Grippe (Influenza): Ursachen, Symptome & was hilft

Kraeutermax Lexikon Grippe

Was ist die Grippe?

Die echte Grippe, medizinisch Influenza, ist eine akute, ansteckende Infektion der Atemwege durch Influenzaviren. Sie ist nicht mit dem „grippalen Infekt“ zu verwechseln: Eine gewöhnliche Erkältung wird von vielen verschiedenen, meist harmloseren Viren verursacht, beginnt schleichend und verläuft milder. Die Influenza dagegen setzt typischerweise schlagartig ein und kann schwer verlaufen.

Für den Menschen bedeutsam sind vor allem Influenza-A- und Influenza-B-Viren. Ihre Oberflächen tragen die Eiweiße Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), nach denen die A-Subtypen benannt werden, etwa H1N1 oder H3N2. Weil sich diese Viren laufend leicht verändern, schützt eine überstandene Grippe oder Impfung nicht dauerhaft, und der Impfstoff wird jedes Jahr neu angepasst. Größere Veränderungen, etwa durch Austausch von Erbgut mit Tierviren, können Pandemien auslösen – wie die „Spanische Grippe“ von 1918 oder die „Schweinegrippe“ von 2009.

In Mitteleuropa tritt die Grippe saisonal auf, die Grippewellen liegen meist zwischen Dezember und April. In jeder Saison erkrankt ein erheblicher Teil der Bevölkerung, und vor allem bei älteren und vorerkrankten Menschen fordert die Influenza jedes Jahr zahlreiche Todesopfer.

Ursachen

Ursache sind ausschließlich Influenzaviren. Sie werden vor allem über Tröpfchen und feine Aerosole beim Husten, Niesen und Sprechen übertragen, außerdem über die Hände, wenn diese mit Viren behaftete Oberflächen berühren und dann Mund, Nase oder Augen. In schlecht gelüfteten Räumen und bei engem Kontakt, etwa in Familien, Schulen, Büros und Pflegeheimen, verbreitet sich das Virus besonders schnell.

Die Inkubationszeit ist kurz und beträgt meist ein bis zwei Tage. Ansteckend sind Erkrankte oft schon kurz vor Beginn der Beschwerden und in der Regel etwa vier bis fünf Tage danach; Kinder und Menschen mit geschwächter Abwehr können das Virus länger ausscheiden.

Wer ist besonders gefährdet?

  • Menschen ab etwa 60 Jahren
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Schwangere
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen von Herz, Lunge (etwa Asthma oder COPD), Nieren oder Leber sowie mit Diabetes
  • Personen mit geschwächtem Immunsystem und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen
  • Menschen mit starkem Übergewicht

Symptome

Typisch für die Grippe ist der plötzliche Beginn – Betroffene können oft die Stunde nennen, in der es „losging“:

  • rasch ansteigendes, hohes Fieber, häufig mit Schüttelfrost
  • starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl und Erschöpfung
  • trockener Reizhusten, Halsschmerzen
  • gelegentlich Schnupfen; bei Kindern auch Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall

Nicht jede Infektion verläuft so typisch: Ein Teil der Infizierten hat nur leichte Beschwerden oder bemerkt die Infektion gar nicht – kann das Virus aber trotzdem weitergeben. Ältere Menschen haben manchmal kaum Fieber.

Wie lange dauert eine Grippe?

Das Fieber und die akuten Beschwerden halten bei unkompliziertem Verlauf meist fünf bis sieben Tage an. Husten, Müdigkeit und Leistungsschwäche können jedoch noch zwei Wochen oder länger bestehen bleiben. Bis zur vollen Belastbarkeit vergeht oft deutlich mehr Zeit als bei einer Erkältung; Sport sollte erst nach völliger Erholung wieder aufgenommen werden.

Mögliche Komplikationen

Die wichtigste Komplikation ist die Lungenentzündung, entweder durch das Virus selbst oder durch Bakterien, die sich auf die geschwächten Atemwege setzen. Typisch ist ein erneuter Fieberanstieg nach anfänglicher Besserung. Weitere Komplikationen sind Bronchitis, Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen (vor allem bei Kindern), eine Herzmuskelentzündung sowie die Verschlechterung bestehender Herz- und Lungenerkrankungen. In den Tagen nach einer Influenza ist zudem das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.

Heilwirkung

Anwendungsbereiche und gesundheitliche Vorteile:

  • Holunder- und Lindenblüten – als heißer Tee traditionell schweißtreibend bei fieberhaften Erkältungen; mit EMA-Monographien im Bereich Erkältung.
  • Weidenrinde – enthält Salicylverbindungen; von der EMA traditionell bei Fieber im Rahmen einer Erkältung und bei Kopfschmerzen eingestuft, nur für Erwachsene.
  • Thymian und Honig – lindern Hustenreiz; Thymian ist von der EMA traditionell bei Husten im Rahmen einer Erkältung anerkannt.
  • Latschenkiefer und Tannenwipfel – ätherische Öle zur Inhalation oder Einreibung, traditionell zur Befreiung der Atemwege.
  • Zistrose und Propolis – im Labor antiviral, auch gegen Influenzaviren; Belege beim Menschen fehlen weitgehend.
  • Vitamin C, Vitamin D und Zink – tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei (zugelassene EU-Aussage); eine Grippe verhindern sie nicht.
  • Grapefruitkernextrakt – wird zur Abwehrstärkung beworben; eine eigene antimikrobielle Wirkung ist nicht belegt.

Wichtig: Kein Naturheilmittel kann die Grippe heilen oder die Impfung ersetzen. Pflanzliche Mittel können Beschwerden lindern und die Erholung begleiten.

Fieber und Gliederschmerzen

Fieber ist eine sinnvolle Abwehrreaktion und muss nicht immer gesenkt werden. Traditionell werden Holunderblüten und Lindenblüten als heißer Tee getrunken, um die Schweißbildung anzuregen; für beide bestehen EMA-Monographien zur traditionellen Anwendung bei Erkältungen. Die Weidenrinde ist die „Urform“ der Acetylsalicylsäure. Die EMA führt sie traditionell zur Linderung von Fieber bei Erkältung und bei Kopfschmerzen – aber nur für Erwachsene, da Salicylate bei Kindern und Jugendlichen mit Virusinfekten das seltene, gefährliche Reye-Syndrom begünstigen können. Aus demselben Grund dürfen Kinder und Jugendliche mit Grippe keine Acetylsalicylsäure erhalten.

Husten und Atemwege

Thymian wirkt krampflösend und auswurffördernd und ist von der EMA traditionell bei Husten im Rahmen einer Erkältung anerkannt. Honig in warmem Tee lindert den Hustenreiz; Säuglinge unter zwölf Monaten dürfen jedoch keinen Honig bekommen. Die ätherischen Öle der Latschenkiefer und der Tannenwipfel werden traditionell als Inhalation, Einreibung oder Sirup bei verschleimten Atemwegen verwendet; sie empfinden viele als wohltuend, klinische Studien zur Grippe fehlen. Achtung: Stark riechende ätherische Öle dürfen bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesichtsbereich angewendet werden, da sie gefährliche Atemkrämpfe auslösen können. Auch Menschen mit Asthma reagieren mitunter empfindlich. Weitere Tipps finden Sie unter Hausmittel bei Husten.

Zistrose, Propolis und Grapefruitkernextrakt

Extrakte der Zistrose hemmten im Labor die Vermehrung von Influenzaviren; ihre Polyphenole sollen das Andocken der Viren an Zellen erschweren. Auch Propolis zeigt im Reagenzglas antivirale Eigenschaften. Ob das bei Menschen eine Grippe verhindert oder verkürzt, ist nicht ausreichend untersucht; Propolis kann zudem Allergien auslösen. Bei Grapefruitkernextrakt ist Zurückhaltung angebracht: Eine Untersuchung von von Woedtke und Kollegen (1999) fand die antimikrobielle Wirkung handelsüblicher Extrakte nur in Proben, die synthetische Konservierungsmittel enthielten; selbst hergestellte Extrakte aus Kernen und Fruchtfleisch zeigten keine Wirkung. Grapefruit ist außerdem für Wechselwirkungen mit Arzneimitteln bekannt.

Vitamine und Mineralstoffe

Ein Mangel an Vitamin C, Vitamin D oder Zink schwächt die Abwehr und sollte ausgeglichen werden. Bei gut versorgten Menschen verhindern zusätzliche Gaben eine Influenza nicht; für Vitamin C gibt es allenfalls Hinweise auf eine etwas kürzere Dauer von Erkältungen bei regelmäßiger Einnahme. Mehr zur Abwehr lesen Sie unter Immunsystem stärken.

Was Sie selbst tun können

  • Impfen lassen: Die jährliche Grippeimpfung ist der wirksamste Schutz vor schweren Verläufen. Der österreichische Impfplan empfiehlt sie grundsätzlich allen Menschen ab dem siebenten Lebensmonat, besonders aber Risikogruppen, Schwangeren und Personen, die mit Gefährdeten zusammenleben oder arbeiten. Idealer Zeitpunkt ist der Herbst, vor Beginn der Grippewelle.
  • Hygiene: regelmäßig gründlich Hände waschen, in die Armbeuge husten und niesen, Räume lüften, in der Grippesaison Abstand zu Erkrankten halten.
  • Im Krankheitsfall zu Hause bleiben: Bettruhe einhalten, andere nicht anstecken, Kontakt zu Risikopersonen meiden.
  • Viel trinken: Fieber und Schwitzen erhöhen den Flüssigkeitsbedarf; Wasser, Kräutertees und warme Suppen sind ideal.
  • Leicht essen und dem Körper Ruhe gönnen; ausreichend Schlaf unterstützt die Erholung.
  • Feuchte Raumluft und Dampfinhalationen können gereizte Schleimhäute beruhigen (siehe auch Nase und Nebenhöhlen freibekommen).
  • Keine Antibiotika auf Verdacht: Sie wirken gegen Viren nicht. Gegen Influenza gibt es eigene antivirale Medikamente, die am besten innerhalb von 48 Stunden nach Beschwerdebeginn eingenommen werden und vor allem für Risikopatienten in Frage kommen.
  • Erholung abwarten: Erst wieder Sport treiben, wenn Fieber und Krankheitsgefühl vollständig abgeklungen sind.

Wann zum Arzt?

Gehören Sie zu einer Risikogruppe, sollten Sie bei Grippeverdacht frühzeitig ärztlichen Rat einholen, damit über eine antivirale Behandlung entschieden werden kann. Rufen Sie Ihre Ordination am besten vorher an, um andere Patientinnen und Patienten nicht anzustecken. Unabhängig davon ist eine ärztliche Abklärung nötig bei:

  • Fieber über 39 °C, das länger als drei Tage anhält, oder erneutem Fieberanstieg nach einer Besserung,
  • Atemnot, schneller Atmung, Schmerzen in der Brust oder blutigem Auswurf,
  • starkem Schwindel, Verwirrtheit oder Benommenheit,
  • Zeichen von Austrocknung, etwa sehr wenig Harn,
  • Säuglingen und Kleinkindern mit Fieber, Trinkschwäche, Teilnahmslosigkeit oder auffälliger Atmung,
  • Verschlechterung einer chronischen Erkrankung.

Bei schwerer Atemnot, bläulichen Lippen, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfällen sofort den Notruf (144) wählen.

Häufige Fragen und Antworten

  1. Kann man sich gegen die Grippe impfen lassen?
    Ja. Die Grippeimpfung ist der wirksamste Schutz vor schweren Verläufen und muss jedes Jahr erneuert werden, weil sich die Viren laufend verändern. Der österreichische Impfplan empfiehlt sie grundsätzlich allen ab dem siebenten Lebensmonat, besonders Risikogruppen und Schwangeren; ideal ist eine Impfung im Herbst.
  2. Welche Hausmittel helfen bei der Linderung von Grippe-Symptomen?
    Neben den bereits erwähnten natürlichen Heilmitteln sind Ruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und warme Suppen hilfreich.
  3. Wie lange dauert die Genesung von der Grippe normalerweise?
    Fieber und akute Beschwerden dauern meist fünf bis sieben Tage. Husten, Müdigkeit und Leistungsschwäche können aber zwei Wochen oder länger anhalten, bei Komplikationen auch deutlich länger. Sport erst nach vollständiger Erholung wieder aufnehmen.
  4. Sollte man bei Grippe Antibiotika einnehmen?
    Nein, Antibiotika sind gegen Viren wie die Grippe wirkungslos. Sie werden nur bei bakteriellen Infektionen verschrieben.
  5. Wann sollte man einen Arzt aufsuchen, wenn man die Grippe hat?
    Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn die Symptome schwerwiegend sind, Atembeschwerden auftreten oder die Grippe bei gefährdeten Gruppen diagnostiziert wurde.
  6. Was ist der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung?
    Eine echte Grippe beginnt meist plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopf- und Gliederschmerzen und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Eine Erkältung entwickelt sich dagegen langsam mit Schnupfen, Halskratzen und allenfalls leichtem Fieber. Die Grippe dauert meist länger und kann vor allem bei älteren oder vorerkrankten Menschen Komplikationen wie eine Lungenentzündung verursachen.

Quellen und weiterführende Informationen

Die oben genannten Informationen sind allgemein gehalten und ersetzen nicht die Beratung durch medizinisches Fachpersonal.


Christoph Zauner, Drogist und Inhaber Kräutermax

Über den Autor

Christoph Zauner – Drogist & Inhaber Kräutermax

Dieser Beitrag wurde fachlich von Christoph Zauner, Drogist und Inhaber der Drogerie Kräutermax in Ried im Innkreis, erstellt bzw. geprüft. Kräutermax verbindet seit 1890 traditionelles Kräuterwissen mit moderner Fachberatung und sorgfältiger Produktauswahl. Ziel unserer Lexikonbeiträge ist es, verständliche Informationen zu Pflanzen, Inhaltsstoffen und traditionellen Anwendungen bereitzustellen – sachlich, verantwortungsvoll und ohne übertriebene Versprechen.

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