Menthol: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
Beschreibung
Menthol ist ein Monoterpenalkohol aus der Gruppe der Terpene, der natürlicherweise im ätherischen Öl der Pfefferminze (Mentha × piperita) und anderen Minzearten in Konzentrationen von 40–55 % vorkommt. Es erzeugt durch Aktivierung von Kälterezeptoren (TRPM8-Ionenkanal) ein kühlendes Gefühl, ohne die Temperatur tatsächlich zu senken. Menthol ist einer der meistverwendeten Naturstoffe in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie – von Zähnpasta über Hustenbonbons bis zu topischen Schmerzmitteln.
Inhaltsstoffe und Eigenschaften
- Chemische Bezeichnung: 2-Isopropyl-5-methylcyclohexanol
- Hauptsächliche Quelle: Pfefferminze (Mentha × piperita); auch aus Japanischer Minze (Mentha arvensis)
- Konfigurationen: l-Menthol (natürlich, starkste Kühlwirkung); dl-Menthol (synthetisch)
- Wirkungsmechanismus: Aktivierung von TRPM8-Kanalrezeptoren → Kühlgefühl ohne Temperaturabfall
Volksmedizinische und wissenschaftliche Anwendungsgebiete
- Atemwege: Menthol volksmedizinisch und phytotherapeutisch als schleimlösendes und erkältungslinderdes Mittel eingesetzt. Inhalation als Dampf bei Schnupfen. Positiv monographiert für Pfefferminzöl (= mentholreiches Öl) von Kommission E.
- Spannungskopfschmerz: Topisch angewendetes Pfefferminzöl (10 % Ethanol-Lösung) auf Schlafen bei Spannungskopfschmerz in Studien auf vergleichbare Wirkung wie ASS untersucht.
- Muskelentspannung: Kühlend-analgetische Wirkung von topischen Mentholpräparaten bei Muskelschmerz überliefert.
- Mundhöhle: Antiseptisch und atemfrischend; deshalb in Mundspülungen und Zähnpasta allgegenwärtig.
Anwendung und Dosierung
- Inhalation (Erkältung): 3–5 Tropfen Pfefferminzöl in Schüssel mit heißem Wasser; 5–10 Minuten inhalieren
- Topisch (Kopfschmerz): Pfefferminzöl 10 % in Ethanol auf Schlafen und Stirn auftragen
- Hustenbonbons: Volksmedizinisch und als Medizinprodukt
- ACHTUNG: Bei Kleinkindern kein Menthol im Gesichtsbereich (Atemstillstand möglich)
Geschichte und Überlieferungen
Pfefferminze und ihr Ätherisches Öl wurden in der Antike und im Mittelalter als Heilmittel genutzt. Menthol als Reinsubstanz wurde 1771 vom deutschen Chemiker Hieronymus David Gaubius beschrieben. Im 19. Jahrhundert begann die industrielle Herstellung von Mentholkristallen aus Japanischer Minze.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Kleinkinder (unter 2 Jahren): Mentholhaltige Mittel nicht im Gesicht oder an Nase anwenden – Krampf des Kehlkopfes und Atemstillstand möglich
- Reflux/Sodbrennen: Menthol entspannt den unteren Ösophagussphinkter und kann Reflux verstärken
- Gallensteine: Große Mengen Pfefferminzöl vorsichtig
Häufige Fragen und Antworten (FAQ)
Warum kühlt Menthol?
Menthol aktiviert Kälterezeptoren (TRPM8-Ionenkanäle) in der Haut und Schleimhaut. Diese senden ein Kühlsignal ans Gehirn, ohne die tatsächliche Temperatur zu ändern. Deshalb fühlt sich Menthol kühl an, auch bei Raumtemperatur.
Kann Menthol bei Kopfschmerzen helfen?
Topisch aufgetragenes Pfefferminzöl (10 %) auf Schlafen und Stirn wurde in Studien bei Spannungskopfschmerz untersucht und zeigte Wirkung, die mit Paracetamol vergleichbar war. Zur Linderung von Spannungskopfschmerzen volksmedizinisch eingesetzt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Liu B et al. (2013). TRPM8 is the principal mediator of menthol-induced analgesia of acute and inflammatory pain. Pain.
- Gobel H et al. (1996): Effectiveness of Oleum menthae piperitae and paracetamol in therapy of headache of the tension type. Cephalalgia 16(4):257–263. DOI: 10.1046/j.1468-2982.1996.1604257.x
- Wikipedia: Menthol
- PubMed: Menthol – pharmacology of an important naturally medicinal 'cool' (Review, 2013)
- PubMed: Updated review on the biological activity of menthol in relation to inflammation (2022)
- PMC: The distinctive role of menthol in pain and analgesia – Mechanisms and advances (2022)

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Verwandte Themen
- Pfefferminzöl – Kraftvolles Öl mit vielseitigen Anwendungen
- Pfefferminze – Erfrischendes Heilkraut mit vielseitigen Wirkungen
- Krauseminze: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
- Japanische Minze: Frische und Heilwirkung aus der Natur
- Ätherische Öle: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung
- Marokkanische Minze – Ein aromatisches Heilkraut für Gesundheit und Genuss