Menthol: Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Menthol Bild Lexikon

Herkunft und Beschreibung

Menthol ist ein Monoterpenalkohol, also ein Vertreter der großen Stoffgruppe der Terpene, aus denen die meisten ätherischen Öle bestehen. Natürlicherweise kommt es vor allem im ätherischen Öl der Pfefferminze (Mentha × piperita) vor, einer Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze. Im Pfefferminzöl macht Menthol je nach Herkunft und Qualität etwa ein Drittel bis gut die Hälfte des Öls aus; daneben enthält das Öl unter anderem Menthon, Menthylacetat und 1,8-Cineol.

Noch mentholreicher ist das Öl der Japanischen Minze (Mentha arvensis), aus der seit dem 19. Jahrhundert ein Großteil des natürlichen Menthols gewonnen wird. Kühlt man dieses Öl ab, kristallisiert Menthol aus; das verbleibende, teilweise entmentholisierte Öl ist als „Minzöl“ im Handel. Nicht jede Minze ist allerdings mentholreich: Krauseminze und Marokkanische Minze gehören zur Grünen Minze und enthalten vor allem Carvon, kaum Menthol – sie schmecken deshalb milder und weniger kühlend.

Reines Menthol bildet farblose, nadelförmige Kristalle mit dem typischen, durchdringend frischen Minzgeruch. Es schmilzt bereits knapp oberhalb der Körpertemperatur, ist in Wasser kaum, in Alkohol und fetten Ölen dagegen gut löslich. Chemisch handelt es sich um 2-Isopropyl-5-methylcyclohexanol. Von mehreren möglichen räumlichen Formen kommt in der Natur fast ausschließlich das L-Menthol (Levomenthol) vor, das auch die stärkste Kühlwirkung besitzt. Daneben wird Menthol großtechnisch synthetisch hergestellt; synthetisches Menthol kann als Gemisch (DL-Menthol) oder als reines L-Menthol vorliegen.

Menthol gehört zu den meistverwendeten Naturstoffen überhaupt: in Zahnpasta und Mundspülungen, Kaugummi und Bonbons, Erkältungsbalsamen, Kühlgelen, Haut- und Fußpflege sowie als Aromastoff in Lebensmitteln.

Aufbau und Wirkungsweise

Warum kühlt Menthol?

Das Kältegefühl von Menthol ist eine Sinnestäuschung im wörtlichen Sinn: Die Hauttemperatur sinkt dabei nicht. Menthol aktiviert in den Nervenendigungen von Haut und Schleimhaut einen Kälterezeptor, den Ionenkanal TRPM8, der normalerweise auf Abkühlung anspricht. Dieser Rezeptor wurde 2002 von der Arbeitsgruppe um David Julius (McKemy et al.) beschrieben – eine Entdeckung, die zu den Grundlagen des Medizin-Nobelpreises 2021 für die Erforschung von Temperatur- und Berührungssensoren gehört. Das Gehirn meldet daraufhin „kalt“, obwohl kein Wärmeentzug stattfindet.

Daneben beeinflusst Menthol in Laborversuchen weitere Ionenkanäle in Nervenzellen und wirkt in höherer Konzentration örtlich leicht betäubend. Auf der Haut erzeugt es außerdem einen sogenannten Gegenreiz: Das Kühlgefühl überlagert Schmerz- und Juckreizsignale. Gleichzeitig fördert Menthol die Durchlässigkeit der Haut für andere Stoffe, was in Salben und Gelen genutzt wird. In hoher Konzentration kehrt sich die Wirkung um – dann brennt und reizt Menthol.

Freie Nase – Gefühl oder Wirkung?

Nach dem Einatmen von Menthol empfinden die meisten Menschen die Nase als freier. Untersuchungen zeigten jedoch, dass sich der gemessene Luftstrom durch die Nase dabei kaum verändert: Menthol reizt die Kälterezeptoren der Nasenschleimhaut, und dieser Kältereiz wird als besserer Luftstrom wahrgenommen. Die Erleichterung ist also überwiegend subjektiv, für Betroffene aber durchaus spürbar. Experimentell gibt es zudem Hinweise, dass eingeatmetes Menthol den Hustenreiz dämpfen kann.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Spannungskopfschmerz: Pfefferminzöl in 10-prozentiger alkoholischer Lösung, auf Stirn und Schläfen aufgetragen, ist bei leichten Spannungskopfschmerzen von der EMA als wissenschaftlich belegte Anwendung („well-established use“) anerkannt.
  • Reizdarm und Bauchkrämpfe: Magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln lindern laut EMA leichte Krämpfe, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarmsyndrom; mehrere Metaanalysen stützen dies.
  • Husten und Erkältung: Inhalation und Einreibungen mit mentholhaltigem Pfefferminzöl sind als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Erkältungsbeschwerden anerkannt.
  • Muskelschmerzen: Äußerlich wird Menthol traditionell bei örtlich begrenzten Muskelschmerzen eingesetzt, oft zusammen mit Kampfer oder Eukalyptus.
  • Juckreiz: Auf intakter Haut kann der Kühlreiz Juckreiz überdecken; auch diese Anwendung ist traditionell anerkannt.
  • Mund und Rachen: In Mundpflege, Lutschtabletten und Sprays sorgt Menthol für ein frisches, kühlendes Gefühl.

Kann Menthol bei Kopfschmerzen helfen?

Bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp gibt es gute Belege für das äußerlich aufgetragene Pfefferminzöl, dessen Wirkung maßgeblich auf Menthol zurückgeführt wird. In einer kontrollierten Studie von Göbel und Mitarbeitern (1996) linderte eine 10-prozentige Lösung von Pfefferminzöl in Ethanol, großflächig auf Stirn und Schläfen aufgetragen, Spannungskopfschmerzen ähnlich gut wie die Einnahme von 1.000 Milligramm Paracetamol und deutlich besser als ein Scheinmittel. Für Migräne ist die Datenlage dagegen deutlich schwächer.

Atemwege und Erkältung

Bei Schnupfen und Erkältung ist Menthol ein klassischer Bestandteil von Inhalationen, Brustbalsamen und Lutschpastillen – häufig kombiniert mit Eukalyptus, Kampfer oder Thymianöl. Die EMA hat solche Anwendungen von Pfefferminzöl auf Grundlage der langjährigen Verwendung als traditionell anerkannt; eindeutige Studienergebnisse fehlen. Eine schleimlösende Wirkung im eigentlichen Sinn ist für Menthol nicht belegt. Weitere Hausmittel finden Sie unter Husten-Hausmittel.

Verdauung und Reizdarm

Innerlich entspannt Pfefferminzöl die glatte Muskulatur des Darms, vermutlich durch einen Einfluss auf den Kalziumeinstrom in die Muskelzellen. Beim Reizdarmsyndrom und bei Blähungen mit krampfartigen Bauchschmerzen ist diese Anwendung von der EMA als belegt anerkannt – allerdings ausdrücklich für magensaftresistente Kapseln, die das Öl erst im Darm freisetzen. Eine Metaanalyse von Alammar und Kollegen (2019) fand eine Besserung der Gesamtbeschwerden und der Bauchschmerzen gegenüber Placebo.

Hat Menthol eine Wirkung auf die Psyche?

Der Duft von Menthol und Pfefferminze wird von vielen Menschen als belebend und klärend empfunden; in der Aromapflege gilt Pfefferminzöl deshalb als „Konzentrationsduft“. Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass Pfefferminzduft die subjektive Wachheit steigern kann. Eine gesicherte Wirkung auf Stimmung, Angst oder Konzentration ist jedoch nicht belegt – Menthol ist kein Beruhigungs- und kein Aufputschmittel.

Anwendung und Dosierung

Menthol wird fast immer in Form von Pfefferminz- oder Minzöl beziehungsweise in fertigen Zubereitungen angewendet, selten als Reinsubstanz. Halten Sie sich an die Packungsbeilage; die folgenden Angaben beschreiben übliche Anwendungsformen.

  • Inhalation bei Erkältung: wenige Tropfen (meist drei bis vier) Pfefferminzöl in eine Schüssel mit heißem, nicht kochendem Wasser geben und die Dämpfe einige Minuten mit geschlossenen Augen einatmen. Nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren.
  • Spannungskopfschmerz: 10-prozentige alkoholische Pfefferminzöl-Lösung dünn auf Stirn und Schläfen auftragen, bei Bedarf nach etwa 15 Minuten wiederholen. Nicht in die Augen bringen, Hände danach waschen. Laut EMA erst ab 18 Jahren.
  • Reizdarm: magensaftresistente Kapseln mit Pfefferminzöl nach Packungsbeilage, mit etwas Abstand vor den Mahlzeiten einnehmen und nicht zerkauen. Laut EMA nicht für Kinder unter 8 Jahren.
  • Einreibungen und Kühlgele: bei Muskelverspannungen oder Juckreiz nur auf intakte Haut, nicht auf Schleimhäute, Wunden oder großflächig.
  • „Mentholöl“: Gemeint ist meist Pfefferminz- oder Minzöl, manchmal in fettem Öl gelöste Mentholkristalle. Ätherische Öle immer verdünnt verwenden und nie unverdünnt einnehmen.

Geschichte und Überlieferungen

Minzen gehören zu den ältesten Gewürz- und Heilpflanzen; Ägypter, Griechen und Römer nutzten sie bei Verdauungsbeschwerden und als Duftpflanze. Die Pfefferminze selbst ist jünger: Als eigene Kreuzung wurde sie Ende des 17. Jahrhunderts in England beschrieben und verbreitete sich von dort rasch als Arzneipflanze.

In Japan und China wurde mentholreiche Minze schon lange zuvor genutzt. Menthol als Reinsubstanz – damals „Pfefferminzkampfer“ genannt – beschrieb der Leidener Arzt und Chemiker Hieronymus David Gaubius im Jahr 1771. Im 19. Jahrhundert setzte die Gewinnung von Mentholkristallen aus Japanischer Minze im großen Stil ein, und Menthol hielt Einzug in Riechstifte, Erkältungsbalsame und Kopfschmerzstifte. Im 20. Jahrhundert kamen synthetische Herstellungsverfahren hinzu, mit denen heute ein erheblicher Teil des weltweiten Bedarfs gedeckt wird.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren: Mentholhaltige Zubereitungen dürfen nicht im Gesicht, an der Nase oder auf der Brust angewendet werden. Menthol kann bei kleinen Kindern einen reflektorischen Krampf des Kehlkopfes und Atemstillstand auslösen. Auch für ältere Kinder gelten je nach Anwendung Altersgrenzen – die Packungsbeilage beachten.
  • Asthma und empfindliche Atemwege: Inhalationen können bei Asthma oder Keuchhusten Verkrampfungen der Atemwege auslösen; hier nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Sodbrennen und Reflux: Pfefferminzöl kann den Schließmuskel am Mageneingang entspannen und Sodbrennen verstärken.
  • Galle und Leber: Bei Gallensteinen, Entzündungen der Gallenwege oder Lebererkrankungen ist die innerliche Anwendung von Pfefferminzöl nicht angezeigt.
  • Allergien und Haut: Überempfindlichkeitsreaktionen auf Menthol oder Pfefferminzöl sind selten, aber möglich. Nicht auf verletzte oder gereizte Haut auftragen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Die übliche Verwendung in Lebensmitteln und Zahnpflege gilt als unbedenklich. Für arzneiliche Mengen fehlen ausreichende Daten; daher nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Wechselwirkungen: Säurehemmende Mittel und gleichzeitige Mahlzeiten können magensaftresistente Kapseln zu früh auflösen – Sodbrennen ist die Folge. Laborbefunde deuten darauf hin, dass Pfefferminzöl in größeren Mengen den Abbau einzelner Arzneistoffe beeinflussen kann; bei Dauermedikation ärztlich oder in der Apotheke abklären.
  • Überdosierung: Reines Menthol und unverdünnte ätherische Öle sind in größerer Menge giftig. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Regulatorische Einordnung in der EU

Für Pfefferminzöl, die wichtigste natürliche Mentholquelle, gibt es eine Monographie des Ausschusses für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA. Als wissenschaftlich belegt („well-established use“) gelten dort die äußerliche Anwendung bei leichten Spannungskopfschmerzen und die Einnahme magensaftresistenter Zubereitungen bei leichten Darmkrämpfen, Blähungen und Bauchschmerzen, besonders beim Reizdarmsyndrom. Als traditionelle Anwendungen anerkannt sind die Linderung von Husten- und Erkältungsbeschwerden, örtlichen Muskelschmerzen und Juckreiz auf intakter Haut. Für Menthol in Lebensmitteln ist keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen; dort dient es als Aromastoff. In Zigaretten ist Menthol als charakteristisches Aroma in der EU seit Mai 2020 verboten.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

Warum kühlt Menthol?

Menthol aktiviert Kälterezeptoren (TRPM8-Ionenkanäle) in der Haut und Schleimhaut. Diese senden ein Kühlsignal ans Gehirn, ohne die tatsächliche Temperatur zu ändern. Deshalb fühlt sich Menthol kühl an, auch bei Raumtemperatur.

Kann Menthol bei Kopfschmerzen helfen?

Topisch aufgetragenes Pfefferminzöl (10 %) auf Schlafen und Stirn wurde in Studien bei Spannungskopfschmerz untersucht und zeigte Wirkung, die mit Paracetamol vergleichbar war. Zur Linderung von Spannungskopfschmerzen volksmedizinisch eingesetzt.

Was ist Menthol-Öl?

Menthol selbst ist ein kristalliner Stoff, der vor allem aus Pfefferminz- und Minzöl gewonnen wird. Als Menthol-Öl bezeichnet man umgangssprachlich mentholreiche Minzöle. Menthol aktiviert die Kälterezeptoren der Haut und Schleimhäute und erzeugt so sein typisches Frischegefühl, ohne die Temperatur tatsächlich zu senken.

Hat Menthol eine Wirkung auf die Psyche?

Der frische Minzduft wird in der Aromatherapie als belebend und konzentrationsfördernd geschätzt, kleine Studien deuten auf eine anregende Wirkung des Pfefferminzduftes hin. Eine gesicherte Wirkung auf die Psyche ist das nicht.

Quellen und weiterführende Informationen


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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