Kudzu – Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung

Kudzu ist eine kräftige, verholzende Kletterpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Der botanisch korrekte Name lautet heute Pueraria montana var. lobata; in der älteren Literatur und auf sehr vielen Produktetiketten finden Sie stattdessen das Synonym Pueraria lobata. Beide Bezeichnungen meinen dieselbe Pflanze. Die Gattung Pueraria umfasst mehrere sehr ähnliche Arten – neben P. montana var. lobata etwa P. edulis, P. phaseoloides und P. thomsonii –, die sich morphologisch nur in Feinheiten unterscheiden, untereinander kreuzbar sind und im Handel alle unter dem gemeinsamen Namen „Kudzu" laufen. Diese botanische Unschärfe ist kein akademisches Detail: Sie erklärt, warum Rohstoffe unterschiedlicher Herkunft in ihrer Zusammensetzung erheblich voneinander abweichen können.

Die linkswindenden, behaarten Sprossachsen wachsen ausgesprochen schnell und können pro Jahr bis zu 20 Meter zulegen; Gesamtlängen um 30 Meter sind möglich. Charakteristisch sind die dreiteiligen, oft gelappten Blätter und die traubigen, purpurn bis violett gefärbten Schmetterlingsblüten, die einen intensiven, an Weintrauben erinnernden Duft verströmen. Unterirdisch bildet die Pflanze mächtige Speicherwurzeln aus: Diese Wurzelknollen erreichen Längen von bis zu zwei Metern und Gewichte von bis zu 180 Kilogramm. Genau diese Knolle – nicht Blatt oder Blüte – ist der Pflanzenteil, um den sich der überwiegende Teil der traditionellen wie der modernen Verwendung dreht.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet liegt in Ostasien, insbesondere in China, Japan und Korea. Dort wächst Kudzu an Waldrändern, Böschungen und Hängen. Kudzu ist damit eine ausgesprochen außereuropäische Pflanze – ein Anbau in Mitteleuropa spielt keine Rolle, und Rohstoffe für den europäischen Markt stammen praktisch immer aus Asien. Was in der EU (vorwiegend in AT und DE) stattfindet, ist die Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten und deren rechtliche Regulierung, nicht der Anbau.

Ein berüchtigter Neophyt: Kudzu in den USA

Kaum eine Heilpflanze hat außerhalb ihrer Heimat eine derart zweifelhafte Karriere gemacht. Kudzu gelangte 1876 anlässlich der Weltausstellung in Philadelphia nach Nordamerika und wurde dort zunächst als Zierpflanze geschätzt. Zwischen 1935 und Mitte der 1950er-Jahre wurde der Anbau in den Südstaaten sogar aktiv gefördert – als Erosionsschutz für ausgelaugte Böden und als Viehfutter. Das erwies sich als folgenschwerer Irrtum: Unter den warmen, feuchten Bedingungen des amerikanischen Südens entfaltete die Pflanze ihr enormes Wuchspotenzial ungebremst, überwuchs Wälder, Böschungen, Strommasten und ganze Gebäude und gilt heute als einer der problematischsten invasiven Neophyten weltweit. Die geschätzten wirtschaftlichen Schäden und Bekämpfungskosten bewegen sich in einer Größenordnung von bis über einer halben Milliarde Dollar pro Jahr. Der Spitzname „the vine that ate the South" ist in den USA sprichwörtlich geworden. Für die Beurteilung der Pflanze als Rohstoff ist das ohne Belang – erwähnenswert ist es dennoch, weil es zeigt, wie stark sich dieselbe Art je nach Standort verhält.

Inhaltsstoffe

Die Wurzelknolle von Kudzu enthält zwei sehr unterschiedliche Fraktionen, die man sauber auseinanderhalten sollte, weil sie lebensmittelrechtlich völlig verschieden behandelt werden.

  • Stärke: Die Knollen sind ausgesprochen stärkereich; die Angaben liegen bei rund 10 Prozent der frischen Knolle. Diese Stärke ist der Rohstoff für die in Ostasien geschätzte Kuzu-Stärke.
  • Isoflavone: Der pflanzenchemisch interessanteste Anteil. Als Leitsubstanzen gelten Puerarin, Daidzein und Daidzin. Isoflavone gehören zur großen Gruppe der Flavonoide und damit zu den Polyphenolen.
  • Saponine und Triterpene sowie weitere Begleitstoffe in geringeren Mengen.

Eine Besonderheit verdient Beachtung: Puerarin ist ein sogenanntes C-Glykosid. Anders als die weit verbreiteten O-Glykoside ist der Zuckerrest hier über eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung an das Grundgerüst geknüpft, was das Molekül chemisch deutlich stabiler und schwerer spaltbar macht. Puerarin gilt als charakteristische Leitsubstanz gerade der Kudzu-Wurzel und wird in der analytischen Literatur regelmäßig als Marker zur Identitäts- und Qualitätsprüfung von Kudzu-Rohstoffen herangezogen. Übersichtsarbeiten zu Extraktions-, Aufreinigungs- und Analyseverfahren der Kudzu-Wurzel befassen sich ausführlich damit, wie stark Lösungsmittel, Temperatur und Verfahren das Isoflavonprofil des Endprodukts verändern – ein weiterer Grund, warum sich zwei Produkte mit identischer Bezeichnung inhaltlich stark unterscheiden können.

Isoflavone sind Phytoöstrogene: Sie ähneln in ihrer räumlichen Struktur dem körpereigenen Östrogen und können an dessen Rezeptoren binden. Diese Eigenschaft teilt Kudzu mit anderen isoflavonreichen Pflanzen wie Rotklee und der Sojabohne. Sie ist der Grund, weshalb dem Abschnitt zu Gegenanzeigen und Wechselwirkungen auf dieser Seite besonderes Gewicht zukommt.

Traditionelle und moderne Anwendungsgebiete

Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist die Kudzu-Wurzel unter dem Namen Gé gēn (葛根) seit sehr langer Zeit gebräuchlich und gehört dort zum festen Bestand der verwendeten Drogen. Auch Blüten und Blätter werden in der überlieferten Anwendung genannt. Wie bei allen traditionellen Systemen gilt: Diese Verwendung dokumentiert eine lange Gebrauchsgeschichte, sie ist jedoch kein Beleg für eine Wirksamkeit im Sinne der europäischen Arzneimittel- oder Lebensmittelbewertung. Beide Ebenen sollten nicht vermischt werden.

Kuzu-Stärke als Lebensmittel

Deutlich weniger bekannt, dafür aber völlig unstrittig ist die Rolle von Kudzu als Stärkelieferant. In Japan werden die Knollen gekocht gegessen oder zu Kuzuko verarbeitet – einem feinen, weißen Stärkemehl. Kuzu-Stärke wird traditionell als Binde- und Verdickungsmittel für Saucen und Suppen, für Süßspeisen sowie für bestimmte Nudelarten verwendet; ihre Anwendung entspricht in etwa der von Pfeilwurzelmehl. Der Deutlichkeit halber: Hier geht es um ein Grundnahrungsmittel, nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel. Die EU stuft die Stärke aus der Kudzu-Wurzel ausdrücklich als nicht neuartig in Lebensmitteln ein.

Gegenstand aktueller Untersuchungen

Kudzu und insbesondere die Einzelsubstanz Puerarin sind Gegenstand einer umfangreichen, überwiegend präklinischen Forschungsliteratur. Untersuchungen befassen sich unter anderem mit der Biosynthese der Isoflavone in der Pflanze, mit Extraktions- und Analyseverfahren sowie mit zellulären und tierexperimentellen Modellen. Für den Verbraucher ist dabei die Einordnung entscheidend: Ergebnisse aus Zellkultur- und Tierversuchen lassen sich nicht auf den Menschen übertragen, und aussagekräftige klinische Studien am Menschen liegen für die im Handel beworbenen Anwendungen nicht in belastbarem Umfang vor. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Wechseljahresbeschwerden fand für Kudzu keinerlei Vorteil. Wir geben deshalb auf dieser Seite bewusst keine anwendungsbezogenen Empfehlungen wieder, sondern beschreiben Pflanze, Inhaltsstoffe und Rechtslage.

Regulatorische Einordnung in der EU

Dieser Punkt ist bei Kudzu ungewöhnlich vielschichtig und wird in der Werbung fast durchgängig verkürzt dargestellt. Wir stellen ihn deshalb vollständig dar.

  • Kein zugelassener gesundheitsbezogener Claim. Im EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) findet sich zu Pueraria beziehungsweise Kudzu kein einziger Eintrag – weder ein zugelassener noch ein abgelehnter. Jede gesundheitsbezogene Werbeaussage zu Kudzu ist damit in der EU unzulässig.
  • Keine EMA-Monographie. Im offiziellen, laufend aktualisierten Datensatz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zu pflanzlichen Arzneimitteln ist die Gattung Pueraria nicht enthalten. Es existiert für Kudzu also weder eine Monographie zur „traditionellen Anwendung" noch eine zur „allgemein medizinischen Verwendung". Wir haben das gegen den Datensatz geprüft, nicht angenommen.
  • Novel-Food-Status, nach Pflanzenteil und Extraktionsverfahren getrennt. Der Novel-Food-Katalog der Europäischen Kommission führt Pueraria montana var. lobata mit drei unterschiedlichen Einstufungen: Die Stärke der Wurzel gilt als nicht neuartig in Lebensmitteln. Wässrige Extrakte aus Blüten, Blättern und Wurzeln gelten als nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln – in herkömmlichen Lebensmitteln jedoch nicht. Alkoholische Extrakte der Kudzu-Wurzel hingegen sind zulassungspflichtige neuartige Lebensmittel nach der Verordnung (EU) 2015/2283 und derzeit nicht zugelassen.
  • Höchstgerichtliche Klarstellung. Der deutsche Bundesgerichtshof bestätigte 2015 für ein Nahrungsergänzungsmittel aus getrocknetem Kudzuwurzel-Extrakt die Einstufung als neuartiges Lebensmittel und damit ein Vertriebs- und Werbeverbot. Die Eintragung im Novel-Food-Katalog mit dem Status „FS" ist ausdrücklich kein verbindlicher Nachweis, dass ein konkretes Erzeugnis nicht neuartig ist.

Praktisch bedeutet das: Ob ein bestimmtes Kudzu-Produkt in der EU (vorwiegend in AT und DE) verkehrsfähig ist, hängt am verwendeten Pflanzenteil, am Extraktionsmittel und an der Produktkategorie – nicht am Pflanzennamen. Das ist kein Makel der Pflanze, sondern schlicht die geltende Rechtslage.

Anwendung und Dosierung

Eine Dosierungsempfehlung geben wir für Kudzu bewusst nicht ab. Es gibt in der EU keine arzneiliche Monographie, aus der sich eine geprüfte Dosis ableiten ließe, und keinen zugelassenen Claim, an den sich eine Verzehrsmenge knüpfen würde. Sinnvoll ist stattdessen eine Einordnung der im Handel anzutreffenden Formen:

  • Kuzu-Stärke (Kuzuko): Lebensmittel. Wird wie andere Stärkemehle zum Binden von Saucen, Suppen und Süßspeisen sowie zur Nudelherstellung verwendet – üblicherweise in kaltem Wasser angerührt und dann unter Erhitzen eingerührt.
  • Wurzel als Teeaufguss: Traditionelle Zubereitungsform aus dem ostasiatischen Gebrauch.
  • Kapseln und Extrakte: Hier ist besondere Aufmerksamkeit angebracht. Marktübliche Präparate liefern Isoflavonmengen in der Größenordnung von 290 bis 1.000 mg pro Tag. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Isoflavon-Aufnahme über die übliche mitteleuropäische Ernährung liegt bei etwa 2 mg täglich. Das entspricht einer rund 100- bis 500-fach erhöhten Aufnahme – eine Größenordnung, die mit „pflanzlich und daher mild" nichts mehr zu tun hat.

Halten Sie sich bei Fertigprodukten ausschließlich an die Angaben des jeweiligen Herstellers und ziehen Sie bei bestehenden Erkrankungen oder einer Dauermedikation ärztlichen Rat hinzu, bevor Sie ein isoflavonreiches Präparat einnehmen.

Geschichte und Hintergrund

Kudzu verkörpert wie kaum eine zweite Pflanze den Unterschied zwischen kultureller Vertrautheit und ökologischer Passung. In Ostasien ist sie seit sehr langer Zeit als Nahrungs-, Faser- und Heilpflanze eingebunden: Aus den Fasern der Ranken wurden Gewebe hergestellt, aus der Knolle Stärke gewonnen, in der überlieferten Heilkunde fand die Wurzel als Gé gēn Verwendung. Diese Nutzung ist über Jahrhunderte gewachsen und eingebettet in ein Umfeld, in dem die Pflanze durch Klima, Konkurrenz und Beweidung natürlich begrenzt wird.

Aus diesem Gefüge herausgelöst und 1876 nach Nordamerika verpflanzt, geschah das Gegenteil. Was in Japan ein nutzbares, beherrschbares Gewächs war, wurde im Süden der USA zu einem Musterbeispiel biologischer Invasion – gefördert noch dazu durch staatliche Programme, die den raschen Bodendecker als Lösung für Erosionsprobleme empfahlen. Die Geschichte von Kudzu ist damit auch eine Lehrstunde darüber, wie stark der Kontext über den Nutzen einer Pflanze entscheidet.

Auch die europäische Rezeptionsgeschichte fügt sich in dieses Muster. Kudzu erreichte den europäischen Markt nicht über die Küche, sondern über den Handel mit Nahrungsergänzungsmitteln, begleitet von weitreichenden Werbeversprechen. Die daraufhin einsetzende rechtliche Klärung – Novel-Food-Einstufung, Beanstandungen der Lebensmittelüberwachung, schließlich die höchstrichterliche Entscheidung von 2015 – hat die Vermarktung in Europa erheblich eingeschränkt. Wer heute in Europa mit Kudzu zu tun hat, begegnet der Pflanze deshalb in zwei sehr verschiedenen Gestalten: als unauffälliges Stärkemehl in der asiatischen Küche und als rechtlich heikles Extraktpräparat.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

Dieser Abschnitt ist der wichtigste der gesamten Seite. Kudzu-Präparate sind aufgrund ihres Phytoöstrogengehalts und der marktüblichen hohen Dosierungen kein beliebiges „Kräuterprodukt".

  • Hormonabhängige Erkrankungen: Frauen mit einer bestehenden oder früheren östrogenabhängigen Erkrankung der Brust oder der Fortpflanzungsorgane sollten Kudzu-Präparate auf keinen Fall ohne fachärztliche Rücksprache anwenden. Isoflavone können an Östrogenrezeptoren binden; die Folgen einer solchen Zufuhr sind in dieser Situation nicht abschätzbar.
  • Tamoxifen: Bei einer Therapie mit Tamoxifen ist von der gleichzeitigen Einnahme kudzuhaltiger Präparate abzuraten. Tamoxifen wirkt über den Östrogenrezeptor; eine zusätzliche Zufuhr rezeptoraktiver Pflanzenstoffe kann diese Therapie beeinflussen. Diese Frage gehört in jedem Fall zum behandelnden Arzt und nicht in die Selbstmedikation.
  • Gerinnungshemmende Mittel: Zu Kudzu in Kombination mit Blutgerinnungshemmern liegen bislang nur sehr begrenzte Daten vor. Eine Pilotstudie an gesunden Probanden untersuchte ein Kombinationspräparat aus Salvia miltiorrhiza und Kudzu-Wurzel zusammen mit Warfarin und Acetylsalicylsäure. Aus einer einzelnen Pilotstudie lässt sich keine Entwarnung ableiten. Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, klären Sie die Einnahme vorab ärztlich ab.
  • Weitere Arzneimittel: Von einer gleichzeitigen Anwendung mit Antidiabetika sowie mit Methotrexat wird abgeraten.
  • Leber: Es liegt ein Fallbericht über eine Leberschädigung nach Einnahme eines Kombinationspräparats aus Kudzu und Mistel vor. Bei Anzeichen wie ungewöhnlicher Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Juckreiz, Druck im Oberbauch oder Gelbfärbung von Haut oder Augen setzen Sie das Präparat ab und suchen umgehend ärztlichen Rat.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder: Für diese Gruppen liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Schwangere, Stillende und Kinder sollten Kudzu-Präparate nicht anwenden.
  • Behördliche Bewertung: Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hält fest, dass insbesondere bei längerfristiger Anwendung ein gesundheitliches Risiko nicht auszuschließen ist. Offen sind unter anderem Fragen zu Wechselwirkungen, zu Schwellenwerten der Dosierung und zu östrogenartigen Effekten.
  • Verwechslungsgefahr: Achten Sie auf die botanische Artangabe. Pueraria mirifica („weißes Kwao Kreu") ist eine andere Art mit deutlich ausgeprägterer phytoöstrogener Wirkung und wird im Novel-Food-Katalog als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel geführt. Auch innerhalb der Gattung ist „Kudzu" also keine eindeutige Bezeichnung.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Was ist Kudzu und welcher Pflanzenteil wird verwendet?

Kudzu (Pueraria montana var. lobata, Synonym Pueraria lobata) ist eine ostasiatische Kletterpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Verwendet wird vor allem die große Speicherwurzel, die bis zu zwei Meter lang und bis zu 180 Kilogramm schwer werden kann. Sie liefert einerseits Stärke für die Küche, andererseits die Isoflavone Puerarin, Daidzein und Daidzin.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Kudzu-Wurzel?

Die Wurzel enthält bis zu etwa 10 Prozent Stärke sowie als charakteristische Pflanzenstoffe die Isoflavone Puerarin, Daidzein und Daidzin. Puerarin ist ein C-Glykosid und gilt als Leitsubstanz zur Identitätsprüfung. Hinzu kommen Saponine, Triterpene und weitere Begleitstoffe. Isoflavone gehören zu den Flavonoiden und damit zu den Polyphenolen.

Ist Kudzu in der EU als Lebensmittel zugelassen?

Das hängt vom Pflanzenteil und vom Herstellungsverfahren ab. Die Stärke der Kudzu-Wurzel gilt als nicht neuartig in Lebensmitteln. Wässrige Extrakte aus Blüten, Blättern und Wurzeln gelten als nicht neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln, nicht aber in herkömmlichen Lebensmitteln. Alkoholische Extrakte der Wurzel sind zulassungspflichtige neuartige Lebensmittel und derzeit nicht zugelassen.

Wer sollte Kudzu-Präparate nicht anwenden?

Schwangere, Stillende und Kinder sollten Kudzu-Präparate nicht anwenden. Frauen mit bestehender oder früherer östrogenabhängiger Erkrankung sollten sie ausschließlich nach fachärztlicher Rücksprache in Betracht ziehen. Von einer gleichzeitigen Einnahme mit Tamoxifen, Methotrexat oder Antidiabetika wird abgeraten; bei gerinnungshemmenden Medikamenten ist die Einnahme vorab ärztlich abzuklären.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Europäische Kommission, Novel Food Catalogue: Eintrag Pueraria montana var. lobata (POL-NF-00636) – Einstufung von Wurzelstärke, wässrigen und alkoholischen Extrakten. EU Novel Food Status Catalogue
  2. Europäische Kommission, EU-Register der nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006) – enthält keinen Eintrag zu Pueraria/Kudzu. EU Register of nutrition and health claims
  3. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Übersicht der pflanzlichen Arzneimittel und Monographien; der offizielle Datensatz enthält keinen Eintrag zur Gattung Pueraria. EMA – Herbal medicines
  4. Verbraucherzentrale: Kudzu – die asiatische Hülsenfrucht. Rechtslage, Isoflavonmengen, Warnhinweise. verbraucherzentrale.de
  5. Advances in Extraction, Purification, and Analysis Techniques of the Main Components of Kudzu Root: A Comprehensive Review. Molecules (2023) 28(18):6577. PMC-Volltext | DOI: 10.3390/molecules28186577
  6. Is it safe to take Radix Salvia Miltiorrhiza – Radix Pueraria Lobata product with warfarin and aspirin? A pilot study in healthy human subjects. Journal of Ethnopharmacology (2020). PubMed
  7. Wikipedia: Kudzu (Pflanze) – Botanik, Wuchsdaten, Einführung nach Nordamerika, Kuzu-Stärke

Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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