Apigenin – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Herkunft und Gewinnung

Apigenin ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der großen Gruppe der Flavonoide. Innerhalb dieser Gruppe gehört es zur Untergruppe der Flavone. Chemisch ist Apigenin ein 4′,5,7-Trihydroxyflavon; es liegt als gelber, kristalliner Feststoff vor. Diese Farbigkeit ist kein Nebenaspekt, sondern historisch bedeutsam: Apigenin wurde früher zum Gelbfärben von Wolle verwendet. Viele Flavonoide sind zugleich Pflanzenfarbstoffe – das erklärt, warum diese Stoffgruppe der Menschheit lange vor der modernen Analytik bekannt war, wenn auch unter anderem Namen.

Aglykon und Glykoside – ein wichtiger Unterschied

Ein Punkt, der beim Lesen von Etiketten und Analysenwerten immer wieder für Verwirrung sorgt: Apigenin ist das Aglykon mehrerer natürlich vorkommender Glykoside. Aglykon bedeutet, dass es sich um den zuckerfreien Grundkörper handelt. In der Pflanze liegt der Stoff dagegen überwiegend zuckergebunden vor. Zu diesen natürlichen Verbindungen zählen unter anderem:

  • Apiin (Apigenin-7-O-Apioglucosid) – isoliert aus Petersilie und Sellerie
  • Apigetrin (Apigenin-7-Glucosid)
  • Vitexin (Apigenin-8-C-Glucosid) und Isovitexin (Apigenin-6-C-Glucosid)
  • Rhoifolin (Apigenin-7-O-Neohesperidosid)
  • Schaftosid (Apigenin-6-C-Glucosid-8-C-Arabinosid)

Praktisch bedeutet das: Analysenwerte für „Apigenin" in Lebensmitteln beziehen sich in der Regel auf den Gehalt nach Abspaltung der Zuckerreste. Wer Werte aus verschiedenen Quellen vergleicht, sollte deshalb immer prüfen, ob dieselbe Bezugsgröße gemeint ist.

Vorkommen in Lebensmitteln und Kräutern

Apigenin ist in vielen Obst- und Gemüsearten enthalten, doch einige wenige Quellen ragen deutlich heraus. Als häufigste und ergiebigste Quellen gelten Petersilie, Sellerie, Knollensellerie und Kamillentee.

Die Größenordnungen sind bemerkenswert ungleich verteilt. Getrocknete Petersilie kann etwa 45 mg Apigenin je Gramm enthalten. Für frische Petersilie wird ein Gehalt von rund 215 mg je 100 Gramm berichtet – ein Wert, der deutlich über dem der nächstfolgenden Lebensmittelquelle liegt. In der Praxis relativiert sich das allerdings sofort wieder, weil Petersilie üblicherweise in sehr kleinen Mengen als Würzkraut verwendet wird und nicht als Gemüseportion.

Besonders eng ist die Verbindung zur Kamille. In den Blüten der Kamillenpflanze ist Apigenin besonders reichlich vorhanden: Es stellt dort rund 68 Prozent der Gesamtflavonoide. Damit ist Apigenin der mengenmäßig dominierende Flavonoidvertreter der Kamillenblüte – was erklärt, warum die beiden Stichworte in der Literatur so oft gemeinsam auftauchen. Eine Tasse Kamillentee ist somit die im Alltag naheliegendste natürliche Apigeninquelle.

Fertigprodukte, die isoliertes Apigenin enthalten, werden aus Pflanzenextrakten gewonnen und anschließend aufgereinigt. Bei Kräutermax gilt für Nahrungsergänzungsmittel, dass Rohstoffe aus geprüften Quellen bezogen werden und Herstellung beziehungsweise Abfüllung in der EU (vorwiegend in AT und DE) erfolgen.

Inhaltsstoffe

Da Apigenin selbst ein Einzelstoff ist, betrifft dieser Abschnitt seine chemische Einordnung und seine Entstehung in der Pflanze.

Chemische Einordnung

Apigenin gehört zu den Flavonen und ist damit ein naher Verwandter des Luteolins, das sich lediglich durch eine zusätzliche Hydroxygruppe unterscheidet. Von den bekannteren Flavonolen wie Quercetin trennt Apigenin das Fehlen der Hydroxygruppe an Position 3 des Grundgerüsts. Diese scheinbar winzigen strukturellen Unterschiede sind der Grund dafür, dass Flavonoide sich in Löslichkeit, Stabilität und Stoffwechselverhalten teils erheblich unterscheiden – und weshalb Ergebnisse zu einem Flavonoid nicht ohne Weiteres auf ein anderes übertragen werden dürfen.

Wie die Pflanze Apigenin herstellt

Die Biosynthese verläuft über den allgemeinen Phenylpropanoid-Stoffwechsel und den daran anschließenden Flavon-Syntheseweg. Ausgangspunkt sind die aromatischen Aminosäuren L-Phenylalanin oder L-Tyrosin, beide Produkte des Shikimatsäurewegs. Aus L-Phenylalanin entsteht zunächst Cinnamat, das anschließend zu p-Cumarat oxidiert wird; L-Tyrosin ist bereits entsprechend oxidiert und wird direkt zu p-Cumarat umgesetzt. Nach Anknüpfung von Coenzym A folgen mehrere Kondensationsschritte mit Malonyl-CoA zum Chalkon, dessen Ringschluss zu Naringenin führt. Im letzten Schritt oxidiert eine Flavon-Synthase das Naringenin zu Apigenin. Von diesem Enzym sind zwei Typen beschrieben: ein löslicher Typ, der 2-Oxoglutarat, Eisen(II) und Ascorbat als Cofaktoren nutzt, sowie ein membrangebundener, NADPH-abhängiger Typ aus der Cytochrom-P450-Familie.

Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete

Apigenin als isolierter Stoff hat keine eigene volksmedizinische Tradition. Was eine lange Überlieferung besitzt, sind die Pflanzen, in denen es vorkommt – allen voran die Kamille. Diese Unterscheidung ist nicht spitzfindig, sondern der Kern dieser Seite, und wir kommen weiter unten ausdrücklich darauf zurück.

Gegenstand aktueller Untersuchungen

Apigenin ist ein häufig untersuchter Modellstoff der Flavonoidforschung. In der Fachliteratur wird es regelmäßig gemeinsam mit Quercetin, Kaempferol, Luteolin und Epicatechin behandelt, wenn es um zelluläre Signalwege geht. Untersuchungen befassen sich unter anderem mit dem Verhalten dieser Stoffe gegenüber oxidativem Stress und mit ihrer Rolle in Zellkulturmodellen. Es handelt sich dabei ganz überwiegend um Grundlagenforschung an Zellen und Versuchstieren. Aus solchen Modellen lassen sich keine Aussagen über Wirkungen beim Menschen ableiten, und wir leiten hier auch keine ab.

Der Bindungsbefund am GABA-A-Rezeptor – und was er nicht bedeutet

Dieser Abschnitt ist der wichtigste der Seite, weil sich hier das häufigste Missverständnis rund um Apigenin findet.

In vitro, also im Reagenzglas, bindet Apigenin kompetitiv an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors. Dieser Befund ist beschrieben – aber er ist mit erheblichen Einschränkungen versehen: Zu der Frage, wie Apigenin an dieser Bindungsstelle tatsächlich wirkt, liegen widersprüchliche Ergebnisse vor. Eine Bindung im Zellversuch ist zudem etwas grundsätzlich anderes als eine Wirkung im menschlichen Körper: Dazwischen liegen Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und die Frage, ob der Stoff überhaupt in ausreichender Konzentration am Zielort ankommt – was bei Apigenin wegen seiner geringen Bioverfügbarkeit gerade nicht selbstverständlich ist.

Daraus folgt eine klare Regel, an die wir uns halten: Die traditionelle Wertschätzung der Kamille darf nicht über Apigenin als angeblichen Wirkmechanismus erklärt werden. Wer schreibt, Kamille sei wegen ihres Apigeningehalts beruhigend, stellt eine Kausalkette her, die durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt ist. Kamillenblüte ist ein Vielstoffgemisch mit ätherischem Öl, Schleimstoffen, Cumarinen und zahlreichen weiteren Flavonoiden – einen einzelnen Inhaltsstoff als Erklärung herauszugreifen, ist unzulässig vereinfachend. Informationen zur Pflanze selbst finden Sie auf unserer Seite zur Kamille.

Bioverfügbarkeit als begrenzender Faktor

Wie viele Flavonoide ist Apigenin schlecht wasserlöslich, wird nur eingeschränkt aus dem Darm aufgenommen und im Körper rasch umgebaut. Die daraus resultierende geringe Bioverfügbarkeit gilt in der Fachliteratur als das zentrale Hindernis für jede Anwendung; sie ist der Grund, warum ein erheblicher Teil der Forschung sich nicht mit dem Stoff selbst, sondern mit Formulierungsstrategien beschäftigt – etwa Nanoemulsionen, Protein- oder Polymerkomplexen und Derivaten. Dass so viel Aufwand in die Verfügbarmachung fließt, ist zugleich das ehrlichste Indiz dafür, wie begrenzt die Aufnahme in der Ausgangsform ist.

Regulatorische Einordnung in der EU

Auch hier gilt: Wir behaupten die Negativaussage nicht, wir belegen sie.

Es gibt für Apigenin keinen zugelassenen gesundheitsbezogenen Claim in der Europäischen Union. Nach Artikel 10 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 sind gesundheitsbezogene Angaben verboten, sofern sie nicht „gemäß dieser Verordnung zugelassen und in die Liste der zugelassenen Angaben gemäß den Artikeln 13 und 14 aufgenommen sind". Eine Volltextsuche in der konsolidierten Fassung des Anhangs der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – der abschließenden Liste der zugelassenen Angaben – ergibt für den Begriff „Apigenin" keinen Treffer. Aussagen zu Schlaf, Beruhigung, innerer Ruhe, Nervosität oder ähnlichen Themen dürfen für Apigenin daher nicht getroffen werden – und werden auf dieser Seite auch nicht getroffen.

Eine HMPC-Monographie für den Einzelstoff Apigenin existiert ebenfalls nicht. Der offizielle Datensatz der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu pflanzlichen Arzneimitteln enthält keinen Eintrag zu Apigenin. Hier lohnt allerdings eine präzise Unterscheidung, die häufig verwischt wird: Für die Pflanze beziehungsweise deren Zubereitungen bestehen sehr wohl Monographien. Im selben Datensatz sind Matricariae flos (Kamillenblüte) und Matricariae aetheroleum (Kamillenöl) jeweils mit abgeschlossener Bewertung und dem Ergebnis „European Union herbal monograph" geführt. Diese Monographien beziehen sich jedoch ausdrücklich auf die pflanzliche Droge und ihre Zubereitungen – nicht auf isoliertes Apigenin. Eine Monographie zur Kamillenblüte ist also kein Beleg für irgendetwas, das man einem einzelnen herausgelösten Inhaltsstoff zuschreiben möchte.

Anwendung und Dosierung

Eine allgemein anerkannte Zufuhrempfehlung für Apigenin gibt es nicht, und wir sprechen daher auch keine aus. Zur Einordnung dienen folgende Punkte:

  • Über die Ernährung: Petersilie, Sellerie und Knollensellerie sowie Kamillentee sind die ergiebigsten Alltagsquellen. Wer regelmäßig frische Kräuter verwendet, nimmt Apigenin ganz selbstverständlich im natürlichen Verbund mit anderen Pflanzenstoffen auf.
  • Größenordnung der Flavonoidzufuhr: Für westliche Bevölkerungen wird die tägliche Aufnahme an Gesamtflavonoiden über die Ernährung je nach Ernährungsweise mit etwa 20 bis 500 mg angegeben. Apigenin ist daran nur mit einem kleinen Anteil beteiligt.
  • Keine amtlichen Referenz- oder Höchstwerte: Es existiert weder ein Nährstoffbezugswert noch eine von einer europäischen Behörde abgeleitete tolerierbare Gesamtzufuhrmenge für Apigenin.
  • Bei Präparaten: Halten Sie sich an die Verzehrempfehlung des Herstellers und überschreiten Sie diese nicht. Isolierte Einzelstoffe in konzentrierter Form sind etwas anderes als dieselbe Substanz im Lebensmittel.
  • Einordnung: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

Geschichte und Hintergrund

Die Geschichte des Apigenins beginnt nicht in der Medizin, sondern in der Färberei. Als gelber Pflanzenfarbstoff diente es dem Färben von Wolle – eine Nutzung, die den Stoff über seine Farbigkeit greifbar machte, lange bevor seine Struktur aufgeklärt war. Diese Färbergeschichte teilt Apigenin mit zahlreichen anderen Flavonoiden; die Stoffgruppe verdankt ihren Namen dem lateinischen flavus für „gelb".

Der Name selbst verweist auf die Petersilie: Er ist abgeleitet von der Gattungsbezeichnung Apium, zu der der Sellerie gehört und die auch in der Bezeichnung des Glykosids Apiin steckt. Auch die Namen der übrigen Glykoside sind kleine botanische Wegweiser – Vitexin verweist auf die Gattung Vitex, Rhoifolin auf Rhus.

Mit dem Aufkommen leistungsfähiger Trenn- und Analyseverfahren im 20. Jahrhundert wurde es möglich, einzelne Flavonoide aus komplexen Pflanzenauszügen zu isolieren und getrennt zu untersuchen. Damit begann jene Phase, in der Apigenin von einem Farbstoff zu einem Forschungsgegenstand wurde – und zugleich jene Fehleranfälligkeit, um die es auf dieser Seite geht: Sobald ein Einzelstoff isoliert vorliegt, entsteht die Versuchung, ihm die Eigenschaften der ganzen Pflanze zuzuschreiben. Die Kamille ist dafür das Lehrbeispiel.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Dass Apigenin ein natürlicher Lebensmittelbestandteil ist, macht ein konzentriertes Präparat nicht automatisch harmlos. Die folgenden Punkte sind der praktisch bedeutsamste Teil dieser Seite.

  • Wechselwirkungen über Cytochrom-P450-Enzyme: Flavonoide sind in pharmakologischen Konzentrationen Hemmstoffe mehrerer CYP-Isoenzyme, über die auch ein großer Teil der gebräuchlichen Arzneistoffe verstoffwechselt wird. Für Apigenin ist eine Hemmung von CYP1A2, CYP2C9 und CYP2C19 beschrieben. Daraus ergibt sich rechnerisch die Möglichkeit erhöhter Blutspiegel von Arzneistoffen, die über diese Wege abgebaut werden – in der Literatur werden ausdrücklich Warfarin, Phenytoin und Protonenpumpenhemmer genannt. Eine Hemmung des Abbaus kann die Wirkung eines Arzneimittels verstärken und im ungünstigen Fall zu Toxizität führen.
  • Gerinnungshemmende Therapie: Aus dem vorgenannten Punkt folgt besondere Vorsicht bei Vitamin-K-Antagonisten. Wer solche Arzneimittel einnimmt, sollte konzentrierte Flavonoidpräparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.
  • Beruhigende Arzneimittel und Alkohol: Wegen der beschriebenen Interaktion mit der Benzodiazepin-Bindungsstelle wird in der Literatur ein additives Sedierungsrisiko in Kombination mit Benzodiazepinen und Alkohol als möglich angesehen. Wir führen diesen Punkt ausschließlich als Sicherheitshinweis an – er ist ausdrücklich kein Beleg für eine beruhigende Wirkung und darf nicht als solcher gelesen werden. Ein mögliches Risiko und ein belegter Nutzen sind zwei verschiedene Dinge.
  • Dauermedikation allgemein: Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte die zusätzliche Verwendung isolierter Pflanzenstoffe grundsätzlich ärztlich oder in der Apotheke abklären lassen. Das gilt besonders bei Arzneimitteln mit enger therapeutischer Breite.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Zu isolierten, hoch dosierten Apigeninpräparaten liegen keine belastbaren Sicherheitsdaten vor. In diesen Lebensphasen ist von einer Anwendung abzusehen; die üblichen Mengen aus Lebensmitteln sind davon nicht betroffen.
  • Kinder und Jugendliche: Ebenfalls keine belastbaren Daten – konzentrierte Präparate sind für diese Altersgruppen nicht vorgesehen.
  • Korbblütlerallergie: Wer auf Korbblütler (Asteraceae) allergisch reagiert, sollte bei Kamillenzubereitungen als Apigeninquelle vorsichtig sein; Kreuzreaktionen innerhalb dieser Pflanzenfamilie sind bekannt.
  • Hohe Dosen: Aus der Tatsache, dass ein Stoff in Lebensmitteln vorkommt, folgt keine Unbedenklichkeit in jeder Menge und auf jedem Anwendungsweg. Kategorische Aussagen zur absoluten Sicherheit hoher Dosen sind nach dem derzeitigen Stand nicht möglich.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was ist Apigenin und wo kommt es vor?

Apigenin ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Flavonoide, genauer ein Flavon mit der chemischen Bezeichnung 4′,5,7-Trihydroxyflavon. Es ist ein gelber kristalliner Feststoff, der früher zum Färben von Wolle diente. Die ergiebigsten Nahrungsquellen sind Petersilie, Sellerie, Knollensellerie und Kamillentee. Getrocknete Petersilie kann rund 45 mg je Gramm enthalten; in Kamillenblüten stellt Apigenin etwa 68 Prozent der Gesamtflavonoide.

Wirkt Kamille wegen des Apigenins beruhigend?

Diese Gleichsetzung ist durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt, und wir stellen sie deshalb nicht auf. Zwar ist beschrieben, dass Apigenin im Reagenzglas kompetitiv an die Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors bindet; zu der Frage, wie es dort tatsächlich wirkt, liegen jedoch widersprüchliche Ergebnisse vor. Ein Bindungsbefund in vitro ist kein Nachweis einer Wirkung im menschlichen Körper. Hinzu kommt, dass Kamillenblüte ein Vielstoffgemisch ist, dessen Eigenschaften sich nicht auf einen einzelnen Inhaltsstoff zurückführen lassen.

Gibt es für Apigenin zugelassene Health Claims in der EU?

Nein. Nach Artikel 10 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 gilt ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, und eine Volltextsuche im Anhang der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 ergibt für Apigenin keinen Treffer. Auch eine HMPC-Monographie der Europäischen Arzneimittel-Agentur für den Einzelstoff Apigenin existiert nicht. Für die Kamille als pflanzliche Droge bestehen dagegen sehr wohl EU-Monographien – zu Matricariae flos und Matricariae aetheroleum –, diese beziehen sich jedoch auf die Droge und ihre Zubereitungen, nicht auf isoliertes Apigenin.

Worauf sollte man bei Apigeninpräparaten achten?

Der wichtigste Punkt sind Wechselwirkungen: Für Apigenin ist eine Hemmung von CYP1A2, CYP2C9 und CYP2C19 beschrieben, woraus sich erhöhte Blutspiegel von Arzneistoffen wie Warfarin, Phenytoin oder Protonenpumpenhemmern ergeben können. In Kombination mit Benzodiazepinen und Alkohol wird zudem ein additives Sedierungsrisiko als möglich angesehen. Bei Dauermedikation ist daher ärztliche Rücksprache angezeigt. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern und Jugendlichen sollten konzentrierte Präparate nicht verwendet werden, da belastbare Sicherheitsdaten fehlen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Flavonoids as Nutraceuticals to Treat Inflammatory Diseases: Focusing on Quercetin, Kaempferol, Luteolin, Apigenin, Epicatechin and Their Effects on Hepatic, Nervous, and Pulmonary Systems. Foods 2026; 15(12). Volltext (PMC)
  2. Overcoming the Low Bioavailability of Apigenin: The Therapeutic Efficacy for Androgenetic Alopecia Through Topical Administration. Food Science & Nutrition 2025. DOI: 10.1002/fsn3.71155 | Volltext (PMC)
  3. Monophosphate Derivatives of Luteolin and Apigenin as Efficient Precursors with Improved Oral Bioavailability in Rats. Antioxidants 2024; 13(12):1530. DOI: 10.3390/antiox13121530 | Volltext (PMC)
  4. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Artikel 10. Wortlaut Artikel 10
  5. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, Anhang (konsolidierte Fassung). Konsolidierter Volltext (EUR-Lex)
  6. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Datensatz „Herbal medicines for human use" – offizielle Gesamtübersicht der HMPC-Monographien und -Bewertungen (XLSX, laufend aktualisiert). Datensatz herunterladen
  7. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Matricariae flos – EU-Monographie zur Kamillenblüte
  8. Wikipedia (EN): Apigenin

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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