Agaricus blazei (Mandelpilz) – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
Botanik und Beschreibung
Der Mandelpilz ist im Handel vor allem unter dem Namen Agaricus blazei bekannt. Botanisch korrekt heißt er jedoch Agaricus subrufescens – die Namensfrage ist bei dieser Art alles andere als eine Nebensächlichkeit und wird weiter unten ausführlich behandelt. Weitere geläufige Bezeichnungen sind Cogumelo do Sol („Sonnenpilz“), Himematsutake und ABM. Er gehört zur Gattung Agaricus in der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae) – und damit in dieselbe Gattung wie der gewöhnliche Zuchtchampignon (Agaricus bisporus). Diese enge Verwandtschaft ist für das Verständnis seiner Inhaltsstoffe wesentlich.
Hut: Der Hut ist jung halbkugelig und wird mit zunehmendem Alter konvex. Angaben zur Größe schwanken je nach Quelle und Reifegrad: Im Knopfstadium werden 20 bis 70 Millimeter, im ausgereiften Zustand 60 bis 150 Millimeter angegeben; andere Beschreibungen nennen eine Spanne von 5 bis 25 Zentimetern. Die Oberfläche ist trocken und mit seidigen Fasern besetzt, die im Alter zu kleinen Schuppen aufreißen. Die Färbung reicht von weiß über gräulich und bräunlich-golden bis rötlichbraun, purpurbraun und bräunlich-orange. Der Hutrand reißt mit dem Alter ein.
Lamellen und Sporen: Die Lamellen stehen frei vom Stiel, sind schmal und gedrängt. Ihre Farbe wandelt sich im Lauf der Reifung von weißlich über rosa zu schwarzbraun. Das Sporenpulver ist braun; die einzelnen Sporen sind glatt, ellipsoid und messen 5,5 bis 7 mal 4 bis 5 Mikrometer.
Stiel und Ring: Der Stiel wird 6 bis 15 Zentimeter lang und 1 bis 4 Zentimeter dick. Jung ist er voll, später hohl; zur Basis hin ist er watteartig oder schuppig und mitunter knollig verdickt. Der Ring ist doppelschichtig und nach unten gebogen, oberseits glatt und weißlich, unterseits watteartig-schuppig. Ein verlässliches Bestimmungsmerkmal sind kleine watteartige Flöckchen unterhalb der Reste des Teilvelums.
Geruch und Geschmack: Das Fleisch ist weiß und schmeckt nach grünen Nüssen. Namensgebend ist der ausgeprägte Mandelduft, der auf flüchtige Verbindungen wie Benzaldehyd, Benzylalkohol, Benzonitril und Methylbenzoat zurückgeht.
Vorkommen: Fruchtkörper bilden sich einzeln oder in Gruppen in der Laubstreu nährstoffreicher Böden, häufig auch in siedlungsnahen Bereichen. Erstbeschrieben wurde die Art aus dem Nordosten der USA und aus Kanada. Heute ist sie unter anderem aus Kalifornien, Hawaii, Großbritannien, den Niederlanden, Taiwan, Japan, den Philippinen, dem Iran, Australien, Brasilien und Uruguay bekannt.
Herkunft Brasilien und die Namensverwirrung
Kaum ein Vitalpilz trägt eine so verwickelte Namensgeschichte – und sie ist gut dokumentiert, weshalb sie hier sauber dargestellt werden kann:
- 1893: Die Art wird aus dem Nordosten der USA und aus Kanada als Agaricus subrufescens erstbeschrieben.
- 1960: Der Pilz wird in Brasilien nahe dem Ort Piedade im Bundesstaat São Paulo wiederentdeckt.
- 1965: Proben gelangen nach Japan, wo der Pilz medizinisch untersucht wird und als Himematsutake bekannt wird.
- 1967: Der brasilianische Fund wird fälschlich als Agaricus blazei bestimmt – eine Art, die ursprünglich aus Florida beschrieben worden war. Aus dieser Fehlbestimmung stammt der bis heute im Handel dominierende Name.
- 2002: Ein Korrekturversuch führt den Namen Agaricus brasiliensis ein. Auch dieser Name ist jedoch ungültig, weil er ein späteres Homonym eines bereits 1830 vergebenen Namens ist.
- 2005: Genetische Untersuchungen und Kreuzungsversuche klären die Frage: Die brasilianischen und die nordamerikanischen Aufsammlungen sind untereinander fruchtbar und weisen identische ITS-Sequenzen auf. Es handelt sich um eine einzige Art.
Nach den Prioritätsregeln der botanischen Nomenklatur gilt damit der älteste gültig veröffentlichte Name: Agaricus subrufescens. Die Bezeichnungen A. blazei (fehlangewendet) und A. brasiliensis (ungültiges Homonym) sind Synonyme. Für Verbraucher ist das praktisch bedeutsam: Drei verschiedene Handelsnamen bezeichnen denselben Pilz. Wer Präparate vergleicht, sollte das wissen – und wer mit angeblichen Unterschieden zwischen „Agaricus blazei“ und „Agaricus brasiliensis“ wirbt, argumentiert an der Taxonomie vorbei.
Verwandtschaft zum Zuchtchampignon
Der Mandelpilz gehört derselben Gattung an wie der Zuchtchampignon (Agaricus bisporus), der weltweit meistproduzierte Kulturpilz. Die Ähnlichkeit im Aufbau – freie Lamellen mit Farbwechsel von weißlich über rosa zu braun, brauner Sporenstaub, häutiger Ring am Stiel – ist unmittelbar erkennbar. Diese Verwandtschaft erklärt auch, warum beide Arten Agaritin enthalten, einen für die Gattung typischen Inhaltsstoff. Unterschiede bestehen im ausgeprägten Mandelduft des A. subrufescens und in den Ansprüchen an die Kultivierung. Seit seiner Entdeckung wird der Pilz weltweit angebaut, besonders in Brasilien, wo mehrere Stämme entwickelt und als Lebensmittel sowie in der Alternativmedizin verwendet wurden.
Inhaltsstoffe
Die stoffliche Zusammensetzung ist in Übersichtsarbeiten beschrieben. Die wesentlichen Gruppen sind:
- Polysaccharide: insbesondere Beta-Glucane, die den mengenmäßig bedeutendsten Anteil der untersuchten Fraktionen stellen. Zu ihrer rechtlichen Einordnung siehe den Abschnitt zur Regulatorik.
- Ergosterol: ein Hauptbestandteil und zugleich die pilztypische Vorstufe von Vitamin D2.
- Agaritin: ein aromatisches Hydrazinderivat, das für die Gattung Agaricus charakteristisch ist – dazu ausführlich unten.
- Brefeldin A: eine Verbindung, für die in Untersuchungen östrogenartige Aktivität beschrieben wurde.
- Aromastoffe: Benzaldehyd, Benzylalkohol, Benzonitril und Methylbenzoat, verantwortlich für den Mandelduft.
Agaritin – sachlich eingeordnet
Agaritin ist ein aromatisches Hydrazinderivat und kommt natürlicherweise in Pilzen der Gattung Agaricus vor – auch im gewöhnlichen Zuchtchampignon. Für A. subrufescens wird ein Gehalt von etwa 1,8 mg pro Gramm Trockengewicht angegeben. Eine nüchterne Einordnung ist hier wichtiger als Alarmismus:
- Agaritin steht wegen möglicher genotoxischer Eigenschaften in der Diskussion. Die Untersuchungsergebnisse sind jedoch widersprüchlich: Ein Teil der Studien fand in Salmonella-Testsystemen keine Reaktion, andere ergaben im Ames-Test positive Befunde.
- Agaritin ist hitze- und verarbeitungsempfindlich. Untersuchungen befassen sich mit seiner Stabilität in wässrigen Auszügen sowie mit der Möglichkeit, es durch Ethanolfraktionierung abzutrennen. Der Gehalt eines Erzeugnisses hängt daher wesentlich von der Verarbeitung ab.
- Untersuchungen zum Stoffwechsel von Agaritin liegen aus Tiermodellen vor; belastbare Aussagen zum Menschen lassen sich daraus nicht ableiten.
- Da Agaritin auch im weit verbreiteten Zuchtchampignon vorkommt, ist es kein Alleinstellungsmerkmal des Mandelpilzes. Es ist ein Grund zur sachlichen Aufmerksamkeit, kein Grund zur Panik – wohl aber ein Argument gegen den dauerhaften Verzehr hoch konzentrierter Extrakte ohne Notwendigkeit.
Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete
Für Vitalpilze bestehen in der Europäischen Union keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben (Health Claims). Die folgenden Abschnitte geben ausschließlich überlieferte Verwendungen und den Stand der Forschung wieder. Sie behaupten keine Wirkung bei Beschwerden oder Erkrankungen.
Regulatorische Einordnung in der EU
Die Rechtslage ist eindeutig:
- Keine zugelassenen Health Claims: Die Liste der zulässigen gesundheitsbezogenen Angaben nach der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 enthält keinen Eintrag zu Agaricus oder zu Pilzen allgemein. Aussagen zu Immunsystem, Krebs, Entzündungsgeschehen oder Blutzucker sind für Erzeugnisse aus dem Mandelpilz in der EU unzulässig.
- Keine EMA-Monographie: Im offiziellen, laufend aktualisierten Datenbestand der Europäischen Arzneimittel-Agentur zu pflanzlichen Arzneimitteln ist Agaricus subrufescens beziehungsweise Agaricus blazei nicht verzeichnet. Es existiert weder eine Monographie für „well-established use“ noch eine für „traditional use“.
- Beta-Glucane – wichtige Abgrenzung: Die zugelassene Angabe zu Beta-Glucanen ist im Verordnungstext ausdrücklich an Getreide gebunden. Sie gilt nur für Lebensmittel, „die mindestens 1 g Beta-Glucane aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie bzw. aus Gemischen dieser Getreide je angegebene Portion enthalten“. Beta-Glucane aus Pilzen sind davon nicht erfasst. Näheres im Beitrag Beta-Glucan (Hafer).
Überlieferte Verwendung
Die Verwendungsgeschichte dieses Pilzes ist – gemessen an Reishi oder Shiitake – ausgesprochen jung. Sie beginnt nicht in einer jahrtausendealten Heiltradition, sondern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als der Pilz in Brasilien wiederentdeckt und ab 1965 in Japan untersucht wurde. In Brasilien, China, Frankreich und den USA wurde er in der Folge als Lebensmittel und in der Alternativmedizin geschätzt. Diese Verwendungen sind historisch dokumentiert – sie stellen keine geprüfte Indikation dar.
Forschungsstand
Übersichtsarbeiten fassen den Stand der Forschung zusammen und benennen dessen Grenzen deutlich. Untersuchungen befassen sich mit Ergosterol und Polysacchariden in Zell- und Tiermodellen; so wurde etwa für Ergosterol eine Hemmung des Tumorwachstums bei Mäusen beschrieben. Solche Befunde stammen ausdrücklich aus dem Labor und lassen sich nicht auf den Menschen übertragen. Daten aus Untersuchungen am Menschen sind begrenzt. Vorläufige Befunde betreffen unter anderem Parameter der Insulinresistenz sowie die Lebensqualität; bei Patienten mit multiplem Myelom ließ sich kein Überlebensvorteil zeigen. Umfassende epidemiologische Daten, die einen Zusammenhang zwischen Verzehr und gesundheitlichen Endpunkten belegen würden, fehlen. Aus dieser Literatur sind für ein in der EU vertriebenes Nahrungsergänzungsmittel keine Wirkaussagen ableitbar. Allgemeine Informationen finden Sie unter Abwehrkräfte stärken.
Anwendung und Dosierung
Kräutermax gibt für Agaricus blazei ausdrücklich keine Dosierungsempfehlung ab. Der Grund liegt in den dokumentierten Fallberichten zu Leberschädigungen (siehe unten) in Verbindung mit dem Fehlen belastbarer Sicherheitsdaten für den Menschen. Wer das Präparat dennoch verwenden möchte, sollte dies ausschließlich nach vorheriger ärztlicher Rücksprache tun. Zur Einordnung:
- Verzehrform: Der Pilz gilt für die meisten Menschen als essbar und schmeckt leicht süßlich mit Mandelaroma. Die dokumentierten Schadensfälle betrafen jedoch nicht den Verzehr des Speisepilzes, sondern konzentrierte Extraktpräparate. Diese Unterscheidung ist wesentlich.
- Traditionelle Zubereitung: Überliefert ist der wässrige Auszug des getrockneten Pilzes.
- Verarbeitung und Agaritin: Der Agaritingehalt hängt von der Verarbeitung ab; wässrige Auszüge und Ethanolfraktionierung wurden diesbezüglich untersucht.
- Qualität und Herkunft: Für den Pilz wurden Cadmiumgehalte von 2 bis 17 mg pro Kilogramm Trockenmasse berichtet; Laborproben wiesen zudem hohe Gehalte an anorganischem Arsen auf. Herkunft und Analytik des Erzeugnisses sind daher keine Nebensache. Angaben ohne diese Informationen sind wenig aussagekräftig.
- Keine Selbstbehandlung: Eine eigenmächtige Anwendung bei bestehender Erkrankung oder parallel zu einer Therapie ist nicht vertretbar.
Geschichte und Hintergrund
Die Geschichte des Mandelpilzes ist eine Geschichte von Verwechslungen – und ein lehrreiches Beispiel dafür, wie aus einem lokalen Fund binnen weniger Jahrzehnte ein internationales Handelsprodukt wird.
Sie beginnt 1893 in Nordamerika mit der wissenschaftlichen Erstbeschreibung. Danach geriet die Art weitgehend in Vergessenheit. Erst 1960 wurde sie nahe dem Ort Piedade im brasilianischen Bundesstaat São Paulo wiederentdeckt. Dort fiel sie auf, weil der örtlichen Bevölkerung ein besonders hohes Alter nachgesagt wurde – eine Beobachtung, die den Pilz rasch in den Ruf eines Gesundheitspilzes brachte, ohne dass ein Zusammenhang jemals belegt worden wäre.
1965 gelangten Proben nach Japan, wo unter dem Namen Himematsutake die systematische Erforschung einsetzte. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich vor allem in Japan und Brasilien ein bedeutender Markt. In Brasilien wurden mehrere Kulturstämme gezüchtet; der Handelsname Cogumelo do Sol – „Pilz der Sonne“ – stammt aus dieser Zeit.
Parallel dazu lief die eingangs geschilderte taxonomische Verwirrung: die Fehlbestimmung als A. blazei im Jahr 1967, der ungültige Korrekturversuch als A. brasiliensis im Jahr 2002 und schließlich die genetische Klärung 2005. Dass sich der falsche Name Agaricus blazei im Handel bis heute gehalten hat, zeigt, wie zählebig eingeführte Produktbezeichnungen sind – auch wenn die Wissenschaft die Frage längst entschieden hat.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
Dieser Abschnitt ist der wichtigste der Seite. Der Mandelpilz ist kein unbedenkliches Alltagsprodukt, und die folgenden Punkte werden in der Vermarktung häufig verschwiegen:
- Dokumentierte Leberschädigungen – zentraler Sicherheitspunkt: In der Fachliteratur sind drei Fälle von Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung beschrieben, die eine schwere Leberschädigung entwickelten; zwei von ihnen verstarben an einem fulminanten Leberversagen. Alle drei hatten Agaricus-blazei-Extrakt eingenommen. Besonders aussagekräftig ist der Verlauf bei einer Patientin: Nach dem Absetzen des Präparats erholte sich die Leberfunktion allmählich; nach Wiederaufnahme der Einnahme verschlechterte sie sich erneut. Die Autoren der Falldarstellung halten fest, dass sich andere Ursachen nicht vollständig ausschließen ließen, ein starker kausaler Zusammenhang zwischen dem Extrakt und der Leberschädigung jedoch naheliegt. Fachstellen bestätigen die Verbindung zu Leberfunktionsstörungen bei Krebspatienten. Bei unerwarteten Leberwertveränderungen sollte die Einnahme eines Agaricus-Präparats ärztlich als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.
- Vorbestehende Lebererkrankungen: Personen mit eingeschränkter Leberfunktion oder bestehender Lebererkrankung sollten Agaricus-blazei-Präparate meiden.
- Agaritin: Der Gehalt liegt bei etwa 1,8 mg pro Gramm Trockengewicht. Wegen möglicher genotoxischer Eigenschaften und widersprüchlicher Studienlage ist von einer dauerhaften Einnahme hoch konzentrierter Extrakte ohne Notwendigkeit abzuraten.
- Schwermetalle und Arsen: Berichtet wurden Cadmiumgehalte von 2 bis 17 mg pro Kilogramm Trockenmasse sowie hohe Gehalte an anorganischem Arsen in Laborproben. Auf geprüfte Qualität und Herkunftsnachweise ist zu achten.
- Wechselwirkung über CYP3A4: Es wird beschrieben, dass der Pilz die Aktivität des Enzyms CYP3A4 hemmen kann, über das zahlreiche Arzneimittel abgebaut werden. Die klinische Bedeutung ist noch nicht geklärt. Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln ist ärztliche Rücksprache erforderlich.
- Blutzuckersenkende Arzneimittel: Es wird beschrieben, dass der Pilz den Blutzuckerspiegel senken kann. Bei entsprechender Medikation ist ärztliche Begleitung geboten.
- Hormonempfindliche Erkrankungen: Für den Inhaltsstoff Brefeldin A wurde östrogenartige Aktivität beschrieben. Bei hormonempfindlichen Erkrankungen ist die Anwendung vorab ärztlich abzuklären.
- Allergische Reaktionen: Beschrieben sind unter anderem Cheilitis (Lippenschwellung) sowie allergische Reaktionen. Bei bekannter Pilzallergie ist von einer Anwendung abzusehen.
- Onkologische Behandlung: Die dokumentierten Schadensfälle betrafen ausschließlich Krebspatienten. Eine Einnahme parallel zu einer onkologischen Therapie ist ohne ärztliche Zustimmung nicht vertretbar.
- Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder: Es liegen keine Sicherheitsdaten vor. Von einer Anwendung ist abzusehen.
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Heißt der Pilz nun Agaricus blazei, subrufescens oder brasiliensis?
Botanisch korrekt ist Agaricus subrufescens. Die Art wurde 1893 in Nordamerika erstbeschrieben, 1960 in Brasilien bei Piedade wiederentdeckt und 1967 fälschlich als Agaricus blazei bestimmt. Der 2002 eingeführte Name Agaricus brasiliensis ist ungültig, weil er ein späteres Homonym eines bereits 1830 vergebenen Namens ist. Genetische Untersuchungen und Kreuzungsversuche zeigten 2005, dass brasilianische und nordamerikanische Aufsammlungen dieselbe Art sind. Alle drei Handelsnamen bezeichnen denselben Pilz.
Gibt es Sicherheitsbedenken zur Leber?
Ja, und sie sind ernst zu nehmen. In der Fachliteratur sind drei Fälle von Krebspatienten dokumentiert, die unter Einnahme von Agaricus-blazei-Extrakt eine schwere Leberschädigung entwickelten; zwei verstarben an fulminantem Leberversagen. Bei einer Patientin erholte sich die Leberfunktion nach Absetzen und verschlechterte sich nach Wiederaufnahme der Einnahme erneut. Die Autoren halten andere Ursachen für nicht vollständig ausschließbar, sehen aber einen starken kausalen Zusammenhang. Personen mit Lebererkrankungen sollten solche Präparate meiden.
Was ist Agaritin und wie gefährlich ist es?
Agaritin ist ein aromatisches Hydrazinderivat, das für die Gattung Agaricus typisch ist und auch im gewöhnlichen Zuchtchampignon vorkommt. Für A. subrufescens wird ein Gehalt von etwa 1,8 mg pro Gramm Trockengewicht angegeben. Es steht wegen möglicher genotoxischer Eigenschaften in der Diskussion, die Studienlage ist jedoch widersprüchlich: Teils blieben Salmonella-Tests negativ, teils fielen Ames-Tests positiv aus. Agaritin ist verarbeitungsempfindlich, sodass der Gehalt eines Erzeugnisses stark von der Herstellung abhängt.
Ist der Mandelpilz mit dem Zuchtchampignon verwandt?
Ja, beide gehören zur Gattung Agaricus in der Familie der Agaricaceae. Der Zuchtchampignon ist Agaricus bisporus, der Mandelpilz Agaricus subrufescens. Gemeinsam sind ihnen die freien Lamellen mit Farbwechsel von weißlich über rosa zu braun, brauner Sporenstaub und ein häutiger Ring am Stiel. Diese Verwandtschaft erklärt auch, warum beide Arten Agaritin enthalten. Unterscheidend sind der ausgeprägte Mandelduft des Mandelpilzes und die Ansprüche an die Kultivierung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Agaricus subrufescens: A review. Saudi Journal of Biological Sciences 2012;19(2):131–146. DOI: 10.1016/j.sjbs.2012.01.003 | PMC-Volltext (Taxonomie, Herkunft Piedade, Agaritingehalt 1,8 mg/g, Cadmium, Sicherheitsdiskussion)
- An alternative medicine, Agaricus blazei, may have induced severe hepatic dysfunction in cancer patients. Japanese Journal of Clinical Oncology 2006;36(12):808–810. DOI: 10.1093/jjco/hyl108 | PubMed (drei Fallberichte, zwei Todesfälle durch fulminantes Leberversagen)
- Memorial Sloan Kettering Cancer Center, Integrative Medicine – About Herbs: Agaricus (Inhaltsstoffe, Leberfunktionsstörungen, Arsen, CYP3A4, Cheilitis)
- Agaritine derived from Agaricus blazei Murrill induces apoptosis via mitochondrial membrane depolarization in hematological tumor cell lines. Fujita Medical Journal 2023;9(2):147–153. DOI: 10.20407/fmj.2022-021 | PMC-Volltext (ausdrücklich Zellkulturdaten zu Agaritin)
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex (geprüft: keine Einträge zu Agaricus oder Pilzen; Getreidebindung der Beta-Glucan-Angaben)
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Datenbestand zu pflanzlichen Arzneimitteln: Herbal medicines – Datenexport (geprüft: kein Eintrag zu Agaricus)
- Wikipedia: Agaricus subrufescens (englisch) (Beschreibung, Nomenklaturgeschichte, Verbreitung, Aromastoffe)

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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