Himalayasalz – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Dieser Beitrag ist bewusst als Aufklärungsseite angelegt. Zu kaum einem anderen Lebensmittel kursieren so viele Werbeversprechen wie zum rosafarbenen „Himalayasalz“. Wir stellen dar, was gesichert ist, was Marketing ist – und welchen praktischen Nachteil viele übersehen.

Herkunft und Gewinnung

Himalayasalz ist keine geschützte Bezeichnung, sondern ein Handelsname für rosagetöntes Steinsalz. Der Name legt eine Herkunft aus dem Hochgebirgsmassiv des Himalaya nahe – tatsächlich stammt das Salz aus der Salt Range (Salzgebirge) in der pakistanischen Provinz Punjab, einem Mittelgebirge auf dem Pothohar-Plateau, dessen höchster Berg der Sakaser mit 1.522 Metern ist. Das ist ein völlig anderes Gebirge, mehrere hundert Kilometer vom Himalaya-Hauptkamm entfernt und geologisch weit älter.

Abgebaut wird in mehreren Bergwerken, allen voran in Khewra im Distrikt Jhelum – nach Fördermenge eines der größten Salzbergwerke der Welt. Weitere Gruben sind Warcha, Kalabagh und Jatta. Kommerzieller Abbau ist dort spätestens seit dem 16. Jahrhundert belegt. Da der Begriff rechtlich nicht geschützt ist, wird rosafarbenes Steinsalz teilweise auch aus anderen Lagerstätten – etwa in Polen – unter demselben Namen vermarktet.

In Deutschland hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 31. März 2016 (Az. I ZR 86/13) festgestellt, dass die Angabe „Himalaya Salz“ als Herkunftsbezeichnung für Verbraucher irreführend ist, wenn nicht deutlich gemacht wird, dass das Salz nicht aus dem Himalaya-Massiv stammt. Die dadurch hervorgerufene Fehlvorstellung über die geografische Herkunft sei geeignet, die Kaufentscheidung wesentlich zu beeinflussen. Ein generelles Werbeverbot folgt daraus nicht – wohl aber die Pflicht, das Abbaugebiet klar zu benennen.

Die charakteristische rosa bis rötliche Färbung stammt nicht von einer besonderen Energie oder von einem Reichtum an Wertstoffen, sondern schlicht von Eisenoxid-Verunreinigungen im Kristallgitter – derselbe Stoff, der auch Rost und rote Erde färbt. Angeboten wird das Salz feingemahlen, als Granulat, als Halitbrocken und in Form von Salzlampen, häufig zu einem Vielfachen des Preises von herkömmlichem Speisesalz.

Inhaltsstoffe

Chemisch ist Himalayasalz ein unraffiniertes Steinsalz und besteht wie andere unraffinierte Steinsalze zu 97 bis 98 Prozent aus Natriumchlorid – also aus demselben Stoff wie jedes andere Speisesalz. Der verbleibende Rest von zwei bis drei Prozent verteilt sich auf Begleitminerale, allen voran Eisenoxid, daneben in Spuren Calcium, Magnesium, Kalium, Sulfat und weitere Elemente.

Zur Größenordnung, in der diese Begleitstoffe vorliegen, gibt es belastbare Zahlen. Nach Angaben des Verbandes der Ernährungswissenschaftler Österreichs enthalten zwei Teelöffel Himalayasalz rund:

  • 45 mg Calcium – bei einem Tagesbedarf in der Größenordnung von 1.000 mg (siehe Calcium)
  • 5 mg Magnesium – bei einem Tagesbedarf in der Größenordnung von 300 mg (siehe Magnesium)
  • 0,7 mg Eisen – bei einem Tagesbedarf in der Größenordnung von 10 mg

Zwei Teelöffel Salz sind bereits deutlich mehr, als eine Ernährungsempfehlung für einen ganzen Tag vorsieht. Selbst diese unrealistisch hohe Menge deckt beim Magnesium also nicht einmal zwei Prozent des Tagesbedarfs. Die nüchterne Schlussfolgerung lautet: Die Spurenelemente in Himalayasalz sind ernährungsphysiologisch bedeutungslos. Nicht, weil sie nicht vorhanden wären – sondern weil man Salz in Mengen essen müsste, die gesundheitlich nicht vertretbar sind, um über diesen Weg eine relevante Zufuhr zu erreichen.

Zu demselben Ergebnis kam eine 2020 in der Fachzeitschrift Foods veröffentlichte Analyse rosafarbener Salze aus dem australischen Handel. Sie fand einen geringfügig niedrigeren Natriumgehalt als in weißem Tafelsalz (im Mittel rund 394.718 mg/kg gegenüber 427.636 mg/kg), stellte aber ebenso fest, dass eine Aufnahme von mehr als 30 g rosa Salz pro Tag nötig wäre, damit die enthaltenen Mineralstoffe einen klinisch bedeutsamen Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten – eine Menge, die rund 592 Prozent der empfohlenen Natrium-Höchstzufuhr entspräche und damit gesundheitlich klar abzulehnen ist.

Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete

Verwendung in der Küche

Als Speisesalz ist Himalayasalz uneingeschränkt geeignet. Es würzt wie jedes andere Salz, hat durch die grobe Kristallform in der Salzmühle ein angenehmes Handling und macht auf dem Tisch optisch etwas her. Manche schätzen bei grob gemahlener Ware eine etwas andere Geschmackswahrnehmung – diese entsteht weniger durch die Zusammensetzung als durch Kristallgröße und Lösungsgeschwindigkeit auf der Zunge. Wer das mag, hat einen guten Grund, es zu kaufen. Das ist ein Genussargument, kein Gesundheitsargument – und als solches völlig legitim.

Die Behauptung der „84 Mineralstoffe“

Der wohl bekannteste Werbesatz zu diesem Salz lautet, es enthalte 84 Mineralstoffe beziehungsweise chemische Elemente, und zwar in einem Mischungsverhältnis, das dem menschlichen Blut ähnle. Diese Behauptung geht auf ein im Jahr 2001 erschienenes Buch zurück, dessen Autor unter einem Pseudonym schrieb und zugleich Inhaber eines der größten Vertriebsunternehmen für Himalayasalzprodukte war. Als Beleg wurde auf ein „Institute of Biophysical Research“ in Las Vegas verwiesen, das sich nicht auffinden ließ.

Nachprüfungen ergaben ein anderes Bild. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte 2002 fünfzehn verschiedene Proben und stellte einen durchschnittlichen Natriumchloridgehalt von etwa 98 Prozent fest; der Anteil sonstiger Mineralien und Spurenelemente sei mit dem von Meersalz vergleichbar und könne keinen relevanten Beitrag zur Bedarfsdeckung leisten. Eine 2006 im Auftrag eines Fernsehmagazins an der Technischen Universität Clausthal durchgeführte Untersuchung fand in der geprüften Probe lediglich zehn Elemente, zusätzlich Polyhalit als Verunreinigung.

Auch der zweite Teil der Behauptung hält der Prüfung nicht stand: Im menschlichen Körper finden sich weniger als 30 Elemente. Etwa zehn bilden praktisch die gesamte Körpersubstanz, elf gelten als essenzielle Spurenelemente. Weitere Elemente kommen je nach Umweltbedingungen in Spuren vor, spielen für den Stoffwechsel aber keine Rolle – oder eine schädigende, wie die Schwermetalle Quecksilber, Blei und Cadmium.

Jodversorgung – der praktische Punkt, den viele übersehen

Hier liegt der aus unserer Sicht ernsthafteste, im Alltag am häufigsten übersehene Nachteil: Himalayasalz ist in aller Regel nicht jodiert.

In Österreich ist die Jodierung von Speisesalz gesetzlich geregelt. Nach dem Speisesalzgesetz (BGBl. Nr. 112/1963) darf Speisesalz grundsätzlich nur in Verkehr gebracht werden, wenn „der Gesamtjodgehalt mindestens 15 und höchstens 20 Milligramm je Kilogramm in Form von Jodid oder Jodat beträgt“ und auf der Umschließung der Hinweis „jodiert“ aufscheint. Unjodiertes Speisesalz darf nur auf ausdrückliches Verlangen abgegeben werden und muss deutlich lesbar mit „unjodiert“ gekennzeichnet sein; der Einzelhandel ist verpflichtet, auch jodiertes Vollsalz vorrätig zu halten. Diese Regelung hat einen historischen Grund: Österreich und weite Teile des Alpenraums waren klassische Jodmangelgebiete.

Wer sein bisheriges jodiertes Speisesalz vollständig durch nicht jodiertes Himalayasalz ersetzt, streicht damit stillschweigend eine der wichtigsten Jodquellen der Alltagsernährung. Das ist keine Kleinigkeit, denn Jod ist ein essenzielles Spurenelement; für Jod bestehen in der EU – anders als für die Begleitspuren im rosafarbenen Salz – zugelassene gesundheitsbezogene Angaben, etwa dass „Jod zu einer normalen kognitiven Funktion beiträgt“. Ausführlich stellen wir das Thema unter Jod dar. Wenn Sie Himalayasalz als Genussmittel verwenden möchten, ist ein praktischer Weg, jodiertes Speisesalz für das alltägliche Kochen beizubehalten und das rosafarbene Salz gezielt zum Nachwürzen einzusetzen.

Sole-Trinkkur, „Entschlackung“ und Basen-Balance

Rund um Himalayasalz haben sich weitere Anwendungsformen etabliert, insbesondere die sogenannte Sole-Trinkkur, bei der täglich gesättigtes Salzwasser eingenommen wird. Damit verbunden sind Zuschreibungen wie das Ausspülen von Schwermetallen oder Ablagerungen, die Korrektur einer angeblichen Übersäuerung oder eine „energetische“ Wirkung.

Für diese Zuschreibungen liegen keine wissenschaftlichen Belege vor. Ein Nachweis, dass mit einer Solelösung Schwermetalle oder Gefäßablagerungen aus dem Körper ausgespült würden, existiert nicht. Mit der in Mitteleuropa üblichen Kost wird ohnehin reichlich Salz aufgenommen; eine zusätzliche gezielte Zufuhr belastet Stoffwechsel und Nieren zusätzlich, statt zu entlasten. Auch die Vorstellung, mit Kristallsalz eine Übersäuerung des Körpers auszugleichen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Was hinter den Begriffen tatsächlich steckt, ordnen wir in unseren Beiträgen zu Basen und Säure-Basen-Haushalt sowie zu Entgiften und Entschlacken ein – dort finden Sie die Herkunft dieser Konzepte und ihre nüchterne Bewertung. Wer eine solche Kur erwägt, sollte das nicht ohne ärztliche Rücksprache tun.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für Himalayasalz als solches gibt es keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe in der Europäischen Union. Im EU-Register der Health Claims finden sich zu Kochsalz beziehungsweise Natrium ausschließlich Einträge, die nicht zugelassen wurden – mit einer aufschlussreichen Ausnahme, die genau in die entgegengesetzte Richtung weist. Zugelassen ist nach der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 wörtlich die Angabe:

„Eine Reduzierung der Natrium-Aufnahme trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei“

Die zugehörige Bedingung lautet ebenso wörtlich: „Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an einen geringen Gehalt an Natrium/Kochsalz gemäß der im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 aufgeführten Angabe NATRIUMARM/KOCHSALZARM oder an einen reduzierten Natrium-/Kochsalzgehalt gemäß der in der genannten Verordnung aufgeführten Angabe REDUZIERTER [NAME DES NÄHRSTOFFS]-ANTEIL erfüllen.“

Der einzige zugelassene Claim in diesem Feld handelt also von der Verringerung der Natriumzufuhr und ist ausdrücklich natriumarmen Lebensmitteln vorbehalten. Auf ein Salz – gleich welcher Farbe – lässt er sich nicht anwenden. Hintergründe zum Thema Blutdruck haben wir unter Bluthochdruck zusammengestellt.

Anwendung und Dosierung

  • Zum Würzen: Wie jedes Speisesalz, sparsam. Grobe Kristalle eignen sich für die Salzmühle, feine Ware zum Backen und Kochen.
  • Mengenorientierung: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen weniger als 2.000 mg Natrium pro Tag, entsprechend weniger als 5 g Salz. Der globale Mittelwert lag 2021 bei 4.278 mg Natrium (rund 11 g Salz) täglich – also bei mehr als dem Doppelten.
  • Praxistipp Jod: Jodiertes Speisesalz als Standard im Haushalt beibehalten, Himalayasalz gezielt als Finishing-Salz verwenden.
  • Salzlampen und Deko: Halitbrocken werden zu Lampen verarbeitet. Das ist eine Frage der Einrichtung. Eine gesundheitliche Wirkung auf die Raumluft ist nicht belegt.
  • Badesalz: Wer Salzbäder schätzt, findet unter Totes Meer Salz die traditionell dafür verwendete Alternative.

Geschichte und Hintergrund

Salz aus der Salt Range wird seit Jahrhunderten gefördert; kommerzieller Abbau ist spätestens für das 16. Jahrhundert dokumentiert. Das Bergwerk Khewra – historisch auch Mayo Salt Mine genannt – wurde unter britischer Verwaltung im 19. Jahrhundert systematisch ausgebaut und ist heute zugleich ein Besucherbergwerk.

Vermarktet wurde das Produkt im deutschsprachigen Raum zunächst als Lahoresalz, benannt nach der nahegelegenen Großstadt. Werbewirksamere Bezeichnungen folgten: Alexandersalz – gestützt auf die Legende, die Lagerstätte sei von den Pferden im Heer Alexanders des Großen entdeckt worden –, außerdem Hunza-Kristallsalz, Kaisersalz und schlicht Kristallsalz. Alle diese Namen verbindet dasselbe Muster: Sie erzeugen eine Aura des Besonderen um ein Produkt, dessen Zusammensetzung sich von gewöhnlichem Steinsalz nur unwesentlich unterscheidet.

Den eigentlichen Durchbruch brachte 2001 das erwähnte Buch, das dem Salz bei regelmäßiger Anwendung eine Rolle als Allheilmittel gegen Zivilisationskrankheiten zuschrieb und ihm „energetische Schwingungen“ sowie einen besonderen „Informationsgehalt“ attestierte. Aus dieser Quelle stammen fast alle Zuschreibungen, die bis heute im Umlauf sind. Verbrauchermagazine haben dem Produkt jede besondere Wirkung abgesprochen und sprechen von Irreführung der Verbraucher. Dasselbe Muster findet sich bei weiteren hochpreisig beworbenen Speisesalzen, etwa dem sogenannten Kalaharisalz.

Dass wir das hier so deutlich schreiben, hat einen einfachen Grund: Ein gutes Lexikon soll auch dann verlässlich sein, wenn die nüchterne Antwort die weniger verkaufsfördernde ist.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Natriumzufuhr allgemein: Der wichtigste Sicherheitsaspekt bei jedem Speisesalz ist die Gesamtmenge. Die WHO empfiehlt Erwachsenen weniger als 2.000 mg Natrium beziehungsweise weniger als 5 g Salz täglich. Ein leicht niedrigerer Natriumgehalt des rosafarbenen Salzes ändert an dieser Größenordnung praktisch nichts – bereits ein gestrichener Teelöffel (rund 5 g) schöpft die Tagesempfehlung weitgehend aus.
  • Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen mit Wassereinlagerungen: Bei diesen Erkrankungen wird die Kochsalzzufuhr häufig ärztlich begrenzt. Himalayasalz ist dabei ausdrücklich keine Ausnahme und kein Ersatz für eine natriumreduzierte Kost.
  • Sole-Trinkkuren: Die gezielte Einnahme konzentrierter Salzlösungen ist nicht zu empfehlen, insbesondere nicht bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen und nicht in der Schwangerschaft. Bei entwässernden Arzneimitteln und bei Medikamenten, die den Elektrolythaushalt beeinflussen, ist jede zusätzliche Salzzufuhr ärztlich abzustimmen.
  • Jodmangelrisiko: Wie oben ausgeführt entfällt bei nicht jodiertem Salz die Jodzufuhr aus dem Speisesalz. Besonders relevant ist das in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen. Bei bestehender Schilddrüsenerkrankung gehört die Jodzufuhr ohnehin ärztlich abgestimmt.
  • Verunreinigungen: Die genannte australische Untersuchung fand in einer einzelnen Probe eines rosafarbenen Salzes – dort peruanischer Herkunft, nicht aus Pakistan – einen Bleigehalt von 2,59 mg/kg und damit oberhalb des dort geltenden Höchstwerts von 2 mg/kg. Das betraf eine von mehreren Dutzend Proben und ist kein Generalverdacht, unterstreicht aber, dass „unraffiniert“ und „naturbelassen“ keine Qualitätsgarantie sind. Achten Sie auf Ware aus geprüfter Lieferkette und auf Lebensmittelqualität; dekorative Halitbrocken und Lampensalz sind nicht zum Verzehr bestimmt.
  • Kinder: Der Salzbedarf von Säuglingen und Kleinkindern ist gering. Speisen für kleine Kinder sollten grundsätzlich sparsam gesalzen werden – unabhängig von der Salzsorte.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Kommt Himalayasalz wirklich aus dem Himalaya?

Nein. Es stammt aus der Salt Range (Salzgebirge) in der pakistanischen Provinz Punjab, einem Mittelgebirge auf dem Pothohar-Plateau mit dem Sakaser (1.522 m) als höchstem Berg – nicht aus dem Hochgebirgsmassiv des Himalaya. Wichtigste Fördergrube ist Khewra im Distrikt Jhelum. Der Bundesgerichtshof hat 2016 (Az. I ZR 86/13) entschieden, dass die Bezeichnung irreführend ist, wenn nicht klargestellt wird, dass das Salz nicht aus dem Himalaya kommt. Da der Name nicht geschützt ist, wird rosa Steinsalz teils auch aus anderen Lagerstätten so vermarktet.

Enthält Himalayasalz wirklich 84 wertvolle Mineralstoffe?

Diese Zahl stammt aus einem Buch von 2001, dessen Autor zugleich Vertreiber solcher Produkte war; der angeführte Beleg – ein „Institute of Biophysical Research“ in Las Vegas – ließ sich nicht auffinden. Untersuchungen ergaben ein anderes Bild: Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fand 2002 in fünfzehn Proben durchschnittlich etwa 98 Prozent Natriumchlorid und Spurenelemente vergleichbar mit Meersalz; eine Untersuchung an der TU Clausthal wies 2006 lediglich zehn Elemente nach. Ernährungsphysiologisch tragen die Spuren praktisch nichts zur Bedarfsdeckung bei.

Ist Himalayasalz jodiert?

In der Regel nein – und das ist der praktisch wichtigste Nachteil. In Österreich schreibt das Speisesalzgesetz für Speisesalz einen Gesamtjodgehalt von mindestens 15 und höchstens 20 Milligramm je Kilogramm vor; unjodiertes Salz darf nur auf ausdrückliches Verlangen und mit der Kennzeichnung „unjodiert“ abgegeben werden. Wer sein Speisesalz vollständig durch nicht jodiertes Himalayasalz ersetzt, verliert damit eine wesentliche Jodquelle der Alltagsernährung. Empfehlenswert ist, jodiertes Salz im Haushalt beizubehalten und Himalayasalz gezielt zum Nachwürzen zu verwenden.

Hilft eine Sole-Trinkkur beim Entschlacken oder gegen Übersäuerung?

Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ein Nachweis, dass mit einer Solelösung Schwermetalle oder Gefäßablagerungen ausgespült werden könnten, liegt nicht vor; auch die Vorstellung eines Ausgleichs einer Übersäuerung des Körpers ist wissenschaftlich nicht haltbar. Mit der in Mitteleuropa üblichen Kost wird ohnehin reichlich Salz aufgenommen – eine zusätzliche Zufuhr belastet Stoffwechsel und Nieren. Der einzige in der EU zugelassene Claim in diesem Bereich betrifft die Verringerung der Natriumaufnahme und gilt nur für natriumarme Lebensmittel.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. An Analysis of the Mineral Composition of Pink Salt Available in Australia. Foods 2020;9(10):1490. DOI: 10.3390/foods9101490 | PMC-Volltext
  2. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact sheet Salt reduction – Empfehlung < 2.000 mg Natrium bzw. < 5 g Salz pro Tag. WHO
  3. Speisesalzgesetz (Österreich), BGBl. Nr. 112/1963, § 2 – Jodierungspflicht 15–20 mg Jod je Kilogramm. Rechtsinformationssystem des Bundes: RIS
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte deutsche Fassung – zugelassene Angabe zur Reduzierung der Natriumaufnahme. EUR-Lex
  5. Europäische Kommission: EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben (Food and Feed Information Portal). EU-Register
  6. Wikipedia: Himalayasalz – mit Nachweisen zu BGH-Urteil I ZR 86/13, Untersuchung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2002) und TU Clausthal (2006)
  7. Wikipedia (EN): Khewra Salt Mine

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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