Griechischer Bergtee (Sideritis): Wirkung, Inhaltsstoffe & Anwendung

Botanik und Beschreibung
Griechischer Bergtee ist der Sammelname für mehrere Arten der Gattung Sideritis, die im Deutschen Gliedkraut heißt. In Griechenland wird der Tee „Tsai tou vounou“ – Tee der Berge – genannt. Für die Arzneipflanzenkunde sind vor allem vier Arten von Bedeutung: Sideritis scardica (Balkan- oder Olymp-Bergtee), Sideritis raeseri, Sideritis syriaca (Kretischer Bergtee) und Sideritis clandestina. Alle gehören zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und sind damit verwandt mit Salbei, Thymian, Oregano und Melisse.
Häufig liest man für Griechischen Bergtee auch den Namen „Eisenkraut“. Das ist eine Verwechslung: Der Gattungsname Sideritis leitet sich zwar vom griechischen Wort sideros für Eisen ab, als Eisenkraut wird im Deutschen aber eine ganz andere Pflanze bezeichnet, das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis). Im englischen Sprachraum heißt Sideritis „Ironwort“, was die Verwechslung zusätzlich begünstigt.
Die Pflanzen sind ausdauernde, niedrige Halbsträucher, meist 15 bis 50 Zentimeter hoch. Stängel und Blätter sind dicht weißfilzig behaart, wodurch die Pflanze silbrig-grau wirkt – ein Schutz vor Sonne und Austrocknung. Im Sommer erscheinen in Scheinquirlen übereinanderstehende, kleine, gelbe Lippenblüten, umgeben von filzigen Hochblättern. Der getrocknete Tee besteht aus ganzen blühenden Stängeln und duftet mild-würzig, leicht zitronig und blumig.
Griechischer Bergtee wächst auf kargen, steinigen, meist kalkhaltigen Böden in den Gebirgen der Balkanhalbinsel und Griechenlands, etwa am Olymp oder auf Kreta, oft in größeren Höhenlagen. Weil Wildbestände durch Übersammlung gefährdet waren, stammt der Tee heute zunehmend aus kontrolliertem Anbau. Arzneilich verwendet wird das zur Blütezeit geerntete und getrocknete Kraut (Sideritis herba).
Inhaltsstoffe
Die Zusammensetzung schwankt je nach Art, Herkunft und Erntezeitpunkt. Untersucht wurden vor allem folgende Stoffgruppen:
- Flavonoide: charakteristisch sind Glykoside der Flavone Isoscutellarein und Hypolaetin, daneben Apigenin- und Luteolin-Verbindungen.
- Phenylethanoidglykoside: vor allem Verbascosid (auch Acteosid genannt), ein Stoff, der auch in Spitzwegerich und Königskerze vorkommt und im Labor antioxidative Eigenschaften zeigt.
- Hydroxyzimtsäuren wie Chlorogensäure – insgesamt zählt Bergtee damit zu den polyphenolreichen Kräutertees.
- Diterpene vom Kauran-Typ, die für die Gattung typisch sind.
- Ätherisches Öl in vergleichsweise geringer Menge, unter anderem mit Pinenen und Sesquiterpenen, das zum Duft des Tees beiträgt.
Griechischer Bergtee enthält kein Koffein und kann deshalb auch am Abend getrunken werden.
Heilwirkung
Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:
- Husten bei Erkältung: Von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten im Rahmen einer Erkältung anerkannt.
- Leichte Magen-Darm-Beschwerden: Ebenfalls traditionell anerkannt zur Linderung leichter Beschwerden von Magen und Darm, etwa bei Völlegefühl oder Blähungen.
- Entspannung: In der griechischen Volksheilkunde als ausgleichender Abendtee geschätzt; eine Studie fand Hinweise auf eine Verringerung der Anspannung.
- Geistige Leistungsfähigkeit: In einer kontrollierten Studie mit älteren Erwachsenen zeigten sich einzelne Verbesserungen bei Aufmerksamkeitsaufgaben; die Datenlage ist noch begrenzt.
- Antioxidative Eigenschaften: Im Labor zeigen Bergtee-Aufgüsse und -Extrakte deutliche antioxidative Aktivität, was mit dem hohen Polyphenolgehalt erklärt wird. Ein gesundheitlicher Nutzen beim Menschen lässt sich daraus allein nicht ableiten.
Atemwege und Erkältung
Auf dem Balkan ist der heiße Bergtee seit Generationen das klassische Hausmittel in der Erkältungszeit, oft mit Honig und Zitrone. Diese lange Tradition hat die EMA 2016 in einer eigenen Monographie gewürdigt: Bergtee darf als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Husten bei Erkältung eingesetzt werden. Die Einstufung beruht auf der langjährigen, sicheren Verwendung und nicht auf klinischen Wirksamkeitsstudien. Halten die Beschwerden länger als eine Woche an, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Weitere Hinweise finden Sie unter Husten – Hausmittel und Halsentzündung.
Magen und Verdauung
Als zweites traditionelles Anwendungsgebiet nennt die EMA leichte Beschwerden von Magen und Darm. Volksmedizinisch wird der Tee nach schweren Mahlzeiten, bei Völlegefühl und leichten Magen-Darm-Krämpfen getrunken. Bestehen die Beschwerden länger als zwei Wochen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Siehe auch Verdauungsstörungen.
Stress, Anspannung und Gedächtnis
In Laborversuchen hemmten Bergtee-Extrakte die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Das hat Interesse an möglichen Effekten auf Stimmung und Gehirn geweckt. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie (Wightman und Mitarbeiter, 2018) mit 155 Personen zwischen 50 und 70 Jahren führte ein Bergtee-Extrakt in der höheren Dosis nach vier Wochen zu weniger Fehlern in einer Aufmerksamkeitsaufgabe und zu geringerer momentaner Ängstlichkeit. Die Autoren vermuten, dass die bessere Leistung vor allem mit der verringerten Anspannung zusammenhängt. Es handelt sich um Extrakte, nicht um Tee, und die Ergebnisse müssen noch bestätigt werden. Bei anhaltendem Stress, Ängsten oder Vergesslichkeit ersetzt Bergtee keine ärztliche Abklärung. Mehr zum Thema Gedächtnis und Beruhigung und Entspannung.
Abwehrkräfte
Volkstümlich gilt Bergtee als Tee, der die Abwehrkräfte stärkt. Belege für eine Wirkung auf das Immunsystem beim Menschen gibt es nicht. Als warmes, wohlschmeckendes Getränk trägt er aber zu einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr bei, die bei Erkältung und Grippe wichtig ist.
Anwendung und Dosierung
- Tee laut EMA-Monographie: 2 bis 4 g des zerkleinerten Krauts mit 150 bis 200 ml kochendem Wasser übergießen, 2- bis 3-mal täglich trinken; die Tageshöchstmenge beträgt 12 g.
- Zubereitung in der Praxis: Die ganzen Stängel werden vor dem Aufgießen in kleinere Stücke gebrochen. In Griechenland wird der Tee meist kurz mitgekocht oder 5 bis 10 Minuten zugedeckt ziehen gelassen; so bleiben auch die flüchtigen Duftstoffe erhalten.
- Geschmack: mild, leicht süßlich-blumig, mit zitroniger Note. Ein Löffel Honig oder eine Scheibe Zitrone passen gut dazu.
- Altersgruppe: Die EMA empfiehlt die arzneiliche Anwendung nur für Erwachsene, weil für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine ausreichenden Daten vorliegen.
- Dauer: Bei Husten länger als eine Woche bzw. bei Magen-Darm-Beschwerden länger als zwei Wochen ärztlichen Rat einholen.
Äußerliche Anwendungen wie Umschläge oder Massageöle mit Bergtee sind volkstümlich überliefert, aber nicht Gegenstand der EMA-Bewertung.
Geschichte und Überlieferungen
Pflanzen mit dem Namen „Sideritis“ werden bereits in der antiken Heilpflanzenliteratur erwähnt, etwa bei Dioskurides im 1. Jahrhundert. Der Name wird meist damit erklärt, dass die Pflanze zur Behandlung von Wunden durch eiserne Waffen verwendet wurde. Welche Pflanzen die antiken Autoren damit genau meinten, lässt sich allerdings nicht sicher sagen.
Gesichert ist die lange volksmedizinische Tradition in Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien und Albanien. Hirten und Bergbauern sammelten das Kraut im Sommer und tranken den Tee bei Erkältungen, Husten, Magenbeschwerden und zur allgemeinen Stärkung. Bis heute ist Bergtee in Griechenland ein Alltagsgetränk, das in vielen Haushalten vorrätig ist. Die Anerkennung durch die EMA im Jahr 2016 hat diese Überlieferung offiziell dokumentiert.
Griechischer Bergtee ist in Österreich in Drogerien, Apotheken und Reformhäusern als loser Tee erhältlich. Achten Sie auf eine klare Angabe der botanischen Art und der Herkunft.
Gegenanzeigen und Wechselwirkungen
- Allergie: Nicht anwenden bei Überempfindlichkeit gegen Sideritis oder andere Lippenblütler wie Salbei, Thymian, Minze oder Oregano.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit ist nicht belegt; die EMA rät von einer arzneilichen Anwendung ab.
- Kinder und Jugendliche: Für die Anwendung unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor.
- Nebenwirkungen: Laut EMA-Monographie sind keine bekannt. Treten dennoch Beschwerden auf, die Anwendung beenden.
- Wechselwirkungen: Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind nicht berichtet. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, etwa gerinnungshemmende Mittel, sollte die regelmäßige Anwendung dennoch ärztlich oder in der Apotheke abstimmen, da systematische Untersuchungen fehlen.
- Warnzeichen: Bei hohem Fieber, Atemnot, blutigem oder eitrigem Auswurf, starken oder anhaltenden Bauchschmerzen sowie bei Verschlechterung der Beschwerden umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Regulatorische Einordnung in der EU
Für das Kraut von Sideritis scardica, S. clandestina, S. raeseri und S. syriaca hat der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA im Februar 2016 eine Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel verabschiedet (Husten bei Erkältung, leichte Magen-Darm-Beschwerden). Eine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe für Bergtee als Lebensmittel gibt es in der EU nicht.
Häufige Fragen und Antworten
-
Wie wird Griechischer Bergtee zubereitet?
Für eine Tasse Tee übergießen Sie einen Teelöffel getrockneten Bergtee mit kochendem Wasser und lassen ihn 5-10 Minuten ziehen. -
Welche gesundheitlichen Vorteile hat dieser Tee?
Griechischer Bergtee kann antioxidative, entzündungshemmende und immunstärkende Eigenschaften haben. -
Kann ich Griechischen Bergtee während der Schwangerschaft trinken?
Schwangere Frauen sollten vor dem Verzehr ärztlichen Rat einholen, da er blutverdünnende Eigenschaften haben kann. -
Wie schmeckt Griechischer Bergtee?
Griechischer Bergtee schmeckt mild, blumig und leicht süßlich mit einer feinen Zitrusnote und enthält kein Koffein. Er wird gerne pur, mit etwas Honig oder einer Scheibe Zitrone getrunken und eignet sich gut als Abendtee. -
Gibt es verschiedene Arten von Sideritis?
Ja, es gibt mehrere Arten von Sideritis, die für die Teezubereitung verwendet werden. Die bekanntesten sind Sideritis scardica und Sideritis raeseri.
Quellen und weiterführende Informationen
- Romanucci V et al. (2017): Traditional uses, chemical composition and biological activities of Sideritis raeseri Boiss. & Heldr. J Sci Food Agric 97(2):373-383. -> PubMed PMID 27342219
- Wikipedia: Sideritis (Griechischer Bergtee)
- Wikipedia (EN): Sideritis (EN)
- PMC: Sideritis scardica (Greek Mountain Tea) Extract - Cognitive and Cerebral Blood Flow Effects (RCT)
- PMC: Comprehensive Phytochemical Analysis of Sideritis scardica Infusion
- PubMed: Sideritis scardica tea induces cellular antioxidant defences vs oxidative stress
- European Medicines Agency (EMA): Sideritis herba – EU-Monographie (EMA/HMPC/39453/2015, verabschiedet 2016)
Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.

Über den Autor
Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax
Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.
Die bereitgestellten Informationen dienen der allgemeinen Wissensvermittlung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
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