemlos erreicht.

  • Tierische Lebensmittel: Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Milch und Käse, besonders Hüttenkäse.
  • Pflanzliche Lebensmittel: Linsen, Bohnen, Sojabohnen, Erbsen, Kürbiskerne, Sesam und Erdnüsse.
  • Getreide: enthält eher wenig Threonin; in rein getreidebasierter Kost kann es neben Lysin zur begrenzenden Aminosäure werden. Die Kombination mit Hülsenfrüchten gleicht das aus.

Anwendung und Dosierung

  • Ernährung zuerst: Für gesunde Menschen ist eine gezielte Ergänzung nicht nötig.
  • Präparate: Threonin ist meist Teil von Aminosäuremischungen; die angegebene Verzehrsmenge nicht überschreiten.
  • Vegane Ernährung: Wer sich pflanzlich ernährt, deckt den Bedarf am besten über Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse und Samen – siehe auch vegane Ernährung.

Geschichte und Hintergrund

Die Entdeckung des Threonins schloss 1935 die Liste der 20 klassischen proteinogenen Aminosäuren. William C. Rose fütterte Ratten mit Gemischen gereinigter Aminosäuren und stellte fest, dass sie trotz vollständiger Mischung nicht wuchsen – bis er aus Milcheiweiß eine bis dahin unbekannte Substanz isolierte. Später bestimmte er in Versuchen mit Freiwilligen auch den Bedarf des Menschen an den essentiellen Aminosäuren.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Nieren- und Lebererkrankungen: Isolierte Aminosäuren nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
  • Angeborene Stoffwechselstörungen und eiweißarme Diäten: Aminosäurepräparate nur unter ärztlicher Kontrolle.
  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät diesen Gruppen grundsätzlich von isolierten Aminosäuren in höheren Mengen ab, da Daten fehlen.
  • Wechselwirkungen: Systematische Daten liegen nicht vor; bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorher beraten lassen.

Regulatorische Einordnung in der EU

L-Threonin ist als Aminosäure für bestimmte Lebensmittel für besondere Ernährungszwecke zugelassen. Für Threonin ist jedoch keine gesundheitsbezogene Angabe nach der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 zugelassen. Produkte mit L-Threonin dürfen daher keine Wirkung versprechen.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was ist L-Threonin?

L-Threonin ist eine essentielle Aminosäure mit einer Hydroxygruppe in der Seitenkette. Der Körper kann sie nicht selbst bilden und benötigt sie als Baustein für Eiweiße, unter anderem für die Schleimstoffe der Darmschleimhaut.

Wie viel Threonin braucht der Mensch?

Die WHO nennt für Erwachsene etwa 15 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, also rund 1 g bei 70 kg. Diese Menge wird mit einer gemischten Ernährung leicht erreicht.

Welche Lebensmittel enthalten viel Threonin?

Viel Threonin steckt in Fleisch, Fisch, Eiern, Milchprodukten wie Hüttenkäse sowie in Linsen, Bohnen, Soja und Kürbiskernen. Getreide enthält vergleichsweise wenig.

Quellen und weiterführende Informationen

  • WHO/FAO/UNU (2007): Protein and amino acid requirements in human nutrition. WHO Technical Report Series 935.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Stellungnahmen zu isolierten Aminosäuren in Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Wikipedia: Threonin

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.